Thema 2 – Erschließen pragmatischer Texte
Aufgabenstellung
Lies den Text 10.000 Schritte zum Glück sorgfältig und bearbeite dann die folgenden Aufgaben:
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Fasse den Inhalt des Textes so zusammen, dass dessen Aufbau erkennbar wird.
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Beschreibe sprachliche Auffälligkeiten des Textes und deren Wirkung.
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Der Text enthält Elemente einer Glosse. Weise diese nach.
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Manche Menschen richten ihr Leben – wie auch im Text beschrieben – nach bestimmten Trends
aus. Was hältst du davon? Lege deine Position in etwa 250 Wörtern dar. -
Stelle dir vor, der junge Mann entschließt sich doch noch, anstelle des Fitnessstudiobesuchs
mit seinen Arbeitskollegen am See zu grillen. Schildere aus dessen Sicht die Eindrücke vor Ort.
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Florian Wildgruber
Quelle: www.pf-magazin.de (Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft), veröffentlicht am 6.3.2023 (Text zu Prüfungszwecken verändert)
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Thematik
Der Autor setzt sich in dem Text auf spöttisch-ironische Art und Weise mit dem seiner Ansicht nach überzogenen Selbstoptimierungsdrang in der Gesellschaft auseinander.
Aufbau und Inhalt
Der Text lässt sich in neun Sinnabschnitte gliedern:
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Sinnabschnitt 1 (Z. 1–13): Ironische Hinführung zum Thema
Zu Beginn berichtet der Autor, er habe in einer vermeintlichen Fachzeitschrift gelesen, dass allein das tägliche Gehen von 10.000 Schritten nicht nur die Gesundheit, sondern sogar das ganze Leben verbessern könne. Dabei deutet er bereits ironisch an, dass es sich bei der angeblichen Fachzeitschrift möglicherweise um die „BUNTE“ oder die „FREUNDIN“ gehandelt habe. -
Sinnabschnitt 2 (Z. 14–21): Aufzeigen eines gesellschaftlichen Trends
Anschließend beschreibt der Autor das zunehmende Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft. Dies zeigt sich seiner Meinung nach unter anderem an steigenden Mitgliederzahlen in Fitnessstudios, besonderen Ernährungsformen und der Nutzung von Fitness-Apps beziehungsweise Fitnesstrackern. -
Sinnabschnitt 3 (Z. 22–29): Beispielhafter Beleg für den Trend
Daraufhin erzählt der Autor von einem Gespräch mit einem etwa 30-jährigen Mann, der ihm ausführlich seinen Tagesablauf und seine Ernährungsweise schildert. An dessen Beispiel verdeutlicht der Autor den zuvor beschriebenen Selbstoptimierungstrend. -
Sinnabschnitt 4 (Z. 30–48): Schilderung des morgendlichen Rituals
Der Mann beginnt seinen Tag mit einem selbst gemachten Smoothie aus verschiedenen angeblich gesunden Zutaten wie Bananen, Spinat, Brennnesseln, Chiasamen und Leinöl. Für den Autor wirkt diese Mischung jedoch wenig appetitlich. Er macht sich deshalb ironisch über das morgendliche Ritual des Mannes lustig. -
Sinnabschnitt 5 (Z. 49–82): Darstellung des Arbeitsalltags
Während der Arbeit bewegt sich der Mann kaum. Die regelmäßigen Aufforderungen seines Fitnesstrackers zur Bewegung umgeht er sogar durch gezielte Schüttelbewegungen des Handgelenks. Mittags nimmt er einen selbst gemachten Eiweiß-Shake zu sich. Eine Einladung seiner Kollegen zu einem Grillabend am See lehnt er ab, weil er noch ins Fitnessstudio gehen möchte. -
Sinnabschnitt 6 (Z. 83–94): Situation im Fitnessstudio
Den Weg zum Fitnessstudio legt der Mann mit seinem elektronischen Fortbewegungsmittel zurück. Dort fährt er mit dem Aufzug in den ersten Stock, um anschließend auf einem sogenannten Hillclimber künstlich Treppen zu steigen. Auf diese Weise versucht er, sein Tagesziel von 10.000 Schritten zu erreichen. -
Sinnabschnitt 7 (Z. 95–113): Beschreibung der abendlichen Abläufe
Nachdem er seine restlichen Schritte im Fitnessstudio absolviert hat, fährt der Mann nach Hause. Wegen seines Intervallfastens darf er nichts mehr essen. Den Abend verbringt er allein und betrachtet auf Instagram und Facebook die Bilder seiner Arbeitskollegen vom Grillabend. Um 22 Uhr geht er schlafen, da eine Gesundheitsstudie angeblich besagt, dass früher Schlaf das Leben verlängere. Der Autor stellt daraufhin ironisch die Frage, wann man die ständig „gesparte“ Zeit eigentlich wieder einlösen könne (vgl. Z. 110–113). -
Sinnabschnitt 8 (Z. 114–139): Gegenentwurf des Autors
Ausgehend von einem Zitat des Schauspielers Anthony Hopkins stellt der Autor den Ernährungs- und Gesundheitswahn grundsätzlich infrage. Er fordert dazu auf, das Leben stärker zu genießen. Außerdem verweist er auf eine Studie, nach der gute soziale Beziehungen besonders wichtig für die Gesundheit seien. Ein Grillabend mit Freunden könne somit sogar gesünder sein als ein allein verbrachter Abend mit streng eingehaltenen Ernährungsvorschriften. -
Sinnabschnitt 9 (Z. 140–147): Appell
Am Ende appelliert der Autor an die Leserinnen und Leser, weniger Zeit damit zu verbringen, ständig über Gesundheit und aktuelle Trends nachzudenken. Stattdessen solle man dem eigenen Leben mehr Lebensqualität geben und mehr Spaß haben. Dies fasst er abschließend mit den Worten „Bleibt g’sund und habt Spaß!“ (Z. 147) zusammen.
Aufgabe 2
Der Text weist zahlreiche sprachliche Auffälligkeiten auf, durch die Florian Wildgruber seine kritische und gleichzeitig humorvolle Haltung gegenüber Gesundheits- und Selbstoptimierungstrends verdeutlicht.
2.1 Wortwahl
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Auffällig ist zunächst die Verwendung veranschaulichender und treffender Adjektive. Der Autor bezeichnet die Vorstellung von den positiven Wirkungen der 10.000 Schritte beispielsweise als „enttäuschend“ (Z. 12) und „banal“ (Z. 13). Den Smoothie beschreibt er dagegen als „schleimige“ Masse (Z. 34 f.). Dies steht im Gegensatz zu den positiven Bewertungen des Gesprächspartners, der seine Ernährung als „gesund“ (Z. 38) bezeichnet, „stolz“ (Z. 71) von seinem Eiweiß-Shaker berichtet und den Hillclimber als „großartiges“ Gerät bezeichnet (Z. 87). Dadurch wird die Gegensätzlichkeit zwischen der abwertenden Haltung des Autors und der euphorischen Einstellung seines Gesprächspartners deutlich.
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Weiterhin fällt auf, dass der Gesprächspartner nie namentlich genannt wird. Stattdessen verwendet der Autor Personalpronomen wie „er“ und „ihm“ (z. B. Z. 27, Z. 30, Z. 38). Dadurch entsteht einerseits eine gewisse Distanz des Autors zu dem Mann. Andererseits wirkt dieser wie ein stellvertretendes Beispiel für viele Menschen, die sich ähnlich verhalten.
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Daneben spricht Wildgruber seine Leserinnen und Leser immer wieder direkt mit Anredepronomen wie „Sie“ oder „Ihr“ an (z. B. Z. 1, Z. 9, Z. 10, Z. 69). Dadurch werden die Leser unmittelbar in das Geschehen einbezogen und dazu angeregt, über ihr eigenes Verhalten nachzudenken.
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Der Text enthält außerdem zahlreiche Fachbegriffe und Fremdwörter aus den Bereichen Fitness und Ernährung, beispielsweise „Fitness-Apps“ (Z. 20), „Aminosäuren“ (Z. 73 f.), „Omega-3-Fette“ (Z. 74 f.), „Hillclimber“ (Z. 87) und „Intervallfasten“ (Z. 98 f.). Durch diese Begriffe zeigt der Autor, dass er mit den beschriebenen Trends vertraut ist, und vermittelt gleichzeitig eine gewisse Fachkenntnis.
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Auffällig sind zudem stark hervorhebende Adjektive und Adverbien. Der Autor verwendet beispielsweise „dringendst“ (Z. 2), „extrem viel Zeit“ (Z. 36 f.), „Super gesund“ (Z. 99 f.) und „total viel Zeit“ (Z. 101). Durch diese Übertreibungen setzt er sich spöttisch mit den angeblich ausschließlich positiven Auswirkungen der Trends auseinander.
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Auch verschiedene Gesprächsfloskeln sorgen für einen mündlichen und lockeren Stil. Beispiele sind „Na ja“ (Z. 26), „Nein, ich weiß“ (Z. 47), „Ich bitte Sie!“ (Z. 68 f.), „Aber gut“ (Z. 93) und „ja“ (Z. 100). Sie unterbrechen immer wieder die eigentliche Schilderung und ermöglichen es dem Autor, den Leser direkt anzusprechen und eigene Gedanken und Kommentare einzustreuen.
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Dazu kommen umgangssprachliche Ausdrücke wie „Plörre“ (Z. 49 f.), „runterpresst“ (Z. 50) und „reinzustopfen“ (Z. 139). Sie machen die Thematik alltagsnah und verdeutlichen gleichzeitig die abwertende Haltung des Autors gegenüber bestimmten Fitness- und Gesundheitstrends.
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Eine weitere Auffälligkeit ist die häufige Verwendung der Verben „müssen“ und „dürfen“. So heißt es beispielsweise „Man muss es … sagen“ (Z. 47 f.), Eiweiß „muss … werden“ (Z. 66) und der Mann „darf er nichts mehr essen“ (Z. 97 f.). Dadurch wird der zwanghafte Charakter des Lebensstils deutlich. Der Mann entscheidet kaum noch frei, sondern richtet seinen Alltag nach festen Regeln und Gesundheitsvorgaben aus.
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Darüber hinaus verwendet Wildgruber mehrere bildhafte Ausdrücke. Der Mann „zaubert … hervor“ (Z. 69 f.), auf ihn „wartet noch das Fitnessstudio“ (Z. 80), Intervallfasten wird als „der neueste Schrei“ (Z. 99) bezeichnet und Menschen „zerbrechen“ sich über ihre Gesundheit „den Kopf“ (Z. 142). Diese Formulierungen verdeutlichen einerseits die vermeintlich positiven Seiten der Trends, andererseits aber auch ihre negativen Auswirkungen. Sie zeigen, welchen Druck solche Trends ausüben können und wie Menschen ihnen teilweise beinahe passiv folgen.
2.2 Satzbau
Auch beim Satzbau gibt es mehrere Auffälligkeiten.
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Der Autor verwendet beispielsweise Ellipsen, also unvollständige Sätze, wie „Zeit für Bewegung!“ (Z. 51 f.) oder „Ein großartiges Gerät.“ (Z. 87 f.). Dadurch werden bestimmte Trends und Verhaltensweisen besonders plakativ hervorgehoben und teilweise abgewertet.
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Daneben treten immer wieder rhetorische Fragen auf. Gleich zu Beginn fragt der Autor: „Sind Sie …? Nein?“ (Z. 1 f.). Später fragt er sinngemäß, ob die Leser die Situation kennen, einen Smalltalk bereits nach einer Minute zu bereuen (vgl. Z. 24–26), und schließlich: „Wann und wo kann man die eigentlich einlösen?“ (Z. 112 f.). Dadurch spricht er seine Leser unmittelbar an und fordert sie dazu auf, kritisch über ihr eigenes Verhalten und den gesellschaftlichen Selbstoptimierungsdrang nachzudenken.
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Auch Ausrufe wie „Zeit für Bewegung!“ (Z. 51 f.), „Aber doch nicht etwa in Form eines Steaks oder Schnitzels!“ (Z. 67 f.) oder „Da spart man sich so viel Zeit!“ (Z. 76) fallen auf. Sie verdeutlichen den teilweise auffordernden und zwingenden Charakter der Gesundheitstrends, denen der Mann folgt, ohne sie kritisch zu hinterfragen.
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Außerdem verwendet der Autor mehrfach wörtliche Rede, beispielsweise in den Zeilen 35–38, 70–76 und 87–89. Dadurch wirkt die Gesprächssituation authentischer und lebendiger. Gleichzeitig kann sich der Leser ein genaueres Bild von der Einstellung des Mannes machen.
2.3 Stil
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Insgesamt ist der Text von einem ironisch-übertriebenen Stil geprägt. Ein Beispiel dafür ist die Aussage, der Autor habe in einer „renommierten Fachzeitschrift“ gelesen, wobei es sich möglicherweise um die „BUNTE oder die FREUNDIN“ gehandelt habe (Z. 4–6). Auch die Formulierung, der Mann verleibe sich seinen Smoothie „unter heftigem Würgereiz“ ein (Z. 46), die angeblichen „1.500 Prozent der empfohlenen Tagesdosis“ an Vitaminen (Z. 64 f.) oder die Aussagen „Super gesund“ und „total viel Zeit“ (Z. 99–101) sind bewusst übertrieben. Dadurch wird das sinn- und gedankenlose Verfolgen aktueller Fitness- und Gesundheitstrends bloßgestellt und lächerlich gemacht.
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Teilweise geht der Autor außerdem spielerisch mit Sprache um. So schreibt er: „Fitnessstudios platzen – ähnlich wie viele ihrer Mitglieder – aus allen Nähten“ (Z. 17–19). Ebenfalls auffällig ist, dass der Mann mit seinem Hoverboard zur Arbeit fährt (vgl. Z. 54–56), obwohl er später verzweifelt versucht, genügend Schritte zu sammeln. Die Bezeichnung seiner nur 126 Schritte als „magere Zwischenbilanz“ (Z. 58) spielt zugleich auf das Thema Ernährung an. Durch solche Formulierungen weist der Autor spöttisch auf die geringen Erfolgsaussichten und Widersprüche dieser Trends im Gegensatz zu natürlicher Bewegung im Alltag hin.
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Schließlich besitzt der Text einen gesprächsartigen Stil. Umgangssprachliche Ausdrücke, Gesprächsfloskeln und die direkte Anrede der Leser vermitteln den Eindruck, als würde der Autor unmittelbar mit ihnen sprechen. Dadurch werden die Leser stärker in die Thematik einbezogen und der Text wirkt unterhaltsam und leicht verständlich.
Aufgabe 3
Der Text „10.000 Schritte zum Glück“ weist mehrere typische Merkmale einer Glosse auf.
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Zunächst setzt sich Florian Wildgruber auf geistreich-ironische Weise mit einer zeittypischen Erscheinung auseinander. Im Mittelpunkt steht der zunehmende Drang zur „Selbstoptimierung“, insbesondere in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Fitness. Der Mann richtet nahezu seinen gesamten Tagesablauf danach aus, möglichst gesund zu leben und seinen Körper zu optimieren.
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Typisch für eine Glosse ist außerdem die witzig-übertriebene Darstellung. Der Autor überzeichnet das Verhalten des Mannes bewusst. Beispielsweise nimmt dieser mit seinem Smoothie angeblich bereits „1.500 Prozent der empfohlenen Tagesdosis an Vitaminen“ zu sich (Z. 64 f.) und fährt mit dem Aufzug zum Hillclimber, um dort künstlich Treppen zu steigen. Solche Widersprüche werden bewusst zugespitzt.
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Hinzu kommt der spöttisch-ironische Stil sowie die große Nähe zur gesprochenen Sprache. Umgangssprachliche Begriffe wie „Plörre“ (Z. 49 f.), Gesprächsfloskeln wie „Na ja“ (Z. 26) und direkte Kommentare wie „Ich bitte Sie!“ (Z. 68 f.) sorgen für einen lockeren und humorvollen Ton.
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Am Ende enthält der Text außerdem einen für eine Glosse typischen Appell. Der Autor fordert dazu auf, das Leben zu genießen und Spaß zu haben, anstatt ständig aktuellen Trends hinterherzulaufen. Besonders deutlich wird dies in seinem abschließenden Satz: „Bleibt g’sund und habt Spaß!“ (Z. 147).
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Ein weiteres Merkmal ist die direkte Anrede der Leserinnen und Leser. Durch rhetorische Fragen wie „Sind Sie heute schon Ihre 10.000 Schritte gelaufen? Nein?“ (Z. 1 f.) oder die Frage, wann man die eingesparte Zeit eigentlich wieder einlösen könne (vgl. Z. 112 f.), fordert Wildgruber seine Leser immer wieder dazu auf, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen.
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Außerdem betrachtet der Autor das Thema aus einer subjektiven Perspektive und lässt seine persönliche Wertung deutlich erkennen. Besonders in den Zeilen 114–147 wird deutlich, dass er den übertriebenen Ernährungs- und Fitnesstrends wenig abgewinnen kann. Er stellt ihnen bewusst ein Leben mit Genuss, sozialen Kontakten und angemessener Bewegung gegenüber.
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Schließlich besitzt der Autor einen persönlichen Bezug zum Thema, der als Grundlage für seine Überlegungen dient. Seine ablehnende Haltung stützt er sowohl auf das persönliche Gespräch mit dem jungen Mann als auch auf den zuvor gelesenen Zeitschriftenartikel.
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Damit erfüllt der Text wesentliche Merkmale einer Glosse: Er behandelt ein aktuelles gesellschaftliches Phänomen subjektiv, ironisch, überspitzt und unterhaltsam, enthält eine erkennbare Wertung und regt gleichzeitig zum Nachdenken an.
Aufgabe 4
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Trends begegnen uns heute überall. Besonders durch soziale Medien erfahren wir ständig, was gerade angesagt ist: bestimmte Kleidungsstile, Ernährungsformen, Sportarten oder technische Geräte. Meiner Meinung nach ist es grundsätzlich nicht schlecht, sich mit Trends zu beschäftigen. Problematisch wird es jedoch, wenn Menschen ihr gesamtes Leben danach ausrichten.
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Trends können durchaus positive Auswirkungen haben. Sie bringen Menschen beispielsweise auf neue Ideen und können dazu motivieren, etwas auszuprobieren. Ein Fitnesstrend kann dazu führen, dass sich jemand mehr bewegt und dadurch gesünder lebt. Auch neue Ernährungstrends können dazu anregen, bewusster über Lebensmittel nachzudenken. Außerdem können gemeinsame Interessen Menschen miteinander verbinden.
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Trotzdem sollte man Trends nicht unkritisch folgen. Gerade in sozialen Medien entsteht schnell der Eindruck, dass man bestimmte Dinge tun oder besitzen muss, um dazuzugehören. Das kann Druck erzeugen. Der junge Mann im Text zeigt deutlich, wohin ein solcher Optimierungszwang führen kann. Er verzichtet auf einen Grillabend mit seinen Kollegen, um sein Fitnessprogramm einzuhalten. Dadurch lebt er zwar vermeintlich besonders gesund, verbringt seinen Abend aber allein.
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Außerdem verändern sich Trends sehr schnell. Wer ihnen ständig folgt, gibt viel Geld und Zeit aus und verliert möglicherweise aus den Augen, was einem selbst wirklich wichtig ist.
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Ich finde deshalb, dass man Trends als Anregung, aber niemals als feste Vorgabe betrachten sollte. Jeder sollte selbst entscheiden, was zum eigenen Leben passt. Gesundheit, Mode oder Freizeit sollten nicht von Trends bestimmt werden. Viel wichtiger ist es, sich wohlzufühlen, eigene Entscheidungen zu treffen und auch einmal bewusst gegen einen Trend zu handeln. Am Ende sollte nicht entscheidend sein, was gerade modern ist, sondern was einem selbst guttut.
Aufgabe 5
Als wir am See ankamen, blieb ich zunächst etwas unsicher neben meinem Hoverboard stehen. Eigentlich hätte ich jetzt längst im Fitnessstudio sein müssen. Mein Blick fiel automatisch auf meinen Fitnesstracker: 324 Schritte. Das kleine Display schien mich regelrecht anzuklagen.
„Jetzt komm schon!“, rief einer meiner Kollegen und winkte mich zu den anderen.
Schon von Weitem roch ich das Feuer. Der würzige Duft von gegrilltem Fleisch und Gemüse lag in der warmen Abendluft. Das Holz knackte leise in der Glut, während über dem Wasser die Sonne langsam tiefer sank. Ihre letzten Strahlen färbten den See orange und rot. Irgendwo spielte jemand leise Musik aus einem kleinen Lautsprecher. Die anderen lachten.
Ich setzte mich etwas zögerlich auf die Decke neben meine Kollegen. Mein Tracker vibrierte.
Zeit für Bewegung!
Fast automatisch wollte ich mein Handgelenk schütteln. Dann musste ich selbst lachen und ließ es bleiben.
„Willst du ein Würstchen?“
Für einen kurzen Moment dachte ich an mein Intervallfasten. Nach 18 Uhr durfte ich doch eigentlich nichts mehr essen. Außerdem hatte ich meinen Eiweiß-Shaker dabei. Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fette – eigentlich alles, was mein Körper brauchte.
Dann roch ich wieder das frisch gegrillte Brot.
„Ja“, sagte ich schließlich. „Warum eigentlich nicht?“
Ich biss hinein. Die knusprige Kruste knackte, das Brot war noch warm und schmeckte überraschend gut. Viel besser als mein Shake, musste ich mir eingestehen.
Nach einer Weile gingen einige Kollegen ans Wasser. Ich zog meine Schuhe aus und lief mit ihnen über das kühle Gras. Der Boden fühlte sich weich unter meinen Füßen an. Wir warfen Steine ins Wasser, erzählten Geschichten und lachten über Dinge, die überhaupt nichts mit Arbeit, Ernährung oder Fitness zu tun hatten.
Plötzlich bemerkte ich, dass ich schon seit fast einer Stunde nicht mehr auf meinen Tracker geschaut hatte.
Als die Sonne schließlich hinter den Bäumen verschwand, saßen wir gemeinsam am Feuer. Ich fühlte mich ruhig und erstaunlich zufrieden.
Mein Fitnessstudio hatte ich heute verpasst. Meine 10.000 Schritte würde ich ebenfalls nicht mehr schaffen.
Aber zum ersten Mal fragte ich mich, ob das wirklich so schlimm war.
Ich schaute zu meinen Kollegen, die lachend um das Feuer saßen, und dachte:
Vielleicht war das heute trotzdem ziemlich gesund.