Aufgabe 3 — Zuckergehalt von Weintrauben
Zur Bestimmung des richtigen Zeitpunkts der Traubenernte messen Winzerinnen und Winzer den Zuckergehalt des Traubensafts. Eine Schülergruppe möchte ein neues Verfahren zur Bestimmung des Zuckergehalts von Weintrauben testen.
Als Vorversuch wird das Schirmbild hinter einem Doppelspalt beobachtet, der an der Innenseite eines zunächst luftgefüllten Glasbeckens befestigt ist (Material 1). Auf dem Schirm entsteht ein Interferenzmuster.
Erkläre die Entstehung der Maxima des Interferenzmusters auf dem Schirm.
Auf dem Schirm (Material 1) misst die Schülergruppe mithilfe eines Geodreiecks für das Maximum 3. Ordnung eine Entfernung von zum Maximum 0. Ordnung. Die Ablesegenauigkeit der Schülergruppe ist auf ganze Millimeter begrenzt.
Bestätige mithilfe einer Rechnung das Ergebnis der Schülergruppe von für die Wellenlänge des verwendeten Lichts.
Im Datenblatt des Lasers findet sich die Angabe was vom Wert der Teilaufgabe 1b abweicht.
Beurteile, ob ein Fehler im Datenblatt vorliegen muss, falls die Messunsicherheit bei der Bestimmung des Maximums 3. Ordnung bei liegt.
Im experimentellen Aufbau von Material 1 wird der Doppelspalt durch ein Gitter mit dem Spaltmittenabstand ersetzt (Material 2).
Begründe, dass nun die Maxima 1. Ordnung auf dem Schirm weiter auseinander liegen als bei Verwendung des Doppelspalts.
Nun wird das Becken mit Wasser gefüllt und der Versuch wird wiederholt (Material 3a).
Bestimme mithilfe des Schirmbilds in Abbildung 4 (Material 3b) die Wellenlänge des Lichts in Wasser.
Bestätige mithilfe von Material 4, dass in dem Versuch für die ermittelte Brechzahl von Wasser gilt:
Da Traubensaft für Laserlicht durchlässig ist, will die Schülergruppe den richtigen Zeitpunkt für die Traubenernte mit dem in Material 3a beschriebenen Versuchsaufbau bestimmen.
In Material 5 ist der Zusammenhang zwischen Zuckergehalt und Brechzahl (s. Material 4) von Traubensaft beschrieben.
Mithilfe der Schritte in Material 6 ermittelt die Schülergruppe die Lage der Maxima 1. Ordnung für den Beugungsversuch aus Material 3. Im Glasbecken ist hierbei Traubensaft mit Grad Oechsle enthalten.
Begründe die Aussagen (i) bis (iv).
Beurteile, ob die Schülergruppe mit dem Versuch eine verlässliche Empfehlung für den idealen Erntezeitpunkt gewinnen kann. Gehe von der Ablesegenauigkeit aus, die in der Teilaufgabe 1c angegeben ist.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Versuch zur Erzeugung eines Interferenzmusters mit einem Doppelspalt
Monochromatisches Laserlicht trifft senkrecht auf den im Becken befindlichen Doppelspalt.
Der Abstand zwischen Doppelspalt und Schirm beträgt
Der Spaltmittenabstand
beträgt
Die Beugungswinkel mit
zu den beobachteten Maxima
-ter Ordnung können als klein betrachtet werden.

Abb. 1: Glasbecken mit Doppelspalt und Schirm (von oben betrachtet).
Material 2: Optische Gitter
|
Ein Gitter ist vereinfacht gesagt eine Aneinanderreihung vieler Doppelspalte, wobei der Abstand der Spaltmitten jeweils |
![]()
Abb. 2: Anordnung der Spalte beim Gitter. |
Material 3: Interferenz in Wasser
3a Beugung in Wasser

Abb. 3: Versuchsaufbau mit Gitter im wassergefüllten Becken.
Das Gitter besitzt den Spaltmittenabstand Der Abstand
zwischen Gitter und Schirm beträgt
3b Versuchsergebnis

Abb. 4: Zur Bestimmung der Lage der Maxima 1. Ordnung
Material 4: Die Brechzahl

Abb. 5: Übergang von Licht an der Grenzfläche von Luft zu Wasser
Licht einer bestimmten Frequenz hat in verschiedenen Stoffen verschiedene Wellenlängen.
Das Verhältnis der Wellenlänge des Lichts in Luft zu der Wellenlänge des Lichts im Stoff wird die Brechzahl des Stoffs genannt:
Material 5: Zuckergehalt von Traubensaft
Die Traubenernte zur Produktion von Wein kann beginnen, wenn sich in den Weintrauben genügend Zucker befindet. Der Zuckergehalt wird in der Einheit „Grad Oechsle“ angegeben.
Um einen maximalen Preis für den hergestellten Wein zu erzielen, muss hierfür der ideale Zeitpunkt der Traubenernte gefunden werden. Hierfür muss unter anderem der Zuckergehalt der Weintrauben auf wenige Grad Oechsle genau bestimmt werden können (s. Tab. 1).
Nimmt der Zuckergehalt (und damit der Oechsle-Grad) des Traubensafts zu, so steigt auch seine Brechzahl (vgl. Material 4) mit der Zuckerkonzentration an (s. Abb. 6).
|
Qualitätsstufe Wein |
Grad Oechsle |
|
|---|---|---|
![]()
|
Tafelwein: |
ab |
|
Landwein: |
ab |
|
|
Qualitätswein: |
ab |
|
|
Prädikatswein: |
ab |
Tab. 1: Definition der Qualitätsstufen des produzierten Weins in dem Weinanbaugebiet.

Abb. 6: Brechzahl in Abhängigkeit vom Zuckergehalt
Material 6: Ermittlung der Lage der Maxima 1. Ordnung
|
(i) |
Aus |
|
(ii) |
Somit ist |
|
(iii) |
Mit |
|
(iv) |
Auf dem Schirm liegen die Maxima 1. Ordnung somit ca. |
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Das Licht wird an den beiden Spalten des Doppelspalts gebeugt. Von jedem der beiden Spalte breitet sich daraufhin eine kreisförmige Welle aus. Diese beiden Wellen überlagern sich anschließend ungestört im Raum.
Für jeden beliebigen Punkt auf dem Schirm lässt sich der Unterschied der zurückgelegten Laufwege der beiden Wellen bestimmen, welcher als Gangunterschied bezeichnet wird.
Beträgt dieser Gangunterschied exakt null oder ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge, so überlagern sich die beiden Wellen an diesem Punkt konstruktiv. Diese konstruktive Überlagerung ist auf dem Schirm als heller Punkt beziehungsweise als Maximum sichtbar.
Da die Beugungswinkel bei diesem Versuch sehr klein sind, gilt die Kleinwinkelnäherung Somit gilt in guter Näherung die folgende Gleichung:
bezeichnet dabei den Abstand des Maximums
-ter Ordnung zum Maximum 0. Ordnung.
Nun werden die gegebenen Werte in die Formel eingesetzt:
Der von der Schülergruppe ermittelte Wert von wird durch diese Rechnung folglich bestätigt.
Aufgrund der angegebenen Messunsicherheit von kann der tatsächliche Abstand des Maximums dritter Ordnung (
) zwischen
und
liegen.
Mit diesen beiden Grenzwerten lassen sich die minimale und die maximale Wellenlänge für das Intervall berechnen:
Die im Datenblatt des Lasers angegebene Wellenlänge von liegt eindeutig innerhalb dieses durch die Messungenauigkeit aufgespannten Intervalls von
bis
Daher muss kein Fehler im Datenblatt vorliegen.
Für die Lage der Maxima -ter Ordnung gilt sowohl beim Doppelspalt als auch beim Gitter dieselbe Beziehung:
mit
Der Spaltmittenabstand fällt bei dem Gitter jedoch deutlich kleiner aus als beim zuvor verwendeten Doppelspalt. Da diese Größe
im Nenner des Bruchs steht, resultiert aus einem kleineren Wert für
ein insgesamt größerer Wert für den Ausdruck
(für
). Folglich ergibt sich für das Gitter ein größerer Beugungswinkel
Aus diesem Grund liegen die Maxima erster Ordnung auf dem Schirm bei Verwendung des Gitters weiter auseinander.
Bestimmung der Wellenlänge in Wasser
Aus der Abbildung 4 ergibt sich für den Abstand zwischen den beiden Maxima erster Ordnung etwa Der Abstand
von einem der Maxima erster Ordnung zum Maxima nullter Ordnung beträgt somit exakt die Hälfte:
Über den Abstand zum Schirm () lässt sich der Winkel zum ersten Maximum bestimmen:
Daraus ergibt sich ein Winkel von
Durch Umstellen der Gittergleichung lässt sich die Wellenlänge des Lichts im Wasser () berechnen:
Durch Einsetzen des berechneten Winkels sowie des Spaltmittenabstands (), folgt das Ergebnis:
Bestätigung der Brechzahl
Die Brechzahl ist definiert als das Verhältnis der Wellenlänge des Lichts in Luft (
) zu jener im jeweiligen Stoff:
Der berechnete Wert von liegt exakt in dem geforderten Intervall von
womit die Annahme bestätigt ist.
-
Begründung zu (i): Aus Abbildung 6 lässt sich für einen Zuckergehalt von
Grad Oechsle direkt eine Brechzahl von
ablesen.

-
Begründung zu (ii): Zunächst wird die Wellenlänge des Laserlichts im Traubensaft ermittelt. Durch Umstellen der Definition für die Brechzahl
ergibt sich:
-
Begründung zu (iii): Die Gittergleichung für das Maximum erster Ordnung am Gitter lautet:
Durch das Einsetzen des gegebenen Spaltmittenabstands
sowie der zuvor berechneten Wellenlänge folgt die in Material 6 genannte Beziehung:
Daraus folgt, dass das Maximum erster Ordnung im Traubensaft unter einem Winkel von
auftritt.
-
Begründung zu (iv): Der Abstand der beiden Maxima erster Ordnung auf dem
entfernt stehenden Schirm setzt sich aus dem doppelten Abstand
zum Maximum nullter Ordnung zusammen. Dieser Abstand berechnet sich wie folgt:
Wie die Berechnungen aus Teilaufgabe 3a belegen, bewirkt ein Zuckergehalt von Grad Oechsle lediglich eine Änderung des Abstands der Maxima erster Ordnung von etwa
im Vergleich zu Wasser.
Die Ablesegenauigkeit der Schülergruppe ist auf begrenzt, was eine Messunsicherheit von
pro abgelesenem Punkt bedeutet. Im Rahmen dieser groben Ablesegenauigkeit lässt sich der resultierende Oechsle-Wert nur äußerst ungenau und fehleranfällig bestimmen.
Um den idealen Zeitpunkt für die Traubenernte festzulegen und maximale Preise für hohe Weinqualitäten zu erzielen, ist zwingend eine präzise Unterscheidung von wenigen Grad Oechsle erforderlich. Mit dem hier beschriebenen Beugungsversuch ist eine solch feine Unterscheidung sicher nicht realisierbar. Die Schülergruppe kann mit dieser fehleranfälligen Auswertungsmethode folglich keine verlässliche Empfehlung für den idealen Erntezeitpunkt geben.

