Aufgabe 2 – Verfassen informierender Texte
Thema
Materialgestütztes Verfassen informierender Texte
Umbrüche in der deutschsprachigen Literatur um 1900
Die Schriftsteller und der Krieg
Aufgabenstellung
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Im Rahmen einer Projektwoche deiner Schule zum Thema „Kunst und Krieg in verschiedenen historischen Zeiträumen“ beschäftigte sich dein Deutschkurs mit der Kriegsbegeisterung vieler Schriftsteller der Moderne.
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Die Erkenntnisse zu den Einstellungen deutschsprachiger Schriftsteller um 1900 zum Krieg sollen der Schulgemeinschaft sowie der interessierten Öffentlichkeit in einem Themenheft zur Verfügung gestellt werden.
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Verfasse dafür einen informierenden Beitrag.
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Nutze dazu die folgenden Materialien 1 bis 5 und beziehe Kenntnisse zu den Umbrüchen in der deutschsprachigen Literatur um 1900 ein.
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Formuliere eine geeignete Überschrift.
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Verweise auf die Materialien erfolgen unter Angabe des Namens des Autors und ggf. des Titels.
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Der Beitrag sollte ca. 1000 Wörter umfassen.
Material
M1
Gedanken im Kriege (1914)
Thomas Mann
Anmerkung: Der Autor (*1875 – †1955) wurde 1929 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.
Quelle: Mann, Thomas: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden. Nachträge. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1990, S. 530 – 532.
M2
Von Vernichtungslust und Untergangsangst – Nationalismus, Krieg, Apokalypse (1993)
Klaus Vondung
Anmerkung: Der Verfasser (*1941) ist Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte und Allgemeine Literaturwissenschaft.
Quelle: Funkkolleg Literarische Moderne. Europäische Literatur im 19. und 20. Jahrhundert. Studienbrief 3. Hg. vom Deutschen Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen. Tübingen: Deutsches Institut für Fernstudien 1993, S. 9/11 – 9/19.
M3
Grauen fällt uns an (2012)
Andreas Pehnke
Anmerkung: Der Verfasser (*1957) ist Professor für Allgemeine Pädagogik.
1 anarchosyndikalistischer Revolutionär: Angehöriger einer sozialrevolutionären Bewegung, die auf der Basis von Selbstorganisation und Solidarität die Arbeiterschaft zu organisieren und zum Kampf für den Kommunismus zu mobilisieren versuchte.
Quelle: Pehnke, Andreas: Grauen fällt uns an. In: DIE ZEIT 32 (2012). URL : https://www.zeit.de/2012/32/Wilhelm-Lamszus-Menschenschlachthaus (Stand: 25.09.2024).
M4
Zeitenwende 1914 (2014)
Steffen Bruendel
Anmerkung: Der Verfasser (*1970) ist Historiker und Wissenschaftsmanager.
1 Alle im Text genannten Persönlichkeiten sind Schriftsteller, die um die Jahrhundertwende im Deutschen Reich publizierten.
Quelle: Bruendel, Steffen: Zeitenwende 1914. Künstler, Dichter und Denker im Ersten Weltkrieg. München: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung 2014, S. 42 und 78 f.
M5
Vitalismus1 und Kriegsdichtung (1996)
Thomas Anz
Anmerkung: Der Verfasser (*1948) ist Literaturwissenschaftler.
1 Vitalismus: biologische und philosophische Theorie, die eine besondere, nicht erklärbare Lebenskraft annimmt, deren Wirkung alle Lebensformen erhält und entscheidend beeinflusst.
Quelle: Kultur und Krieg: Die Rolle der Intellektuellen, Künstler und Schriftsteller im Ersten Weltkrieg. Hg. von Wolfgang J. Mommsen unter Mitarbeit von Elisabeth Müller-Luckner. München: R. Oldenbourg Verlag 1996, S. 245 – 247.
Sofern nicht anders angegeben, entsprechen Rechtschreibung und Zeichensetzung in allen Materialien der jeweiligen Textquelle.
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„Kunst und Krieg um 1900 – Begeisterung, Vitalismus und expressionistische Perspektiven“
Einleitung
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Um 1900 erlebte die deutschsprachige Literatur große Umbrüche, geprägt von Décadence, Fin de Siècle und Expressionismus.
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Viele Schriftsteller reagierten auf gesellschaftliche Krisen, industrielle Entwicklungen und die politischen Spannungen in Europa.
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Kriegsbegeisterung und Kriegserwartungen sind dabei ein zentrales Thema, das sich in Texten von Thomas Mann, Alfred Lamszus, Rainer Maria Rilke oder Klabund zeigt.
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Ziel des Beitrags ist, die Einstellungen deutschsprachiger Schriftsteller zum Krieg zu informieren, ihre Hintergründe zu erläutern und die literaturhistorische Einordnung zu verdeutlichen (M1–M5).
Hauptteil
Einstieg
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Die Begeisterung vieler Dichter für den Krieg 1914 wird durch Thomas Manns Beobachtungen illustriert: Dichter frohlockten, als der Krieg begann, sahen darin eine Chance für Erneuerung und Ausdruck tiefer Empfindungen (M1, Z. 1–9).
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Mann betont, dass dies kein patriotischer Hurra-Sinn war, sondern ein Ausdruck sittlicher, ästhetischer und psychologischer Empfindungen (M1, Z. 10–13).
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Die besondere Bedeutung von Kriegsmetaphorik und Erneuerungsvorstellungen spiegelt die ästhetische Perspektive um 1900 wider (M2, Z. 1–6).
Befürwortung des Krieges durch Schriftsteller
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Kultur- und geistesgeschichtliche Gründe:
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Wunsch nach Herstellung einer klassenübergreifenden nationalen Einheit, sowie Sehnsucht nach Gemeinschaft (M1, M4, M5).
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Generationenübergreifende Empfindung einer Krisensituation (M2, Z. 20–27).
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Ausdruck vitalistischer Haltung: Betonung von Lebenskraft, Aufbruch und Aktion (M1, M4, M5, Z. 1–7; M5, Z. 1–3).
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Unvorstellbarkeit eines modernen Krieges aufgrund langer Friedenszeit (M1, M4, Z. 2–6).
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Verdruss an überkommenem Frieden, Wunsch nach Erneuerung und Erlebnishunger (M4, Z.4–8; M5, Z. 1–5).
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Ästhetisierung von Gewalt und Untergang als Flucht vor direkter Konfrontation (M2, Z. 5–13).
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Politische und zeitgeschichtliche Einflussgrößen:
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Patriotische, nationalistische und imperialistische Grundstimmung, v.a. zu Beginn des Krieges (M1, M4, M5).
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Falsche Einschätzung der Folgen industrialisierten Krieges (M4, Z. 2–6).
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Wirtschaftliche Interessen der Autoren: Verdienst durch patriotische Literatur, staatliche Zensur erleichtert Verkauf (M3, M4, M5).
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Integration in die Gesellschaft und Literaturbetrieb: Avantgardistische Schriftsteller nutzen Krieg zur Erweiterung ihrer Leserschaft und Positionierung (M4, Z. 26–28).
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Situation kriegsablehnender Schriftsteller
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Pazifistische Literatur wird verdrängt oder diffamiert (M3, Z. 1–4).
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Konkurrenz durch Laien: viele Gedichte und Prophezeiungen aus der Bevölkerung (M4, Z. 9–12).
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Thematische Anpassung, um ökonomisch überleben zu können (M4, Z. 21–28).
Wandel der Wahrnehmung im Verlauf des Krieges
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Ausdruck zunehmend realistischer, die Grausamkeit des Krieges thematisierender Literatur (M5, Z. 5–13).
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Verbreitung resignativer statt vitalistischer Haltung, z. B. antiheroische Kriegslyrik (M5, Z. 5–11).
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Verschiebung von Erneuerungs- zu sozialistischen Utopievorstellungen nach Kriegsende (M5, Z. 24–29).
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Politische Aufladung vormals ästhetischer Themen: Krieg wird zum Prüfstein für gesellschaftliche und humanistische Werte (M5, Z. 16–27).
Domänenspezifisches Wissen und literaturgeschichtliche Einordnung
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Kriegsbegeisterung literarisch einzuordnen in Décadence, Fin de Siècle und Expressionismus.
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Nietzsches Philosophie: Suche nach ekstatischer Selbst- und Welterfahrung, Umwertung aller Werte, „Gott ist tot“ als Hintergrund für expressionistische Perspektiven.
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Vitalismus als Reaktion auf gesellschaftliche Überforderung: Betonung von Lebenskraft und Aufbruch.
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Bezug zu expressionistischen Gedichten der Vorkriegszeit (Lotz, van Hoddis, Heym, Stadler) und später Kriegslyrik (Trakl, Stramm).
Schluss / Fazit
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Um 1900 verbanden viele Schriftsteller Vitalismus, Ästhetisierung von Gewalt und patriotische bzw. nationale Ideale mit einer Faszination für Krieg.
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Die Wahrnehmung und literarische Verarbeitung des Krieges wandelte sich vom euphorischen und vitalistischen Ansatz hin zu realistischen, resignativen und kritischen Darstellungen.
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Expressionistische Kriegslyrik dokumentiert den Schrecken des Krieges und reflektiert zugleich gesellschaftliche Umbrüche und Utopien einer humaneren Zukunft.
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Der informierende Beitrag verdeutlicht, dass literarische Werke um 1900 sowohl Ausdruck von Begeisterung, ästhetischer Erfahrung als auch von kritischer Reflexion und Pazifismus waren.