Aufgabe 2
Thema
Lotte (* 1995): Mehr davon
Aufgabenstellung
Schildere ein bestes Ereignis in deiner nahen Zukunft. Lass dich dabei von dem folgenden Songtext anregen.
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Lotte (* 1995)
Quelle: Text, (OT) Walter, Joe / Kalmbacher, Jules / Klemz, Philipp / Schneider, Jens / Rezbach, Charlotte. Copyright Joe Walter/ Philip Klemz Edition bei Sony/ATV Music Publishing (Germany) GmbH, Berlin Good Kid Publishing GmbH bei BMG Rights Management GmbH, Berlin
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Einleitung
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Die Textzeilen „Aber was ist ein Leben, wenn man es nicht lebt / Und was zähl’n die Jahre, wenn man sie nur zählt“ (Z. 10 f.) liefen in den zurückliegenden, zähen Prüfungswochen auf Dauerschleife in meinen Kopfhörern.
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Inmitten von Formelsammlungen, Grammatikregeln und dem ständigen Druck, einen guten Realschulabschluss zu schaffen, wirkten diese Zeilen wie ein leises Versprechen auf eine Zeit, in der das Leben nicht nur aus Pflichterfüllung besteht.
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In genau zwei Wochen steht der Wendepunkt an, auf den wir seit zehn Schuljahren hinarbeiten: der Tag unserer feierlichen Zeugnisübergabe und die anschließende, seit Monaten geplante Abschlussnacht unserer Clique am alten Waldsee.
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Nach Jahren des frühen Aufstehens, starrer Stundenpläne und fremdbestimmter Abläufe markiert dieses bevorstehende Wochenende das spürbare Tor zur Freiheit.
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In meiner Brust mischen sich die Erschöpfung der vergangenen Monate, die Wehmut vor dem unausweichlichen Auseinandergehen und eine vibrierende, unbändige Vorfreude auf das, was vor uns liegt.
Hauptteil
Der feierliche Auftakt und das Fallenlassen der Anspannung
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Das Betreten der festlich geschmückten Schulaula in ungewohnt formeller Kleidung, umgeben vom schweren Duft riesiger Schnittblumensträuße und dem erwartungsvollen Raunen von Eltern, Lehrkräften und Mitschülern.
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Der Moment, in dem die Schulleiterin meinen Namen aufruft: Der Gang über das knarrende Parkett, das Entgegennehmen des Zeugnisses mit feuchten Händen und das Blitzlichtgewitter von den Zuschauerrängen.
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Als die gesamte Stufe unter tosendem Applaus aufsteht und die Kappen in die Luft schleudert, ist es, als löse sich ein zentnerschwerer Knoten in der Magengegend: Der Schulstress, die Versagensängste und der Notendruck der letzten Jahre verfliegen in einem einzigen, ohrenbetäubenden Jubelruf.
Die Verwandlung am Waldsee – Erwachen aller Sinne
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Am späten Nachmittag der Wechsel aus den drückenden Festkleidern in lockere T-Shirts und Badesachen; das Eintreffen unserer Clique am vertrauten Ufer des Waldsees.
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Die Vielfalt der Sinneseindrücke: Das Knistern und Prasseln des frisch entfachten Lagerfeuers, der würzige Geruch von brennendem Kiefernholz und Grillfleisch in der warmen Sommerbrise, vermischt mit dem erdigen, feuchten Duft von Schilf und Moos.
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Der gemeinsame Anlauf über den Holzsteg und der synchrone Sprung ins kühle, klare Seewasser: Das Prickeln der Kälte auf der sonnengewärmten Haut vertreibt auch den letzten Rest Müdigkeit und lässt uns kreischend und lachend auftauchen.
Der Rausch des Moments – Musik, Tanz und Ausgelassenheit
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Über die aufgestellte Musikbox schallt der Refrain „Hey, siehst du die Lichter, hörst du die Musik? / Was ein Wunder, dass es uns hier heute gibt“ (Z. 12 f.) über die spiegelglatte Wasserfläche.
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Mit Einbruch der Dämmerung spiegeln sich die bunten Lichterketten, die wir zwischen den Uferbäumen gespannt haben, wie tanzende Glühwürmchen auf den sanften Wellen.
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Wir tanzen barfuß im abkühlenden Sand, singen die Zeilen aus voller Kehle mit und spüren den wummernden Bass im Brustkorb; es ist ein Zustand völliger Sorglosigkeit, in dem weder an Noten noch an morgige Verpflichtungen gedacht wird.
Der leise Augenblick der Verbundenheit (Die Tiefe des Moments)
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Gegen zwei Uhr morgens zieht sich der Trubel etwas zurück; die Lautstärke sinkt und nur noch leise Gitarrenmelodien wehen durch die Nacht.
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Das Sitzen mit den engsten Freunden am Rande des Stegs, die Beine nebeneinander ins dunkle Wasser baumelnd, während sich über uns ein riesiger, klarer Sternenhimmel aufspannt.
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Die tiefen Gespräche im Schein der glimmenden Glut: Wir sprechen offen über unsere Ängste vor dem Start in die Ausbildung, über den bevorstehenden Umzug in fremde Städte und die Sorge, sich aus den Augen zu verlieren.
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In diesem stillen Moment begreife ich den Kern von Lottes Botschaft: „Das Beste was wir haben, sind wir“ (Z. 2). Es sind nicht die vergangenen Schuljahre oder Noten, die zählen, sondern diese gewachsenen, echten Freundschaften, die uns durch alle Höhen und Tiefen getragen haben.
Der Ausklang im ersten Morgenlicht
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Das allmähliche Verglimmen des Feuers zu grauer Asche und das Aufsteigen der ersten zarten Nebelschwaden über dem kalten See kurz vor fünf Uhr morgens.
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Eingewickelt in kratzige Wolldecken nebeneinander im Sand liegend, während der Horizont sich in ein mattes Rosa und Gold färbt und die ersten Vögel zaghaft zu singen beginnen.
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Eine tiefe, wohlige Erschöpfung erfüllt den Körper: Die Muskeln sind schwer, die Stimmen heiser vom Singen, doch im Kopf herrscht eine friedliche Klarheit – das Bewusstsein, Teil von etwas Unvergesslichem gewesen zu sein.
Schluss
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Diese Nacht wird mir vor Augen führen, dass das Leben seinen Wert nicht aus dem mechanischen Funktionieren oder dem sturen Erfüllen fremder Erwartungen schöpft, sondern aus dem bewussten Auskosten solcher Schlüsselmomente.
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Mit dem bestandenen Realschulabschluss in der Hand und dieser gelebten Gemeinschaft im Herzen verliert die Ungewissheit des neuen Lebensabschnitts ihren Schrecken.
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Mit den Worten „Gib mir mehr davon, mehr davon“ (Z. 5) blicke ich voller Selbstvertrauen nach vorn: bereit, jeden kommenden Tag mutig zu ergreifen – denn ich sehe die besten Tage direkt vor mir.
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