Aufgabe I — Ausgewählte Experimente der Physik
Die erste Aufgabe thematisiert Interferenz am Doppelspalt mit Ultraschall. Im Zentrum der zweiten Aufgabe steht die Bahnkurve von geladenen Teilchen in elektrischen Feldern. In der dritten Aufgabe wird eine Stromwaage betrachtet.
Mithilfe eines Experiments zum Doppelspalt soll die unbekannte Frequenz eines Ultraschallsenders ermittelt werden. Bei Ultraschall handelt es sich um Schall hoher Frequenz.
Material 1a zeigt den Aufbau eines Doppelspaltexperiments.
Erläutere das Entstehen von Intensitätsmaxima und -minima bei diesem Experiment unterstützt durch geeignete grafische Darstellungen in der im Unterricht vereinbarten Form.
Als Quelle wird in Material 1a ein Ultraschall emittierender Sender verwendet. Dabei gelten für die Abstände und
des Mikrofons am Ort
von der Spaltöffnung
bzw.
die folgenden Gleichungen:
bzw.
Leite ausgehend von Material 1a die Gültigkeit der Gleichung für begründet her.
Ermittle mithilfe von Material 1b den Ort des Maximums erster Ordnung.
Bestätige unter Verwendung der oben genannten Gleichungen und Material 1a, dass der Ultraschallsender eine Frequenz von aufweist.
Als mögliche Quelle zum Betrieb des Ultraschallsenders steht ein weiterer Generator zur Verfügung. Bei diesem kann die Frequenz des Senders eingestellt werden. Mithilfe eines Oszilloskops wird der Frequenzbereich des Generators untersucht (Material 1c).
Prüfe, ob der in Material 1c untersuchte Generator als Quelle für das Experiment in Aufgabe 1.2 verwendet werden kann, indem du ausgehend von Material 1c dessen Frequenzbereich bestimmst.
In einer Variante des Experiments aus Aufgabe 1.2 wird die Frequenz des Ultraschallsenders verkleinert, die anderen Parameter bleiben unverändert.
Stelle eine begründete Hypothese hinsichtlich einer möglichen Veränderung des Graphen im Diagramm (Material 1b) auf.
Mit einer Elektronenstrahlablenkröhre wird die Bewegung von freien Elektronen in einem homogenen elektrischen Querfeld eines Plattenkondensators untersucht. Der schematische Versuchsaufbau ist in Material 2a dargestellt.
Skizziere in Material 2a im homogenen Bereich eine mögliche Bahn der Elektronen und die Richtung des elektrischen Feldes zwischen den Platten.
Bevor die Elektronen in das elektrische Querfeld eintreten, werden diese beschleunigt. Leite die Gleichung
Beschleunigungsspannung;
Elementarladung;
Masse des Elektrons
für die Geschwindigkeit der Elektronen beim Eintritt in den Plattenkondensator begründet her.
Berechne die Geschwindigkeit wenn
gilt.
In einem Versuch wird bei konstanter Ablenkspannung die Beschleunigungsspannung
variiert und die
-Koordinate des Punkts untersucht, an dem die Elektronen auf die untere Kondensatorplatte treffen. Dabei wurden die Messwerte in Material 2b aufgenommen.
Stelle die Messwerte in einem Diagramm grafisch dar.
Bestätige, dass der Zusammenhang zwischen und
durch
beschrieben werden kann, wobei du dein Vorgehen in der im Unterricht vereinbarten Form dokumentierst.
In einer Variation des Experiments nach Material 2a werden der Plattenabstand und die Ablenkspannung
verdoppelt, die Geschwindigkeit
der beschleunigten Elektronen bleibt unverändert.
Stelle eine begründete Hypothese auf, ob sich dadurch der Verlauf der Bahnkurve ändert.
In dieser Aufgabe wird eine Stromwaage zur Kraftmessung benutzt. Zunächst werden Messwerte ausgewertet, danach wird das Funktionsprinzip der Stromwaage betrachtet.
Hinweis: Die magnetische Flussdichte wird auch magnetische Feldstärke genannt. Gravitationskräfte sollen in dieser Aufgabe nicht thematisiert werden.
Material 3a zeigt den schematischen Aufbau einer Stromwaage. Bei dem Versuch wird bei einer Leiterlänge von die Stromstärke
durch den Leiter variiert und die Größe der wirkenden Kraft
bestimmt. Die Messwerte sind in Material 3b angegeben.
Stelle die Messwerte in einem Diagramm grafisch dar.
Bestätige, dass der Zusammenhang zwischen und
durch
beschrieben werden kann.
Ermittle unter Berücksichtigung aller Messwerte für und
bei konstanter Länge
die magnetische Flussdichte
In Material 3c ist die Schemazeichnung eines ortsfesten Permanentmagneten und eines beweglichen, senkrecht zur Zeichenebene stromdurchflossenen Leiters dargestellt.
Skizziere in Material 3c, in welche Richtung sich der Leiter jeweils bewegt, wenn er von Strom durchflossen wird.
In einem weiteren Experiment (vgl. Material 3d) werden der Leiter als ortsfest und der Permanentmagnet als beweglich betrachtet.
Stelle eine begründete Hypothese auf, wie die Stromrichtung gewählt werden muss, damit sich der Permanentmagnet nach links bewegt.
In einem Gedankenexperiment werden zwei verschiedene Leiter verwendet, wie sie in Material 3e dargestellt sind. Beide befinden sich bei gleicher Stromstärke nacheinander im homogenen Magnetfeld des Permanentmagneten.
Diskutiere unter Berücksichtigung der effektiven Leiterlänge, ob sich durch die unterschiedliche Gestalt auch Unterschiede in der resultierenden Kraft auf den stromdurchflossenen Leiter ergeben.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1a: Aufbau des Versuchs

Das Mikrofon (Empfänger) wird entlang der Beobachtungslinie parallel zum Doppelspalt verschoben. Die Spannung am Mikrofon ist ein Maß für die Intensität.
Die Schallgeschwindigkeit beträgt
Der Ultraschallsender wird mit einem Generator betrieben, dessen Frequenz veränderlich ist.
Material 1b: Abhängigkeit der Spannung 
am Mikrofon vom Ort 

Die Darstellung ist vereinfacht.

Material 1c: Zeitlicher Verlauf der Spannung am Ultraschallsender für minimale (links) und maximale Frequenz (rechts) des Generators
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In beiden Diagrammen entspricht ein Kästchen der Rechtsachse
Material 2a: Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus
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Mithilfe eines Glühdrahtes werden freie Elektronen erzeugt und im Vorfeld beschleunigt. Die Elektronen treten an der Stelle |
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Material 2b: Messwerte zur Ablenkung des Elektronenstrahls
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Material 3a: Schematischer Aufbau der Stromwaage, dargestellt sind Vorder- und Seitenansicht
Der Versuchsaufbau besteht aus einer digitalen Feinwaage, auf die ein Permanentmagnet gelegt wird, sowie aus auswechselbaren Leiterschleifen mit unterschiedlicher Länge Die Leiterschleifen werden über einen festen Halter an eine Stromquelle angeschlossen und befinden sich im homogenen Bereich des Magnetfeldes. Fließt ein Strom durch die Leiterschleife, kommt es zu einer Kraft auf den stromdurchflossenen Leiter und damit auch auf den Permanentmagneten. Aus dem an der Waage angezeigten Wert kann auf die wirkende Kraft geschlossen werden.

Material 3b: Messwerte zur Stromwaage
Angegeben ist die Kraft auf den stromdurchflossenen Leiter der Länge
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Stromstärke |
Kraft |
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Material 3c: Schemazeichnungen eines ortsfesten Permanentmagneten und eines beweglichen, senkrecht zur Zeichenebene stromdurchflossenen Leiters
Der Elektronenstrom fließt in die Zeichenebene hinein.
Der Elektronenstrom fließt aus der Zeichenebene hinaus.

Material 3d: Schemazeichnung eines beweglichen Permanentmagneten und eines ortsfesten, senkrecht zur Zeichenebene stromdurchflossenen Leiters

Material 3e: Schemazeichnung von zwei Leitern im Magnetfeld
Die magnetischen Feldlinien verlaufen in die Blattebene hinein ().

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Die Entstehung der Intensitätsmaxima und -minima lässt sich mithilfe des Huygensschen Prinzips erklären: Jede der beiden Spaltmitten kann als Ausgangspunkt für eine neue kreisförmige Elementarwelle aufgefasst werden. Diese Wellen breiten sich hinter dem Spalt kreisförmig in der Ebene aus.
Auf der Beobachtungslinie überlagern sich diese beiden Wellen. An den Stellen auf der Beobachtungslinie, an denen jeweils Wellenberg auf Wellenberg oder Wellental auf Wellental der kreisförmigen Elementarwellen treffen, findet konstruktive Interferenz statt, was zu maximaler Intensität (maximale Lautstärke) führt. Hier beträgt der Gangunterschied beider Elementarwellen ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge
In den Bereichen dazwischen, wo Wellenberg auf Wellental trifft, löschen sich die Wellen gegenseitig aus (destruktive Interferenz), wodurch Orte minimaler Intensität entstehen. Hier beträgt der Gangunterschied beider Elementarwellen ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge
plus die Hälfte der Wellenlänge

Herleitung der Gleichung für

In der ergänzten Skizze des Versuchsaufbaus in Material 1a sind die Strecken von den Spalten zum Mikrofon die Hypotenusen rechtwinkliger Dreiecke.
Die zur Beobachtungslinie senkrechte Kathete hat die Länge
Der Doppelspalt hat einen Spaltmittenabstand von Daraus folgt für die Kathete parallel zur Beobachtungslinie für den Spalt
die Länge
Mit dem Satz des Pythagoras ergibt sich für die Hypotenuse, welche dem Laufweg
entspricht, direkt die gesuchte Gleichung:
Ermittlung Ort des Maximums 1. Ordnung

Der Ort des 1. Maximums lässt sich direkt aus dem Diagramm ablesen. Er liegt bei etwa
Bestätigung der Frequenz
Beim ersten Maximum beträgt der Gangunterschied genau eine Wellenlänge. Durch Einsetzen von folgt:
Mit der Schallgeschwindigkeit lässt sich daraus die Frequenz
des Ultraschallsenders berechnen:
Die angegebene Frequenz ist damit bestätigt.
Aus den Oszilloskopbildern in Material 1c kann die Periodendauer bestimmt werden.
Im linken Bild laufen vier Perioden in circa ab, was
liefert. Daraus ergibt sich die minimale Frequenz
Im rechten Bild ergibt sich für vier Perioden circa was
ergibt. Daraus folgt für die maximale Frequenz
Da die gesuchte Frequenz von innerhalb dieses Intervalls (
bis
) liegt, ist der Generator als Quelle für dieses Experiment geeignet.
Gemäß der Beziehung nimmt die Wellenlänge
zu, wenn die Frequenz
verkleinert wird (bei konstanter Ausbreitungsgeschwindigkeit
). Eine größere Wellenlänge führt dazu, dass ein größerer Gangunterschied benötigt wird, um wiederum konstruktive Interferenz zu erzeugen. Die Maxima verschieben sich daher weiter nach außen.
Daraus ergibt sich die Hypothese: Bei einer Verkleinerung der Frequenz werden die Orte der Maxima im Diagramm weiter auseinanderliegen, der Abstand der Maxima zur Mitte wird also größer.

Herleitung der Formel für die Anfangsgeschwindigkeit
Die Elektronen werden aus der Ruhe heraus durch das elektrische Feld beschleunigt. Dabei wird die gesamte vom Feld aufgewendete elektrische Energie in kinetische Energie der Elektronen umgewandelt. Der Energieerhaltungssatz liefert folgenden Ansatz:
Das entspricht der herzuleitenden Gleichung.
Berechnung für
Durch Einsetzen der Elementarladung und der Elektronenmasse lässt sich die Geschwindigkeit berechnen:
Grafische Darstellung der Messwerte

Bestätigung des funktionalen Zusammenhangs
Zur Überprüfung des vorgegebenen funktionalen Zusammenhangs wird für jedes Messwertpaar aus der Tabelle aus Material 2b der Quotient
gebildet:
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Abgesehen vom Ausreißer beim kleinsten Messwert, sind die Quotienten näherungsweise konstant. Als Mittelwert ergibt sich:
Beziehungsweise bereinigt (ohne dem Ausreißer nach unten):
Da die Mittelwerte sehr gut mit dem theoretischen Faktor übereinstimmen, ist der funktionale Zusammenhang bestätigt.
Die elektrische Feldkraft auf die Elektronen wird ausschließlich durch die elektrische Feldstärke des Plattenkondensators bestimmt. Für das homogene Feld gilt die Beziehung:
Werden nun sowohl die Ablenkspannung als auch der Plattenabstand
exakt verdoppelt, ergibt sich für die neue Feldstärke
Die wirksame Feldstärke und somit auch die auf die Elektronen wirkende elektrische Feldkraft bleiben konstant.
Daraus folgt die Hypothese: Der Verlauf der Bahnkurve der Elektronen im Kondensator bleibt völlig unverändert, weil die Feldkraft auf die Elektronen konstant bleibt.
Graphische Darstellung der Messwerte

Bestätigung des Zusammenhangs zwischen und
Die Messreihe zeigt ein nahezu lineares, proportionales Verhalten, weshalb angenommen werden kann. Zur Überprüfung wird der Quotient
für die gegebenen Wertepaare gebildet:
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Die Quotienten sind näherungsweise konstant und der Mittelwert liegt bei
Dieser Wert entspricht der Steigung der Ursprungsgeraden und stimmt näherungsweise mit dem in der Aufgabenstellung vorgegebenen Wert von überein, womit der Zusammenhang bestätigt ist.
Ermittlung der magnetischen Flussdichte
Aus der Gleichung aus der Aufgabenstellung folgt:
Der Quotient entspricht gemäß der Aufgabenstellung:
Durch Gleichsetzen der Terme ergibt sich mit der Leiterlänge
Skizzieren der Bewegungsrichtungen
Die Bewegungsrichtung lässt sich mit der Drei-Finger-Regel der linken Hand (für Elektronen) bestimmen.

Aufstellen der Hypothese zur Stromrichtung
Damit sich der Magnet nach links bewegt, muss er eine nach links gerichtete abstoßende Kraft erfahren. Nach dem Wechselwirkungsprinzip übt der Magnet auf den fixierten Leiter eine gleich große, aber entgegengesetzt gerichtete Kraft aus. Auf den Leiter muss demnach eine Lorentzkraft nach rechts wirken. Wie in der Skizze oben zu sehen, tritt eine nach rechts gerichtete Lorentzkraft in diesem Magnetfeld nur dann auf, wenn der Elektronenstrom in die Zeichenebene hineinfließt.
Daraus folgt die Hypothese: Damit sich der bewegliche Magnet nach links bewegt, muss der Elektronenstrom im ortsfesten Leiter in die Zeichenebene hinein fließen ().

Die Lorentzkraft wirkt ausschließlich auf die Geschwindigkeitskomponente der Ladungen, die senkrecht zur Magnetfeldrichtung orientiert sind. Bei der u-förmigen Leiterschleife (linkes Bild in Material 3e) kompensieren sich die Kräfte auf die beiden vertikalen Leiterabschnitte, da der Strom auf der einen Seite nach unten und auf der anderen Seite nach oben fließt. Ausschließlich der horizontale Leiterabschnitt erfährt eine Kraft, die zu einem Anheben oder Absenken der Schleife führt.
Sofern die Maße bei beiden Schleifen identisch sind, bleibt die Summe der vertikalen und horizontalen Leiterlängen im homogenen Magnetfeld auch bei der geknickten Leiterschleife gleich. Bei der geknickten Schleife (rechtes Bild in Material 3e) kompensieren sich somit die Kräfte auf die vertikalen Leiterabschnitte ebenfalls. Und der horizontale Leiterabschnitt mit der Gesamtlänge erfährt wieder die gleiche Kraft, die wieder zu einem Anheben oder Absenken der Schleife führt. Der „Knick“ hat somit keinen Einfluss.


