Block II – Erinnerung und Aufarbeitung von NS-Verbrechen
Thema: „Holocaust-Mahnmal“ in Berlin
Aufgaben
Benenne die formalen Merkmale von M 1. Fasse die Bedeutung des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ für die deutsche Erinnerungskultur zusammen.
Erläutere die Beteiligung der nicht-jüdischen Bevölkerung Deutschlands in den Phasen der Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden in der NS-Zeit.
Bewerte ausgehend von M 1 und M 2, inwiefern die Errichtung des Berliner „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ eine angemessene Form der Erinnerung und Aufarbeitung von NS-Verbrechen ist.
Grundlagen
Rede von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zur Eröffnung des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ am 10. Mai 2005 in Berlin
URL <https://www.bundestag.de/parlament/praesidium/reden/2005/007-244962> (Zugriff am 28.07.2026)
Blick von Süden auf das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin
URL <https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f3/Memorial_to_the_Murdered_Jews_of_Europeabove.jpg> (Zugriff am 28.07.2026)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 Rede des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse zur Eröffnung des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ am 10. Mai 2005 in Berlin1
1 Das Denkmal besteht aus einem wellenförmigen Feld aus 2711 Betonstelen, das von allen Seiten durchgehbar ist. Der unter dem Stelenfeld gelegene „Ort der Information“ dokumentiert in einer Ausstellung die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden. Der Besucher erhält im Foyer zuerst Grundinformationen zum historischen Kontext und gelangt dann in vier Themenräume, in denen das Thema aus historischer und persönlicher Sicht aufgearbeitet wird.
2 Ein Judaist beschäftigt sich mit Geschichte, Religion, Kultur und Sprache des Judentums.
M 2 Blick von Süden auf das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Es handelt sich um eine Rede, die der damalige Präsident des Deutschen Bundestag, Wolfgang Thierse, aus Anlass der Eröffnung des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ am 10. Mai 2005 in Berlin gehalten hat. Er richtet sich in dieser mahnend an die deutsche Bevölkerung und hebt dabei die Bedeutung des Denkmals für die deutsche Erinnerungskultur hervor.
Folgende Aussagen zur Bedeutung des Denkmals lassen sich M 1 entnehmen:
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Das Denkmal ist erstes gemeinsames Erinnerungsprojekt des wiedervereinigten Deutschlands, welches zeigt, dass sich die Deutschen zu ihrer Geschichte bekennen (vgl. Z. 7–9).
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Die Errichtung in der deutschen Hauptstadt wurde von vielen Widerständen begleitet, Diskussionen über das Denkmal werden weiter existieren, was durchaus legitim ist (vgl. Z. 3–5, Z. 17–20).
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Das Denkmal zeigt auf, wie schwierig es ist, eine geeignete künstlerische Form zu finden, sich der Verbrechen zu erinnern, gleichzeitig ermöglicht es aber, die Erinnerung auch für Gegenwart und Zukunft aufrechtzuerhalten (vgl. Z. 22–27).
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Es steht für den Übergang von persönlicher Erinnerung (durch Zeitzeugen) hin zu einer Erinnerung, die durch Wissen kollektiv vermittelt wird (Museen, Kunst) (vgl. Z. 28–34).
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Das Denkmal soll nicht Schlusspunkt des öffentlichen Umgangs mit der NS-Vergangenheit sein, vielmehr wird dieser Umgang durch das Denkmal in das kulturelle Gedächtnis der Deutschen übertragen (vgl. Z. 35–38).
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Es steht nicht allein für das Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen, es verweist gleichzeitig auf die Originalorte der NS-Verbrechen sowie auf andere Gedenkstätten (vgl. Z. 40–42).
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Das Denkmal ist aufgrund seiner Gestaltung ein offenes Kunstwerk und ermöglicht so einen individuellen Gebrauch und eine persönliche Auseinandersetzung (vgl. Z. 43–50).
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Gerade junge Menschen sollen durch das Denkmal berührt werden und sie so dazu anhalten, sich mit den NS-Verbrechen auseinanderzusetzen (vgl. Z. 51–55).
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Das Denkmal verpflichtet die Deutschen für Gegenwart und Zukunft zu Werten wie Humanität und Toleranz (vgl. Z. 56–59).
Mögliche Einteilung der Phasen von Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung:
Die erste Phase (1933-1935):
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Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 (Großteil der nicht-jüdischen Bevölkerung verhält sich eher passiv und nicht feindselig gegenüber boykottierten Geschäftsinhabern, dennoch Entlassung jüdischer Angestellter im Vorfeld und danach durch nicht-jüdische Inhaber, um Boykotten zu entgehen; christliche Kirchen und deren Repräsentanten schweigen weitestgehend zum Boykott)
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Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (und die damit verbundene Entlassung aller jüdischen Beamten) sowie das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft (jüdischen Rechtsanwälten wurde die Zulassung entzogen) vom 7. April 1933 führen zu einem teilweise gewaltsamen Vorgehen gegen jüdische Richter und Beamte durch nationalsozialistische Anhänger
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Verbot, öffentliche Aufträge an jüdische Firmen zu vergeben, Isolierung jüdischer Firmen von Zulieferern (1935)
Die zweite Phase (1935-1938):
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Nürnberger Gesetze 1935 (zunehmende Segregation zwischen Juden und Nicht-Juden, Denunziationen von Juden und Nicht-Juden, die weiterhin Kontakte oder Geschäfte zu Juden pflegen, nehmen zu)
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in Schulen werden jüdische Schüler zunehmend durch nicht-jüdische Mitschüler und Lehrer schikaniert und benachteiligt, wodurch viele jüdische Schüler an jüdische Schulen wechseln
Die dritte Phase (1938-1941):
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Novemberpogrome 1938 und die damit verbundene Zerstörung und Plünderung jüdischer Geschäfte sowie die Nötigung, Vermögenswerte zu überschreiben
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Verordnung über die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben (12. November 1938) und Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens (3. Dezember 1938) führten zur Auflösung/Enteignung der noch bestehenden jüdischen Betriebe und zum Zwangsverkauf von Eigentum und Wertpapieren an Nicht-Juden (meist erheblich unter Wert)
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Errichtung von Ghettos und zunehmende Massendeportation von Juden nach Osteuropa ab 1941
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einige Deutsche arbeiteten in Organisationen, die an der Umsetzung von antisemitischen Maßnahmen beteiligt waren, wie z. B. die Gestapo oder die SS, sie trugen aktiv zur Verfolgung und Deportation von Juden bei
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viele Deutsche beteiligten sich auch aktiv an der Verfolgung, indem sie Nachbarn, Freunde oder Kollegen denunzierten, die jüdischen Glaubens waren oder als solche angesehen wurden, diese Denunziationen führten oft zu Verhaftungen und Deportationen
Die vierte Phase (1941-1945):
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viele Deutsche (Firmen wie Privatpersonen, z. B Oskar Schindler) profitierten von der Zwangsarbeit jüdischer Menschen in der Industrie und Landwirtschaft
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Kooperationen zwischen KZs und umliegenden Gemeinden (Erteilung von Arbeitsaufträgen etwa zum Straßen- oder Gebäudebau, für den wissentlich Häftlinge eingesetzt werden)
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KZs und Vernichtungslager wandelten sich zu wichtigen Wirtschaftszweigen des NS-Regimes (insbesondere der SS)
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der Betrieb von KZs und Vernichtungslagern war nur möglich durch die Arbeit von Nicht-Juden in unterschiedlichsten Positionen (Ärzte, Zulieferer, Sekretärinnen, Aufseher usw.), diese stammten nicht nur aus der SS, sondern häufig auch aus umliegenden Gemeinden/der Zivilbevölkerung
Trotz der vielseitigen Möglichkeiten von Verstrickungen der nichtjüdischen Bevölkerung gab es jedoch auch Menschen, die sich nicht an etwaigen antijüdischen Maßnahmen beteiligten oder sogar projüdisches Verhalten zeigten (z.B. Oskar Schindler in späterer Zeit).
Mögliche eigene Maßstäbe / Kriterien für die Angemessenheit:
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ästhetische Gestaltung
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Perspektiven und Leid der Opfer und Betroffenen
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sachliche Korrektheit
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Mehrdimensionalität/ Berücksichtigung anderer Opfergruppen
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Aufklärung und Bildung
Folgende Argumente können u. a. herangezogen werden:
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Ohne ein zivilgesellschaftliches Engagement wäre das Denkmal nicht entstanden.
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Die politische Schwerpunktsetzung entsteht durch den gewählten zentralen Ort im Kern von Berlin.
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Denkmale allein können noch nicht eine Aufarbeitung bewirken.
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Die Zugänglichkeit (offenes Denkmal, exponierte Lage) ermöglicht es vielen Menschen, dies zu besuchen/zu begehen, um sich so die NS-Verbrechen zu verinnerlichen und zu gedenken.
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Die Einzigartigkeit in der Gestaltung fördert das Interesse, sich mit dem Denkmal und seinem Kontext auseinanderzusetzen.
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Die abstrakte Darstellung kann jedoch auch ein Verständnis der Intention erschweren (Verbindung zwischen Denkmal und NS-Verbrechen nicht für jeden ersichtlich).
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Weitere Opfergruppen der NS-Verbrechen werden durch das Denkmal nicht berücksichtigt (zu einseitige Verengung auf Juden als Opfergruppe).
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Die Zweckentfremdung des Denkmals (z. B. durch über Stelen springen, „Selfies“ aufnehmen, Picknicken, ggf. Vandalismus) lässt die Frage aufkommen, ob alle Besucher sich der Bedeutung des Ortes wirklich bewusst werden.