HT 4
Materialgestütztes Schreiben
Thema
Manipulation durch Sprache am Beispiel der Propaganda des Nationalsozialismus
Aufgabenstellung
Im Rahmen einer schulischen Projektwoche mit dem Titel „Wehret den Anfängen. Demokratie stärken.“ beschäftigt sich Ihr Grundkurs Deutsch mit dem Thema „Manipulation durch Sprache am Beispiel der Propaganda des Nationalsozialismus“.
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Verfasse für das Begleitheft zu der Projektwoche einen informierenden Beitrag, der das Thema, auch mit Blick auf seine Aktualität, für die Schüler-, Lehrer- und Elternschaft auf schlüssig strukturierte und differenzierte Weise darstellt.
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Nutze dazu die Materialien 1 bis 6 und beziehe unterrichtliches Wissen unter anderem zum Thema Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen mit ein.
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Formuliere eine geeignete Überschrift.
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Verweise auf die Materialien erfolgen unter Angabe des Namens der Autorin bzw. des Autors und ggf. des Titels.
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Der Beitrag sollte etwa 900 Wörter umfassen.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Die NS-Propaganda (2015)
Arnulf Scriba
Quelle: Arnulf Scriba: Die NS-Propaganda. 14.07.2015 https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/ns-propaganda. (Zugriff: 29.03.2025)
Anmerkung zum Autor: Arnulf Scriba (* 1972) ist Historiker und arbeitete für das Deutsche Historische Museum in Berlin, auf dessen Homepage der oben abgedruckte Text erschien. Seit 2021 ist er Museumsleiter in Korbach.
Sprachliche Fehler in der Textvorlage wurden entsprechend der geltenden Norm korrigiert.
Material 2: Werbeplakat „Ganz Deutschland hört den Führer mit dem Volksempfänger“ (1933)

Anmerkung zum Material:
Der „Volksempfänger“ wurde im August 1933 auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Propagandainstrumente der NS-Regierung. Auf Anweisung von Joseph Goebbels wurden die deutschen Herstellerfirmen dazu verpflichtet, das Radio nach einheitlichen Vorgaben zu produzieren und für einen für weite Teile der Gesellschaft erschwinglichen Preis anzubieten. Nicht zuletzt durch die gezielte Werbung des NS-Regimes wurde der Volksempfänger schnell zum Massenmedium, durch das etwa die Reden Adolf Hitlers und Joseph Goebbels’ in den Haushalten gehört werden konnten. Von 1932 bis 1939 verdreifachte sich die Anzahl von Rundfunkteilnehmern auf 12 Millionen. Ab Juli 1933 hing das oben abgebildete Werbeschild in den Schaufenstern deutscher Rundfunkhändler.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung: Nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland. 05.05.2022
https://www.bpb.de/themen/politisches-system/politik-einfach-fuer-alle/508029/nationalsozialistische-herrschaft-in-deutschland/ (Zugriff: 20.12.2024)
Material 3: Sprache und Sprachlenkung im Nationalsozialismus (2010)
Cornelia Schmitz-Berning
Quelle: Cornelia Schmitz-Berning: Sprache und Sprachlenkung im Nationalsozialismus. 15.10.2010
https://www.bpb.de/themen/parteien/sprache-und-politik/42752/sprache-und-sprachlenkung-im-nationalsozialismus (Zugriff: 20.12.2024)
Anmerkung zur Autorin: Cornelia Schmitz-Berning (* 1931 – † 2023) war Germanistin. Der Text entstammt der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung.
Sprachliche Fehler in der Textvorlage wurden entsprechend der geltenden Norm korrigiert.
Im Originaltext enthaltene Fußnoten wurden nicht übernommen.
Material 4: Sprache im Nationalsozialismus (1994)
Michael Kinne, Johannes Schwitalla
Quelle: Michael Kinne, Johannes Schwitalla: Sprache im Nationalsozialismus. Heidelberg: Julius Groos Verlag 1994, S. 1
Anmerkung zu den Autoren: Johannes Schwitalla war bis zum Jahr 2009 Professor für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Würzburg.Michael Kinne war bis zum Jahr 2003 Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, an dem auch Schwitalla bis 1994 tätig war.
Sprachliche Fehler in der Textvorlage wurden entsprechend der geltenden Norm korrigiert.
Material 5: Die Gleichschaltung der Wörter. Sprache im Nationalsozialismus (2008)
Waltraud Sennebogen
1 Stimulus-Response-Modell: Das Stimulus-Response-Modell, auch Reiz-Reaktions-Modell genannt, ist ein behavioristisches Modell, das Verhalten als Reaktion auf einen vorhergehenden Reiz erklärt.
2 „liberalistischen Systemzeit“: Begriff der Nationalsozialisten als abwertend gemeinte Kennzeichnung der Zeit der Weimarer Republik
Quelle: Waltraud Sennebogen: Die Gleichschaltung der Wörter. Sprache im Nationalsozialismus. In: Das „Dritte Reich“. Eine Einführung. Hrsg. von Dietmar Süß und Winfried Süß. München: Pantheon Verlag 2008, S. 170–172
Anmerkung zur Autorin: Waltraud Sennebogen (* 1975) ist Historikerin.
Sprachliche Fehler in der Textvorlage wurden entsprechend der geltenden Norm korrigiert.
Material 6: LTI. Notizbuch eines Philologen1 (1947)
Victor Klemperer
1 LTI. Notizbuch eines Philologen (lateinisch „Lingua Tertii Imperii“ für „Sprache des Dritten Reichs“) ist ein 1947 erschienenes Werk von Viktor Klemperer, in dem sich der Autor – als Zeitzeuge – mit der Sprache des Nationalsozialismus befasst.
2 Distichon: allgemein Doppelvers, Strophe aus zwei verschiedenen Versen
3 Air: Aussehen, Haltung
Quelle: Victor Klemperer: LTI. Notizbuch eines Philologen. 24., völlig neu bearb. Auflage. Hrsg. und kommentiert von Elke Fröhlich. Stuttgart: Reclam 2010, S. 25–26
Anmerkung zum Autor: Viktor Klemperer (* 1881 – † 1960) war zunächst von 1920 bis 1935 Professor für Romanistik an der TH Dresden. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er 1935 entlassen. In den Jahren 1934 bis 1945 lebte er mit seiner Frau in sogenannten Judenhäusern in Dresden. Nach 1945 kehrte er auf den Dresdener Lehrstuhl zurück. Es folgten Professuren in Greifswald, Halle und Berlin.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Sprache als Waffe: Manipulation und Propaganda im Nationalsozialismus und ihre Aktualität für die Demokratie
Hinführung
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Sehr geehrte Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrkräfte und Eltern, im Rahmen unserer schulischen Projektwoche mit dem Titel Wehret den Anfängen. Demokratie stärken. setzt sich unser Deutsch-Grundkurs intensiv mit dem Thema „Manipulation durch Sprache am Beispiel der Propaganda des Nationalsozialismus“ auseinander.
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Das historische Verständnis der Mechanismen von Sprachlenkung und Massenbeeinflussung ist nicht nur eine Aufgabe der Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern bildet ein bedeutsames Fundament für die kritische Medien- und Diskursfähigkeit in unserer heutigen demokratischen Gesellschaft.
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Dieser Beitrag im Begleitheft möchte die Ziele, Strategien und Wirkungsmuster der NS-Sprachpolitik systematisch darstellen und im Anschluss aufzeigen, warum dieses Thema bis in unsere Gegenwart von unverminderter Aktualität ist.
Ziele und Reichweite der nationalsozialistischen Sprachpolitik
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Die nationalsozialistische Sprachpolitik verfolgte das radikale Ziel einer vollständigen gedanklichen und ideologischen Gleichschaltung der Bevölkerung, um die im Parteiprogramm geforderte „restlose Erfassung aller Deutschen“ zu erreichen (vgl. M3).
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Unmittelbar nach der Machtübernahme wurde am 13. März 1933 das von Joseph Goebbels geleitete „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ geschaffen, das in kürzester Zeit die vollständige Kontrolle über Presse, Literatur, Film und Rundfunk übernahm (vgl. M1).
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Durch den massenhaften Verkauf des preisgünstigen Volksempfängers verdreifachte sich die Zahl der Rundfunkteilnehmer zwischen 1932 und 1939 von vier auf zwölf Millionen, was es dem Regime erlaubte, den Hörerkreis sprunghaft zu erweitern und die NS-Ideologie bis in die privaten Haushalte zu tragen. Das erklärte Ziel von Goebbels war es, dass das Volk anfange, „einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren“ (vgl. M1, M2, M3)
Zentrale Strategien der NS-Propaganda
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Ein wesentliches Mittel der Machtdemonstration und Emotionalisierung war der Einsatz eines spezifischen Pathos in der öffentlichen Rede, die durch Anleihen an den Gebets- und Predigtstil religiös aufgeladen und in feierliche Massenveranstaltungen eingebunden wurde (M4).
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Die NS-Sprache zeichnete sich durch eine ideologisierte, polarisierende und volkstümliche Diktion aus, die komplexe Sachverhalte auf eingängige, emotionsgeladene Formeln reduzierte. Nach Hitlers Verhaltensmodell einer Konditionierung durch Stimulus und Response sollte das gewünschte Denken nicht durch rationale Argumente, sondern durch permanente, millionenfache Wiederholung erzeugt werden (vgl. M4, M5).
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Ein wichtiges Instrument war die systematische Inklusion und Exklusion durch Vokabular: Begriffe wie „Volksgemeinschaft“ schufen ein trügerisches Wir-Gefühl, während Andersdenkende und Minderheiten gezielt als „Gemeinschaftsfremde“, „Volksschädlinge“ oder „Parasiten“ stigmatisiert wurden (Kinne/Schwitalla; Sennebogen). Diese entmenschlichende Metaphorik der biologischen Vernichtung bereitete den Boden für die spätere physische Auslöschung vor (vgl. M4, M5).
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Zudem betrieb das Regime eine gezielte Bedeutungsverschiebung und Eindeutschung von Begriffen: Das Wort „Führer“ wurde schrittweise auf den politischen Machthaber Adolf Hitler verengt, während Berufsbezeichnungen im Sinne der Ideologie umgeprägt wurden – etwa vom Juristen zum „Rechtswahrer“ oder vom Partisanen zum „Banditen“ (vgl. M5).
Instrument der staatlichen Kontrolle und Normierung
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Die Durchsetzung der ideologischen Einheitssprache erfolgte durch strikte Pressezensur und institutionalisierte Normierung: Durch Schließungen, Verbote und vorauseilende Selbstzensur sank die Zahl der Zeitungen innerhalb eines Jahres von etwa 4.700 auf 1.402 (vgl. M3).
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Auf den täglichen Pressekonferenzen der Reichsregierung erhielten die Redaktionen verbindliche Regieanweisungen bezüglich Wortwahl und Berichterstattung (vgl. M3).
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Darüber hinaus wurden Wörterbücher und Lexika der staatlichen Doktrin angepasst; so stieg die Zahl der spezifischen NS-Vokabeln im Duden von 180 Einträgen im Jahr 1934 auf 883 Einträge im Jahr 1941. Im Alltag fungierten verpflichtende Kommunikationsrituale wie der Hitlergruß oder Aushänge wie die Parole der Woche als ständige Herrschaftsinstrumente und Kontrollmechanismen (vgl. M3, M4).
Die Wirkungsweise der Sprache
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Der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer beschreibt in seinem Werk LTI (Lingua Tertii Imperii), dass die stärkste Wirkung der NS-Propaganda nicht von einzelnen Reden oder Plakaten ausging, sondern von der unbewussten Aufnahme vergifteter Einzelworte und Wendungen im Alltag (vgl. M6).
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Worte wirken nach Klemperer wie „winzige Arsendosen“: Unbemerkt verschluckt entfalten sie mit der Zeit eine unheilvolle Giftwirkung im menschlichen Geist (vgl. M6).
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Indem der Nationalsozialismus Begriffe wie „fanatisch“ positiv umwertete und das Vokabular der Partei aufzwingend mit der Allgemeinsprache verschmolz, steuerte das System unbewusst das Fühlen, Denken und seelische Wesen der Bevölkerung (vgl. M6).
Aktualität und Bezug zu heutigen Gefährdungen der Demokratie
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Die Mechanismen der Manipulation durch Sprache sind mit dem Ende des Nationalsozialismus keineswegs verschwunden; sie finden in den heutigen politischen Diskursen neue Erscheinungsformen.
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Auch in modernen Debatten lassen sich Phänomene der Polarisierung, des Framings und der Ausgrenzung beobachten, wenn komplexe gesellschaftliche Fragen populistische Verkürzungen erfahren oder politische Gegner durch aggressive Sprache abgewertet werden.
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Insbesondere die digitalen Medien und Algorithmen bieten heutzutage neuartige Kanäle, über die Desinformation, Euphemismen und Hassrede in hoher Geschwindigkeit verbreitet werden können, was das Entstehen geschlossener Filterblasen begünstigt.
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Die Beschäftigung mit der NS-Propaganda schärft das Bewusstsein dafür, wie empfindlich demokratische Diskurse gegenüber verrohender Sprache sind und wie essenziell eine reflektierte Medien- und Sprachkritik für den Erhalt unserer freien Gesellschaft ist.
Schluss
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Zusammenfassend zeigt der Blick auf die Sprachpolitik des Nationalsozialismus, wie systematisch Sprache als Instrument der Entmenschlichung, Ausgrenzung und Herrschaftssicherung missbraucht werden kann.
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Die Analyse der historischen Propaganda verdeutlicht eindringlich, dass der Schutz der Demokratie stets beim verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache beginnt.
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Dem Slogan unserer Projektwoche Wehret den Anfängen folgend, bleibt es eine Daueraufgabe für Schüler-, Lehrer- und Elternschaft, sprachlichen Manipulationsversuchen stets mit kritischem Denken, Haltung und Zivilcourage entgegenzutreten.