Block I – Religion und Macht
Thema: Edikt von Fontainebleau
Aufgaben
Nenne die formalen Merkmale von M 1. Fasse die darin enthaltene Begründung, das Edikt von Nantes aufzuheben, und die in M 1 enthaltenen Bestimmungen zusammen.
Erkläre die Machtverhältnisse im absolutistischen Staat. Erschließe davon ausgehend die Intention von M 1
Beurteile, inwiefern das Edikt von Fontainebleau als Toleranzedikt bezeichnet werden kann.
Erörtere ausgehend von M 1 und weiteren Beispielen die These, Religionsfreiheit gefährde den Frieden in einer Gesellschaft.
Grundlagen
Edikt des französischen Königs Ludwig XIV. vom 18. Oktober 1685 (Edikt von Fontainebleau)
Übersetzung von Ernst Mengin: Das Edikt von Nantes. Das Edikt von Fontainebleau (= Rechtsurkunden zur Geschichte der Hugenotten), Flensburg 1963, S. 87-93.
(Redaktionell bearbeitet für Prüfungszwecke)
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1 Heinrich IV., 1589-1610 König von Frankreich; erster König aus dem Haus Bourbon, Großvater Ludwigs XIV.. Die Mutter von Heinrich war eine Nichte des französischen Königs Franz I.. Sie war Protestantin und auch Heinrich nahm diesen Glauben an. In den sogenannten Hugenottenkriegen kämpfte er auf Seiten der Protestanten gegen den König von Frankreich, Karl IX., der Anhänger der katholischen Religion war. 1572 konvertierte Heinrich als Gefangener des Karl IX. zum katholischen Glauben, 1576 gelang ihm die Flucht, woraufhin er wieder zum protestantischen Glauben wechselte und sich erneut an Kriegen gegen den König Frankreichs Heinrich III. beteiligte. 1589 übernahm Heinrich den französischen Thron. Um seine Macht zu sichern, konvertierte er 1593 wieder zum Katholizismus. Im Edikt von Nantes sicherte er 1598 den französischen Protestanten die freie Religionsausübung zu.
2 Ludwig XIII., 1610-1643 König von Frankreich; Vater Ludwigs XIV., ließ die Protestanten außerhalb Frankreichs unterstützen, im Land selbst verfolgen.
3 Unterbringung von Militärpersonen in privaten Haushalten.
4 Jährliche Geldzahlung im Sinne einer Abfindung.
5 Name der damaligen Währung. Ein Tagelöhner verdiente in etwa einen Livre am Tag.
6 Die Verurteilten wurden im Inneren einer Galeere, eines von Rudern angetriebenen Kriegsschiffes, auf Bänke gesetzt, angekettet und zum Rudern gezwungen.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Bestimme die formalen Merkmale und gib die Inhalte von M 1 reduziert und strukturiert wieder. Bestimme dabei die im Text genannten Gründe, das Edikt von Nantes aufzuheben, und gib die im Edikt von Fontainebleau benannten Rechte und Pflichten reduziert wieder. Textbelege sind erforderlich.
Der Text ist ein durch den französischen König Ludwig XIV. erlassenes Rechtsdokument, das am 8. Oktober 1685 in Fontainebleau getroffene Entscheidungen zum Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten enthält. Der Text liegt in einer Übersetzung von Ernst Mengin vor, die 1963 in einer Dokumentation von „Rechtsurkunden zur Geschichte der Hugenotten“ erschien.
Als Gründe für die Aufhebung des Ediktes von Nantes führt Ludwig XIV. die Fortführung der Religionspolitik des Großvaters, Heinrich des Großen (Z. 1–12), das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten (Z. 12–14), das Ende der Religionskriege (Z. 1–5, Z. 14–16) und den Wunsch an, nicht mehr an die Zeit der Reformation und der daraus entstandenen Konflikte erinnern zu wollen (Z. 15–21).
Das Edikt von Fontainebleau verfügt die Zerstörung protestantischer Gotteshäuser (Z. 22–24), die Schließung protestantischer Schulen (Z. 43–44) und die Ausweisung der Prediger (Z. 30–32), erlaubt aber die Ausübung des Glaubens im privaten Kreis (Z. 59–64). Die Ausübung des Glaubens in Gutshäusern und den Gutsbesitzern gehörenden Häusern, die nicht als privat, sondern öffentlich gelten, ist nicht gestattet. Bei Zuwiderhandlung droht die Enteignung (Z. 28–29). Prediger, die zum katholischen Glauben übertreten, dürfen im Lande bleiben (Z. 30–33). Um sie zu motivieren, wird ihnen und ihren Frauen Steuerfreiheit, die Befreiung von Einquartierungen und eine Rente versprochen (Z. 33–39). Geworben wird auch mit Erleichterung bei der beruflichen Neuorientierung als Juristen, in diesem Falle entfällt das Studium (Z. 40–42). Kinder von Protestanten müssen katholisch getauft werden (Z. 45–48). Die Auswanderung, selbst nur der Transfer des Besitzes ins Ausland, wird bei Strafe verboten (Z. 55–58). Wer bereits ausgewandert ist, verliert sein Hab und Gut, kann dies aber wieder zurückerhalten, wenn er oder sie innerhalb von vier Monaten nach Frankreich zurückkehrt (Z. 49–54).
Gib die im Unterricht thematisierten Machtverhältnisse im absolutistischen Frankreich oder einem anderen absolutisch regiertem Land wieder, führe sie auf Vorstellungen absolutistischer Herrschaft oder historische Ereignisse zurück, die die Machtverhältnisse veränderten bzw. begründeten, stelle einen Zusammenhang zwischen dem Edikt von Fontainebleau und Merkmalen des absolutistischen Staates her und identifiziere davon ausgehend Gründe, das Edikt zu erlassen.
Mögliche Aspekte absolutistischer Herrschaft und mögliche historische Ereignisse:
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Entmachtung des Adels, z. B. Aufstand der Fronde 1652, Einschränkung der wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder, Vergabe bezahlter Hofämter
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Aufwertung des Bürgertums, z. B. Aufbau einer Landesverwaltung und Besetzung der Stellen mit bürgerlichen Verwaltungsfachleuten, Einsetzung von Intendanten
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Heerespolitik, z. B. Aufbau eines stehenden Heeres unter dem Oberbefehl des Königs
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Wirtschaftspolitik, z. B. Förderung des Handwerks, merkantilistischer Außenhandel
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Kirchenpolitik, z. B. Aufbau einer vom Papst unabhängigen katholischen Staatskirche, Gegenreformation und Unterdrückung religiöser Minderheiten
Identifikation des Edikts innerhalb dieser Machtverteilung, z. B. als Ausweis
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des Strebens nach einem einheitlichen, an der Person des Königs ausgerichteten Staat
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der Entmachtung dieser Entwicklung entgegenstehender Gruppen
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der Sicherung von Einnahmen für den Staat/die Krone
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des Erhalts/des Zuwachses der Bevölkerungszahl
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des Ausbaus der Verwaltung bzw. der Förderung juristischer/administrativer Berufe
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des Aufbaus einer gemeinsamen Identität
Mögliche Gründe, das Edikt zu erlassen:
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Sicherung des Aufbaus einer Staatskirche
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Sicherung des Bestands/Bedarfs an hoch spezialisierten Handwerkern, Verwaltungsbeamten und nicht zuletzt Steuerzahlern
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Vorantreiben der Gegenreformation
Positioniere dich zur These, beim Edikt von Fontainebleau handele es sich um ein Toleranzedikt. Erwarte eine strukturierte Argumentation, die die Zielstellung europäischer Toleranzedikte benennt, mit Blick auf das Edikt von Fontainebleau auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede verweist und diese als Argumente für oder wider die These abwägt.
Um die These zu bestätigen, könnte z. B. betont werden, dass Toleranzedikte und somit auch das vorliegende:
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die Ausübung der tolerierten Religion in privaten Kontexten gestattet
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neben Verboten auch stets Privilegien und Anreize enthält, im Lande zu bleiben
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wirtschaftlichen und staatspolitischen Zielsetzungen folgt
Um die These zu widerlegen, könnte z. B. betont werden, dass Toleranzedikte und somit auch das vorliegende:
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die protestantischen Prediger ausweist,
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ausnahmslos alle Kinder protestantischer Eltern zum katholischen Glauben zwingt
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auf die Konversion aller Personen protestantischen Glaubens ausgerichtet ist und Auswanderung bei Strafe verbietet
Positioniere dich zur These, Religionsfreiheit gefährde den Frieden in einer Gesellschaft. Erwarte eine strukturierte Argumentation, die Bedingungen eines Friedens in der Gesellschaft benennt und danach fragt, inwiefern Religionsfreiheit dazu beiträgt.
Um die These zu bestätigen, könnte z. B. betont werden, dass der Friede einer Gesellschaft davon abhängt, dass:
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es gemeinsame Normen und Werte sowie eine gemeinsame Identität gibt, wie sie ein gemeinsamer Glaube bzw. eine einheitliche Religion bietet,
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in Zeiten der Krise ein Integrationsangebot geschaffen wird, dass die Unterschiede zwischen den Menschen aufhebt und damit deren Interessengegensätze ausgleicht,
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keine widerstreitenden Normen und Werte im religiösen Bereich oder konkurrierende, auf die Missionierung ausgerichtete Angebote vorhanden sind.
Um die These zu widerlegen, könnte z. B. betont werden, dass der Friede einer Gesellschaft davon abhängt, dass
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Minderheiten geschützt sind und sich nicht gegen Unrecht/Unterdrückung wehren müssen,
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Freiheiten, wie Meinungs- und Religionsfreiheit, rechtlich garantiert sind und nicht erkämpft werden müssen,
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unterschiedlichste Lebensformen und Wertvorstellungen in Austausch treten, zur Einübung von Toleranz zwingen und dazu beitragen, die friedliche Aushandlung von Interessenkonflikten zu trainieren.