Block I
Revolution
Thema: Die Dynamik der Amerikanischen Revolution
Aufgaben
Nenne die formalen Merkmale von M 1und fasse die Position des Autors zu den genannten Revolutionen zusammen.
Erläutere die in M 1genannten Aspekte in ihrem historischen Kontext.
Die Amerikanische Revolution gilt als Geburtsstunde der Demokratie.
Erörtere – mit Blick auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen – die These.
Grundlagen
Heideking, Jürgen, Die ersten Bewährungsproben: Wirtschaftliche Depression, soziale Bewegungen und zentrifugale Tendenzen 1783–1787 in: Adams, Willi Paul u. a., Länderbericht USA, Bd. I, Bonn 1990, S. 39/40.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 Der deutsche Historiker Jürgen Heideking über die Dynamik der Amerikanischen Revolution (1990)
1Ursprünglich in England entstandene Kritik an der Anhäufung von Macht durch die britische Krone auf Kosten der Vertreter des einfachen Volkes.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Trage zielgerichtet die Informationen zu den formalen Merkmalen von M 1 zusammen. Paraphrasiere anschließend die Sicht des Autors auf die Amerikanische Revolution. Textbelege sind erforderlich.
Die vorliegende Darstellung stammt von dem deutschen Historiker Jürgen Heideking, der sich in einem Sammelband über die Amerikanische Revolution äußert. Erschienen ist der Sammelband von W. Adams in Bonn im Jahr 1990 für die politisch und historisch interessierte Öffentlichkeit.
Folgende Aspekte lassen sich bei der Zusammenfassung nennen:
Der Autor beschreibt das Grundbefinden der Kolonisten nach dem Frieden von Paris als zwiespältig, die inneren Herausforderungen der 1780er Jahre enthielten sowohl Möglichkeiten für die freie Entfaltung einer neuen Gesellschaft als auch die Risiken, an der Fülle und Tragweite der zu lösenden Probleme zu scheitern.
Im Unterschied zur Französischen Revolution war kein Umsturz der Gesellschaftsordnung erforderlich, da erbliche Vorrechte nicht existierten und Eigentum relativ breit gestreut war.
Der antikoloniale Befreiungskampf hatte aber auch eine nach innen gerichtete soziale Komponente, da er die koloniale Oberschicht spaltete und Vertretern der Mittelklasse den Weg in die republikanische Führungsebene ebnete. Nicht nur die königlichen Beamten wurden vertrieben oder emigrierten, sondern unter den Loyalisten auch zahlreiche wohlhabende Kaufleute und Pflanzer, deren Besitz in der Folge aufgeteilt wurde. Heideking gibt an, dass bis 1783 über 70 % der kolonialen Amtsinhaber und etwa 50 % der lokalen Eliten ausgetauscht wurden, so dass in der Folge eine neue innenpolitische Konfliktlinie zwischen den Angehörigen der „alten Familien“ und neuen „popular leaders“ entstand, die zunehmend das Verlangen nach demokratischer Mitbestimmung und sozialer Gerechtigkeit repräsentierten.
Heideking führt dies zum einen auf den Einfluss der radikaldemokratischen „Country-Ideologie“ zurück, zum anderen auf die von breiten Schichten erbrachten Opfer im Unabhängigkeitskrieg. Der selbstbewusste Anspruch auf politische Mitwirkung für jedermann fand Eingang in politische Dokumente wie die Unabhängigkeitserklärung und die Grundrechtserklärungen der Einzelstaaten und zeigte sich auch in den Wahlen zu den jeweiligen Parlamenten. Als Auswirkung dieser „gleichmacherischen“ Tendenz gegenüber bestehenden oder vermeintlichen Privilegien zählt der Autor weitere Interessenkonflikte auf, die nach dem Sieg über die englische Kolonialmacht die innenpolitischen Auseinandersetzungen der USA in den 1780er-Jahren bestimmten: die Tilgung feudaler Relikte aus dem Besitz- und Erbrecht, eine ausgewogene Besteuerung, eine bessere Repräsentation des agrarischen Hinterlandes, die Beseitigung wirtschaftlicher Monopole und religiöser Sonderstellungen und ebenso die Kritik an der Sklaverei.
Letztendlich führte die durch Revolution und Krieg entfaltete „egalitäre Dynamik“ (Z. 60) zu einer allmählichen Umformung der gesellschaftlichen Wirklichkeit in den ehemaligen Kolonien.
Als Ausgangspunkt des Konfliktes zwischen Kolonien und Mutterland lässt sich der Siebenjährige Krieg bzw. „French and Indian War“ setzen, dessen Erfolg zum Selbstbewusstsein der amerikanischen Siedler beitrug und andererseits das Begehren der britischen Krone weckte, die Kolonien stärker an den Kosten des Krieges zu beteiligen.
Die nordamerikanischen Kolonien wurden mit verschiedenen Abgaben (Stamp Act, Sugar Act) belegt, ohne dass die Kolonisten im britischen Parlament vertreten waren. Dies führte zu wachsendem Unmut („No taxation without representation“). Eine ausgewogene Verteilung der Steuerlasten nach dem Krieg war demnach eine wichtige Debatte des neu unabhängig gewordenen Staates. Insbesondere in diesem Steuerstreit rief die Festsetzung von Einfuhrzöllen, insbesondere auf ostindischen Tee, bei den Kolonisten erheblichen Widerstand hervor (Massaker von Boston 1770, Boston Tea Party 1773).
Die britische Krone erließ Gesetze, die die wirtschaftliche Basis der Kolonien einschränkten und Monopole begünstigten (Proklamationslinie, Freilassung von Sklaven auf britischem Mutterland, Handelsmonopol der East India Company) und von denen sich die Kolonisten in ihrem Wohlstand und ihrer Freiheit bedroht sahen. Die im Text genannte Gesellschaftsordnung, in der ein Aufstieg der Mittelschicht durch Enteignung der loyalen und Kaufmanns-Eliten erfolgte, hängt damit ebenso unmittelbar zusammen wie die Forderungen nach Mitbestimmung des common man, die die Unabhängigkeitserklärung enthält. In der weiteren Entwicklung des Konfliktes über den Teeimport lässt sich eine zunehmende Eskalation von den auf die Boston Tea Party folgenden britischen Strafmaßnahmen über die Einberufung des Ersten Kontinentalkongresses in Philadelphia (1774) bis hin zum Beginn des Unabhängigkeitskrieges 1775 erkennen.
Die Denkweise der Kolonisten war von den Ideen der Aufklärung, insbesondere die Vorstellung von individuellen Rechten und der Volkssouveränität, beeinflusst, ebenso von puritanischem Sendungsbewusstsein. Naturrecht und Gesellschaftsvertrag sollten das Verhältnis von Volk und Regierung bestimmen, nicht die Autorität eines Monarchen. Diese Ideen waren im gesamten Europa entwickelt worden, hatten aber auch besondere Traditionen in der englischen Geschichte (Entstehung des Parlamentarismus, Auswanderung der Puritaner, Glorreiche Revolution 1688), die die Mentalität der amerikanischen Siedler prägte.
Im Gegensatz zur französischen Ständegesellschaft waren die britischen Kolonien bereits von einer Bevölkerung mit weitgehenden Rechten und relativ geringer sozialer Hierarchie geprägt. Die Amerikanische Revolution zielte darauf ab, politische Unabhängigkeit und eine repräsentative Regierung zu erreichen, während die Französische Revolution vor allem auf soziale Gleichheit und Beseitigung des absoluten Monarchen gerichtet war. Die Amerikanische Revolution führte zu einem erfolgreichen – wenn auch wie Heideking erwähnt verlustreichen – Unabhängigkeitskrieg, dessen Ende der Frieden von Paris 1783 kennzeichnete, und der Gründung der Vereinigten Staaten. Die weltgeschichtliche Bedeutung dieser Ereignisse lässt sich an verschiedenen Gesichtspunkten zeigen. Die Amerikaner erhielten vielfache Unterstützung von anderen europäischen Mächten, Politikern und Einzelpersonen, die Französische Revolution bezog sich ebenso auf die Ideen der Aufklärung und nahm sich die Errungenschaften der Amerikaner als Vorbild. Gemeinhin gelten die USA bis heute als erste Demokratie der Moderne.
Beziehe Position zur These der „Geburtsstunde der Demokratie“.
Nach einer Annäherung an den Begriff „Demokratie“ wird eine strukturierte Argumentation erwartet, die anhand verschiedener Aspekte und unter Berücksichtigung mindestens zweier unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen das Für und Wider gewichtet und daran anknüpfend die Amerikanische Revolution als eine nicht im heutigen Sinne verstandene Demokratie beurteilt, die jedoch demokratische Grundprinzipien enthält.
Folgende Aspekte könnten für diese These sprechen:
Die Amerikanische Revolution
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führte zur Unabhängigkeit der 13 Kolonien von der britischen Herrschaft. Dies war ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstbestimmung und Autonomie für die Bürger (Volkssouveränität), was ein grundlegendes Prinzip der Demokratie ist.
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führte zur Schaffung wegweisender Dokumente wie die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Vereinigten Staaten mit ihren Ergänzungen. Diese Dokumente legten die Grundlagen für die Regierung der Vereinigten Staaten fest und etablierten Prinzipien wie die Gewaltenteilung, die Rechtsstaatlichkeit und die Garantie von Grundrechten.
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war auch von einem Streben nach politischer Partizipation und Repräsentation gekennzeichnet. Die Idee, dass die Regierung die Zustimmung der Regierten benötigt und dass Bürger das Recht haben sollten, an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen, war ein Schlüsselaspekt der revolutionären Bewegung.
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wurde stark von den Ideen der Aufklärung beeinflusst. Konzepte wie individuelle Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und die Idee der Volkssouveränität beeinflussten die Gründerväter der Vereinigten Staaten bei der Gestaltung ihrer Verfassung.
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inspirierte die Akteure anderer Länder und Regionen, in erster Linie in der Französischen Revolution.
Folgende Aspekte könnten gegen diese These sprechen:
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Innerhalb der USA blieb die Verwirklichung der Demokratie in vielem für lange Zeit unvollständig.
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Trotz der Ideale der Revolution blieb die Institution der Sklaverei in vielen Teilen der Vereinigten Staaten bestehen, vollständige Bürgerrechte für Afroamerikaner wurden erst im 20. Jahrhundert erlangt.
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Frauen waren ebenfalls von der vollen Teilhabe an der demokratischen Regierung ausgeschlossen (Frauenwahlrecht erst 1920).
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Indigene Völker in den USA wurden ebenfalls von den demokratischen Prozessen ausgeschlossen, ihre Territorien wurden oft ohne ihre Zustimmung besiedelt und annektiert, und sie besaßen wenig oder gar keine politische Repräsentation.
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Demokratische Ansätze lassen sich auch weit vor der Amerikanischen Revolution finden: ihre Ursprünge liegen in der attischen Demokratie des 5. Jahrhunderts v. Chr. und ebenso kann die Selbstverwaltung der europäischen mittelalterlichen Stadt als eine Vorform der Demokratie gesehen werden.