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Inhaltsverzeichnis

Sprachmittlung

Aufgabenstellung

You are taking part in a German-American youth project in which the participants share information about changing traditions. You have decided to focus on the role of porcelain in Germany.

Based on the interview below, write an article for the project website in which you describe the current situation of manufacturing and using porcelain in Germany and the developments responsible for it.

Text

„Zurück zur Tischkultur“ – Interview von Sophie Hilgenstock

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Herr Holler, ist das nur so ein Gefühl, oder erlebt Porzellan tatsächlich gerade
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eine Renaissance?
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Nein, anhand der Zahlen können wir leider nicht erkennen, dass es eine Renaissance
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gibt. In diesem Jahr hatten die deutschen Porzellanhersteller im Vergleich zum Vorjahr
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einen Umsatzrückgang von 5,1 Prozent. Ähnlich sah es im letzten Jahr aus. Daher ist
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es schwierig zu behaupten, Porzellan erlebe eine Renaissance. Lediglich im Projekt-
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geschäft, also im professionellen Bereich, ist die Nachfrage zuletzt gestiegen. In Gast-
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stätten, Seniorenwohnanlagen und Krankenhäusern wird neuerdings wieder mehr Wert
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auf gutes Geschirr gelegt, dort konnten die deutschen Porzellanhersteller in den ver-
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gangenen Jahren große Erfolge feiern.

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Wie sieht es in Privathaushalten aus? Spätestens zu Weihnachten ist gutes Ges-
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chirr doch der Renner.
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Das ist richtig. Je näher Weihnachten rückt, umso besser läuft das Geschäft. Viele
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Kunden haben es dabei vor allem auf die Weihnachtskollektionen abgesehen, die viele
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Hersteller im Angebot haben. Gemeint ist Porzellan mit Weihnachtsdekor, also mit
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Tannenbäumen, Glocken und Nikoläusen. Diese Porzellanlinien funktionieren gut,
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speziell bei Familien mit Kindern.

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Woran liegt es, dass Porzellan ansonsten aus der Mode ist?
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Das hat mehrere Gründe. Der wohl wichtigste Faktor ist, dass jüngere Generationen
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weniger Wert auf hochwertiges Porzellan und Essen am gedeckten Tisch legen. Die
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sonntägliche Kaffeetafel, Familienfeiern zu Hause, Gäste zum Abendessen – die An-
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lässe, das gute Geschirr aus dem Schrank zu holen, sind aus der Mode gekommen. Wer
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greift heute noch zur Kaffeekanne aus Porzellan? Man stellt seinen Becher direkt unter
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den Kaffeeautomaten oder läuft mit Thermobecher aus dem Haus. Das ist ein Kultur-
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wandel, den man nur in Teilen auffangen kann – etwa, indem die Geschirrhersteller
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Coffee-to-go-Becher aus Porzellan herstellen, die man immer wieder verwenden kann.
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Aber den Trend halten wir nicht auf.

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Einst war die Porzellanmarke identitätsstiftend. Gilt Porzellan heute noch als
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Statussymbol?
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Nicht mehr so wie früher. Es ist nicht mehr die Regel, dass jede Familie ein gutes
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Geschirr besitzt oder auf eine bestimmte Marke schwört. Porzellan gehört auch nicht
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mehr typischerweise zur Aussteuer. Es gibt zwar noch Hochzeitspaare, die zur Trau-
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ung ein bestimmtes Service bekommen, aber die sind aus unserer Sicht viel zu selten
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geworden – die meisten wünschen sich Geld für die Hochzeitsreise. Schaut man sich
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an, wofür junge Menschen heute Geld ausgeben, liegen die Prioritäten ganz klar wo-
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anders: Es ist kein Problem, sich für 800 Euro ein Handy zu kaufen, bei hochwertigem
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Porzellan sieht es oft anders aus.

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Wie wollen Sie das ändern?
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Mit modernem Design, guter Qualität und pfiffigen Ideen. Das Ziel muss es sein, sich
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von den Billigimporten aus Asien abzuheben. Außerdem müssen wir Online als Ver-
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triebsweg ausbauen. Uns sterben zunehmend die Fachhändler weg – gab es früher in
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jeder Kleinstadt ein klassisches Haushaltswarengeschäft, machen heute etwa 40 Fach-
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geschäfte pro Jahr in den Innenstädten dicht. Aber Porzellan will man anfassen, bevor
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man es kauft. Der Onlinehandel ist damit eine Herausforderung.

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Deutschland war einmal Porzellanland. Was ist schiefgelaufen?
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Deutschland ist in Europa weiterhin der größte Standort der Porzellanherstellung, und
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ich bin sicher, das wird auch so bleiben. Die Herausforderungen allerdings werden
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nicht kleiner. Der Endverbraucher greift oft lieber zur Dumpingware aus China – also
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zu Porzellan, das weit unter Herstellungskosten auf den Markt geschwemmt wird. In-
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zwischen gibt es deshalb auf chinesische Importware Strafzölle. Aber damit sind die
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Probleme nicht vom Tisch: Die politischen Rahmenbedingungen für die deutschen
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Porzellanhersteller sind schwierig. Sie haben europaweit die höchsten Energiekosten
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und die höchste Abgabenlast. […]

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Wie schaffen es altehrwürdige Häuser wie Meissen, KPM oder Fürstenberg,
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sich am Markt zu halten?
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In den letzten Jahren sind mit Russland oder dem Vorderen Orient wichtige Export-
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märkte weggebrochen. Je mehr Krisen und Kriege die Welt erschüttern, umso schwie-
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riger wird es auch für die Produzenten von kunsthandwerklich hergestelltem Porzellan.
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Nichtsdestoweniger gibt es weiterhin ein großes Interesse an individuellen, hochwer-
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tigen Produkten – von Porzellanfiguren über handbemalte Vasen bis hin zu aufwendig
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gestalteten Tellern. Wer heute noch am Markt ist, hat bewiesen, dass er sich trotz
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schwierigster Rahmenbedingungen mit seinen Produkten durchsetzen kann – von da-
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her sehe ich nicht schwarz.

645 Wörter

Quelle: Hergt, K. und Hilgenstock, S. (2018, 10. Dezember). „Zurück zur Tischkultur: Ein Besuch in der Manufaktur Fürstenberg“. Leipziger Volkszeitung. https://www.lvz.de/Nachrichten/Panorama/Zurueck-zur-Tischkultur-Ein-Besuch-in-der-Porzellanmanufaktur-Fuerstenberg.

Anmerkungen

1 Christoph René Holler – Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Keramische Industrie

21 Kaffeetafel – ein festlich gedeckter Tisch für Kaffee und Kuchen am Nachmittag

32 Aussteuer – Ausstattung für den künftigen Haushalt, die eine Braut traditionell von ihrer Familie zur Hochzeit geschenkt bekam

32 KPM – Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin

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