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Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 3

Thema

Eva Menasse (*1970), österreichische Schriftstellerin

Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne (Auszug)

Aufgabenstellung

1)

Stelle den Gedankengang des Textes von Eva Menasse dar und erläutere die Intention.

40 %
1)

Erörtere die Position Eva Menasses zur digitalen Kommunikation.

Beziehe dabei deine Kenntnisse zur Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen ein.

60 %

Material

Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne (Auszug, 2023)

Eva Menasse

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Womit haben Menschen jahrtausendelang über Entfernungen kommuniziert? Mit Briefen.
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Digitale Kommunikation dagegen, egal ob über E-Mails, Messengerdienste oder soziale
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Medien, unterscheidet sich davon kategorial, alle bisher etablierten digitalen Formen verhalten
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sich grundlegend anders. Sie sind viel mehr als einfach technischer Fortschritt. Sie sind nicht
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bloß „unstofflich“, weil sie nur auf Bildschirmen erscheinen, nein, sie haben auch alle anderen
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entscheidenden Parameter verändert: durch ihre Geschwindigkeit, ihre Unmittelbarkeit trotz
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räumlicher Distanz, dadurch, dass sie unendlich vervielfältigbar und, last but not least,
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prinzipiell unlöschbar sind.
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Digitale Kommunikation erzeugt fatale Illusionen von Gleichzeitigkeit und Nähe. Durch
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klassische Sinnestäuschung rückt einem die große, furchtbar komplizierte und gewalttätige
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Welt dauernd auf den Pelz. Kann man, ständig an den Geräten hängend, die Informationen
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überhaupt noch in die Reihenfolge ihrer Wichtigkeit bringen, wenn die beruflichen Projekte,
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die Diskussionen in Familien-, Nachbarschafts- und Mietergruppen, die Twitter1-Wellen und
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breaking news von Kriegen, Naturkatastrophen und Flugzeugabstürzen mehr oder weniger
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gleichzeitig und abwechselnd einströmen? Geschehen nicht automatisch kommunikative
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Übersprungshandlungen nach dem Watzlawick’schen Muster („Behalten Sie Ihren Hammer,
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Sie Rüpel!“)2, einfach, weil man jederzeit zurückfeuern kann? Auf Twitter gibt es täglich
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Beispiele für solche osmotischen3 Schwappungen, wenn ganz unterschiedliche Themen einfach
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qua überschießender Emotionalität vernäht werden: „Gerade sind wieder 34 Menschen vor
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Malta ertrunken4: Und Sie haben nichts Besseres zu tun, als ...“
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Auf Twitter mit seinen Journalistenballungen lässt sich außerdem gut beobachten, dass
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berufsmäßig Schreibende besonders gefährdet sind, aus den schriftlichen Kämpfen nicht wieder
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hinauszufinden, sie nehmen selbst ihren Scheidungsanwälten die Formulierungen aus der Hand.
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Noch vor dem Frühstück entstehen bereits Kettenbriefe der Empörung.
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Dagegen früher, der gute alte Brief: Ich setze mich äußerst erregt hin, beginne, mit scharfen
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Worten zu schreiben, aber schon nach einer halben Seite und einem schmerzenden Handgelenk
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wird mir klar, dass das alles wenig lohnt und ich mich vielmehr lächerlich mache. Oder: Ich
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habe diesen Brief wie ein Laserschwert zwar heißblütig zu Ende geschrieben und mit
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Nachdruck zugeklebt, aber jetzt fehlt mir die Briefmarke. Also fange ich doch an, zu
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überlegen ... War es richtig, mit „Sie unbelehrbares Arschloch“ zu enden? Soll ich wirklich
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den ganzen Brief noch einmal schreiben, nur um diese überzogene Schlussformel zu
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eliminieren? Oder einfach zerreißen und Schwamm drüber? Von den Älteren kennt fast jeder
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eine Geschichte, wo – aus welchen Gründen auch immer – jemand demütig neben einem
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Briefkasten ausgeharrt hat, bis endlich der Entleerer kam, den man flehentlich bat, einen bereits
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eingeworfenen Brief heraussuchen und wieder an sich nehmen zu dürfen. Rührende
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Begebenheiten, die von heute aus so historisch klingen, als wären sie aus Doderers Zeit, als er
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beim Ulanenregiment einrückte5, mit achtzehn Jahren und dem vorgeschriebenen eigenen
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Pferd ...
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Zeit spielt die bedeutendste Rolle, sie ist ein entscheidender Faktor. Beschleunigung ist nämlich
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kein Wert an sich, beinahe im Gegenteil. Das könnten wir inzwischen zwar begriffen haben,
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aber der Vergleich zwischen dem alten Brief einerseits, der Mail und allen Messengerdiensten
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andererseits macht es noch einmal deutlich. Zeit zu haben, sie zu verschwenden und zu verlieren
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ist möglicherweise gerade das, was den sterblichen Menschen von seiner Technik
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unterscheidet. Der unbezähmbare menschliche Trieb, Neues zu erfinden, kommt ja
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wahrscheinlich daher, dass sich Menschen seit jeher in die Zukunft verlängern wollen, über ihre
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individuell erreichbare Lebenszeit hinaus, dass die Menschheit seit jeher die Zeit und den Tod
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besiegen will. Und obwohl es eigentlich nicht unmittelbar zusammenhängt, haben viele
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Erfindungen im Laufe der Jahrhunderte alles kontinuierlich beschleunigt, bei gleichzeitig
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deutlicher Verlängerung der Lebenszeit. Ist also der Punkt erreicht, wo wir uns – nicht nur
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kommunikativ – selbst überholen, uns selbst nicht mehr nachkommen und damit zerreißen?
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Im Falle des altmodischen Briefeschreibens wirkte die Zeit wie ein Airbag, der eine Menge
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Fehler und Katastrophen verhinderte. Niemand wird widersprechen, dass die Anzahl der
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zerrissenen, niemals abgeschickten Briefe die der zugestellten um ein Vielfaches überschreitet.
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Und die der aufbewahrten und erhaltenen, somit publizierbaren, sowieso. Aber dieser Airbag
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aus Zeit ist restlos vernichtet, nicht einmal etwas von der Dicke eines Bremsbelags ist
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übriggeblieben. Onlinekommunikation funktioniert fast so affektiv wie sprechen: tippen,
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senden, weg – uneinholbar, nie wieder einzufangen.
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Hinzu kommt, dass die unnatürliche Kombination ihrer Eigenschaften – zeitlich unmittelbar,
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aber räumlich distant – hochproblematisch ist. Denn eine solche Kombination neigt nicht nur
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zur Gewalt, sie fördert sie sogar. Es ist vergleichbar mit der Erfindung des Schwarzpulvers und
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der Handfeuerwaffen. Vorher musste man dem Feind noch nahe treten, um ihn zu erschlagen
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oder zu erstechen, einschließlich aller damit verbundenen Sinneseindrücke. Seither geht das auf
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Entfernung: bloß ein Punkt, auf den man zielt, dann macht man den Finger krumm. Das ist
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unpersönlicher, kälter und kommt ohne Blut an den Händen aus. Irgendwohin ins Blaue
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schießen, und weit weg hinter den Linien, unsichtbar, fällt vielleicht einer um – das taugt auch
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als Metapher für den verbalen Umgang im Netz.
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Für das Potenzial zur Enthemmung gibt es längst einen Fachbegriff – „online disinhibition
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effect“. Die Digitalisierung aller Kommunikation ist eine hinreichende Erklärung für die
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Erosion und Brutalisierung des öffentlichen Diskurses, für die weitreichende Vernichtung von
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Anstand, Takt und Großmut zwischen Menschen, auch in friedlichen Ländern. Das ist messbar
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und strahlt zurück.
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Früher gab es nur zwei, voneinander streng geschiedene Möglichkeiten, sozusagen
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Aggregatzustände der Kommunikation. Es gab die gesprochene Sprache mit der ihr
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immanenten Gnade von Flüchtigkeit, Vergänglich- und Vergesslichkeit, die alle Affekte und
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Übertreibungen abschwächt und ausgleicht. Dazu zählt auch das Telefongespräch. Und auf der
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anderen Seite gab es die geschriebene Sprache, der etwas Überlegteres, Gültigeres,
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Gewichtigeres innewohnte, schon weil man viel mehr Zeit und Mühe darauf verwenden musste.
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Das Ergebnis (der Brief, das Flugblatt, das Buch) trug die Art seiner Entstehung als zusätzliche
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Qualität in sich. Es war haltbarer und bedeutsamer.
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Heute haben wir ein giftiges Hybrid aus beidem. Der Unterschied zwischen gesprochen und
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geschrieben ist fast zur Gänze aufgehoben, denn selbst das, was man irgendwo murmelt, wird
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wahrscheinlich aufgezeichnet. Digitale Kommunikation feuert fast so schnell wie gesprochene
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Sprache, obwohl der Adressat im nebligen Irgendwo ist – sie erreicht ihn trotzdem. Niemand
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kann sich vor seinen verschiedenen Accounts verstecken, aber ohne sie zu leben, schafft auch
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kaum einer. Gleichzeitig wirkt diese Kommunikation – trotz aller Tippfehler, albernen Emojis
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und verwackelten Videos – schon wegen ihrer Unlöschbarkeit gültiger, kann auch Jahre später
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hervorgeholt und als Beweisstück präsentiert werden. Und dazu tritt dann noch, wie in einem
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Fluch, Märchen oder in einer Epidemie, die schier unendliche Vervielfältigbarkeit.
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Überall, auch in meinem Freundeskreis, gibt es Menschen, die völlig unkritisch E-Mails oder
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Messenger-Nachrichten an Dritte weiterleiten und nicht darauf achten, dass eine Sammelmail
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viele weitere, nicht öffentliche Adressen enthält oder an einer E-Mail noch ein langer Schwanz
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an alter, sensibler Korrespondenz hängt. Einfach klick und weiter, und weil es viele so machen,
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erscheinen all unsere erregten Diskussionen und komplizierten Gesetze zu den Themen
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Datenschutz und Ausspähung naiv und lächerlich. Auch das ist wiederum typisch Mensch: Er
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beschuldigt immer erst die anderen, bevor er den Fehler bei sich sucht. Dabei handelt es sich
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um zwei ganz verschiedene Themen. Während man politisch unbedingt Sorge dafür tragen
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muss, dass weder staatliche Institutionen noch Kapitalismusriesen wie Google oder Facebook
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ihre Kunden massenhaft ausspähen oder mit deren Daten Geschäfte treiben, muss jeder das
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eigene Verhalten im Netz einer mindestens ebenso kritischen Revision unterziehen. Diskretion
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im Netz gehört endlich gelernt.

1 Twitter: früherer Name der Social-Media-Plattform X.

2 Paul Watzlawick (1921–2007) war Philosoph, Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler. Der Begriff „kommunikative Überschneidung“ bezeichnet eine Äußerung, bei der jemand eine Mitteilung oder Äußerung tätigt, die dem Adressaten vollkommen überraschend und unlogisch erscheint, da sie nicht an eine vorangegangene Kommunikation oder Interaktion anknüpft, sondern ausschließlich auf negativen Erwartungen und Gedankengängen des Akteurs beruht.

3 osmotisch: Osmose bewirkend, auf Osmose beruhend.

4 Anspielung auf ein Schiffsunglück im Mittelmeer im Jahr 2013, bei dem zahlreiche Migranten ums Leben gekommen sind.

5 Heimito von Doderer (1896–1966) war ein österreichischer Schriftsteller, der 1915 Leutnant des Ulanenregiments war, einer berittenen Einheit des damaligen österreichischen Heeres.

Quelle: Menasse, Eva: Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, S. 41–47.

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