Aufgabe 3
Thema
Stefanie Dominguez (* 1996): Partnerarbeit
Aufgabenstellung
Verfasse einen Tagebucheintrag aus der Sicht von Tessa ODER Ben, den sie / er am Abend des hier erlebten Tages schreibt. Gehe dabei auf mögliche weitere Ereignisse ein.
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Partnerarbeit
Stefanie Dominguez (* 1996)
Quelle: „Partnerarbeit“ von Stefanie Dominguez, P.A.U.L. D. Oberstufe, S. 52
© Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH; Schöningh Verlag, Paderborn 2013
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Tagebucheintrag aus der Sicht von Ben
Einleitung: Der Beginn eines ungewöhnlichen Schultags
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21. Mai 2024
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Liebes Tagebuch, ich liege wach im Bett, das Licht brennt noch, und mein Herz rast immer noch, wenn ich an die sechste Stunde heute denke.
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Seit Monaten quält mich der Gedanke daran, wie erbärmlich sich unsere Klasse gegenüber Tessa Fuchs verhält (vgl. Z. 13 f.). Sie sitzt in jeder Stunde allein, wird wie Luft behandelt (vgl. Z. 1), und Simon Bösenecker nutzt jede Gelegenheit für seine gehässigen Sprüche auf ihre Kosten (vgl. Z. 2 f.).
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Das Bitterste daran: Ich habe früher selbst mitgelacht oder weggeschaut (vgl. Z. 27 f.), nur um bei Simons Clique nicht anzuecken und meine Ruhe zu haben – feiges Mitläufertum in Reinform.
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Als Simon heute wieder laut fragte, ob Tessa ihre Jacke aus der Kleidersammlung habe (vgl. Z. 4), und die Klasse wie auf Knopfdruck kicherte (vgl. Z. 6 f.), ist in mir etwas gerissen.
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Weil mein Sitznachbar Maik fehlte (vgl. Z. 10 f.) und Tessa wie immer allein an ihrem Tisch saß (vgl. Z. 1, 20), wusste ich: Wenn ich jetzt nicht den Mund aufmache, verliere ich jeden Respekt vor mir selbst.
Die Annäherung: Abwehr, Verunsicherung und der rettende Witz
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Als das Gelächter verstummte, nahm ich meine Schulsachen, ging durch die Blicke der anderen zu Tessas Tisch und setzte mich auf den freien Stuhl neben sie (vgl. Z. 8 f.). Ich räusperte mich nervös und fragte, ob wir nebeneinandersitzen wollen, weil Maik krank sei (vgl. Z. 10 f.).
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Ihr Blick war reines Misstrauen: Sie schielte mich aus den Augenwinkeln an (vgl. Z. 12 f.) und fuhr mich sofort an: „Lass mich in Ruhe“ (Z. 18). Sie musste glauben, ich sei einer von Simons Leuten (vgl. Z. 17) und wolle mich nur über sie lustig machen; jahrelange Ausgrenzung lässt sich nicht mit einem Lächeln wegwischen.
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Ich schüttelte den Kopf, sodass mir die Strähne ins Gesicht fiel (vgl. Z. 22 f.), rückte näher an sie heran und flüsterte ihr zu, wie leid es mir tut, früher über sie gelacht zu haben, und dass ich es wiedergutmachen möchte (vgl. Z. 27 f.).
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Tessa blockte ab: Sie wolle kein Mitleid, und es störe sie nicht, wenn alle lachen (vgl. Z. 29–31) – doch ihre zitternde Stimme und ihre Angst, die anderen könnten wieder anfangen (vgl. Z. 34), sprachen eine völlig andere Sprache.
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Ich berührte kurz vorsichtig ihren Arm, doch sie entzog sich sofort meinem Griff (vgl. Z. 35).
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Als ich die Buchaufgabe aufschlug – ausgerechnet fünf Phasen der Freundschaft festzulegen (vgl. Z. 37 f.) –, fuhr sie mich wütend an: „Das findest du lustig, was? [...] Ausgerechnet mit mir über Freundschaft zu reden, wo ich ja so viele Freunde habe!“ (Z. 39–42).
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Vor Verlegenheit hob ich die Hände und stammelte diesen albernen Satz heraus: „Ich dachte, wir machen das zusammen, als Fuchs und Wolf sozusagen“ (Z. 45 f.). Der Wortwitz war billig, aber er traf einen Nerv: Tessa musste leise kichern (vgl. Z. 47 f.) – das Eis war gebrochen, ich schob das Buch genau in unsere Mitte und sie ließ mich endlich neben sich gewähren (vgl. Z. 53 f.).
Der Wendepunkt: Simons Provokation und klare Kante
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Wir wollten gerade mit dem ersten Punkt anfangen, da mischte sich Simon mit seiner überheblichen Fratze ein (vgl. Z. 55). Er konnte es einfach nicht lassen. Er rief grinsend durch den ganzen Raum: „Fuchs und Wolf? Benny, flirtest du gerade etwa mit unserer Klassenschönheit?“ (Z. 55 f.) Sofort brach in der Klasse wieder dieses gehässige Gelächter aus (vgl. Z. 57).
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Ich sah, wie Tessa erstarrte, und in mir kochte eine unbändige Wut auf Simon hoch. Diesmal lachte ich nicht (vgl. Z. 58). Ich behielt eine völlig ungerührte Miene, zog bloß eine Augenbraue hoch, sah Simon fest in die Augen und sagte laut und deutlich: „Ja, tue ich, was dagegen?“ (Z. 58 f.)
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Die Wirkung war unglaublich: Im selben Augenblick war es im Raum totenstill. Simon klappte die Kinnlade herunter, sein Gesicht lief rot an und er stammelte nur noch etwas von „Geschmacksverirrung“, aber niemand lachte mehr mit ihm über seine gemeinen Kommentare. Dieses Mal war er damit alleine.
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Ich habe mich noch nie so mutig und lebendig gefühlt wie in dieser Sekunde.
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Die restliche Religionsstunde arbeiteten Tessa und ich gemeinsam an den fünf Phasen der Freundschaft, und jedes Mal, wenn sich unsere Blicke trafen, spürte ich dieses wunderbare Kribbeln im Bauch.
Der weitere Verlauf
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Nach der sechsten Stunde fingen Simon und zwei seiner Kumpels mich an den Fahrradständern ab, um mich aggressiv zur Rede zu stellen, was diese Aktion vor der Klasse sollte. Simon giftete, ich würde mich lächerlich machen und mein Ansehen in der Stufe verspielen, wenn ich mich mit der „Außenseiterin“ gemein mache.
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Doch anstatt klein beizugeben, blieb ich ruhig: Ich sagte ihm direkt ins Gesicht, dass seine Schikanen feige sind und ich keinen Bock mehr habe, bei seinen dummen Sprüchen mitzuziehen. Der Bruch mit der alten Gruppe war damit endgültig besiegelt, aber er fühlte sich wie eine ungeheure Befreiung an.
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Auf dem Heimweg in unsere Straße (vgl. Z. 14) sah ich Tessa ein Stück vor mir gehen; als sie ihr Gartentor aufschloss, rief ich ihren Namen. Wir blieben über eine halbe Stunde am Zaun stehen und redeten ohne die giftige Atmosphäre des Klassenraums.
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Sie bedankte sich leise dafür, dass ich Simon Kontra gegeben hatte, und gab zu, wie viel Panik sie zuerst hatte, dass meine Annäherung nur eine neue Gemeinheit sein sollte. Ich erzählte ihr offen, wie oft ich mich in den letzten Monaten für mein Schweigen geschämt habe.
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Bevor ihre Mutter aus dem Haus rief, fragte ich sie nach ihren Aufzeichnungen zur Freundschaftsaufgabe aus dem Religionsbuch (vgl. Z. 19 f.) und wir tauschten spontan unsere Handynummern aus.
Schluss: Ein neuer Blick in die Zukunft
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Vor einer Stunde kam ihre Nachricht: ein kurzes Danke und ein Smiley. Wir haben abgemacht, morgen vor der ersten Stunde gemeinsam den Aufschrieb für die fünf Phasen der Freundschaft zu beenden.
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Mir ist klar, dass Simon und die anderen morgen tuscheln, lästern oder mich provozieren werden.
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Doch die Angst vor ihrem Urteil ist wie weggeblasen: Zu sehen, wie Tessa heute das erste Mal seit Jahren aufrecht durch das Schulhaus ging, war mehr wert als jeder billige Beifall der Mitläufer.
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Liebes Tagebuch, heute habe ich meine Feigheit begraben – und vielleicht einen Menschen gefunden, der mir wirklich etwas bedeutet.
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Dein Ben
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