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Sprachmittlung

Aufgabenstellung

Your US exchange partner has to give a presentation in class about a German tradition and decides to talk about travelling journeymen, as he /she saw one in your hometown last summer. He /She asks you for some help.

Using the information in the text, write an email in which you present the tradition of travelling journeymen and the situation now.

Text

Mann mit Hut auf einer Baustelle vor einem GebäudeMann mit Hut auf einer Baustelle vor einem Gebäude

Andrea Döring, „Mit Stock und Hut auf Wanderschaft gehen“ (2018)

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Hut, Stock und ein Bündel – der freundliche junge Mann
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mit den langen Rasta-Locken ist unschwer als Wander-
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geselle zu erkennen. An einer Raststätte an der A61 in
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Rheinland-Pfalz fragt er nach einer Mitfahrgelegenheit.
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Bis Worms passen die Pläne zusammen, und das
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kleine Bündel, auch Charlottenburger genannt, hat
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locker Platz im Kofferraum. Konstantin Schäfer stammt
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aus Saarlouis und ist Zimmermann. Gerade kommt der
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24-Jährige von einer Feier in der Eifel. Jetzt ist er auf dem Weg zu seinem bislang
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letzten Arbeitgeber im südhessischen Heppenheim. Der soll ihm in seinem Wander-
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buch noch ein Zeugnis ausstellen.
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Das Wanderbuch, der knotige Stock, auch Stenz genannt, und das Bündel gehören
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zur Grundausstattung jedes Wandergesellen dazu. Stolz trägt Schäfer den traditionel-
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len schwarzen Hut, einen Ohrring, ein weißes Hemd, darüber eine Weste mit acht Perl-
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muttknöpfen, ein Jackett und weite Schlaghosen. Seine Kluft ist schwarz. Das weist
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ihn als Zimmermann aus, denn jedes Gewerk hat seine eigene Farbe.
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Wer Meister werden wollte, musste vom Spätmittelalter bis zur beginnenden In-
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dustrialisierung auf Wanderschaft gehen. Arbeits- und Lebenserfahrung sollten die
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jungen Männer sammeln. In ungefähr 35 Handwerken ist das bis heute möglich:
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Bäcker, Betonbauer, Bootsbauer, Goldschmiede, Köche, Landwirte, Maurer und
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Schneider gehören etwa dazu.
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„Es ist wunderbar, wenn junge Menschen Erfahrungen sammeln. In der Bäckerei
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habe ich Wandersleute allerdings noch nie gesehen“, erzählt Peter Görtz, Inhaber einer
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großen Bäckerei-Kette in Ludwigshafen und Umgebung. „Ich würde sofort 20 neh
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men.“
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Maternus Burauen von der IG Bau und erster Sekretär der Conföderation Europäi-
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scher Gesellenzünfte (CCEG) schätzt, dass derzeit etwa 450 bis 550 Gesellen auf der
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Walz sind. Eine offizielle Statistik gibt es nicht. Aktuell seien schätzungsweise zehn
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bis zwanzig Prozent der Wandersleute Frauen. […]
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Seit 2014 gehört die Walz in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe der
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UNESCO. Wer sich auf sie begeben will, muss einige Regeln beachten: Er muss in
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einem Handwerk einen Gesellenbrief erlangt haben, unverheiratet sowie schuldenfrei
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sein. Die Wanderschaft dauert zwei oder drei Jahre – und einen Tag. In dieser Zeit darf
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man sich seinem Heimatort bis auf 50 Kilometer nicht nähern. Ursprünglich war dies
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als Marktkontrolle für die Meister gedacht – ihre Gesellen sollten woanders ihr Glück
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finden und ihnen keine Konkurrenz machen.
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„Ich hatte Fernweh“, sagt Schäfer. Seit fast zwei Jahren ist er schon unterwegs.
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Durch Holland, Belgien, Frankreich, Österreich, die Schweiz und Israel führte ihn be-
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reits sein Weg. „Viele unterschiedliche Arbeitstechniken habe ich kennengelernt, aber
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wichtiger als die handwerkliche ist die Erfahrung mit Menschen und die Selbsterkennt-
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nis“, sagt er.
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„Beim Österreichischen Hospiz in Jerusalem habe ich am Eingangsportal Schuss-
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löcher zugespachtelt“, berichtet er. Welche Arbeitgeber Schäfer nach seinem Besuch
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in Heppenheim findet, ist offen. Der Geselle will nach Norwegen. „Die zahlen gut“,
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hofft er. Der Lohn richtet sich nach den ortsüblichen Tarifen. Üblich ist oft auch Kost
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und Logis.
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In Worms am Dom ist die gemeinsame Fahrt zu Ende, es bleibt noch der Weg bis
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Heppenheim. Dort hat sich Schäfers zwischenzeitlicher Arbeitgeber und früherer Alt-
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geselle Jerome Schmitt bereits mit 25 Jahren selbstständig gemacht. „Ich habe ihn
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unter meine Fittiche genommen, habe ihm beigebracht, wie das Leben auf der Land-
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straße funktioniert, wie man Arbeit findet, als ich vor zwei Jahren selber noch unter-
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wegs war“, berichtet Schmitt. „Wer auf Wanderschaft geht, hat schon ein gewisses
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handwerkliches Know-how. Man lernt mehr im Bereich des Menschlichen“, erzählt
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er. „Wichtig ist das vor allem bei problematischen Kunden. Man ist pragmatisch und
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zielorientiert, wirft nicht so schnell die Flinte ins Korn“, sagt er zum Wert der alten
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Traditionen. „Man gibt sein Wort, man lässt sich festnageln.“
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Festnageln ist dabei im buchstäblichen Sinne gemeint. „Man wird auch heute noch
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mit dem Ohrläppchen an einen Balken genagelt. Dann bekommt man Ringe an die
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Ohren. Ursprünglich waren die dazu da, die Beerdigung zu bezahlen, wenn man
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unterwegs stirbt“, sagt Schmitt. Im Zeitalter von Piercings und Tattoos wirkt das aber
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gar nicht mehr so archaisch. Und ganz modern erscheint auch die Idee der Walz, an
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verschiedenen Orten zu leben und zu arbeiten.

638 Wörter

Foto: picture alliance /Andrea Döring/dpa | Andrea Döring

Text: Andrea Döring: Mit Stock und Hut auf Wanderschaft gehen, DPA vom 28. 05. 2018

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Anmerkungen

16 Gewerk – Handwerk

28 Walz – Wanderschaft eines Handwerksgesellen

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