Aufgabe 1 – Tomaten als Kulturpflanzen
Die Tomate (Solanum lycopersicum) ist ein weltweit beliebtes Nahrungsmittel. Um hohe Erträge zu ermöglichen, wurden u. a. wissenschaftliche Studien zur Reifung von Tomatenpflanzen durchgeführt, bei der eine Reihe verschiedener Stoffwechselschritte ablaufen. Außerdem wurde die biologische Schädlingsbekämpfung im Tomatenanbau untersucht. Der exzessive Tomatenanbau hat sowohl ökologische als auch soziale Folgen.
Begründe, welches der in Abbildung 1 dargestellten Absorptionsspektren einer reifen bzw. unreifen Tomatenfrucht zugeordnet werden kann (M 1).
Gib die Reaktionsgleichung der Zellatmung an und nenne die einzelnen Teilschritte unter Angabe ihrer jeweiligen Energiebilanz.
Fasse die Untersuchungsergebnisse in Abbildung 2 zusammen und erkläre diese (M 1).
Bewerte anhand einer Pro- und Contra-Argumentation mit je einem Argument, das sich auf je einen selbstgewählten Wert bezieht, ob im Monat Mai in der Schweiz regional produzierte oder aus Spanien importierte Gewächshaustomaten gekauft werden sollten (M 2).
Begründe, ob die Fortpflanzung der Tomatenminiermotte eher der r-Strategie oder der K-Strategie zugeordnet werden kann (M 3).
Plane ein Laborexperiment, mit dem die formulierte Fragestellung unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden kann (M 3).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 Reifung von Tomatenfrüchten
Eine unreife Tomatenfrucht ist zunächst grün. In diesem Stadium kann sie Fotosynthese betreiben. Im Laufe des Reifungsprozesses wird sie rot, da die enthaltenen Chlorophylle abgebaut werden und u. a. der rote Farbstoff Lycopin synthetisiert und angereichert wird. Eines der in Abbildung 1 angegebenen Absorptionsspektren zeigt das Spektrum von Farbstoffen unreifer Tomaten, das andere das Spektrum reifer Tomaten. Tabelle 1 stellt den Zusammenhang zwischen Lichtfarbe und Wellenlänge dar.

Abbildung 1: Absorptionsspektren von Farbstoffen aus Tomatenfrüchten in zwei verschiedenen Reifestadien
Tabelle 1: Zusammenhang zwischen Lichtfarbe und Wellenlänge
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Lichtfarbe |
violett |
blau |
grün |
gelb |
orange |
rot |
|
ungefähre Wellenlänge in nm |
380 – 435 |
435 – 480 |
480 – 570 |
570 – 590 |
590 – 610 |
610 – 700 |
Forschende hatten sich zum Ziel gesetzt, die Reifung geernteter Tomatenfrüchte zu verlangsamen, um dadurch ihre Lagerfähigkeit zu erhöhen. Für die Reifung sind zahlreiche Enzyme verantwortlich, die durch die Wirkung des Reifehormons Ethen produziert werden, wofür die Zelle Energie bereitstellen muss. Die Forschenden verhinderten durch ein gentechnisches Verfahren die Ethen-Produktion. Die Reifung der veränderten Tomatenfrüchte wurde mit der Reifung unveränderter Tomatenfrüchte (Wildtyp) verglichen (Abbildung 2). Alle Tomatenfrüchte befanden sich bei Beginn der Untersuchung in grünem Zustand.

Abbildung 2: Ethen-Produktion (links) sowie Kohlenstoffdioxid-Freisetzung (rechts) während der Reifung von Tomatenfrüchten
M 2 Tomatenanbau in Europa
Tomatenfrüchte reifen besonders gut in den südlichen europäischen Ländern, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Etwa zwei Drittel der europäischen Tomaten werden in Spanien und Italien produziert.
Um Tomaten ganzjährig anbauen zu können, müssen die Gewächshäuser zum Teil beheizt werden, wofür Energie benötigt wird. In verschiedenen Untersuchungen der Technischen Hochschule Zürich wurden Daten für den Energiebedarf der inländischen Tomatenproduktion mit Daten für den Energiebedarf der Produktion von importierten Tomaten aus spanischen Gewächshäusern verglichen. Tabelle 2 zeigt ausgewählte Daten für den Monat Mai.
Tabelle 2: Energiebedarf für das Tomatenangebot im Monat Mai in der Schweiz aus zwei unterschiedlichen Anbaugebieten
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Anbaugebiet |
Energiebedarf für Gewächshausbeheizung in kg CO₂-Äquivalenten pro kg Produkt |
Energiebedarf für Transport in kg CO₂-Äquivalenten pro kg Produkt |
|
Almería (Spanien) |
0,0 |
0,2 |
|
Bern (Schweiz) |
5,0 |
0,1 |
Die Vergütung von Arbeitern in der Landwirtschaft ist in Ländern unterschiedlich hoch. Tabelle 3 zeigt den Lohn eines Feldarbeiters im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen in verschiedenen europäischen Ländern.
Tabelle 3: Lohn eines Feldarbeiters und Durchschnittseinkommen in verschiedenen Ländern
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Land |
durchschnittlicher Brutto-Monatslohn eines Feldarbeiters |
monatliches Durchschnitts-Bruttoeinkommen |
|
Schweiz |
4.600 € |
7.700 € |
|
Niederlande |
1.900 € |
4.300 € |
|
Italien |
1.300 € |
2.600 € |
|
Spanien |
630 € |
2.400 € |
Es wird kontrovers diskutiert, in der Schweiz Tomaten aus z. B. spanischen Gewächshäusern zu kaufen. Um hier zu einer Urteilsfindung zu gelangen, ist es notwendig, fachliche Aussagen mit Werten in Beziehung zu setzen. Folgende Werte werden häufig genannt: Umweltschutz, Gesundheit, Freiheit, Leidverringerung, Wohlstand, Würde des Menschen, Bildung und Fortschritt.
M 3 Tuta absoluta - ein bedeutender Tomatenschädling und seine Bekämpfung
Die Tomatenminiermotte (Tuta absoluta) ist eine ursprünglich aus Lateinamerika stammende Schmetterlingsart, die Anfang der 2000er Jahre nach Europa eingeschleppt wurde. Sie gilt als invasive Art. Ausgewachsene Individuen sind 6 bis 7 mm groß und besitzen eine braunsilbrige Färbung sowie schwarz gefleckte Flügel. Während ihrer Lebensspanne kann eine weibliche Tomatenminiermotte bis zu 250 Eier legen. Diese werden auf der Unterseite der Blätter von Tomatenpflanzen abgelegt. Die Tomatenminiermotte durchläuft in ihrer Entwicklung eine vollständige Verwandlung mit vier Larvenstadien und einem Puppenstadium. Unter günstigen Bedingungen, knapp unter 30 °C, dauert ein vollständiger Entwicklungszyklus weniger als einen Monat. Im Gegensatz zu vielen anderen Insektenarten können so mehrere Generationen pro Jahr entstehen. Die Lebensspanne der ausgewachsenen Tiere beträgt dann zwischen 10 und 20 Tage und ist stark von Futterangebot und Umgebungstemperatur abhängig. Fraßschäden werden vor allem durch die Larven verursacht und können an Blättern, Sprossachse und Früchten der Tomatenpflanzen entstehen. Sie können ohne Bekämpfung Ernteausfälle von bis zu 100 % hervorrufen.
Neben der chemischen Bekämpfung der Tomatenminiermotte durch Pflanzenschutzmittel wird auch der Einsatz natürlicher Fressfeinde wie der räuberisch lebenden Wanzenart Macrolophus pygmaeus zur Beseitigung eines Schädlingsbefalls diskutiert. Diese erbeutet sowohl Eier als auch alle vier Larvenstadien der Tomatenminiermotte. Um die Effektivität eines solchen Einsatzes abschätzen zu können, untersuchten Forschende in Frankreich im Jahr 2013 das Beutefangverhalten von Macrolophus pygmaeus. Als Beute wurden ihr die invasive Tomatenminiermotte im Vergleich zu einer anderen, heimischen Beuteart, der Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci), angeboten, die ebenfalls ein Tomatenschädling ist. Im Rahmen der Studie wurde die folgende Fragestellung untersucht: Welche Nahrungspräferenzen zeigt die Raubwanze Macrolophus pygmaeus, wenn beide Beutearten in unterschiedlichen Populationsdichten an Tomatenpflanzen verfügbar sind?
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A: Farbstoffe aus unreifen Tomaten
-
Absorptionsmaxima im blauen und roten Wellenlängenbereich erkennbar, im Bereich zwischen ca. 500 – 600 nm kaum Absorption, sondern Reflexion → grüner Farbeindruck
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B: Farbstoffe aus reifen Tomaten
-
Fehlende Lichtabsorption im roten Spektralbereich → roter Farbeindruck
Reaktionsgleichung der Zellatmung:
C₆H₁₂O₆ + 6 H₂O + 6 O₂ → 6 CO₂ + 12 H₂O
Pro Molekül Glucose erfolgt in den einzelnen Teilschritten folgende ATP-Produktion:
Glykolyse: 2 Moleküle ATP
oxidative Decarboxylierung: keine ATP-Produktion
Tricarbonsäurezyklus: 2 Moleküle ATP
Atmungskette: ca. 34 Moleküle ATP
Zusammenfassen:
Bei Wildtyp-Tomaten: Anstieg der Ethen-Produktion bis Tag 6, danach Rückgang der Ethen-Produktion; Anstieg der Kohlenstoffdioxid-Freisetzung bis Tag 6, danach Rückgang der Kohlenstoffdioxid-Freisetzung
Bei veränderten Tomatenfrüchten: im Vergleich zum Wildtyp nahezu keine Ethen-Produktion; Freisetzung von Kohlenstoffdioxid wesentlich geringer als bei Wildtyp-Tomaten
Erklären:
Die gesteigerte Ethen-Produktion setzt energieaufwendige Stoffwechselprozesse in den Zellen in Gang, daher gesteigerte Zellatmung zur Energieversorgung vonnöten, die zu erhöhter Kohlenstoffdioxid-Freisetzung führt.
Bei gentechnisch veränderten Tomaten: nahezu keine Ethen-Produktion; Freisetzung von Kohlenstoffdioxid wesentlich geringer als bei Wildtyp-Tomaten, da geringerer Energiebedarf und daher geringere Zellatmungsaktivität.
Zwei Argumente, die die Pro- und Contra-Seite berücksichtigen:
– z. B. deutlich geringerer Energieaufwand zur Beheizung der Gewächshäuser in Spanien im Vergleich zur Schweiz (Bezug auf Wert Umweltschutz in der normativen Prämisse)
– z. B. finanzielle Ausbeutung der Arbeiter in Spanien (Bezug auf Wert Würde des Menschen in der normativen Prämisse)
Begründete persönliche Stellungnahme nach transparenter Hierarchisierung der Argumente/Werte.
Die Fortpflanzungsstrategie der Tomatenminiermotte ist eher der r-Strategie zuzuordnen:
– hohe Nachkommenzahl, Weibchen legt bis zu 250 Eier
– kurze Entwicklungsdauer bis zum erwachsenen Tier von weniger als einem Monat
– kurze Lebensspanne von insgesamt ca. 40 – 50 Tagen
– geringe Körpergröße von 6 – 7 mm
– keine Brutpflege: Eier werden an Tomatenblättern abgelegt und sich selbst überlassen
Planung eines Experiments
Benötigt werden mehrere vergleichbar große Tomatenpflanzen. Jede Tomatenpflanze wird mit der gleichen Gesamtzahl an Beuteorganismen besetzt, die sich jedoch im Verhältnis der beiden Arten Tuta absoluta und Bemisia tabaci unterscheiden z. B. 30:10, 20:20, 10:30.
Jede Tomatenpflanze wird mit der gleichen Anzahl an Raubmilben besetzt.
Ein Zu- und Abgang von Individuen wird unterbunden.
Nach einer festgelegten Zeitspanne wird jeweils die Anzahl der verbliebenen Individuen beider Beutearten ausgezählt.