Aufgabe 4 – Capsaicin
Capsaicin ist ein organischer Stoff, der in z. B. in Chilischoten enthalten ist und für das „Brennen“ auf der Zunge verantwortlich ist. Das brennende Gefühl wird durch die Bindung an Protein-Rezeptoren verursacht, die normalerweise auf die Hitze reagieren. Ihre Stimulation gaukelt dem Gehirn also vor, dass eine Verbrennung stattgefunden hat. Die Struktur von Capsaicin zeigt Abbildung 2.

Abb. 2: Die Struktur von Capsaicin
Markiere zwei funktionelle Gruppen in dem Molekül von Capsaicin und benenne diese.
Wähle eine Gruppe aus, beschreibe ihre Struktur und leite zwei Eigenschaften ab.
Zeichne die Strukturformeln (Skelett-, Elektronen- oder vereinfachte Strukturformeln) von Reaktionsprodukten der Reaktion von Capsaicin mit:
a) Wasserstoff (am Katalysator)
b) verdünnter Natronlauge.
Capsaicin verlässt nach seiner Bindung an die Rezeptoren diese wieder und wird mit dem Speichel fortgeschwemmt. So verschwindet der Schmerz. Viele Menschen versuchen das brennende Gefühl auf der Zunge loszuwerden, indem sie Wasser trinken. Dies hilft wenig, der Schmerz wird oft sogar größer. Es hat sich gezeigt, dass das Trinken von Milch Linderung verschaffen kann.
Begründe diese Beobachtung.
Capsaicin kann auch als Waffe in den sogenannten Pfeffersprays eingesetzt werden. Vorteilhafter ist allerdings die Nutzung von Nonivamid, einem ähnlichen Stoff, der allerdings chemisch stabiler und hitzeresistenter ist. Nonivamid kann man folgendermaßen herstellen (siehe Abbildung 3):


Abb. 3: Herstellung von Nonivamid
Berechne die Kosten für den Kauf der Ausgangsstoffe für die Herstellung von 25 g Nonivamid falls die Synthese mit einer Ausbeute von 92 % erfolgt.
Nutze dabei die Informationen in der Tabelle 1.
|
Stoff |
M (g⋅mol−1) |
Packung |
Preis |
|
Vanillylammoniumchlorid (4-Hydroxy-3-methoxy-benzylammoniumchlorid) |
189,64 |
1 g |
29,80 € |
|
Nonanoylchlorid (Chlorid der Nonansäure) |
176,68 |
25 mL (Dichte |
26,00 € |
|
Nonanoylchlorid (Chlorid der Nonansäure) |
176,68 |
100 mL (Dichte |
65,90 € |
Tabelle 1: Verkaufte Mengen und Preise für die Ausgangsstoffe von Nonivamid
Die Bindung von Capsaicin und Nonivamid an die Proteine erfolgt über intermolekulare Wechselwirkungen.
Nenne zwei dieser und beschreibe ihre Wirkungsweise.
Formuliere eine Reaktionsgleichung für die Reaktion von Capsaicin mit Bromwasserstoff und benenne die Reaktionsart.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Identifizierung funktioneller Gruppen

Im Capsaicin-Molekül (Abbildung 2) lassen sich folgende Gruppen identifizieren:
A – Phenolische Hydroxylgruppe ( am aromatischen Ring).
B – Ethergruppe ( / Methoxygruppe).
C – Amidgruppe ().
D – C-C-Doppelbindung (Alken-Gruppe in der Seitenkette).
Beschreibung der phenolischen Hydroxylgruppe ()
-
Struktur: Die Hydroxylgruppe ist direkt an einen Benzolring gebunden. Der Sauerstoff ist
-hybridisiert, und es besteht ein
-Effekt, bei dem die freien Elektronenpaare des Sauerstoffs mit dem
-Elektronensystem des Rings mesomer interagieren.
-
Eigenschaft 1 (Acidität): Aufgrund des
-Werts ist die
-Bindung stark polarisiert. Das Phenol wirkt als schwache Säure, da das entstehende Phenolat-Ion durch Delokalisierung der negativen Ladung im Ring über den
-Effekt stabilisiert wird.
-
Eigenschaft 2 (Reaktivität): Die Gruppe ermöglicht Wasserstoffbrückenbindungen, was die Löslichkeit in polaren Medien beeinflusst (obwohl der lange unpolare Rest hier überwiegt) und die Bindung an Rezeptoren ermöglicht.
Strukturformeln der Reaktionsprodukte
A) Wasserstoff (am Katalysator)

B) verdünnter Natronlauge

Begründung der Linderung durch Milch
Das unterschiedliche Empfinden beim Trinken von Wasser im Vergleich zu Milch lässt sich durch die chemische Struktur des Capsaicins und dessen Löslichkeitsverhalten erklären.
1. Struktur und Polarität von Capsaicin:
-
Das Capsaicin-Molekül besitzt einen sehr großen, unpolaren Kohlenwasserstoffrest in der Seitenkette.
-
Obwohl funktionelle Gruppen wie die Hydroxyl- oder Amidgruppe vorhanden sind, überwiegt der hydrophobe (wasserabweisende) Charakter des Moleküls.
-
Capsaicin ist daher lipophil (fettlöslich) und nahezu unlöslich in Wasser.
2. Warum Wasser kaum hilft:
-
Da Capsaicin nicht wasserlöslich ist, kann es durch reines Wasser nicht von den Schmerzrezeptoren auf der Zunge weggeschwemmt werden.
-
Oft wird das brennende Gefühl sogar verstärkt, da das Wasser das Capsaicin lediglich auf der Zungenschleimhaut verteilt und so noch mehr Rezeptoren erreicht werden.
3. Warum Milch Linderung verschafft:
-
Fettgehalt: Milch ist eine Emulsion, die Fetttröpfchen enthält. Aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften löst sich das Capsaicin in diesen Fetttröpfchen und wird so von den Rezeptoren abgelöst.
-
Casein: Das in der Milch enthaltene Protein Casein wirkt zusätzlich als Emulgator. Es umschließt die unpolaren Capsaicin-Moleküle und hilft dabei, sie aus der Bindung an die Protein-Rezeptoren der Zunge zu lösen und abzutransportieren.
Zusammenfassend: Milch wirkt als effektives Lösungsmittel für das unpolare Capsaicin, während das polare Wasser die Substanz nur weiter verteilt, anstatt sie zu entfernen.
1. Schritt: Berechnung der theoretisch benötigten Stoffmenge an Nonivamid
Zunächst berechnet man die Stoffmenge für die Zielmasse von
.
Da die Ausbeute nur beträgt, muss die theoretisch einzusetzende Stoffmenge (
) höher sein:
2. Schritt: Massen der Edukte berechnen
Laut Abbildung 3 reagieren die Edukte im Stoffmengenverhältnis . Man benötigt also von beiden Edukten jeweils
.
-
Vanillylammoniumchlorid:
-
Nonanoylchlorid:
3. Schritt: Ermittlung der benötigten Packungsgrößen und Preise
-
Vanillylammoniumchlorid: Man benötigt
. Da nur
-Packungen zu
verfügbar sind, müssen 16 Packungen gekauft werden.
-
Nonanoylchlorid: Man benötigt
. Um das Volumen zu ermitteln, nutzt man die Dichte
.
Die kleinste ausreichende Packung ist die
-Flasche für
.
4. Schritt: Gesamtkosten
Ergebnis: Die Kosten für den Kauf der Ausgangsstoffe belaufen sich auf .
Intermolekulare Wechselwirkungen
-
Wasserstoffbrückenbindungen:
-
Wirkungsweise: Diese entstehen zwischen stark polar gebundenen Wasserstoffatomen (z. B. der phenolischen
Gruppe oder der
Gruppe im Amid) und freien Elektronenpaaren von Atomen wie Sauerstoff oder Stickstoff in den Aminosäureresten des Rezeptors.
-
-
Van-der-Waals-Kräfte (London-Dispersion):
-
Wirkungsweise: Diese beruhen auf der Ausbildung temporärer Dipole in unpolaren Bereichen des Moleküls.
-
Reaktion von Capsaicin mit Bromwasserstoff ()
Bei der Reaktion mit Bromwasserstoff ist die -Doppelbindung in der Seitenkette das reaktive Zentrum.
Reaktionsgleichung:
(Hinweis: Das Bromatom addiert sich bevorzugt an das höher substituierte Kohlenstoffatom nach der Markownikow-Regel, wobei hier beide C-Atome der Doppelbindung ähnlich substituiert sind, was zu einem Isomerengemisch führen kann.)
Benennung der Reaktionsart:
Es handelt sich um eine elektrophile Addition (). Das
-Molekül wird an die Doppelbindung addiert, wodurch eine gesättigte Verbindung entsteht.