HT 2
Aufgabenstellung
Interpretiere den Anfang des Romans Haus der Kindheit von Anna Mitgutsch.
Berücksichtige dabei die Gestaltung der Hauptfigur in ihrem Verhältnis zu Heimat und Exil.
Gehe auch auf die erzählerische und sprachlich-stilistische Gestaltung ein.
Stelle kurz die Lebenssituation der Besucherin in Jenny Erpenbecks Roman Heimsuchung dar.
Vergleiche davon ausgehend die beiden vorliegenden Textauszüge im Hinblick auf die Darstellung der Exilsituation.
Berücksichtige dabei die erzählerische und sprachliche Gestaltung.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Haus der Kindheit (2000; Romananfang)
Anna Mitgutsch (* 1948)
Der Roman erzählt die Geschichte des Innenarchitekten Max, der als Kind mit seiner jüdi-
schen Familie auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus aus einer österreichischen Klein-
stadt nach New York emigriert ist. Im Verlauf der Handlung, die sich über mehrere Jahr-
zehnte bis in die 1990er Jahre erstreckt, unternimmt Max mehrere Versuche, das ehemalige
Haus der Familie wieder in Besitz zu nehmen. Dem Vorhaben stehen zunächst langwierige
juristische Auseinandersetzungen entgegen, später persönliche Schwierigkeiten, erneut dort
heimisch zu werden.
1 Delancy Street: Hauptstraße in der traditionell stark von Einwanderern geprägten Lower East Side von Manhattan
2 Crotona Park: öffentlicher Park im New Yorker Stadtviertel South Bronx
3 sepiafarben: bräunlich-warmer Farbton, den eine Schwarzweißfotografie durch chemische Verfahren bei der Entwick-
lung oder durch natürliche Alterung annehmen kann
4 an ihrer Statt: an ihrer Stelle
Anna Mitgutsch: Haus der Kindheit. München: Luchterhand Literaturverlag 2000, S. 7–10.
Anmerkung zur Autorin:
Anna Mitgutsch ist eine österreichische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin.
Material 2: Heimsuchung (2007; Auszug aus dem Kapitel „Die Besucherin“)
Jenny Erpenbeck (* 1967)
Jenny Erpenbeck: Heimsuchung. 10. Aufl. München: Penguin Verlag 2018, S. 128–130
(Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der jeweiligen Textquelle.)
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Teilaufgabe 1: Interpretation des Romananfangs aus Haus der Kindheit
Einleitung
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Der vorliegende Romanauszug stammt aus Anna Mitgutschs Roman Haus der Kindheit aus dem Jahr 2000. Im Mittelpunkt steht der Innenarchitekt Max, der als Kind mit seiner jüdischen Familie vor dem Nationalsozialismus aus Österreich in die USA emigrieren musste.
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Der Romananfang zeigt, wie stark Max auch Jahrzehnte später durch Vertreibung, Exil und die Erinnerung an seine verlorene Kindheit geprägt ist.
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Dabei erscheint Heimat nicht nur als konkreter geografischer Ort, sondern vor allem als Erinnerungs- und Sehnsuchtsraum, der eng mit dem ehemaligen Familienhaus verbunden ist.
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Die erzählerische und sprachliche Gestaltung verdeutlicht zugleich, dass Max’ Erinnerungen an diese Heimat zunehmend bruchstückhaft, unsicher und idealisiert sind.
Hauptteil
Das Foto als Verbindung zur verlorenen Heimat
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Bereits zu Beginn wird die besondere Bedeutung eines Fotos des ehemaligen Familienhauses deutlich. Es steht so lange auf der Kommode, wie Max sich zurückerinnern kann, und macht jede neue Wohnung der Familie zu einem „weiteren Ort des Exils“ (M 1, Z. 2). Damit wird deutlich, dass die Familie auch nach ihrer Ankunft in den USA keine vollständig neue Heimat findet. Die verschiedenen Wohnungen bleiben vorläufige Aufenthaltsorte.
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Das Foto besitzt im Gegensatz zu den anderen Gegenständen eine weit in die Vergangenheit reichende Bedeutung und verweist gleichzeitig auf eine in der Gegenwart schmerzlich fehlende Heimat (vgl. M 1, Z. 3–6). Max’ Mutter nimmt das Bild „andächtig“ in die Hand und bezeichnet das abgebildete Gebäude als „unser Haus“ (M 1, Z. 7). Dadurch erhält das Foto beinahe den Charakter eines Erinnerungs- oder Kultgegenstands. Zugleich verbindet die Mutter das Bild mit der Hoffnung auf Rückkehr, indem sie ankündigt, dass sie „in ein paar Jahren“ (M 1, Z. 7–8) dorthin zurückfahren würden.
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Das Foto steht somit zugleich für Vergangenheit, Verlust und die Hoffnung auf ein späteres Nachhausekommen.
Erinnerung als Schutz vor dem Verlust
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Max hat von seiner Mutter gelernt, dass Erinnerungen das Einzige seien, was einem nicht genommen werden könne (vgl. M 1, Z. 9–10). Erinnerung wird damit zu einer Möglichkeit, die eigene Herkunft und Identität trotz der Vertreibung zu bewahren.
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Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit den Schiffen, die die Kinder am Meer beobachteten und die schließlich hinter dem Horizont verschwanden, wie bedroht und vergänglich auch Erinnerungen sein können (vgl. M 1, Z. 10–12). Der Atlantik erhält dabei eine zentrale symbolische Funktion: Er trennt Max und seine Familie räumlich von Europa und damit von ihrer früheren Heimat.
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Max’ Mutter weist über das Meer und erklärt: „Dort drüben liegt Europa“ (M 1, Z. 13–14). Europa bleibt damit in ihrer Vorstellung präsent, ist jedoch zugleich weit entfernt und unerreichbar. Die Grenze zwischen Himmel und Meer erscheint als Linie „in einer Ferne, die nie näher rückte“ (M 1, Z. 15). Dadurch wird die dauerhafte räumliche und emotionale Distanz zur Heimat hervorgehoben.
Das Haus als Symbol der verlorenen Heimat
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Für Max’ Mutter ist die verlorene Heimat besonders eng mit dem ehemaligen Familienhaus verbunden. Der Erzähler beschreibt es als „jenes unsichtbare Haus“ (M 1, Z. 16), das für die Mutter sinnbildlich hinter dem Horizont verschwunden ist.
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Das Haus existiert zwar weiterhin in einer österreichischen Kleinstadt, für die Familie ist es jedoch nur noch über Erinnerung und Fotografie erreichbar (vgl. M 1, Z. 18–22). Dadurch löst sich das Haus zunehmend von seiner Funktion als reales Gebäude und wird zu einem Symbol für Kindheit, Familie, Sicherheit und Zugehörigkeit.
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Die unterschiedlichen Aufbewahrungsorte des Fotos – zunächst auf einer Kommode in der Delancey Street, später auf einem Küchenregal am Crotona Park – verdeutlichen zugleich die wechselnden Lebensorte der Familie im Exil (vgl. M 1, Z. 18–22).
Die reale Rückkehr kann die Erinnerung nicht erfüllen
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Jahre später besucht Max das Haus selbst und lässt sich davor fotografieren (vgl. M 1, Z. 22–24). Dieses neue Foto kann jedoch die emotionale Bedeutung des alten Schwarzweißbildes nicht ersetzen.
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Während das alte Bild von einer „sepiafarbenen Melancholie“ geprägt ist (M 1, Z. 24), empfindet Max das neue Foto als „nackt“, „beinahe anstößig“ und „so beliebig wie ein Urlaubsfoto“ (M 1, Z. 25). Die reale Begegnung mit dem Ort entspricht somit nicht dem idealisierten Bild, das Max über Jahre in seiner Erinnerung aufgebaut hat. Deshalb entfernt er das neue Foto schließlich wieder (vgl. M 1, Z. 25–26).
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Hier zeigt sich bereits, dass eine räumliche Rückkehr nicht automatisch zu einem wirklichen Nachhausekommen führt.
Heimat als „Kindheitstraum“
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Besonders deutlich wird Max’ Verhältnis zur Heimat in der Beschreibung des Hauses, in dem er später einmal leben möchte. Dieses Haus ist nicht einfach das reale Gebäude, dessen Besitzer er geworden ist, sondern ein „Kindheitstraum“ (M 1, Z. 29).
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Dieser Traum entsteht aus der „lebenslangen Sehnsucht seiner Mutter nach einem endgültigen Nachhausekommen“ (M 1, Z. 29–30). Max übernimmt somit nicht nur die Erinnerung seiner Mutter, sondern auch deren unerfüllte Sehnsucht nach einer dauerhaften Heimat. Er beschließt, „an ihrer Statt“ (M 1, Z. 31) zurückzukehren. Seine Rückkehr soll damit auch stellvertretend für die Mutter erfolgen.
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Allerdings verschiebt Max diese Rückkehr immer weiter in die Zukunft. Er will erst zurückkehren, wenn sein gegenwärtiges Leben sich verlangsamt oder sogar „zum Stillstand käme“ (M 1, Z. 32–33). Diese Zukunft rückt jedoch „mit dem Fortschreiten der Jahre“ nicht näher (M 1, Z. 33–34). Damit wird deutlich, dass das ersehnte Nachhausekommen zwar ein zentrales Lebensziel bleibt, zugleich aber unerreichbar und aufgeschoben erscheint.
Max als dauerhafter „Reisender“
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Auch im späteren Leben bleibt Max von seiner Exilerfahrung geprägt. Im Ruhestand erklärt er, dass die Vergangenheit, die ihn sein gesamtes Leben begleitet habe, weiterhin gegenwärtig sei und jederzeit wieder in sein Leben eintreten könne (vgl. M 1, Z. 35–36).
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Max bezeichnet sich selbst als „Reisender“ (M 1, Z. 37).
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Er empfindet es als angenehm, dass er sich nur für seine eigenen Fehler verantwortlich fühlen müsse und jederzeit die Freiheit habe weiterzugehen (vgl. M 1, Z. 37–39). Diese Haltung lässt sich als Folge seiner Exilerfahrung verstehen: Weil Max bereits als Kind erfahren hat, dass ein sicher geglaubter Lebensort verloren gehen kann, betrachtet er auch spätere Lebenssituationen nicht als endgültig.
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Auf andere wirkt dies wie „Leichtigkeit“ und wie eine „ironische Verachtung jedes Anspruchs auf Endgültigkeit“ (M 1, Z. 40–42). Hinter dieser scheinbaren Ungebundenheit steht jedoch eine tiefe Erfahrung von Unsicherheit und Heimatverlust. Max schützt sich vor erneuter Enttäuschung, indem er Verpflichtungen und dauerhafte Bindungen auf Distanz hält (vgl. M 1, Z. 40–42).
Die bruchstückhafte Erinnerung an die Kindheit
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Ab Zeile 43 rückt Max’ konkrete Kindheitserinnerung stärker in den Mittelpunkt. Seine Erinnerungen erscheinen als „ferne, bruchstückhafte Bilder“ (M 1, Z. 43). Diese werden mit Gegenständen verglichen, die von einer Welle kurz ans Sonnenlicht gehoben und anschließend wieder im Atlantik begraben werden (vgl. M 1, Z. 43–45). Der Vergleich verdeutlicht die Flüchtigkeit und Unzuverlässigkeit des Erinnerns.
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Max weiß selbst nicht mehr sicher, ob die erinnerten Bilder tatsächlich seine eigenen Kindheitserfahrungen sind, aus den Erzählungen seiner Mutter stammen oder nachträglich von ihm zusammengesetzt wurden (vgl. M 1, Z. 45–48). Dadurch wird sichtbar, dass Erinnerung kein objektiver Zugriff auf die Vergangenheit ist, sondern sich im Laufe der Zeit verändert.
Sinnliche Erinnerungsfragmente als Rekonstruktion der Heimat
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Ab Zeile 48 folgt eine Reihe einzelner Erinnerungsbilder. Max erinnert sich unter anderem an ein „weißes Haus wie eine Festung über einem Fluß“ (M 1, Z. 48). Weitere Erinnerungen betreffen „kühle schwarze Eisenstäbe“ (M 1, Z. 49), Steinstufen und einen knirschenden Kiesweg (vgl. M 1, Z. 49–51). Seine Erinnerung umfasst dabei nicht nur visuelle Eindrücke, sondern auch Gerüche, Geschmäcker, Farben und körperliche Empfindungen (vgl. M 1, Z. 51–54). Dadurch wirkt die Erinnerung besonders sinnlich, zugleich aber auch ungeordnet und fragmentarisch.
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Max erinnert sich außerdem an einen großen Raum mit weißen Flügeltüren, einen bunten Teppich, einen dunklen Marmortisch und verschiedene Möbelstücke (vgl. M 1, Z. 55–60). Eine besonders körperliche Erinnerung stellt die Narbe dar, die er sich als Kind am Marmortisch zuzog (vgl. M 1, Z. 57–59). Diese Narbe verbindet die vergangene Kindheit mit Max’ gegenwärtigem Körper und macht deutlich, dass die Vergangenheit dauerhafte Spuren hinterlassen hat. Auch die Tante Sophie, die hellen Decken und der venezianische Löwe auf der Terrasse gehören zu seinen Erinnerungsbildern (vgl. M 1, Z. 61–64).
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Das frühere Haus erscheint somit nicht nur als Gebäude, sondern als Raum familiärer Geborgenheit und kindlicher Erfahrungen.
Erzählerische und sprachlich-stilistische Gestaltung
Figurennahe Erzählweise
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Der Text ist stark an Max’ Wahrnehmung und Erinnerungen gebunden. Die Erzählinstanz gibt sowohl frühere Erlebnisse als auch spätere Gedanken und Zweifel Max’ wieder. Dadurch erhalten die Leserinnen und Leser einen unmittelbaren Einblick in sein Verhältnis zu Heimat und Exil.
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Besonders deutlich wird die Figurenperspektive in Max’ Unsicherheit darüber, woher bestimmte Erinnerungen stammen (vgl. M 1, Z. 45–48). Die erzählerische Gestaltung unterstützt somit die zentrale Aussage des Textes, dass Heimat für Max vor allem subjektiv erinnert und rekonstruiert wird.
Verknüpfung verschiedener Zeitebenen
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Der Auszug verbindet verschiedene Lebensphasen Max’: seine Kindheit nach der Emigration, die spätere Rückkehr zum Haus, sein Leben als Erwachsener und seine Erinnerungen im Alter. Vergangenheit und Gegenwart werden dadurch nicht streng voneinander getrennt.
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Vielmehr zeigt die Erzählweise, dass die Vergangenheit Max dauerhaft begleitet und seine Gegenwart bestimmt (vgl. M 1, Z. 35–36). Die nicht chronologische Struktur entspricht damit Max’ eigener Erfahrung von Erinnerung.
Leitmotive Haus, Foto, Meer und Reise
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Im Text treten mehrere wiederkehrende Motive auf, die eng mit der Thematik von Heimat und Exil verbunden sind.
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Das Haus steht für Kindheit, Familie und Zugehörigkeit.
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Das Foto dient als materieller Speicher der Erinnerung und stellt eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart her (vgl. M 1, Z. 1–8).
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Das Meer bzw. der Atlantik symbolisiert die räumliche Trennung zwischen Europa und Amerika sowie die Distanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart (vgl. M 1, Z. 10–17).
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Das Motiv des Reisens verweist schließlich auf Max’ dauerhaftes Gefühl der Vorläufigkeit und auf seine Schwierigkeit, sich endgültig an einen Ort zu binden (vgl. M 1, Z. 37–42).
Bildhafte Sprache
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Mitgutsch verwendet zahlreiche Metaphern und Vergleiche, durch die Max’ Erinnerungswelt anschaulich wird. Besonders auffällig ist der Vergleich der Erinnerungen mit Gegenständen, die eine Welle kurz an die Oberfläche hebt und anschließend wieder im Atlantik verschwinden lässt (vgl. M 1, Z. 43–45). Dadurch wird die Erinnerung als etwas Flüchtiges dargestellt, das nur für kurze Momente verfügbar ist.
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Auch das Bild des hinter dem Horizont verschwundenen Hauses unterstreicht die räumliche und emotionale Unerreichbarkeit der früheren Heimat (vgl. M 1, Z. 15–17).
Aufzählungen und sinnliche Wahrnehmungen
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In den Zeilen 48–64 häufen sich Aufzählungen einzelner Gegenstände, Farben, Geräusche und körperlicher Eindrücke. Die fragmentarische Reihung ahmt die Funktionsweise des Erinnerns nach: Statt einer vollständig geordneten Vergangenheit treten einzelne Bilder hervor.
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Adjektive wie „kühle“, „schwarze“, „heller“, „bunter“ oder „moosgrünen“ (M 1, Z. 49–60) machen die Erinnerungen besonders anschaulich.
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Durch die Vielzahl an sinnlichen Details versucht Max gewissermaßen, die verlorene Welt seiner Kindheit aus einzelnen Erinnerungsstücken wieder zusammenzusetzen.
Fazit
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Der Romananfang zeigt Max als eine Figur, deren gesamtes Leben von Vertreibung, Exil und der Erinnerung an eine verlorene Heimat geprägt bleibt.
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Heimat ist für ihn nicht mehr ausschließlich ein realer Ort. Sie wird vielmehr zu einem idealisierten inneren Raum, der eng mit seiner Kindheit, seiner Familie und dem ehemaligen Haus verbunden ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine tatsächliche Rückkehr diesen Verlust nicht vollständig rückgängig machen kann. Das reale Haus entspricht nicht mehr dem Haus der Erinnerung. Max bleibt daher trotz seiner späteren Rückkehr innerlich ein „Reisender“ (M 1, Z. 37), der Endgültigkeit und feste Bindungen meidet.
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Die figurennahe Erzählweise, die verschiedenen Zeitebenen, die Leitmotive sowie die bildhafte und fragmentarische Sprache verdeutlichen besonders eindringlich das Spannungsverhältnis zwischen Heimat und Exil, Erinnern und Vergessen sowie Vergangenheit und Gegenwart.
Teilaufgabe 2: Vergleich der Exilsituation in Haus der Kindheit und Heimsuchung
Lebenssituation der Besucherin in Heimsuchung
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Bei der Besucherin handelt es sich um eine alte Frau, die sich inzwischen in einer Einrichtung befindet und dort einen geregelten, weitgehend passiven Alltag verbringt. Sie sitzt im Garten, beobachtet die Lerchen und kann im Wesentlichen nur noch darauf warten, dass der Tag vergeht (vgl. M 2, Z. 1–8). Während sie äußerlich ruhig sitzt, ist sie innerlich stark mit ihrer Vergangenheit beschäftigt. Sie hört in ihrer Erinnerung die Stimmen ihrer Tochter, ihres Mannes, ihrer Eltern und ihrer Enkel (vgl. M 2, Z. 9–16). Ihr Leben ist von mehrfacher Flucht, Vertreibung und Heimatverlust geprägt.
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Nach einer ersten Flucht kehrt sie noch einmal mit ihren drei Enkeln in die Gegend ihres früheren Zuhauses zurück und arbeitet dort kurzzeitig als Magd, obwohl ihr ehemaliges Haus inzwischen von Polen übernommen worden ist (vgl. M 2, Z. 18–22). Ihre Tochter kehrt nach einer weiteren Flucht nicht zurück. Lediglich deren Hochzeitsbild gelangt später zur Mutter zurück (vgl. M 2, Z. 23–30). Daraufhin macht sich die Besucherin erneut mit ihren drei Enkeln auf den Weg (vgl. M 2, Z. 30–33).
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Ihre Lebensgeschichte ist deshalb von der Erfahrung geprägt, immer wieder aufbrechen zu müssen und keine endgültige Heimat mehr zu besitzen.
Vergleich
Heimatverlust als lebenslange Erfahrung
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Sowohl Max als auch die Besucherin erleben den Verlust ihrer ursprünglichen Heimat als einschneidende Erfahrung, die ihr gesamtes weiteres Leben bestimmt. Max muss als Kind mit seiner jüdischen Familie vor dem Nationalsozialismus aus Österreich fliehen. Die Besucherin erlebt ebenfalls Krieg, Vertreibung und wiederholte Flucht. In beiden Texten endet das Exil nicht einfach mit der Ankunft an einem neuen Ort. Max’ verschiedene Wohnungen werden zu „Orte[n] des Exils“ (M 1, Z. 2), wodurch deutlich wird, dass er sich auch in den USA nicht vollständig beheimatet fühlt.
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In Heimsuchung wird dieselbe Problematik am Ende ausdrücklich als offene Frage formuliert: „Wenn man angekommen ist, heißt die Flucht dann immer noch Flucht?“ (M 2, Z. 58–59).
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Beide Texte zeigen damit, dass das geografische Ende einer Flucht nicht zwangsläufig bedeutet, dass die innere Erfahrung des Exils beendet ist.
Unterschiedliches Verhältnis zur früheren Heimat
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In Haus der Kindheit wird die frühere Heimat stark idealisiert. Das ehemalige Familienhaus entwickelt sich im Laufe der Zeit von einem realen Gebäude zu einem „Kindheitstraum“ (M 1, Z. 29). Max verbindet damit weniger das tatsächliche Gebäude als vielmehr Geborgenheit, Familie und die verlorene Welt seiner Kindheit.
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Die Besucherin in Heimsuchung erlebt ihre frühere Heimat dagegen deutlich konkreter als unwiederbringlich verändert. Als sie zurückkehrt, befindet sich ihr ehemaliges Haus bereits im Besitz anderer Menschen, und sie selbst muss dort zeitweise als Magd arbeiten (vgl. M 2, Z. 18–22). Dadurch wird besonders drastisch deutlich, dass der Ort zwar noch existiert, für die Besucherin aber nicht mehr dieselbe Heimat sein kann.
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Während Max die verlorene Heimat zunehmend idealisiert und innerlich bewahrt, muss die Besucherin unmittelbar erfahren, dass ihr früherer Lebensraum ihr fremd geworden ist.
Das paradoxe Gefühl des Fremdseins
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Besonders prägnant beschreibt die Besucherin ihre Situation mit dem Satz: „Besser ist es allemal, fremd zu sein in der Fremde“ (M 2, Z. 18). Der Gedanke wird später noch einmal aufgegriffen, als sie feststellt, dass es besser sei, in der Fremde fremd zu sein als im eigenen Haus (vgl. M 2, Z. 31–33). Darin zeigt sich ein grundlegendes Paradox ihrer Exilerfahrung: Ein fremder Ort ist erträglicher als die Erfahrung, am ehemals eigenen Ort nicht mehr dazuzugehören.
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Eine ähnliche Distanz gegenüber festen Orten entwickelt auch Max. Er versteht sich später als „Reisender“ (M 1, Z. 37) und schätzt die Möglichkeit, jederzeit weitergehen zu können (vgl. M 1, Z. 37–39).
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Beide Figuren entwickeln somit als Folge ihrer Exilerfahrung ein problematisches Verhältnis zu dauerhafter Zugehörigkeit. Allerdings unterscheiden sich ihre Reaktionen: Die Besucherin nimmt das Fremdsein eher resigniert als Teil ihres Lebens hin, während Max seine Ungebundenheit teilweise zu einer bewussten Lebenshaltung macht.
Erinnerung als Ersatz für verlorene Heimat
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In beiden Texten übernimmt Erinnerung eine zentrale Funktion. Max hat von seiner Mutter gelernt, Erinnerungen als etwas zu betrachten, das einem nicht genommen werden könne (vgl. M 1, Z. 9–10). Deshalb lebt seine verlorene Heimat vor allem in Bildern, Gegenständen und sinnlichen Erinnerungen weiter.
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Auch die Besucherin lebt im Alter stark in ihrer Vergangenheit. Während sie im Garten sitzt, hört sie in Gedanken Stimmen aus früheren Lebensphasen (vgl. M 2, Z. 9–16).
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Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich damit in beiden Texten. Allerdings konzentriert sich Max’ Erinnerung stärker auf seine eigene Kindheit und das Familienhaus. Die Erinnerungen der Besucherin umfassen dagegen mehrere Generationen – Eltern, Ehemann, Tochter und Enkel – und verbinden ihr persönliches Schicksal stärker mit einer größeren historischen Erfahrung von Krieg und Vertreibung.
Fotografien als Träger der Vergangenheit
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In beiden Texten spielen Fotografien eine wichtige Rolle. In Haus der Kindheit bewahrt das Foto des früheren Hauses die Erinnerung an die verlorene Heimat. Es begleitet Max und seine Familie über verschiedene Wohnorte hinweg (vgl. M 1, Z. 1–8).
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In Heimsuchung kehrt das Hochzeitsfoto der Tochter zur Mutter zurück, während die Tochter selbst nicht zurückkommt (vgl. M 2, Z. 23–30).
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In beiden Fällen steht ein Foto somit stellvertretend für etwas Verlorenes: bei Max für das Haus und die frühere Heimat, bei der Besucherin für die verschwundene Tochter und damit einen Teil der Familie. Die Bilder können den Verlust jedoch nicht rückgängig machen. Sie machen vielmehr sichtbar, dass Vergangenheit nur noch in medial vermittelter und erinnerter Form verfügbar ist.
Unterschiedliche Formen der Exilerfahrung
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Max erlebt die Emigration als Kind. Seine eigentliche Flucht liegt lange zurück, doch ihre psychischen Folgen bestimmen weiterhin sein Leben. Seine Exilerfahrung zeigt sich vor allem in innerer Entwurzelung, Sehnsucht und fehlender Bindung an einen Ort.
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Die Besucherin erlebt dagegen mehrere konkrete Fluchtbewegungen und politische Umbrüche. In Heimsuchung wird Flucht deshalb stärker als sich wiederholender historischer Vorgang dargestellt.
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Besonders deutlich wird dies durch den Vergleich der Menschen mit einer „langen Reihe von Dominosteinen“ (M 2, Z. 51–52). Ein Mensch nimmt das Bett oder Kochzeug eines anderen in Besitz, weil dieser ebenfalls weiterziehen musste (vgl. M 2, Z. 51–54). Dadurch erscheint Vertreibung als Kettenreaktion, bei der Menschen sich gegenseitig ablösen.
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Während M 1 stärker die individuellen psychischen Folgen von Exil untersucht, erweitert M 2 das Einzelschicksal der Besucherin zu einem allgemeinen Bild von Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert.
Erzählerische Gestaltung im Vergleich
Figurennahe Perspektive
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Beide Texte orientieren sich eng an der Wahrnehmung ihrer jeweiligen Hauptfigur. In Haus der Kindheit folgt die Erzählung Max’ Gedanken, Erinnerungen und Zweifeln. Dadurch erleben die Leserinnen und Leser seine verlorene Heimat vor allem aus seiner persönlichen Erinnerungsperspektive.
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Auch in Heimsuchung wird die Lebensgeschichte weitgehend durch die Wahrnehmung der Besucherin vermittelt. Ihr gegenwärtiges Sitzen im Garten geht immer wieder unmittelbar in Erinnerungen an frühere Lebenssituationen über (vgl. M 2, Z. 9–17).
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Exil wird somit in beiden Texten weniger als abstraktes historisches Ereignis dargestellt, sondern vor allem als subjektive, lebenslange Erfahrung.
Unterschiedliche Darstellung der Erinnerung
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In Haus der Kindheit erscheint Erinnerung besonders bruchstückhaft und unsicher. Max kann nicht immer unterscheiden, ob seine Erinnerungsbilder aus eigener Erfahrung, aus den Erzählungen seiner Mutter oder aus nachträglicher Vorstellung stammen (vgl. M 1, Z. 43–48).
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In Heimsuchung sind Vergangenheit und Gegenwart dagegen stärker miteinander verschränkt. Während die Besucherin im Garten sitzt, sind Stimmen und Eindrücke vergangener Lebensphasen für sie gleichzeitig präsent (vgl. M 2, Z. 9–16).
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Mitgutsch betont somit stärker die Unsicherheit und Fragmentierung des Erinnerns, während Erpenbeck stärker die Gleichzeitigkeit verschiedener Zeitebenen hervorhebt.
Sprachlich-stilistische Gestaltung im Vergleich
Bildhafte Sprache
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Beide Texte verwenden bildhafte Sprache, um Exil und Erinnerung anschaulich zu machen.
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Mitgutsch vergleicht Max’ Erinnerungen mit Gegenständen, die von einer Welle kurz ans Sonnenlicht gehoben und anschließend wieder vom Atlantik verschluckt werden (vgl. M 1, Z. 43–45). Das Bild unterstreicht die Flüchtigkeit und Unsicherheit des individuellen Erinnerns.
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Erpenbeck verwendet dagegen das Bild einer „langen Reihe von Dominosteinen“ (M 2, Z. 51–52). Damit wird dargestellt, wie Krieg, Armut und Vertreibung eine Bewegung auslösen, bei der ein Mensch dem anderen folgen muss.
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Der Vergleich bei Mitgutsch ist somit stärker psychologisch und erinnerungsbezogen, der bei Erpenbeck stärker historisch und kollektiv ausgerichtet.
Wiederholungen und rhetorische Fragen
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In Heimsuchung ist die Wiederholung des Gedankens besonders auffällig, es sei besser, „fremd zu sein in der Fremde“ (M 2, Z. 18). Die wiederholte Formulierung unterstreicht, dass dieses Fremdheitsgefühl zu einer grundlegenden Lebenserkenntnis der Besucherin geworden ist. Am Ende stehen zwei rhetorische Fragen: „Wenn man angekommen ist, heißt die Flucht dann immer noch Flucht? Und wenn man auf der Flucht ist, kommt man dann jemals an?“ (M 2, Z. 58–59). Die Fragen bleiben unbeantwortet und verdeutlichen, dass es für die Besucherin kein eindeutig abgeschlossenes Ankommen gibt.
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In Haus der Kindheit arbeitet Mitgutsch weniger mit solchen Wiederholungen, sondern stärker mit wiederkehrenden Motiven wie Haus, Foto, Meer und Reise.
Satzbau und Gedankenführung
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In Haus der Kindheit wechseln erzählende Passagen mit Aufzählungen, Erinnerungsbildern und kurzen Fragen. Besonders die Reihung einzelner Gegenstände und Sinneseindrücke ab Zeile 48 spiegelt Max’ fragmentarisches Erinnern wider.
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In Heimsuchung fallen dagegen lange und teilweise stark verschachtelte Satzstrukturen auf. Gegenwärtige Wahrnehmung, Erinnerung und Reflexion fließen dadurch ineinander.
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Diese sprachliche Gestaltung vermittelt den Eindruck, dass die verschiedenen Phasen der Lebensgeschichte der Besucherin nicht mehr klar voneinander getrennt sind.
Naturmotive und Ortsunabhängigkeit
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In Heimsuchung erhält außerdem die Natur eine besondere Bedeutung. Die Besucherin erkennt, dass Löwenzahn und Lerchen an unterschiedlichen Orten gleich sind und verbindet diesen Gedanken mit den früheren Heimatvorstellungen ihres Mannes und seiner Vorfahren (vgl. M 2, Z. 34–43). Dadurch wird die Vorstellung einer eindeutig abgegrenzten Heimat relativiert. Bestimmte Erscheinungen der Natur existieren unabhängig von politischen Grenzen und nationalen Zugehörigkeiten.
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In Haus der Kindheit steht dagegen nicht die Austauschbarkeit von Orten, sondern die Einzigartigkeit des verlorenen Hauses und der damit verbundenen Kindheit im Mittelpunkt.
Fazit
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Beide Textauszüge stellen Exil als eine lebenslange Erfahrung von Verlust, Fremdsein und fehlender endgültiger Zugehörigkeit dar. Sowohl Max als auch die Besucherin können ihre frühere Heimat nicht einfach wiedergewinnen. Selbst eine räumliche Rückkehr beseitigt den Verlust nicht. In Haus der Kindheit steht vor allem Max’ individuelle Erinnerung an seine Kindheit im Vordergrund. Das Haus entwickelt sich zu einem idealisierten „Kindheitstraum“ (M 1, Z. 29), der in der Realität nicht wiederhergestellt werden kann. In Heimsuchung wird das Schicksal der Besucherin stärker in einen allgemeinen historischen Zusammenhang von Krieg, Vertreibung und wiederholter Flucht gestellt.
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Gemeinsam ist beiden Figuren, dass die Vergangenheit dauerhaft in ihrer Gegenwart fortwirkt. Die figurennahe Erzählweise, die Verknüpfung verschiedener Zeitebenen und die bildhafte Sprache verdeutlichen in beiden Texten, dass Flucht räumlich enden kann, die Erfahrung des Exils innerlich jedoch weiterbesteht.