Aufgabe 3
Thema
Beim Wasserholen
Jurek Becker (*1937 – †1997)
Aufgabenstellung
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Interpretiere den Text
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Jurek Becker
6 Dworska: Straßenname im Ghetto Lodz.
7 Lodz: zweitgrößtes jüdisches Ghetto in Polen.
8 Litwok: jüdische Bezeichnung eines Juden aus Litauen.
Jurek Becker: Beim Wasserholen. In: Paul, Clara (Hrsg.): Geschichten, die glücklich machen. Insel Verlag, Berlin 2014, S. 26 28.
Jurek Becker (*1937 – †1997): deutsch-jüdischer Schriftsteller und Drehbuchautor
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Die Kurzgeschichte Beim Wasserholen von Jurek Becker, erschienen vor 1962, thematisiert Liebe in schwerer Zeit. Im Mittelpunkt stehen Janek und Moira, zwei junge jüdische Menschen, die sich in einer von Hunger, Krankheit, Gewalt und Angst bestimmten Lebenssituation kennenlernen.
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Aus einer alltäglichen Situation an einer Wasserpumpe entwickelt sich vorsichtig eine Liebesbeziehung. Gerade vor dem Hintergrund der schweren Lebensumstände wirkt diese Beziehung wie ein kurzer Moment von Nähe, Wärme und Menschlichkeit.
Inhaltliche Analyse und Deutung
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Der Text beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Situation: Janek und Moira lernen sich „beim Wasserholen“ an der Pumpe kennen (Z. 1). Diese Ausgangssituation wirkt zunächst unspektakulär, macht aber bereits die schwierigen Lebensbedingungen deutlich. Wasser muss an einer öffentlichen Pumpe geholt werden, was auf Armut, Mangel und eine eingeschränkte Versorgungslage verweist. Janek steht zunächst vor Moira in der Reihe, lässt aber andere Menschen vor, bis sie hinter ihm steht (vgl. Z. 2–3). Dadurch wird er schon zu Beginn als aufmerksam und interessiert dargestellt. Er hilft Moira, indem er ihren Eimer vollpumpt und ihr diesen trägt (vgl. Z. 3–4). Die Liebesbeziehung beginnt also nicht mit großen Worten, sondern mit einer kleinen, rücksichtsvollen Handlung.
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Im anschließenden Gespräch lernen sich Janek und Moira langsam kennen. Die einfachen Fragen nach Wohnort und Namen wirken alltäglich und zurückhaltend (vgl. Z. 5–12). Gleichzeitig offenbaren sich aber allmählich die schweren Lebensumstände. Beim Gehen macht Janek Moira versehentlich die Beine nass, doch der Erzähler relativiert dies sofort: „Aber es war Sommer und kein Unglück. Gut, daß sie keine Schuhe anhatte“ (Z. 8–9). Diese Bemerkung zeigt indirekt Armut und Mangel. Dass es gut ist, keine Schuhe zu tragen, wirkt nur innerhalb einer Notlage nachvollziehbar. Schon hier verbindet Becker eine zarte Begegnung mit Hinweisen auf Entbehrung.
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Vor Moiras Haus setzen sie die Eimer ab (vgl. Z. 13). Das Gespräch bleibt knapp, fast unbeholfen. Janeks Bemerkung, er habe eine Tante gehabt, die ebenfalls Moira hieß (vgl. Z. 14), wirkt wie ein vorsichtiger Versuch, Nähe herzustellen. Moira antwortet nüchtern: „Warum nicht […]. Viele Leute heißen Moira“ (Z. 15). Ihre Reaktion zeigt Pragmatismus und Zurückhaltung. Kurz darauf erklärt sie, dass sie sonst nicht selbst Wasser hole, weil ihr Vater krank sei (vgl. Z. 16–17). Auf Janeks Nachfrage nennt sie wahrscheinlich „Typhus“ (Z. 19). Damit wird die bedrohliche Lebenssituation deutlicher: Krankheit gehört zum Alltag, und Moira spricht darüber beinahe sachlich. Ihre Aussage „Ist nicht so schlimm“ (Z. 21) zeigt weniger wirkliche Entwarnung als vielmehr eine Haltung, in der Not und Gefahr schon normal geworden sind.
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Auch Moiras Arbeitssituation verweist auf die Lebensbedingungen. Auf Janeks Frage, was sie arbeite, antwortet sie: „Sie warten auf das Wasser“ (Z. 23). Diese Antwort ist doppeldeutig. Einerseits geht sie der konkreten Frage ausweichend aus dem Weg, andererseits zeigt sie, dass das Wasserholen selbst Teil einer existenziellen Aufgabe ist. Später erfährt Janek, dass sie Schneiderin ist und Steppdecken zu nähen hat (vgl. Z. 24–26). Die Beziehung entwickelt sich zunächst über weitere Treffen an der Pumpe, dann aber an anderen Orten (vgl. Z. 24–25). Aus der zufälligen Begegnung entsteht also eine wiederholte Nähe.
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Im weiteren Gespräch werden die historischen und sozialen Umstände noch deutlicher. Janek arbeitet „beim Transport auf dem Bahnhof“ (Z. 28). Moira fragt, ob er manchmal etwas stehlen könne (vgl. Z. 29). Janek antwortet, dass dies nur selten möglich sei und dass ein anderer Mann dabei erwischt und „gleich erschossen“ worden sei (Z. 30–31). Gleichzeitig ergänzt Moira nüchtern: „Er wäre sowieso verhungert“ (Z. 32). Diese Stelle zeigt besonders drastisch, wie sehr Hunger, Todesgefahr und Gewalt den Alltag bestimmen. Die Figuren leben in einer Situation, in der Erschießen und Verhungern gleichermaßen realistische Möglichkeiten sind. Die schwere Zeit wird nicht ausführlich erklärt, sondern durch kurze Dialoge sichtbar gemacht.
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Trotz dieser Bedrohung entsteht zwischen Janek und Moira eine zarte Liebesbeziehung. Als Janek sagt: „Ich bin ein Litwok“ (Z. 35), nimmt er Moiras Hand, und sie drückt seine Hand. Die Abendsonne wird als „ganz besonders rot“ beschrieben (Z. 35–36). Dieses Bild kann als Symbol für Wärme, Liebe und Intensität gelesen werden, zugleich aber auch als Hinweis auf Gefahr, Blut und Gewalt. Die Beziehung steht also von Beginn an in einem Spannungsfeld zwischen Zärtlichkeit und Bedrohung. Die anschließende Frage nach dem Alter zeigt, wie jung die beiden sind: Janek ist neunzehn, Moira einundzwanzig Jahre alt (vgl. Z. 37–39). Gerade ihre Jugend macht die Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Leben besonders deutlich.
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Ein alter Mann beobachtet die beiden und schaut ihnen „böse“ nach (Z. 40–41). Er steht für die Öffentlichkeit, die kontrollierend, missbilligend und verständnislos auf ihre Beziehung blickt. Die Liebenden suchen deshalb einen verborgenen Raum. Am selben Abend küssen sie sich in einem Schuppen auf dem Hof, „in den fast nie einer ging“ (Z. 42–43). Der Erzählraum wechselt damit vom öffentlichen Raum der Pumpe und Straße in einen vor den Blicken der Öffentlichkeit geschützten Raum. Dort können Janek und Moira für kurze Zeit allein sein (vgl. Z. 43–44).
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Die Liebesszene ist vorsichtig, schüchtern und zart gestaltet. Zunächst stehen sie nur da und sehen sich an (vgl. Z. 44). Janek führt Moira zu einer Kiste, sie setzt sich zu ihm, und er ziert sich, „weil Mädchen sich immer am Anfang ein bißchen zieren“ (Z. 45–46). Zugleich erkennt Moira seine Schüchternheit und lässt sich küssen (vgl. Z. 46–47). Die Szene zeigt beide Figuren als lebenshungrig und zugleich unsicher. Ihre körperliche Nähe wird nicht grob, sondern sensibel beschrieben. Janek streichelt Moira „so leise, wie er nur konnte“ (Z. 49). Der Erzähler betont, dass er diesen Tag nie vergessen werde (vgl. Z. 49–50). Die Liebe erscheint damit als außergewöhnlicher Moment innerhalb einer entbehrungsreichen Wirklichkeit.
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Nach der Zärtlichkeit tritt jedoch erneut die Not in den Vordergrund. Janek merkt, dass Moiras Gesicht nass ist, weil sie weint (vgl. Z. 51–54). Der Grund ist nicht die Liebessituation selbst, sondern die Sorge um ihren kranken Vater. Weil er so krank sei, müsse er besser essen als sonst und auch mehr (vgl. Z. 56). Moira hat Hunger, aber zugleich denkt sie an ihren Vater. Dadurch wird sie als fürsorglich und sensibel charakterisiert. Janek reagiert sofort. Er springt auf, läuft hinaus und bringt ihr Brot und eine Zwiebel (vgl. Z. 59–60). Diese Handlung zeigt seine Selbstlosigkeit und Empathie. Das Brot ist nicht irgendeine Gabe, sondern wahrscheinlich sein eigenes Abendbrot oder sogar mehr (vgl. Z. 62–64). Trotzdem belügt er Moira, um sie nicht zu belasten, und behauptet, oben liege noch ein Stück (vgl. Z. 63–64).
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Diese Szene ist zentral für die Deutung des Textes. In einer Welt des Hungers wird Essen zu einem Zeichen von Liebe. Janek gibt nicht aus Überfluss, sondern aus eigener Not heraus. Moira empfindet es als „ein schönes Gefühl, satt zu sein“ (Z. 65). Dieser Satz ist schlicht formuliert, wirkt aber erschütternd, weil Sättigung normalerweise ein Grundbedürfnis ist. In der erzählten Welt ist sie jedoch etwas Besonderes. Am Ende beginnen Janek und Moira „noch einmal von vorne“, sich zu küssen (Z. 66). Die Liebe setzt sich also trotz Hunger, Krankheit und Todesgefahr fort. Der Schluss verbindet körperliche Nähe, Lebenshunger und den Wunsch nach menschlicher Erfüllung.
Charakterisierung der Handlungsträger
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Janek erscheint als junger jüdischer Hilfsarbeiter, der am Bahnhof beim Transport arbeitet (vgl. Z. 28). Er ist schüchtern, aber zugleich aufmerksam und geradlinig. Schon zu Beginn lässt er andere Menschen vor, um Moira näherzukommen, pumpt ihr den Eimer voll und trägt ihn ihr (vgl. Z. 2–4). Seine Schüchternheit zeigt sich besonders in der Liebesszene, in der er vorsichtig handelt und Moira nur „so leise“ streichelt, wie er kann (Z. 49). Zugleich ist er sensibel und empathisch, weil er Moiras Tränen bemerkt und sofort nachfragt (vgl. Z. 51–54). Besonders deutlich wird seine Selbstlosigkeit, als er ihr Brot und eine Zwiebel bringt, obwohl es offenbar sein eigenes Abendbrot ist (vgl. Z. 59–64). Janek ist dadurch nicht nur verliebt, sondern auch bereit, in einer Notsituation für Moira zu sorgen. Seine Lebenshungrigkeit zeigt sich in seiner Suche nach Nähe und Zärtlichkeit.
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Moira wird als junge jüdische Schneiderin dargestellt, die Steppdecken näht (vgl. Z. 24–26). Sie wirkt pragmatisch, zurückhaltend und anfangs eher nüchtern. Ihre Antworten sind knapp, etwa als sie ihren Namen nennt oder auf Janeks Bemerkung über seine Tante reagiert (vgl. Z. 11–15). Gleichzeitig ist sie fürsorglich, weil sie sich um ihren kranken Vater sorgt und Wasser holt, obwohl dies sonst seine Aufgabe ist (vgl. Z. 16–17). Ihre Tränen zeigen ihre Sensibilität und ihre Belastung (vgl. Z. 51–56). Auch Moira ist anlehnungsbedürftig und lebenshungrig: Sie nimmt Janeks Hand, lässt Nähe zu und beginnt am Ende erneut, ihn zu küssen (vgl. Z. 35, 46–47, 66). Wie Janek sucht auch sie in der Liebe einen kurzen Ausweg aus der Not.
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Der alte Mann wird nur kurz erwähnt, ist aber funktional bedeutsam. Er sitzt vor einem Haus, beobachtet die beiden und schaut ihnen „böse“ nach (Z. 40–41). Er wirkt missbilligend, verständnislos und kontrollierend. Dadurch verkörpert er die öffentliche Beobachtung, vor der Janek und Moira sich in den Schuppen zurückziehen müssen.
Erzähltechnische und sprachliche Analyse
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Der Text weist Merkmale einer Kurzgeschichte auf. Er beginnt unvermittelt mit der Begegnung beim Wasserholen, ohne ausführliche Vorgeschichte oder Erklärung der historischen Situation. Auch das Ende bleibt offen: Es wird nicht erzählt, was später aus Janek, Moira oder ihrem Vater wird. Im Zentrum steht ein kurzer, verdichteter Ausschnitt aus dem Leben der Figuren.
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Erzähltechnisch fällt ein Wechsel zwischen auktorialem und personalem Erzählen auf. Einerseits berichtet der Erzähler von außen über die Ereignisse und fasst zeitliche Entwicklungen zusammen, etwa wenn es heißt, sie hätten sich noch einmal und noch einmal an der Pumpe getroffen und dann anderswo (vgl. Z. 24–25). Andererseits rückt die Darstellung immer wieder nah an Janeks Wahrnehmung heran, etwa wenn er überrascht ist, dass Moiras Brust in seiner Hand liegt (vgl. Z. 48–49), oder wenn betont wird, dass er diesen Tag nie vergessen werde (vgl. Z. 49–50). Dadurch entsteht Nähe zu den Figuren, besonders zu Janek.
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Das Erzähltempo ist überwiegend zeitdeckend, vor allem in den Dialogen. Viele Gesprächsanteile werden direkt wiedergegeben, sodass die Begegnung unmittelbar wirkt (vgl. Z. 5–23, Z. 27–39, Z. 51–58). Daneben gibt es zeitraffende Elemente, etwa wenn mehrere Treffen in wenigen Sätzen zusammengefasst werden (vgl. Z. 24–26). Auch die Entwicklung der Beziehung wird dadurch verdichtet erzählt.
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Der Erzählraum ist ebenfalls bedeutsam. Zunächst begegnen sich Janek und Moira im öffentlichen Raum der Pumpe (vgl. Z. 1). Dort sind sie Teil einer Warteschlange und damit sichtbar. Später gehen sie an einem alten Mann vorbei, der sie beobachtet und missbilligt (vgl. Z. 40–41). Danach wechseln sie in einen Schuppen, also in einen vor den Blicken der Öffentlichkeit verborgenen Raum (vgl. Z. 42–44). Dieser Raum ermöglicht Nähe und Intimität. Der Wechsel vom öffentlichen zum geschützten Raum spiegelt also die Entwicklung ihrer Beziehung.
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Sprachlich ist der Text durch viel wörtliche Rede geprägt. Die Dialoge bestehen häufig aus einfachen Sätzen und Ellipsen, etwa „Wo wohnst du?“, „In der Dworska“, „Wie heißt du?“ oder „Ja“ (vgl. Z. 5–12, Z. 33–34). Diese knappe Sprache wirkt realistisch und zeigt zugleich die Unsicherheit der Figuren. Die Gesprächssituation ist von Reihungen und schlichten Formulierungen bestimmt. Dadurch erscheint die Beziehung nicht pathetisch, sondern vorsichtig und alltäglich.
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Auffällig sind außerdem kontrastierende semantische Felder. Einerseits gibt es eine zarte, sensible Sprache der Nähe: Janek nimmt Moiras Hand, sie drückt seine Hand, die Sonne ist rot, er streichelt sie leise (vgl. Z. 35–36, Z. 49). Andererseits stehen dem grobe und brutale Begriffe gegenüber: Krankheit, Typhus, Stehlen, Erschießen, Verhungern (vgl. Z. 17–32). Dieser Kontrast verstärkt die Wirkung des Textes. Liebe und Zärtlichkeit erscheinen nicht losgelöst von der Gewalt der Zeit, sondern gerade in ihr.
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Auch Symbole spielen eine wichtige Rolle. Das Wasserholen steht zunächst für Alltag und Überleben. Wasser ist ein Grundbedürfnis, und die Pumpe ist der Ort, an dem die beiden sich begegnen. Das Brot und die Zwiebel symbolisieren ebenfalls elementare Bedürfnisse. Dass Janek Moira sein Essen gibt, macht seine Liebe konkret und existenziell. Die rote Abendsonne (vgl. Z. 35–36) kann einerseits als Symbol für Liebe und Wärme verstanden werden, andererseits erinnert die Farbe Rot auch an Gefahr und Tod. So bleibt die Liebesbeziehung von Anfang an von Bedrohung überschattet.
Titel-Text-Bezug
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Der Titel „Beim Wasserholen“ verweist auf die alltägliche Ausgangssituation der Handlung. Beim Wasserholen lernen sich Janek und Moira kennen (vgl. Z. 1). Der Titel wirkt schlicht und unspektakulär, passt aber genau zur Erzählweise des Textes: Aus einer einfachen Alltagshandlung entwickelt sich eine existenziell bedeutsame Begegnung. Gleichzeitig verweist das Wasserholen auf die Notlage der Figuren, denn Wasser muss mühsam an einer Pumpe geholt werden. Der Titel verbindet deshalb Alltag, Mangel und den Beginn einer Liebesbeziehung.
Schluss und Intention
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Zusammenfassend zeigt Jurek Beckers Kurzgeschichte eine Liebesbeziehung, die sich unter extrem schweren Lebensumständen entwickelt. Hunger, Krankheit, Gewalt und Tod bestimmen den Hintergrund der Handlung, werden aber nicht ausführlich erklärt, sondern treten allmählich durch Dialoge und beiläufige Bemerkungen hervor. Gerade dadurch wirkt der Text besonders eindringlich.
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Die Intention des Textes liegt darin, die Sehnsucht nach Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse sichtbar zu machen. Dazu gehören nicht nur Wasser und Nahrung, sondern auch Nähe, Liebe, Zärtlichkeit, Schutz und Menschlichkeit. Janek und Moira suchen in einer lebensfeindlichen Umgebung kurze Momente von Wärme und Glück. Die Geschichte zeigt damit, dass selbst in schwerster Zeit das Bedürfnis nach Liebe und menschlicher Verbundenheit erhalten bleibt.