Aufgabe 5
Methanol ist ein wichtiges Zwischenprodukt in der chemischen Industrie, wird aber auch als Kraftstoff verwendet. In der Technik wird es aus Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff in einer Gleichgewichtsreaktion hergestellt.
Entwickle die Reaktionsgleichung für diese Gleichgewichtsreaktion.
Interpretiere die Gibbs-Helmholtz-Gleichung und gib alle Fälle an, bei denen eine Reaktion exergonisch verläuft.
Entscheide und begründe rechnerisch, wie die Methanolsynthese unter Standardbedingungen verläuft.
Berechne, bis zu welcher Temperatur diese Reaktion exergonisch verläuft.
In einem Stoffgemisch mit einem Volumen von 50 L reagieren 25 mol Kohlenstoffmonooxid und 55 mol Wasserstoff miteinander bei 650 K.
Im Gleichgewicht liegen noch 56 % des eingesetzten Kohlenstoffmonooxids vor.
Berechne die Gleichgewichtskonstante KC.
Methanol kann theoretisch direkt aus Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff oder wie oben beschrieben, aus dem Synthesegas hergestellt werden.
Wende den Satz von Hess auf die hier beschriebenen Synthesewege an.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Reaktionsgleichung der Methanolsynthese
Methanol wird großtechnisch aus Synthesegas (Kohlenstoffmonooxid und Wasserstoff) hergestellt. Die Gleichgewichtsreaktion lautet:
Interpretation der Gibbs-Helmholtz-Gleichung
Die Gleichung lautet:
-
(Freie Enthalpie): Bestimmt die Spontaneität einer Reaktion. Ist
, verläuft die Reaktion exergonisch (spontan).
-
(Enthalpieterm): Energetischer Aspekt (Exotherm/Endotherm).
-
(Entropieterm): Ordnungszustand des Systems.
Fälle für einen exergonischen Verlauf ():
-
Immer exergonisch: Wenn
(exotherm) und
(Zunahme der Unordnung).
-
Bei niedrigen Temperaturen exergonisch: Wenn
und
(der Enthalpieterm überwiegt).
-
Bei hohen Temperaturen exergonisch: Wenn
und
(der Entropieterm überwiegt).
Rechnerische Begründung unter Standardbedingungen ()
Wir nutzen die Daten aus dem Anhang:
-
-
-
-
-
(Standardwert)
1. Berechnung der Reaktionsenthalpie ():
Die Reaktion ist exotherm.
2. Berechnung der Reaktionsentropie ():
Die Entropie nimmt ab (da aus 3 Gasmolekülen 1 flüssiges Molekül wird).
3. Berechnung der freien Enthalpie ():
Entscheidung: Da ist, verläuft die Reaktion unter Standardbedingungen exergonisch.
Berechnung der Grenztemperatur
Die Reaktion verläuft exergonisch, solange . Der Umschlagspunkt ist
:
Ergebnis: Die Reaktion verläuft bis zu einer Temperatur von ca. (
) exergonisch.
Berechnung der Gleichgewichtskonstante
Zunächst nutzen wir die Reaktionsgleichung der Methanolsynthese aus Aufgabe 5.1:
(Hinweis: Bei 650 K liegt Methanol gasförmig vor)
1. Schritt: Ermittlung der Stoffmengen im Gleichgewicht
Gegeben sind die Anfangsstoffmengen und
in einem Volumen von
.
-
Kohlenstoffmonooxid (
): Es liegen noch 56% des eingesetzten
vor.
. Daraus folgt die umgesetzte Stoffmenge:
.
-
Wasserstoff (
):
Laut Stöchiometrie wird doppelt so viel Wasserstoff wie Kohlenstoffmonooxid verbraucht (
).
.
-
Methanol (
):
Es entsteht so viel Methanol, wie
verbraucht wurde (
).
.
2. Schritt: Berechnung der Gleichgewichtskonzentrationen
3. Schritt: Anwendung des Massenwirkungsgesetzes
Ergebnis: Die Gleichgewichtskonstante bei 650 K beträgt etwa
.
Anwendung des Satzes von Hess auf die Methanolsynthese
Der Satz von Hess besagt, dass die Reaktionsenthalpie nur vom Anfangs- und Endzustand eines Systems abhängt, nicht aber vom konkreten Weg oder der Anzahl der Zwischenschritte.
Definition der Synthesewege:
-
Weg A (Direktsynthese): Herstellung von Methanol direkt aus den Elementen Kohlenstoff (Graphit), Wasserstoff und Sauerstoff.
Die Enthalpie für diesen Weg entspricht der molaren Standardbildungsenthalpie
.
-
Weg B (Indirekte Synthese via Synthesegas):
-
Teilreaktion: Bildung von Kohlenstoffmonooxid aus den Elementen (
).
-
Teilreaktion: Reaktion von Kohlenstoffmonooxid und Wasserstoff zu Methanol (
).
-
Anwendung und energetische Betrachtung
Gemäß dem Satz von Hess muss die Summe der Enthalpien der Teilreaktionen von Weg B gleich der Enthalpie von Weg A sein:
Rechnerische Überprüfung mit den Tabellendaten:
-
-
-
(aus Aufgabe 5.1 berechnet)
Zusammenführung:
Fazit für die Prüfung: Die Anwendung zeigt, dass die energetische Bilanz identisch bleibt, egal ob Methanol in einem Schritt aus den Elementen oder über den industriellen Umweg des Synthesegases hergestellt wird. Dies unterstreicht die Eigenschaft der Enthalpie als Zustandsgröße.