Aufgabe A — Kondensatoren in Kraftfahrzeugen
Mit Kondensatoren lassen sich in vielen Bereichen der Elektronik zeitabhängige Prozesse oder Schaltvorgänge steuern.
In einem Schülerexperiment ist die Kapazität eines gegebenen Kondensators aus Aufladevorgängen zu bestimmen.
Zeichne einen Schaltplan für einen Versuchsaufbau, mit dem dieses Experiment durchgeführt werden kann. Beachte die Hinweise im Material 1.
Hinweis: Sollte das Zeichnen des Schaltplans nicht gelingen, so kann ein Schaltplan angefordert werden. Entsprechend der nicht erbrachten Teilleistung werden bis zu fünf Bewertungseinheiten bei dieser Teilaufgabe nicht erteilt.
Baue den Versuch auf und führe ihn durch. Erfasse und protokolliere die Messwerte. Beachte dabei die Hinweise im Material 1.
Hinweis: Sollte der Aufbau und das Aufnehmen der Messwerte nicht gelingen, so können Ersatzmesswerte angefordert werden. Entsprechend der nicht erbrachten Teilleistung werden bis zu sieben Bewertungseinheiten nicht erteilt.
Berechne für beide Messungen jeweils die Kapazität des Kondensators in der Einheit mithilfe der im Material 2 angegebenen Gleichung.
Stelle eine Hypothese darüber auf, welche der beiden berechneten Kapazitäten die größere Messunsicherheit besitzt. Begründe deine Aussage.
In einem PKW schaltet sich bei Dunkelheit die Innenraumbeleuchtung automatisch ein, wenn eine oder mehrere Türen geöffnet werden. Ab dem Moment, in dem alle Türen wieder geschlossen sind, soll innerhalb einer Zeitspanne die Helligkeit der Innenraumbeleuchtung allmählich abnehmen. Das wird dadurch realisiert, dass sich ein an der
–Gleichspannungsversorgung des PKW aufgeladener Kondensator der Kapazität
über die Leuchtmittel der Innenraumbeleuchtung entlädt.
Berechne die Zeitspanne wenn davon ausgegangen wird, dass der Widerstand der angeschlossenen Leuchtmittel insgesamt
beträgt und dass sie unterhalb einer Spannung von
nicht mehr leuchten.
Erläutere zwei Möglichkeiten, die Zeitspanne zu vergrößern.
Ordne den beiden in Material 3 beschriebenen Fällen die beiden Graphen in dem Diagramm in Abbildung 1 dieses Materials zu und erkläre die unterschiedlichen Verläufe der beiden Graphen.
Beim Ein- und Ausschalten der Innenraumbeleuchtung kommt ein elektronischer Schalter zum Einsatz. Dieser schließt oder öffnet dann einen Stromkreis, wenn ein spezieller Taster betätigt wird. Ein solcher Taster ist im Material 4 näher beschrieben. Beim Betätigen des Tasters ändert sich die Kapazität der Anordnung.
Die Plattenfläche des Kondensators beträgt Beim Drücken der Taste verringert sich der Abstand zwischen den beiden Platten von
auf
Die relative Permittivität des elastischen Nichtleiters zwischen den Platten beträgt
und wird als konstant angenommen.
Berechne die Kapazitätsänderung des Kondensators des Tasters, wenn er gedrückt wird.
Um den Schaltvorgang im elektronischen Schalter auszulösen, muss die Änderung der Kapazität in andere elektrische Größen umgewandelt werden. Dabei werden verschiedene Prinzipien unterschieden. Einige elektronische Schalter wandeln die Kapazitätsänderung in eine Wechselstromänderung um, andere in eine Gleichstrom- oder Gleichspannungsänderung oder aber in eine Frequenzänderung.
Erläutere zwei der drei genannten Möglichkeiten, die Änderung der Kapazität des Tasters in eine der genannten elektrischen Größen umzuwandeln.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Experiment zur Bestimmung der Kapazität eines Kondensators
Bereitstehende Geräte und Hilfsmittel:
-
Stromversorgungsgerät (Gleichspannungsquelle)
-
Gleichspannungsmessgerät
-
Kondensator unbekannter Kapazität
-
Widerstand (Der Widerstandswert wird von der Fachlehrkraft mitgeteilt.)
-
Stoppuhr
-
Umschalter
-
Verbindungskabel
Hinweise zum Schaltplan und zur Durchführung:
-
Entwickle den Schaltplan so, dass in einer Schalterstellung des Umschalters der Kondensator entladen wird und in der anderen Schalterstellung über den Widerstand
aufgeladen wird.
-
Bestimme zunächst die Spannung
an der Gleichspannungsquelle und ändere diesen Wert während des gesamten Versuchs nicht.
-
Entlade den Kondensator vollständig.
-
Lade in einem ersten Versuch den Kondensator bis auf eine Spannung
auf und miss die dazu erforderliche Zeit
Lade anschließend in einem zweiten Versuch den Kondensator bis auf eine Spannung
auf und miss die dazu erforderliche Zeit
Material 2: Kapazität eines Kondensators
Wird ein Kondensator in der Zeit von
auf die Spannung
aufgeladen, wobei sich der Kondensator in einer Reihenschaltung mit einem Widerstand
und einer Gleichspannungsquelle befindet, dann kann seine Kapazität mit folgender Gleichung berechnet werden:
Material 3: Entladekurven eines Kondensators
In einem Modellversuch zur Untersuchung des Abklingens der Helligkeit der Innenraumbeleuchtung eines PKW wurden zwei Entladekurven eines Kondensators der Kapazität aufgenommen (vgl. Abbildung 1). Im ersten Fall wurde der Kondensator über einen Widerstand
entladen. Im zweiten Fall fand die Entladung des Kondensators über eine Reihenschaltung aus dem Widerstand
und einer Leuchtdiode (LED) statt.
Leuchtdioden (LED) sind in der Elektronik weit verbreitet, z. B. als einfache Kontrollleuchten, stromsparende Beleuchtungsmittel oder als Komponenten in LED-Bildschirmen.
In der Abbildung 2 ist die Kennlinie einer LED dargestellt. Mit zunehmender Stromstärke steigt auch die Helligkeit der Leuchtdiode an.

Abbildung 1: Ein Kondensator wird entladen – einmal über einen Widerstand ein weiteres Mal über eine Reihenschaltung aus einer Leuchtdiode und diesem Widerstand

Abbildung 2: Kennlinie einer LED in Durchlassrichtung
Material 4: Taster
Schaltvorgänge können mithilfe eines Tasters ausgelöst werden, der mit einer Anordnung gemäß Abbildung 3 verbunden ist. Der Nichtleiter besteht dabei aus einem elastischen Material. Beim Betätigen des Druckknopfes ändert sich die Kapazität der Anordnung.

Abbildung 3: Aufbau des Tasters
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Versuchsdurchführung:
-
Zuerst wird die konstante Quellenspannung
an der Gleichspannungsquelle eingestellt und gemessen.
-
Vor jedem Messdurchgang wird der Kondensator vollständig entladen.
-
Für die erste Messung wird der Kondensator über den Widerstand geladen. Mithilfe einer Stoppuhr wird die Zeit
erfasst, die bis zum Erreichen der Spannung
vergeht.
-
Für die zweite Messung wird der Vorgang wiederholt, wobei die Zeit
bis zum Erreichen der Spannung
gemessen wird.
Beispielhaftes Messprotokoll:
Gegebene Parameter:
Daraus ergeben sich beispielsweise folgende Messwerte:
-
Messung 1: Für
ergibt sich eine Ladezeit von
-
Messung 2: Für
ergibt sich eine Ladezeit von
Die Berechnung der Kapazität erfolgt über die gegebene Gleichung für den Aufladevorgang:
Durch Einsetzen der Werte und
(Messung 1) ergibt sich für die Kapazität
Durch Einsetzen der Werte und
(Messung 1) ergibt sich für die Kapazität
Die aus der ersten Messung berechnete Kapazität weist vermutlich die größere Messunsicherheit auf.
Das liegt daran, dass die Stromstärke im Kreis zu Beginn des Aufladevorgangs maximal ist, wodurch die zeitliche Änderung der Spannung am Kondensator extrem schnell verläuft. Das exakte Stoppen der Zeit beim Erreichen des relativ kleinen Spannungswertes ist aufgrund menschlicher Reaktionszeiten mit einem verhältnismäßig großen Fehler behaftet.
Im weiteren Verlauf flacht die Ladekurve zunehmend ab. Zum Zeitpunkt ändert sich die Spannung pro Zeiteinheit deutlich langsamer, wodurch sich der Moment des Erreichens von
wesentlich präziser erfassen lässt.
Da die Zeitmessung für ungenauer ist, besitzt folglich auch der daraus resultierende Kapazitätswert
die größere Messunsicherheit.
-
Ausgangsspannung (Spannungsversorgung des PKW):
-
Kapazität des Kondensators:
-
Widerstand der Leuchtmittel:
-
Spannung, unterhalb derer die Leuchtmittel erlöschen:
Der zeitliche Verlauf der Spannung während des Entladevorgangs eines Kondensators über einen ohmschen Widerstand wird durch die folgende Entladefunktion beschrieben, die nach aufgelöst wird:
Das Einsetzen der gegebenen Werte führt zu folgendem Ergebnis:
Die Innenraumbeleuchtung verringert ihre Helligkeit allmählich und leuchtet nach dem Schließen aller Türen somit noch für eine Zeitspanne von circa
Aus der hergeleiteten Beziehung ergeben sich zwei wesentliche Anpassungsmöglichkeiten:
-
Erhöhung des Gesamtwiderstandes: Wird ein größerer Widerstand
im Entladestromkreis verbaut, sinkt die elektrische Stromstärke während des Entladens. Die auf dem Kondensator gespeicherte elektrische Ladung fließt somit langsamer ab, was den Spannungsabfall verzögert und die Zeitspanne
verlängert.
-
Erhöhung der Kapazität des Kondensators: Ein Kondensator mit einer größeren Kapazität
kann bei der gleichen Ladespannung von
eine insgesamt größere Ladungsmenge speichern (
). Bei unverändertem Widerstand
braucht der Kondensator somit länger, um sich zu entladen. Dadurch beansprucht der Entladevorgang bis zum Erreichen der Grenzspannung von
ebenfalls mehr Zeit, wodurch sich
vergrößert.
Zuordnen der Graphen:
Graph (B) beschreibt den ersten Fall (Entladung des Kondensators ausschließlich über den konstanten Widerstand ).
Graph (A) beschreibt den zweiten Fall (Entladung des Kondensators über die Reihenschaltung aus dem Widerstand und einer Leuchtdiode (LED)).
Erklären der unterschiedlichen Verläufe:
-
Verlauf von Graph (B): Im ersten Fall entlädt sich der Kondensator nur über den ohmschen Widerstand
dessen Wert über den gesamten Entladevorgang hinweg konstant bleibt. Die Spannung am Kondensator fällt somit allmählich ab und erreicht nach einiger Zeit den Wert
-
Verlauf von Graph (A): Im zweiten Fall liegt die Entladekurve zu jedem Zeitpunkt
oberhalb von Graph (B). Der Gesamtwiderstand über den sich der Kondensator entlädt ist hierbei die Summe aus dem konstanten Widerstand
und dem Widerstand der LED (
). Der Widerstand der LED ist jedoch nicht konstant, sondern stark spannungsabhängig. Wie aus der LED-Kennlinie (Abbildung 2) hervorgeht, steigt der Widerstand der LED sehr stark umso kleiner die Spannung ist, die an der LED abfällt. Dadurch vergrößert sich der Gesamtwiderstand des Entladekreises im Laufe der Zeit massiv, wodurch der Entladevorgang stark abgebremst wird und die Spannung im Kondensator nur noch sehr langsam sinkt.
Beim Betätigen des Tasters verringert sich dieser Plattenabstand. Die resultierende Kapazitätsänderung bestimmt sich aus der Differenz zwischen der Endkapazität
und der Anfangskapazität
Das Einsetzen der gegebenen Werte liefert:
Die Kapazitätsänderung des Kondensators beim Drücken des Tasters beträgt somit circa
Von den folgenden drei Erläuterungen werden nur zwei erwartet:
-
Umwandlung der Kapazitätsänderung in eine Wechselstromänderung: Der Kondensator des Tasters wird in einen Stromkreis integriert, an dem eine konstante Wechselspannung anliegt. In diesem Stromkreis wird die Wechselstromstärke kontinuierlich gemessen. Da der Widerstand des Kondensators umgekehrt proportional zu seiner Kapazität ist, bewirkt die Änderung der Kapazität eine Änderung der fließenden Wechselstromstärke, die gemessen werden kann.
-
Umwandlung der Kapazitätsänderung in eine Frequenzänderung: Der Kondensator wird Teil eines elektromagnetischen Schwingkreises mit einer Spule bekannter, konstanter Induktivität. Gemäß der Thomson'schen Schwingungsgleichung bestimmt die Kapazität des Kondensators die Eigenfrequenz dieses Schwingkreises. Eine Änderung der Kapazität führt folglich zu einer direkten Veränderung der Frequenz, die gemessen werden kann.
-
Umwandlung der Kapazitätsänderung in eine Gleichspannungsänderung: Der Kondensator wird zunächst an einer Gleichspannungsquelle auf eine feste Ausgangsspannung
aufgeladen und anschließend über einen definierten ohmschen Widerstand bis zu einer Zielspannung
entladen. Die Entladezeit für diese Spannungsänderung wird erfasst. Weil die Kapazität direkt proportional zu dieser Entladezeit ist, äußert sich jede Kapazitätsänderung in einer proportionalen Veränderung der gemessenen Entladezeit.