Block I
Verbraucher und Staat im Wirtschaftsgeschehen
Teil A
Menschen scheinen sich nicht immer so zu verhalten, wie es Modellvorstellungen erwarten lassen.
Fasse die Aussagen des Textes (Material M 1) zusammen!
Kontrastiere das Nachfrageverhalten der „feinen Leute“ mit dem - allgemein Geltung beanspruchenden - Marktmodell! Beginne hierbei deine Ausführungen mit einer erläuternden Skizze!
Stelle die ordnungspolitische Maßnahme „staatliches Verbot“ und die lenkungspolitische Maßnahme „Erhöhung oder Senkung einer Verbrauchssteuer“ zur Erzielung eines gewünschten Anbieter- und Nachfrageverhaltens einander gegenüber!
Erläutere die nachfolgende These aus Material M 1!
„Die zunehmende Bedeutung der Maschinen könne die Leute dazu bringen, ihre Eitelkeiten hinter sich zu lassen und wieder zu lernen, nach rationalen Prinzipien zu handeln, um eine sinnvollere gesellschaftliche Ordnung zu schaffen.“
Materialien M 2 und M 3 vermitteln einen näheren Eindruck über die in Material M 1 am Ende des Textes angesprochene „Nudge“-Bewegung.
Erörtere Chancen und Risiken von Nudges (=kleinen Schubsern), die vom Staat zur Steuerung wirtschaftlichen oder rechtskonformen Verhaltens ausgeübt werden!
Teil B
Diskutiere vor dem Hintergrund deines Wissens zum Homo oeconomicus und unter Einbeziehung der Materialien M 1 bis M 3 die Haltbarkeit der ökonomischen Theorie der rationalen Entscheidung (Nutzenmaximierung)!
Material M 1
Spott auf die feinen Leute
* 1857-1929, amerikanischer Soziologe und Ökonom
Material M 2
Heimliche Anstöße für die freie Entscheidung
Erschienen: 07.06.2014, FAZ
Material M 3
Statt Tempo 30-Schild


Teil A
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Der Soziologe und Ökonom Thorstein Veblen kritisiert die Gesellschaft seiner Zeit, weil echte wirtschaftliche Bedürfnisse wie Wohlstand, soziale Sicherheit oder der Besitz schöner Dinge in den Hintergrund treten.
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Stattdessen versuchen viele Menschen, sich durch auffälligen Konsum und die Verschwendung von Zeit und Ressourcen von anderen abzuheben und ihr soziales Ansehen zu steigern.
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Nach Veblen orientieren sich die Menschen dabei an der wohlhabenden Oberschicht („leisure class“), die ihren gesellschaftlichen Status durch demonstrativen Konsum und Müßiggang zur Schau stellt.
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Die Konsumentscheidungen der Menschen werden laut Veblen nicht vom tatsächlichen Nutzen, Wert oder der Schönheit eines Produktes bestimmt, sondern von dessen Prestigewirkung innerhalb der jeweiligen sozialen Gruppe.
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Viele Menschen geben deshalb mehr Geld für Statussymbole aus, als deren tatsächlicher Wert rechtfertigt, um gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten.
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Produkte oder Güter, die als zu günstig gelten, werden häufig abgelehnt, obwohl sie denselben Nutzen erfüllen könnten.
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Veblen widerspricht damit der neoklassischen Wirtschaftstheorie, die den Menschen als rational handelnden „Homo Oeconomicus“ betrachtet.
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Seiner Auffassung nach werden Menschen vielmehr von Eitelkeit, sozialen Erwartungen und der Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung beeinflusst.
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Konsumentscheidungen entstehen daher vor allem durch den Einfluss des sozialen Umfelds und nicht durch individuelle, rationale Nutzenabwägungen.
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Auch wirtschaftliche Produktionsentscheidungen erklärt Veblen nicht primär durch Rationalität, sondern durch gesellschaftliche Entwicklungen und menschliche Instinkte.
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Dabei unterscheidet er zwischen räuberischen und eigennützigen Instinkten einerseits sowie dem menschlichen Wunsch nach nützlicher Arbeit und Erkenntnis andererseits.
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Veblen sieht im technischen Fortschritt und in der zunehmenden Bedeutung von Maschinen die Möglichkeit, dass Menschen wieder stärker rational handeln und eine sinnvollere Gesellschaftsordnung schaffen.
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Seine Grundannahme, dass Menschen häufig nicht wissen, was langfristig gut für sie ist, beeinflusst bis heute Ansätze der Verhaltensökonomie, beispielsweise die sogenannte „Nudge“-Bewegung.




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Das allgemeine Marktmodell geht davon aus, dass Verbraucher als rationale Nutzenmaximierer („Homo Oeconomicus“) handeln.
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Konsumenten vergleichen Preise und Nutzen verschiedener Güter und entscheiden sich für die Alternative, die ihnen den größten persönlichen Nutzen verschafft.
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Zwischen Preis und nachgefragter Menge besteht dabei ein negativer Zusammenhang: Steigt der Preis eines Gutes, sinkt normalerweise die Nachfrage; fällt der Preis, steigt die Nachfrage.
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Die Nachfrage wird im Marktmodell vor allem durch individuelle Bedürfnisse und den persönlichen Nutzen bestimmt.
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Das soziale Umfeld oder gesellschaftliches Prestige spielen im klassischen Marktmodell keine zentrale Rolle.
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Das von Veblen beschriebene Nachfrageverhalten der „feinen Leute“ weicht deutlich von diesen Annahmen ab.
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Nach Veblen kaufen Menschen bestimmte Güter nicht wegen ihres tatsächlichen Nutzens, sondern wegen ihres Prestigewertes.
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Der Konsum dient dazu, den eigenen gesellschaftlichen Status sichtbar zu machen und sich von anderen sozialen Gruppen abzugrenzen.
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Die Nachfrage wird somit maßgeblich durch soziale Anerkennung und den Wunsch nach Ansehen beeinflusst.
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Während ein hoher Preis im Marktmodell die Nachfrage senkt, kann ein hoher Preis bei sogenannten Status- oder Veblen-Gütern die Nachfrage sogar erhöhen.
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Teure Güter werden gerade deshalb nachgefragt, weil sie Exklusivität und gesellschaftlichen Erfolg symbolisieren.
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Umgekehrt können günstigere Produkte trotz gleicher Qualität oder gleichen Nutzens abgelehnt werden, da sie weniger Prestige vermitteln.
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Das Marktmodell unterstellt rationales und nutzenorientiertes Verhalten, während Veblen das Verhalten der Konsumenten als stark von sozialen Normen, Eitelkeit und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung geprägt beschreibt.
→ Das allgemeine Marktmodell erklärt Nachfrage durch individuelle Nutzenmaximierung und eine fallende Nachfragekurve.
→ Veblens „feine Leute“ orientieren sich dagegen am sozialen Prestige von Gütern, sodass die Nachfrage bei bestimmten Statusgütern trotz steigender Preise zunehmen kann. Dadurch widerspricht ihr Verhalten den Grundannahmen des klassischen Marktmodells.
Staatliches Verbot (ordnungspolitische Maßnahme)
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Der Staat untersagt die Herstellung, den Verkauf oder den Konsum eines bestimmten Gutes vollständig.
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Anbieter dürfen das betreffende Gut nicht mehr produzieren oder vertreiben.
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Nachfrager können das Gut legal nicht mehr erwerben oder konsumieren.
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Das gewünschte Verhalten wird unmittelbar und verbindlich durch rechtliche Vorschriften erzwungen.
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Die Wirkung tritt grundsätzlich sofort ein, da Anbieter und Verbraucher keine legale Ausweichmöglichkeit innerhalb des Marktes besitzen.
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Ein Verbot eignet sich insbesondere bei Gütern, von denen erhebliche Gefahren für Menschen, Umwelt oder Gesellschaft ausgehen.
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Die individuelle Entscheidungsfreiheit von Anbietern und Nachfragern wird dabei stark eingeschränkt.
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Beispiele sind Verbote bestimmter Drogen, besonders gefährlicher Chemikalien oder gesundheitsgefährdender Produkte.
Erhöhung oder Senkung einer Verbrauchssteuer (lenkungspolitische Maßnahme)
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Der Staat beeinflusst das Verhalten von Marktteilnehmern über Preisänderungen, ohne bestimmte Handlungen direkt zu verbieten.
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Wird die Verbrauchssteuer erhöht, steigen die Preise des betreffenden Gutes.
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Höhere Preise führen in der Regel zu einer sinkenden Nachfrage und gegebenenfalls zu einem geringeren Angebot.
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Dadurch soll der Konsum unerwünschter Güter verringert werden.
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Wird die Verbrauchssteuer gesenkt, sinken die Preise für Verbraucher.
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Niedrigere Preise fördern die Nachfrage und können gleichzeitig die Absatzmöglichkeiten der Anbieter verbessern.
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Die Marktteilnehmer behalten ihre Entscheidungsfreiheit, werden jedoch durch finanzielle Anreize in eine bestimmte Richtung gelenkt.
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Die Wirkung erfolgt indirekt über den Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage.
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Beispiele sind die Tabaksteuer oder Alkoholsteuer zur Verringerung des Konsums sowie Steuersenkungen auf umweltfreundliche Produkte zur Förderung ihres Absatzes.
Fazit
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Das staatliche Verbot greift direkt in den Markt ein und erzwingt ein bestimmtes Verhalten durch rechtliche Vorschriften.
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Die Verbrauchssteuer beeinflusst das Verhalten dagegen indirekt über Preisänderungen und wirtschaftliche Anreize.
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Während ein Verbot die Handlungsfreiheit stark einschränkt, lässt die Verbrauchssteuer Anbietern und Nachfragern grundsätzlich eine eigene Entscheidungsmöglichkeit.
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Thorstein Veblen kritisiert, dass viele Menschen ihre Konsumentscheidungen nicht rational treffen, sondern sich von Eitelkeit, Modeerscheinungen und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung leiten lassen.
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Nach seiner Auffassung steht dabei häufig nicht der tatsächliche Nutzen eines Gutes im Vordergrund, sondern dessen Prestigewert.
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Dies führt zu einer Verschwendung von Ressourcen, da Menschen Güter kaufen, um ihren sozialen Status zu demonstrieren, anstatt reale Bedürfnisse zu befriedigen.
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Mit der zunehmenden Bedeutung von Maschinen und technischen Entwicklungen verändern sich nach Veblen die Anforderungen an die Menschen.
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Der Umgang mit Maschinen erfordert sachliches Denken, Fachwissen, Planung und die Orientierung an objektiven Zusammenhängen.
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Technische Prozesse funktionieren nicht aufgrund von gesellschaftlichem Ansehen oder persönlichen Vorlieben, sondern nach rationalen und nachvollziehbaren Regeln.
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Dadurch könnten Menschen lernen, Entscheidungen stärker auf Vernunft, Effizienz und tatsächlichen Nutzen zu stützen.
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Eitelkeiten, Statusdenken und prestigebezogener Konsum würden dann an Bedeutung verlieren.
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Stattdessen könnten die Menschen ihre Fähigkeiten stärker für produktive und nützliche Tätigkeiten einsetzen.
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Dies würde nicht nur wirtschaftlich effizienteres Handeln fördern, sondern auch dem Gemeinwohl dienen.
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Veblen verbindet mit dem technischen Fortschritt daher die Hoffnung, dass sich die Gesellschaft von irrationalem Statusstreben löst und sich an vernünftigen, sachorientierten Prinzipien ausrichtet.
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Eine „sinnvollere gesellschaftliche Ordnung“ wäre nach seiner Vorstellung eine Gesellschaft, in der Ressourcen zur Befriedigung echter Bedürfnisse eingesetzt werden und nicht zur Demonstration sozialer Überlegenheit.
Kernaussage der These:
Durch den Umgang mit Maschinen und technischen Prozessen könnten Menschen lernen, rationaler und nutzenorientierter zu handeln. Dadurch würden Eitelkeit und Prestigedenken an Bedeutung verlieren und eine effizientere sowie gesellschaftlich sinnvollere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entstehen.
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Unter Nudges („kleinen Schubsern“) versteht man Maßnahmen, die das Verhalten von Menschen beeinflussen sollen, ohne Verbote auszusprechen oder finanzielle Anreize direkt zu verändern.
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Stattdessen wird die Entscheidungssituation („Entscheidungsarchitektur“) so gestaltet, dass bestimmte Verhaltensweisen wahrscheinlicher werden.
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M2 und M3 zeigen Beispiele solcher Nudges: die Fliege im Urinal, die die Treffsicherheit erhöht, sowie künstlich aufgemalte Schlaglöcher, die Autofahrer zum langsameren Fahren bewegen sollen.
Chancen von Nudges
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Nudges können Menschen zu gesellschaftlich erwünschtem Verhalten bewegen, ohne ihre Wahlfreiheit vollständig einzuschränken.
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Im Gegensatz zu Verboten oder Geboten bleiben verschiedene Handlungsalternativen grundsätzlich bestehen.
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Nudges sind häufig kostengünstig und einfach umzusetzen.
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Das Beispiel der Fliege im Urinal (M2) zeigt, dass bereits kleine Veränderungen der Umgebung große Verhaltensänderungen bewirken können.
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Staatliche Ausgaben für Kontrollen oder Sanktionen können dadurch reduziert werden.
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Nudges können dazu beitragen, rechtskonformes Verhalten zu fördern.
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Das in M3 dargestellte künstliche Schlagloch kann Autofahrer dazu veranlassen, ihre Geschwindigkeit zu verringern und dadurch die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
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Im wirtschaftlichen Bereich können Nudges Verbraucher zu nachhaltigeren oder gesünderen Entscheidungen bewegen.
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Die in M2 erwähnte Kennzeichnung von Produkten liefert zusätzliche Informationen und ermöglicht bewusstere Kaufentscheidungen.
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Auch gesellschaftlich wichtige Ziele wie eine höhere Organspendebereitschaft können durch eine geschickte Gestaltung der Entscheidungssituation unterstützt werden.
Risiken von Nudges
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Kritiker sehen in Nudges eine Form versteckter Beeinflussung oder Manipulation.
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Menschen treffen ihre Entscheidungen möglicherweise nicht mehr vollständig selbstbestimmt, sondern werden unbemerkt in eine bestimmte Richtung gelenkt.
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Die Einflussnahme erfolgt oft unbewusst, sodass Betroffene die Steuerung ihres Verhaltens gar nicht erkennen.
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Dadurch kann die individuelle Freiheit eingeschränkt werden, obwohl formal keine Verbote bestehen.
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Problematisch ist außerdem die Frage, wer entscheidet, welches Verhalten „richtig“ oder gesellschaftlich erwünscht ist.
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Der Staat könnte seine Vorstellungen von gutem Verhalten durchsetzen und dabei die Eigenverantwortung der Bürger schwächen.
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Werden Nudges zu stark eingesetzt, besteht die Gefahr eines bevormundenden Staates („Paternalismus“).
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Zudem wirken Nudges nicht bei allen Menschen gleichermaßen und können daher weniger effektiv sein als direkte Vorschriften.
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Manche Bürger könnten sich bewusst gegen die beabsichtigte Lenkung wehren, sobald sie diese erkennen.
Fazit
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Nudges bieten die Chance, wirtschaftliches und rechtskonformes Verhalten effektiv, kostengünstig und ohne direkte Verbote zu fördern.
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Sie können helfen, gesellschaftliche Ziele wie Sicherheit, Gesundheit oder Nachhaltigkeit zu erreichen.
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Gleichzeitig besteht die Gefahr einer versteckten Beeinflussung und Einschränkung der Selbstbestimmung der Bürger.
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Der Einsatz von Nudges ist daher vor allem dann sinnvoll, wenn er transparent erfolgt, die Entscheidungsfreiheit erhalten bleibt und die Maßnahmen dem Gemeinwohl dienen.
Urteil: Nudges sind gegenüber Verboten oft das mildere staatliche Steuerungsinstrument, sollten jedoch nur maßvoll und transparent eingesetzt werden, um die Freiheit der Bürger nicht unangemessen einzuschränken.
Teil B
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Die neoklassische Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass Menschen als Homo oeconomicus handeln.
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Der Homo oeconomicus verfügt über vollständige Informationen, verfolgt klare Ziele und entscheidet sich stets für die Alternative, die seinen persönlichen Nutzen maximiert.
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Die Materialien M1 bis M3 stellen diese Annahme jedoch teilweise infrage und zeigen, dass menschliches Verhalten oft von sozialen Einflüssen und der Gestaltung der Entscheidungssituation geprägt wird.
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Daher stellt sich die Frage, inwieweit die Theorie der rationalen Nutzenmaximierung die Realität tatsächlich erklären kann.
Argumente für die Haltbarkeit der Theorie
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Die Theorie des Homo oeconomicus bietet ein einfaches und übersichtliches Modell zur Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge.
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Viele Menschen treffen tatsächlich rationale Entscheidungen, indem sie Preise, Kosten und Nutzen vergleichen.
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Verbraucher achten beispielsweise häufig auf günstige Preise, Produktqualität oder ihren finanziellen Vorteil.
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Unternehmen handeln oft gewinnorientiert und versuchen, ihren Ertrag zu maximieren.
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Auch staatliche Maßnahmen wie Steuern beruhen auf der Annahme, dass Menschen auf Preisänderungen reagieren.
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Die alltägliche Erfahrung zeigt, dass die Nachfrage vieler Güter sinkt, wenn die Preise steigen.
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Die Theorie besitzt daher einen hohen Erklärungswert für zahlreiche wirtschaftliche Prozesse und Marktmechanismen.
Argumente gegen die Haltbarkeit der Theorie
Kritik durch Material M1 (Veblen)
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Veblen widerspricht der Vorstellung des rationalen Nutzenmaximierers deutlich.
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Nach seiner Auffassung orientieren sich viele Menschen nicht am tatsächlichen Nutzen eines Gutes, sondern an dessen Prestigewert.
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Konsum dient häufig dazu, gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten oder den eigenen Status zu demonstrieren.
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Menschen kaufen daher teure Statussymbole, obwohl günstigere Alternativen denselben praktischen Nutzen erfüllen könnten.
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Die Nachfrage nach sogenannten Veblen-Gütern kann sogar steigen, wenn der Preis steigt.
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Dieses Verhalten widerspricht dem klassischen Marktmodell und der Annahme rationaler Nutzenmaximierung.
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Veblen betont zudem den Einfluss sozialer Gruppen, gesellschaftlicher Erwartungen und der Angst vor Ausgrenzung.
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Entscheidungen entstehen somit nicht ausschließlich durch individuelle Nutzenkalküle.
Kritik durch Material M2 (Nudges)
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Das Beispiel der Fliege im Urinal zeigt, dass bereits kleine Veränderungen der Umgebung das Verhalten stark beeinflussen können.
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Die Männer entscheiden sich nicht nach einer bewussten Kosten-Nutzen-Rechnung für besseres Zielen, sondern reagieren spontan auf einen äußeren Reiz.
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Auch die höhere Organspendebereitschaft bei einer anderen Voreinstellung („Opt-out“) verdeutlicht, dass Menschen häufig den vorgegebenen Standard übernehmen.
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Wären Menschen vollständig rational, dürfte die Art der Darstellung oder Gestaltung einer Entscheidung kaum Einfluss auf das Ergebnis haben.
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M2 zeigt daher, dass Entscheidungen oftmals von psychologischen Faktoren beeinflusst werden.
Kritik durch Material M3
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Die aufgemalten Schlaglöcher sollen Autofahrer unbewusst dazu bringen, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren.
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Das Verhalten wird durch die Wahrnehmung der Situation beeinflusst und nicht durch eine bewusste Abwägung von Kosten und Nutzen.
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Das Beispiel verdeutlicht, dass Menschen häufig intuitiv und situationsabhängig handeln.
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Dadurch wird die Annahme einer vollständig rationalen Entscheidungsfindung relativiert.
Relativierung der Kritik
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Die genannten Beispiele bedeuten jedoch nicht, dass Menschen grundsätzlich irrational handeln.
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Vielmehr verfolgen sie häufig andere Nutzenziele als die klassische Theorie annimmt.
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So kann der Kauf eines Luxusgutes aus Sicht des Käufers durchaus nutzenmaximierend sein, wenn gesellschaftliches Ansehen einen hohen persönlichen Wert besitzt.
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Auch soziale Anerkennung, Bequemlichkeit oder die Vermeidung von Aufwand können als Nutzen verstanden werden.
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Dadurch lässt sich ein Teil der beobachteten Verhaltensweisen weiterhin mit einem erweiterten Nutzenbegriff erklären.
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Die moderne Verhaltensökonomie ergänzt deshalb die traditionelle Theorie, anstatt sie vollständig zu ersetzen.
Schlussurteil
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Die Theorie der rationalen Entscheidung besitzt weiterhin einen hohen Wert zur Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge und Marktprozesse.
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Die Materialien M1 bis M3 zeigen jedoch deutlich, dass Menschen in der Realität nicht immer wie der Homo oeconomicus handeln.
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Soziale Einflüsse, Statusdenken, Gewohnheiten, psychologische Faktoren und die Gestaltung der Entscheidungssituation beeinflussen das Verhalten erheblich.
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Daher ist die Theorie der Nutzenmaximierung nur eingeschränkt haltbar: Als vereinfachtes Modell bleibt sie nützlich, zur Erklärung tatsächlichen menschlichen Verhaltens muss sie jedoch durch Erkenntnisse der Verhaltensökonomie ergänzt werden.
Urteil: Der Homo oeconomicus ist ein hilfreiches theoretisches Modell, beschreibt die Realität aber nur teilweise. Die Materialien belegen, dass wirtschaftliche Entscheidungen häufig nicht ausschließlich rational, sondern auch sozial und psychologisch geprägt sind.