Aufgabe 3
Aufgabenstellung
Interpretiere den vorliegenden Auszug aus Dörte Hansens Roman Altes Land.
Vergleiche Veras Verhältnis zu ihrem Haus im vorliegenden Textauszug mit dem Verhältnis der „unberechtigten Eigenbesitzerin“
zum Haus am See in Jenny Erpenbecks Roman Heimsuchung.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Dörte Hansen (*1964): Altes Land (2015), Auszug
Hildegard von Kamcke flieht am Ende des Zweiten Weltkrieges mit ihren Kindern Vera und
Gregor, der noch auf der Flucht im Kinderwagen erfriert, aus Ostpreußen ins Alte Land bei
Hamburg. Hildegard und Vera werden bei der Bäuerin Ida Eckhoff einquartiert. Nach einer
Weile heiratet Hildegard Idas Sohn Karl. Heftige Streitigkeiten zwischen Hildegard und Ida
führen zum Suizid Idas und zu Hildegards Umzug nach Hamburg, wo sie ein weiteres Kind
bekommt: Marlene (Veras Stiefschwester).
Vera bleibt im Alten Land, baut sich eine Existenz als Zahnärztin auf und lässt das Haus und
den Hof verkommen. Sie kümmert sich aber fürsorglich um ihren Stiefvater Karl, der immer
stärker an seinem schweren Kriegstrauma als deutscher Soldat leidet und sich schließlich als
alter Mann das Leben nimmt. Nach Karls Beerdigung bleibt Marlene noch ein paar Tage bei
Vera – auch, um mehr über ihre gemeinsame Mutter zu erfahren. Der Textauszug beginnt
nach ihrer Abreise.
Kein Geräusch
1 Anspielung auf einen plattdeutschen Spruch am Giebel des Hauses: Dit Huus is mien un doch nich mien, de no
mi kummt, nenn’t ook noch sien, der übersetzt heißt: Dieses Haus ist meins und doch nicht meins, der nach mir
kommt, nennt es auch seins. Dieser Spruch wird im Laufe des Romans immer wieder aufgegriffen.
2 Merian: Reisemagazin.
Dörte Hansen (*1964): Altes Land (2015), Auszug
Aus: Dörte Hansen: Altes Land, München 2015, S. 221–226
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Teilaufgabe 1
Thema des Textes
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Der Textauszug aus Dörte Hansens Roman Altes Land thematisiert Unruhe und innere Heimatlosigkeit als Folge traumatisierender Verlust- und Fluchterfahrungen. Im Mittelpunkt steht die Figur Vera Eckhoff, deren Verhältnis zu ihrem Haus im Alten Land von einer starken Bindung, aber gleichzeitig auch von Angst, Einsamkeit und belastenden Erinnerungen geprägt ist. Das Haus wird dabei zu einem Ort, an dem sich vergangene traumatische Erfahrungen mit der Gegenwart verbinden.
Inhalt und Aufbau des Textes
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Zu Beginn des Textauszugs wird die scheinbare Ruhe im Haus nach Marlenes Besuch dargestellt. Vera räumt nach dem Besuch auf und stellt die Ordnung im Haus wieder her (vgl. Z. 1–7).
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Anschließend nimmt Vera verschiedene beunruhigende Geräusche wahr und beschäftigt sich mit dem Gedanken, dass man in alten Häusern niemals wirklich allein sein könne. Die Geräusche verbinden sich mit Erinnerungen an ihren Stiefvater Karl und dessen Kriegstrauma. Dadurch wird deutlich, dass die Vergangenheit weiterhin in Veras Gegenwart wirkt (vgl. Z. 8–33).
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Der Giebelspruch des Hauses wird anschließend zum Anlass für Vera, über ihre eigene Zugehörigkeit zu diesem Ort nachzudenken. Dabei zeigt sich bereits die widersprüchliche Beziehung zum Haus: Es ist ihr Zuhause, gleichzeitig fühlt sie sich dort nicht vollständig geborgen (vgl. Z. 34–37).
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Daraufhin erinnert sich Vera an ihre kindliche Angst vor dem Betreten von Eisflächen, die auf ihre Erlebnisse während der Flucht zurückgeht. Die Erfahrung des brechenden Eises und des Verlustes anderer Menschen hat ihr Vertrauen in die Welt nachhaltig erschüttert (vgl. Z. 38–47).
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Weitere Erinnerungen an die Flucht schließen sich an und werden mit Gedanken über die Möglichkeit beziehungsweise Unmöglichkeit des Vergessens verbunden. Vera versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, erkennt jedoch zunehmend, dass bestimmte Erfahrungen nicht ausgelöscht werden können (vgl. Z. 48–56).
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In der folgenden Nacht versucht Vera erfolglos, sich den Geräuschen und Erinnerungen durch regloses und stummes Aushalten zu entziehen. Sie versucht, unsichtbar zu werden und nicht aufzufallen. Bei Tageslicht erscheinen die nächtlichen Erlebnisse jedoch weniger bedrohlich (vgl. Z. 57–67).
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In der zweiten Nacht versucht Vera, durch Ablenkung, künstliches Licht und Musik Ruhe zu finden. Ihre Strategie scheitert jedoch, da die traumatischen Erinnerungen an die Flucht erneut auftreten und ihr den Schlaf nehmen (vgl. Z. 68–81).
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In der dritten Nacht wechselt Vera als weitere Bewältigungsstrategie in ihre Praxis. Durch einen Traum vom brennenden Haus wird sie jedoch wieder mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Anschließend erinnert sie sich an die preußischen Tugenden ihrer Mutter und entwickelt die Überzeugung, trotz aller belastenden Erfahrungen in dem Haus bleiben zu müssen (vgl. Z. 82–92).
Erzählerische Gestaltung
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Der Text wird durch einen Er-/Sie-Erzähler gestaltet. Die Erzählinstanz ist nicht Teil der erzählten Welt und stellt wissend Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Dadurch kann sie sowohl äußere Vorgänge beschreiben als auch Einblicke in Veras innere Gedankenwelt geben.
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Der Erzählerbericht wechselt zwischen einer Außensicht und der Innensicht der Figur Vera. Durch die Wiedergabe ihrer Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen erhält der Leser unmittelbaren Zugang zu Veras Erleben.
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Die Zeitgestaltung ist insgesamt durch ein zeitraffendes Erzählen geprägt, da die erzählte Zeit drei Tage beziehungsweise Nächte umfasst. Gleichzeitig werden einzelne besonders belastende Momente, vor allem während der ersten Nacht, durch teilweise zeitdeckendes Erzählen ausführlicher dargestellt (vgl. Z. 9–17, Z. 24–30).
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Durch Rückblenden werden Zusammenhänge zwischen den traumatischen Erfahrungen aus Veras Kindheit und ihrem gegenwärtigen Erleben hergestellt. Besonders die Erinnerungen an die Flucht zeigen, dass die Vergangenheit weiterhin Einfluss auf ihr Leben besitzt (vgl. Z. 38–56).
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Auch die Raumgestaltung besitzt eine zentrale Bedeutung. Das Haus wird als Ort dargestellt, an dem unverarbeitete Erinnerungen lebendig werden. Vergangene Erfahrungen erscheinen in Form von Stimmen und Geräuschen: „Ein Chor aus alten Stimmen sang sich leise ein“ (Z. 17) und „Und Ida tanzte schlafend über ihr“ (Z. 32).
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´Die Darstellung des Hauses verdeutlicht außerdem Veras ambivalentes Verhältnis zu ihrem Zuhause. Einerseits erscheint das Haus als unwirtlicher Ort, der keine Geborgenheit bietet und Vera nachts sogar zur Flucht in ihre Praxis zwingt. Andererseits stellt es einen notwendigen Schutzraum dar, den Vera nicht verlassen kann. Der Gegensatz zu ihren Erinnerungen an die Flucht über das brechende Eis zeigt, dass ihr Vertrauen in die Außenwelt nachhaltig beschädigt wurde. Die Welt außerhalb des Hauses kann Vera deshalb nur noch durch die Lektüre von Reisemagazinen entdecken.
Sprachlich-stilistische Gestaltung
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Die sprachliche Gestaltung erzeugt eine bedrohliche Atmosphäre, indem Veras Wahrnehmungen als unsicher und belastend dargestellt werden.
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Auffällig sind zunächst parallel konstruierte, elliptische Sätze, die ihre Unsicherheit und Anspannung verdeutlichen: „Ein Flattern vor der Küchentür, ein Flüstern aus den Mauern. Oder ein Atmen“ (Z. 15). Die kurzen Satzstrukturen verstärken dabei den Eindruck von Unruhe.
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Auch Passivkonstruktionen tragen dazu bei, dass Vera die Ereignisse als etwas erlebt, das außerhalb ihrer Kontrolle liegt: „Schwere Stühle, die geschoben wurden über rohe Böden“ (Z. 16).
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Durch Personifikationen wird das Haus als lebendiger Raum dargestellt. Die Formulierung „eine Stille, die bis hundert zählte“ (Z. 14) vermittelt den Eindruck, dass die Umgebung selbst aktiv auf Vera einwirkt.
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Darüber hinaus verstärken Metaphern die bedrohliche Wirkung der Erinnerungen. Die Vergangenheit erscheint beispielsweise als etwas, das Vera umgibt: „wo ein Spalier aus bösen Stimmen stand“ (Z. 29 f.).
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Auch Nominalisierungen tragen zur angespannten Atmosphäre bei (vgl. Z. 11, 15). Die Wiederholung der Begriffe „fallen“ (vgl. Z. 19 f.) und „alt“ (Z. 10, 17, 20) verdeutlicht die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
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Eine Steigerung der Bedrohung entsteht durch die Klimax: „Ein Kind, das weinte. Oder Katzen, die draußen wimmerten, Nachtvögel, die schrien“ (Z. 28). Die zunehmende Intensität der Geräusche verstärkt Veras Angst.
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Die Verwendung des Wortes „oder“ zeigt gleichzeitig die Unsicherheit ihrer Wahrnehmung. Vera kann nicht eindeutig bestimmen, ob die Geräusche tatsächlich vorhanden sind oder aus ihren Erinnerungen entstehen (vgl. Z. 10, 15, 25–28).
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Die wiederholten und teilweise anaphorischen Verwendungen des Verbs „vergessen“ verdeutlichen, dass Vera ihre traumatischen Erfahrungen nicht wirklich verarbeitet hat (vgl. Z. 48–51, 57).
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Die psychische Belastung der Figur wird außerdem durch Gegensätze dargestellt. Besonders deutlich wird der Gegensatz zwischen Stille und Geräusch: „Unter den alten Stimmen lag eine Stille“ (Z. 20). Ebenso wird zwischen Tag und Licht sowie Nacht und Dunkelheit unterschieden: „Bei Licht besehen waren die Dramen ihrer Nacht nur Seifenopern“ (Z. 66 f.).
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Die nachts bedrohlich wirkenden Erinnerungen werden am Tag durch die Metapher der „Geisterbahngespenster“ relativiert (Z. 67).
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Das Haus selbst wird durch Vergleiche und Personifikationen als aktives und mächtiges Wesen dargestellt. Es erscheint beispielsweise „wie ein Wal, tief abgetaucht, es hatte seinen Atem angehalten“ (Z. 1). Außerdem wird Vera als jemand dargestellt, der dem Haus ausgeliefert ist: „ein kleiner Kreisel, den das Haus in seinen dicken Wänden drehte“ (Z. 26 f.).
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Die Metapher des „Mooses“ verdeutlicht ihre unglückliche Verbundenheit mit dem Haus: „Sie war ein Moos, das nur an diesen Mauern hielt. Das hier nicht wachsen konnte oder blühen, aber doch bleiben“ (Z. 34 f.).
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Die Metaphorik des Fallens verdeutlicht Veras Einsamkeit und Heimatlosigkeit: „das Fallen hörte nicht mehr auf, ein Fallen aus der Welt, wie losgelassen, es hielt sie keiner mehr“ (Z. 21–23).
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Die wiederholte Verwendung des mundartlichen Giebelspruchs zeigt schließlich ihren Versuch, eine Form von Zugehörigkeit und Heimat zu finden (vgl. Z. 19, 34, 92).
Figurengestaltung: Vera
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Die Protagonistin Vera Eckhoff wird als eine durch ihre Kindheitserfahrungen und Fluchterlebnisse traumatisierte Figur dargestellt. Besonders die Erinnerungen an die Flucht und die Erfahrung des brechenden Eises wirken bis in die Gegenwart nach: „Dem Eis war nicht zu trauen, sie hatte es zerbrechen sehen und Menschen, die versanken“ (Z. 44).
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Gleichzeitig versucht Vera, ihre Vergangenheit zu verdrängen. Sie ist zunächst davon überzeugt, dass man Erinnerungen bewusst vergessen könne: „Alles konnte man vergessen, wenn man es wirklich wollte, auch Vera Eckhoff konnte das“ (Z. 48). Diese Vorstellung wird jedoch widerlegt, da bestimmte traumatische Erfahrungen dauerhaft bestehen bleiben: „Alles konnte man vergessen, nur wie die Pferde schrien, das vergaß man nicht“ (Z. 57).
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Die verdrängten Erlebnisse kehren in Form alptraumhafter Wahrnehmungen von Stimmen und Geräuschen zurück: „Die Vergessenen, was wollten sie von ihr nach all den Jahren“ (Z. 61 f.). Vera versucht, mit dieser Belastung umzugehen, indem sie zunächst rationale Erklärungen für die Geräusche sucht (vgl. Z. 28), sich später durch Licht, Musik und Ablenkung schützt (vgl. Z. 68 f.) und schließlich sogar in ihre Praxis ausweicht (vgl. Z. 82).
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Gegenüber dem Haus fühlt sich Vera häufig ausgeliefert und verletzlich. Dies wird durch die Metapher des Kreisels deutlich: „ein kleiner Kreisel, den das Haus in seinen dicken Wänden drehte“ (Z. 26 f.). Gleichzeitig ist sie durch das Haus gebunden, da es trotz aller Belastungen ihren einzigen Schutzraum darstellt.
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Ihre Situation ist außerdem von Einsamkeit und Heimatlosigkeit geprägt. Der Verlust Karls und das Bewusstsein, dass niemand nach ihr kommen wird, verstärken ihr Gefühl der Verlassenheit (vgl. Z. 18–22).
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Trotz ihrer Belastungen zeigt Vera jedoch auch Stärke und Beharrlichkeit. Die Erziehung ihrer Mutter prägt ihre Haltung, den Schwierigkeiten des Lebens standzuhalten: „Hoch den Kopf, wenn der Hals auch dreckig ist“ (Z. 85 f.). Deshalb entscheidet sie sich, trotz der traumatischen Erinnerungen im Haus zu bleiben: „dit Huus is mien“ (Z. 91 f.).
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Insgesamt zeigt die Figur Vera ein ambivalentes Verhältnis zu ihrem Haus: Es bietet ihr Schutz und einen Ort der Zugehörigkeit, ist zugleich aber mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden. Dadurch wird ihre innere Heimatlosigkeit sichtbar.
Deutung des Textes
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Der Text verdeutlicht vor allem die innere Heimatlosigkeit der Protagonistin Vera. Obwohl sie ein Haus besitzt und dort lebt, empfindet sie keine vollständige Sicherheit oder Geborgenheit. Ihre traumatischen Erfahrungen aus der Vergangenheit wirken weiterhin in ihr weiter und verhindern eine unbelastete Beziehung zu ihrem Zuhause.
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Das Haus im Alten Land besitzt dabei eine ambivalente Bedeutung. Einerseits stellt es den einzig möglichen Daseinsraum für Vera dar und schützt sie vor einer erneuten Flucht. Andererseits ist es gleichzeitig ein Ort, an dem ihre traumatischen Erinnerungen lebendig werden und der dadurch Angst und Unruhe auslöst.
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Das Haus wird somit zu einem Ort, an dem Geborgenheit und Vertrauen unmöglich erscheinen. Vera kann ihre traumatischen Kriegs- und Fluchterfahrungen nicht vollständig überwinden. Die Vergangenheit bleibt ein fester Bestandteil ihrer Gegenwart und bestimmt weiterhin ihre Wahrnehmung, ihre Gefühle und ihr Verhalten.
Teilaufgabe 2
Gemeinsamkeiten der Hausbeziehungen
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Sowohl Vera in Altes Land als auch die unberechtigte Eigenbesitzerin in Heimsuchung sind auf besondere Weise mit ihren jeweiligen Häusern verbunden. Beide Figuren erleben ein Gefühl des zwanghaften Gebundenseins an das Haus. Vera beschreibt ihre Verbindung zum Haus als ein Bleiben, obwohl sie dort nicht vollständig glücklich werden kann: „Sie war ein Moos, das nur an diesen Mauern hielt“ (Z. 34 f.). Auch die unberechtigte Eigentümerin in Heimsuchung empfindet eine starke Bindung an das Haus am See (vgl. Heimsuchung, S. 183).
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Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Vergangenheit in den Wahrnehmungen der Figuren gegenwärtig bleibt. In Altes Land werden Veras Erinnerungen durch Stimmen und Geräusche im Haus lebendig. Das Haus wird dadurch zu einem Ort, an dem vergangene Erfahrungen weiterhin wirken (vgl. Z. 31–33). Auch die unberechtigte Eigenbesitzerin verbindet das Haus am See mit vergangenen Erlebnissen und Erinnerungen (vgl. Heimsuchung, S. 177).
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Beide Figuren verbindet außerdem eine Sehnsucht nach Heimat, um die sie kämpfen. Vera versucht trotz ihrer traumatischen Erfahrungen, in dem Haus zu bleiben: „dit Huus is mien“ (Z. 91 f.). Die unberechtigte Eigenbesitzerin kämpft dagegen rechtlich um ihren Anspruch auf das Haus und hält sich nach dem Verkauf heimlich dort auf (vgl. Heimsuchung, S. 172).
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Darüber hinaus erkennen beide Figuren, dass eine vollständig erfüllte Zukunft kaum möglich ist. Ihre Häuser sind zwar Orte der Erinnerung und Zugehörigkeit, können jedoch nicht alle Verluste und Verletzungen überwinden (vgl. Altes Land, Z. 32 f.; Heimsuchung, S. 185).
Unterschiede der Hausbeziehungen
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Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die Beziehungen der beiden Figuren zu ihren Häusern deutlich.
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Während Vera ihr Haus vor allem mit bedrohlichen und negativ besetzten Erinnerungen verbindet, erlebt die unberechtigte Eigenbesitzerin das Haus am See stärker als einen Ort der Idylle und positiven Erinnerung. Bei Vera führen die Erinnerungen an die Flucht und den Krieg zu Angst und Unruhe, während das Haus am See für die andere Figur stärker mit einem vergangenen Glück verbunden ist (vgl. Heimsuchung, S. 178).
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Auch der Umgang mit dem Haus unterscheidet sich. Für Vera wird der Aufenthalt zeitweise unerträglich, sodass sie schließlich in ihre Praxis flieht: „Sie schlief die dritte Nacht in ihrer Praxis“ (Z. 82). Die unberechtigte Eigenbesitzerin dagegen bleibt dem Haus innerlich verbunden und sucht es sogar heimlich auf (vgl. Heimsuchung, S. 179).
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Während Vera sich dem Haus gegenüber häufig fremdbestimmt und ausgeliefert fühlt, handelt die unberechtigte Eigenbesitzerin selbstbestimmter. Ihr Abschieds- und Reinigungsritual zeigt eine aktive und bewusste Beziehung zum Haus (vgl. Heimsuchung, S. 184).
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Auch hinsichtlich ihrer sozialen Beziehungen bestehen Unterschiede. Vera empfindet starke Einsamkeit und Unverbundenheit, da sie allein lebt, Karl verloren hat und keine Nachkommen besitzt (vgl. Z. 18–22). Die unberechtigte Eigenbesitzerin ist dagegen stärker mit dem Haus und seiner Geschichte verbunden (vgl. Heimsuchung, S. 183).
Fazit
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Der Vergleich zeigt, dass beide Figuren durch ihre Häuser mit Vergangenheit und Heimat verbunden sind. Sowohl Vera als auch die unberechtigte Eigenbesitzerin suchen im Haus einen Ort der Zugehörigkeit, können jedoch keine vollständig erfüllte Zukunft erreichen.
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Während das Haus für Vera vor allem ein ambivalenter Ort zwischen Schutz und Belastung ist, besitzt das Haus am See für die unberechtigte Eigenbesitzerin stärker die Bedeutung eines Erinnerungs- und Identitätsortes. Beide Texte zeigen somit, dass Häuser nicht nur räumliche Orte sind, sondern auch persönliche Erfahrungen, Verluste und Sehnsüchte bewahren.