Block ll – Gesellschaft
Definiere den Begriff Sozialisation und benenne Phasen sowie zentrale Ereignisse innerhalb dieser Phasen für die Sozialisation eines Menschen.
Erläutere die Bedeutung der Familie im Sozialisationsprozess.
Arbeite aus M 1 zentrale Aussagen zu den folgenden Teilaspekten heraus: die Initiative „Wir sind der Osten“, mögliche Gefahren für die Demokratie und in diesem Kontext die Bedeutung der Familie.
„Marco Wanderwitz, der Ostbeauftragte der Bundesregierung, bleibt bei seiner Einschätzung, die ihm schon kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt [2021] viel Kritik eingebracht hat: Der Osten Deutschlands sei nicht demokratisch genug.“
Nimm Stellung zur Einschätzung von Marco Wanderwitz. Beziehe hierbei M 2, M 3 und geeignete bisherige Arbeitsergebnisse mit ein.
Beurteile, ob und inwiefern die Initiative „Wir sind der Osten“ zu einer Stärkung der Demokratie in Ostdeutschland beitragen kann. Skizziere in Grundzügen eine weitere Idee, die dieser Zielstellung dient.
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3 Marco Wanderwitz war vom 11. Februar 2020 – 8. Dezember 2021 Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland.
adaptiert und gekürzt nach: Stefan Heinlein: https://www.deutschlandfunk.de/initiative-wir-sind-der-osten-der-ossi-der-osten-es-wird.694.de.html?dram:article_id=498529,
Zugriff am 07.07.2021
M 2

Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): https://www.boell.de/de/2021/06/07/kurzanalyse-landtagswahl-sachsen-anhalt-2021,
Zugriff am 28.09.2021.
M 3

Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): https://www.boell.org/de/2021/09/27/kurzanalyse-der-landtagswahl-mecklenburg-vorpommern-und-der-berliner,
Zugriff am 12.01.2022.
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Prozess des Hineinwachsens in die Gesellschaft, d. h. des Aneignens von Kenntnissen, Fertigkeiten, aber auch Werten und Regeln, die für das Zurechtfinden in der Gesellschaft notwendig sind
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durch Auseinandersetzung mit eben diesen Werten und Regeln bildet sich eine eigene Identität bzw. Persönlichkeit aus
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lebenslanger Prozess
Der Aufbau der Definition folgt der an einen Lexikoneintrag angelehnten Struktur.
Phasen:
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primäre Phase:
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Entwicklung von Grundstrukturen der Persönlichkeit
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Ereignisse: z.B. Eintritt in die Kita/ Grundschule
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sekundäre Phase:
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Weiterentwicklung bestehender und Erlernen neuer Verhaltensweisen
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Ereignisse: z. B. Schulabschluss, Auszug aus dem Elternhaus
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tertiäre Phase:
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Weiterentwicklung im Berufs- und Privatleben
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Ereignisse: z. B. Gründung einer eigenen Familie
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möglich wäre auch eine quartäre Phase,
z. B. mit den Ereignissen Eintritt in den Ruhestand, Tod des/der Partner*in
Alternativ wäre die Strukturierung nach den Prozessen Soziabilisierung, Enkulturation und Individuation/Personalisation möglich.
Die Familie wird als elementarer Grundbaustein für die Persönlichkeitswerdung und daran anschließend als Fundament für das Finden des eigenen Platzes in der Gesellschaft identifiziert. Folgende Aspekte können beispielsweise benannt werden:
Im Kleinkind- und Kindesalter:
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Befriedigung emotionaler Bedürfnisse
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Gewährung von Schutz und Geborgenheit
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Ausbildung des Selbstwertgefühls durch Stärkung der Persönlichkeit des Kindes
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Erlernen von grundlegenden Fähigkeiten und Erwerb von grundlegenden Kenntnissen
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Erziehung
Im Kindes- und Jugendalter:
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Bildungs- und kulturelle Chancen bieten
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Familie sorgt für die soziale Platzierung in der Gesellschaft
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ermöglicht, dass Kinder den Ansprüchen der Gesellschaft gerecht werden können
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Ausprägung eigener Wertvorstellungen, politischer und/oder religiöser Einstellungen etc. durch die Familie bzw. in Abgrenzung zur Familie
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Erziehung
Initiative „Wir sind der Osten“:
Ziele der Initiative werden herausgearbeitet:
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Ostdeutschland differenziert betrachten
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pauschalisierende Vorurteile überwinden
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Menschen zeigen, die sich demokratisch engagieren
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Transformation von 1989/90 als Bruch in der eigenen und der Familienbiografie aufzeigen, der z.B. durch Arbeitslosigkeit weitreichende Folgen hatte
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komplexe Zusammenhänge ostdeutschen Verhaltens aufzeigen
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zum Gespräch und zur Aufarbeitung des Gewesenen beitragen
All diese Aspekte verfolgen das Ziel, für mehr Verständnis und Empathie für die Menschen in Ostdeutschland zu sorgen und damit zu einer Vergangenheitsbewältigung beizutragen.
Gefahren für die Demokratie:
Die Positionen von Wanderwitz und Bollert werden herausgearbeitet:
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Wanderwitz sieht Teile der ostdeutschen Gesellschaft, v. a. die Generation im mittleren Alter sowie die jüngere Generation unter 30, als nicht demokratisch genug an: z. B. wählten 21% in Sachsen-Anhalt 2021 AfD
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unter AfD-Wählern seien nach Journalist Bollert einige rechtsextreme Personen vertreten, mit denen kaum noch ein Gespräch möglich sei
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Bollert betont aber auch, dass die Mehrheit der Ostdeutschen demokratische Einstellungen und Werte teile, mit dem Grundgesetz übereinstimme und sich auf demokratischem Wege politisch engagiere
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dennoch sieht er einen Vertrauensverlust in die Politik sowie Resignation bei einzelnen Bevölkerungsteilen
Rolle der Familie:
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Zusammenhang zwischen dem Wahlverhalten der jüngeren Generation und der Diktaturerfahrung der Elterngeneration vermutet
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Werte oder Einstellungen, die sich bei der Elterngeneration in einer Diktatur herausgebildet haben, werden an die nächste Generation weitergetragen
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dies kann zur Wahl einer Partei führen, die teilweise nicht demokratische Werte vertritt
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Schlussfolgerung: indirekte Prägung der jüngeren Generation durch die Diktatur, ohne direkte Diktaturerfahrung: z. B. eher diktatur- als demokratiekonforme Werteentwicklung
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geringerer Stellenwert positiver Erinnerungen und Erzählungen
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Dominanz des Negativem im Prozess der kulturellen Übertragung zwischen den Generationen
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Bsp.: erlebte Arbeitslosigkeit und damit womöglich einhergehende Wut auf oder Ärger über die politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozesse in der Nachwendezeit kann zu Demokratieskepsis (oder Kapitalismuskritik) führen
Folgende Argumente wären möglich, um Wanderwitz zuzustimmen:
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Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass zw. 16 und 21 % (2021) eine Partei wählen, die teilweise antidemokratische Werte vertritt
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Rechtsextremismus als Problem v. a. in Ostdeutschland
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Diktaturerfahrung sowie Erfahrungen der 90er Jahre haben zu mangelndem demokratischen Bewusstsein geführt Prägung durch Familien bleibt bestehen
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Offenheit für Argumente ist bei einigen nicht mehr vorhanden (Bsp. Reichskriegsflaggenträger)
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Anführung von ein bis zwei eigenen Beispielen ist erwünscht: z. B. die Radikalisierung von einzelnen Teilen der Impfgegnerschaft v. a. in Ostdeutschland
Folgende Argumente wären möglich, um Wanderwitz zu widersprechen:
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laut der Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wählen ca. 75-80 % demokratische Parteien
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rechtsextreme Einstellungen kommen zwar vermehrt in Ostdeutschland vor, sind aber trotzdem eine Minderheit
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jüngere Generationen übernehmen nicht zwangsläufig Einstellungen zu Diktatur und Demokratie von ihren Eltern, sondern sind in der Lage, diese zu hinterfragen (komplexer Sozialisationsprozess)
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eigene positive Erfahrungen der jüngeren Generation in einer stabilen Demokratie sind ebenfalls prägend und beeinflussen wiederum die Folgegeneration
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die Anführung von ein bis zwei eigenen Beispielen ist erwünscht, z. B. demokratisches Engagement unter jungen Menschen vorhanden (Fridays for future, #MVhältzusammen, FÖJ, FSJ)
Begriff Demokratie:
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Volkssouveränität: Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung durch Wahlen oder Abstimmungen, Pluralismus, Gewaltenteilung, Rechtsstaat
Prüfung der Effizienz:
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Kosten und Nutzen bzw. Vor- und Nachteile für den Einzelnen, politische Akteure wie Parteien, Medien und Verbände sowie das politische System
Prüfung der Legitimität:
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Berücksichtigung von Werten wie Gerechtigkeit, Toleranz, Solidarität o. Ä.
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Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens
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Transparenz und Partizipation in einer Demokratie
Den Abschluss bildet ein begründetes persönliches Urteil.
Im zweiten Teil der Aufgabe wird eine weitere Idee skizziert, wie Demokratie in Ostdeutschland gestärkt werden kann. Mögliche Ansätze wären:
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differenziertere Berichterstattung über Ostdeutschland in den Medien
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Stärkung der politischen Bildung in Ostdeutschland
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Stärkung der Repräsentation Ostdeutschlands in der Politik (bspw. durch Quotenregelung)