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Drei Mal die Woche rettet das Team aus Schöneberg die übrig gebliebenen Lebensmittel
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aus ihrem Bio-Supermarkt um die Ecke, um Kartoffeln, Obst, Gemüse und Reis eine zweite
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Vor fünf Jahren hatten die Gründerinnen Annette Keuchel und Leoni Beckmann die Idee, ein
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Restaurant zu eröffnen, in dem hauptsächlich mit geretteten Lebensmitteln gekocht werden
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soll. Auf diese Weise wollten sie mehr Aufmerksamkeit und vor allem Wertschätzung für Essen
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Seit der Idee ist einige Zeit ins Land gegangen. Anfang 2018 gründeten die beiden einen
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Verein. Seitdem richten sie Bildungs-Workshops zu Themen rund um Lebensmittel-
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verschwendung für Kinder und Erwachsene aus. Der Verein hat mittlerweile zwölf
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überwiegend weibliche Mitarbeiter. Gemeinsam möchten sie dazu beitragen, dass Menschen
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ihre Lebensmittel wieder mehr wertschätzen.
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Die Mitarbeiter von „Restlos Glücklich e.V.“ bieten kostenfreie Koch-Events, Workshops und
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Seminare an, bei denen die geretteten Zutaten weiterverarbeitet werden. Alles, was sie nicht
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verwenden können, verschenkt das Team weiter an Freunde und Bekannte, damit auch
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wirklich nichts in der Mülltonne landet.
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„Wir wollen die Workshops für alle zugänglich machen, um möglichst viele Menschen zu
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erreichen und ein Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit in Bezug auf Nahrung zu schaffen“,
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erklärt Geschäftsleiterin Hanna Legleitner (34).
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Jeden Montag und Mittwoch holen die Mitarbeiter von „Restlos Glücklich“ bei ihrem
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Biosupermarkt die bereits aus den Regalen aussortierten Lebensmittel ab. „Nach dem
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Wochenende bleibt immer besonders viel übrig“, erklärt Heuts, das seien die Restbestände
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Die Vielfalt dabei ist groß, sie reicht von Nudeln und Eiern über Milch bis hin zu Öl. Und immer
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bleiben laut den beiden Lebensmittel-Retterinnen viel Obst, Gemüse und Brot übrig. „Meistens
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ist es so, dass die Leute immer das Schönste haben wollen und somit etwa krumme Karotten
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in den Regalen liegen bleiben, obwohl man sie genauso gut essen kann“, sagt Heuts.
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Dieses Mal hat der Verein am Ende sechs große Kisten voller Essen gerettet. „Ich schätze,
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das sind so ungefähr 80 bis 100 Kilo an Nahrung – das entspricht etwa dem Gewicht eines
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ausgewachsenen Mannes“, erklärt Geschäftsführerin Legleitner. Normalerweise hätte so ein
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Einkauf im Bio-Supermarkt mindestens 200 bis 250 Euro gekostet, schätzt sie.
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Bevor die Waren aber für Koch-Events oder andere Veranstaltungen verwendet werden, prüft
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das Team noch einmal genau, ob sie wirklich noch zum Verzehr geeignet sind.
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„Auf vielen Lebensmitteln steht zwar ein Mindesthaltbarkeitsdatum, was einem sagen soll, wie
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lange das Produkt gut ist. In den meisten Fällen sind die Sachen aber noch viel länger haltbar“,
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sagt sie. Bei Milchprodukten könne man zum Beispiel ganz einfach am Geruch und am
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Geschmack erkennen, ob Joghurt oder Käse noch essbar sind.
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Manche Produkte, wie Öl und Salz, könnten überhaupt nicht schlecht werden, sagt sie. […]
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Mehrmals pro Woche bietet „Restlos Glücklich“ unterschiedliche Workshops, Kochevents,
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Bildungsprojekte und Mitmach-Aktionen zum Thema nachhaltige und klimafreundliche
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Ernährung an. „Wir wollen dadurch den Menschen vermitteln, dass Nahrung mehr
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wertgeschätzt werden muss und wie viel Arbeit eigentlich in der Lebensmittelproduktion, wie
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etwa der Ernte, steckt“, sagt Heuts. „17 Prozent der vom Mensch verursachten
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Treibhausgasemissionen sind auf unsere Ernährung zurückzuführen – dafür wollen wir ein
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Bewusstsein schaffen“.
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Dafür geht der Verein beispielsweise an Schulen, wo die Mitarbeiter dann gemeinsam mit den
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Kindern Gerichte aus den geretteten Lebensmitteln kochen. Auch für Unternehmen
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veranstalten sie solche Events. „Kochen macht Spaß und man kann so einfach ins Gespräch
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mit den Leuten kommen“, findet Heuts.
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Da ausschließlich mit geretteten Lebensmitteln gekocht wird, müssen die Köchinnen häufig
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sehr kreativ in ihren Rezeptideen sein. […]
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In ihren Workshops wollen sie den Teilnehmern auch Wissen vermitteln, wie man
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umweltbewusst und nachhaltig mit Lebensmitteln umgeht. „Saisonale und regionale
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Nahrungsmittel sind besser für die Umwelt. Zusätzlich leisten Bio-Produkte und eine möglichst
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fleischarme Ernährung einen großen Beitrag für eine nachhaltigere Ernährungsweise“, erklärt
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Legleitner. Aber auch durch die richtige Lagerung könne man Lebensmittel länger haltbar