Lerninhalte in Physik
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HT 2

Experimentelle und theoretische Untersuchungen zu induktiven Vorgängen

Viele Hersteller elektronischer Geräte bieten die Möglichkeit, den Akku eines Gerätes auch kabellos aufzuladen. Im Folgenden soll der Ladevorgang eines Smartphones untersucht werden, das zum Laden auf eine induktive Ladestation gelegt wird (siehe Abbildung 1).
nrw physik abi lk 2021 ht 2 abbildung 1 grundprinzip des induktiven ladevorgangs eines smartphones
Abbildung 1: Grundprinzip des induktiven Ladevorgangs eines Smartphones (eine Skizze der Ladespule, hier einfachheitshalber baugleich mit der Empfängerspule, ist in Abbildung 3 dargestellt)
Die Energieübertragung gelingt über eine in der Ladestation verbaute Ladespule und eine Empfängerspule im Smartphone. Die beiden Spulen sind nicht elektrisch leitend miteinander verbunden. Zur Andeutung des Funktionsprinzips sind die Spulenströme und das magnetische Feld dargestellt.
Teilaufgabe 1: Untersuchung des magnetischen Feldes der Ladespule
Die für den Ladevorgang wesentlichen Eigenschaften der Ladestation hängen vom magnetischen Feld ab, das durch die stromdurchflossene Ladespule erzeugt wird.
a)
Zur Messung der Stärke \(B\) eines magnetischen Feldes kann eine Hallsonde verwendet werden, deren Funktionsprinzip auf dem Halleffekt beruht. Der schematische Aufbau einer Hallsonde ist in Abbildung 2 dargestellt.
nrw physik abi lk 2021 ht2 abbildung 2 hallsonde aufbau
Abbildung 2: Schematischer Aufbau einer Hallsonde
Vereinfachend wird angenommen, dass das magnetische Feld im Bereich des Hallplättchens homogen ist und dieses vollständig senkrecht durchsetzt. Direkt gemessen wird die Hallspannung \(U_{\text {Hall }}\) zwischen der oberen und unteren Seite des Hallplättchens. Zur Veranschaulichung des Halleffekts ist bereits ein Elektron mit der Driftgeschwindigkeit \(\vec{v}\) im Hallplättchen dargestellt.
  • Skizziere in Abbildung 2 zusätzlich die sich im Gleichgewicht einstellende Elektronenverteilung sowie die dann auf das bereits dargestellte Elektron wirkenden Kräfte.
  • Erläutere deine Ergänzungen in der Skizze.
  • Erkläre das Funktionsprinzip einer Hallsonde im Hinblick auf die Messung der Stärke \(B\) des magnetischen Feldes.
Hinweis: Eine Gleichung für die Hallspannung \(U_{\text {Hall }}\) muss nicht hergeleitet werden.
b)
Für eine konkrete Ladespule wird der Zusammenhang zwischen der Stärke \(B\) des magnetischen Feldes und einer jeweils konstanten Stromstärke \(I\) experimentell bestimmt. Für die Untersuchung wird eine Hallsonde, wie in Abbildung 3 dargestellt, genau in der Mitte der Spule so platziert, dass deren magnetisches Feld die Sonde (annähernd) homogen durchsetzt.
nrw abi physik lk 2021 ht 2 abbildung 3 skizze der ladespule
Abbildung 3: Skizze der Ladespule mit der Position der Hallsonde in der Mitte des Kreuzes
Bei der Durchführung des Experiments wird die Stärke \(B\) des magnetischen Feldes für verschiedene Stromstärken \(I\) in der Ladespule gemessen. Es ergeben sich die Messwerte in der folgenden Tabelle.
\(\color{#fff}{I(}\) in \(\color{#fff}{A)}\) \(\color{#fff}{B(}\) in \(\color{#fff}{\mu T)}\)
0,00 0,0
0,05 46,5
0,15 115,2
0,25 221,8
0,35 256,3
0,45 381,3
0,55 460,5
Die Messergebnisse sollen im Folgenden ausgewertet werden.
  • Zeige anhand einer Auswertung aller Messwerte in der Tabelle, dass die Stärke \(B\) des Feldes näherungsweise proportional zur Stromstärke \(I\) zunimmt, d.h. \(B=k_{\exp } \cdot I\) mit dem Proportionalitätsfaktor \(k_{\exp }.\)
  • Ermittle mithilfe aller Messwerte in der Tabelle einen Wert für den Proportionalitätsfaktor \(k_{\exp }.\)
[Ergebnis zum Weiterrechnen: \(k_{\exp }=8,27 \cdot 10^{-4} \dfrac{T}{A}\) ]
c)
Die in Aufgabenteil b) verwendete Ladespule besteht aus kreisförmigen Windungen und ist luftgefüllt. Konkret soll sie im Folgenden eine Windungszahl von \(n_1=50\), einen (mittleren) Radius von \(R=4,00 \,\text{cm}\) und eine Länge von \(l=5,00 \,\text{mm}\) aufweisen. Somit ist die Länge der Spule im Vergleich zum Radius gering. Aufgrund theoretischer Überlegungen kann die Abhängigkeit der Stärke \(B\) des von dieser Spule erzeugten Feldes von der Stromstärke \(I\) mit folgendem Zusammenhang angegeben werden:
\(
B=\mu_0 \cdot \dfrac{n_1}{\sqrt{(2 R)^2+l^2}} \cdot I .
\)
Hierbei ist \(\mu_0=4 \pi \cdot 10^{-7} \dfrac{ N }{ A ^2}\) die sogenannte magnetische Feldkonstante. Die Gleichung für die Stärke des Feldes muss nicht hergeleitet werden.
  • Berechne den Proportionalitätsfaktor \(k_{\text {theo }}=\mu_0 \cdot \dfrac{n_1}{\sqrt{(2 R)^2+l^2}}\) für den theoretisch geltenden Zusammenhang.
  • Bestimme die prozentuale Abweichung des Wertes \(k_{\exp }\) aus Aufgabenteil 1b) von dem Wert für \(k_{\text {theo }}\).
Die Stärke des Feldes einer (idealisierten) Spule der Länge \(l=0\) wird durch die einfachere Gleichung \(B=\mu_0 \cdot \dfrac{n_1}{2 R} \cdot I\) beschrieben.
  • Beurteile, inwieweit die Vereinfachung der Gleichung im hier vorliegenden Fall zu rechtfertigen ist.
(10 + 6 + 8 Punkte)
Teilaufgabe 2: Untersuchung der Spannung an der Empfängerspule
Das Grundprinzip der kontaktlosen, induktiven Energieübertragung zwischen der Ladespule \(L1\) und der Empfängerspule \(L2\) im Smartphone ist in Abbildung 4 dargestellt.
nrw physik abi 2021 lk ht2 abbildung 4 prinzip der induktiven energieübertragung
Abbildung 4: Prinzip der induktiven Energieübertragung
Die induktive Energieübertragung gelingt mithilfe eines sogenannten Oszillators, der mit einer Spannung versorgt wird und einen periodisch veränderlichen Strom der Stärke \(I_{ L 1}\) in der Ladespule \(L1\) hervorruft. An der Empfängerspule \(L2\) lässt sich dann eine Spannung \(U_{ L 2}\) messen, die mit einem Gleichrichter so aufbereitet wird, dass ein Akku geladen werden kann.
a)
  • Erkläre ausgehend von einem möglichst allgemeinen Induktionsprinzip, warum eine Spannung \(U_{ L 2}\) an der Empfängerspule \(L2\) messbar ist.
  • Begründe, warum eine induktive Energieübertragung mit einem zeitlich konstanten magnetischen Feld in der Ladespule \(L1\) nicht möglich ist.
Die Spannung an der Empfängerspule L2 kann durch die Gleichung \(U_{ L 2}=-n_2 \cdot A \cdot \dot{B}\) beschrieben werden.
  • Erkläre die in der Gleichung vorkommenden physikalischen Größen in Bezug auf Abbildung 4.
b)
In der Ladespule \(L1\) gemäß Abbildung 4 können verschiedene zeitliche Stromstärkeverläufe realisiert werden. In Abbildung 5 ist ein dreieckförmiger Verlauf der Stromstärke \(I_{ L 1}\) in der Ladespule dargestellt.
nrw physik abi lk 2021 ht2 abbildung 5 dreieckförmiger verlauf der stromstärke i l1 in der ladespule
Abbildung 5: Dreieckförmiger Verlauf der Stromstärke \(I_{L1}\) in der Ladespule
Hieraus resultiere die Stärke \(B\) des magnetischen Feldes in der Ladespule L1 entsprechend den Angaben in Aufgabenteil 1b). Die Empfängerspule L2 besitzt \(n_2=30\) Windungen und eine Querschnittsfläche mit einem Inhalt von \(A=60,0 \,\text{cm} ^2\).
  • Berechne mithilfe der in Aufgabenteil a) angegebenen Gleichung die Spannung \(U_{ L 2}\) an der Empfängerspule \(L2\) für eine steigende Flanke in Abbildung 5.
  • Zeichne unter Berücksichtigung der in Abbildung 5 rechts vorgegebenen Achse den zeitlichen Verlauf der Spannung \(U_{ L 2}\) in das Diagramm ein.
    Hinweis: Die Achse rechts muss passend skaliert werden.
c)
In Abbildung 6 ist ein sinusförmiger Verlauf der Stromstärke \(I_{ L 1}\) in der Ladespule \(L1\) dargestellt.
Abbildung 6: Sinusförmiger Verlauf der Stromstärke <img alt = '\(I_{L1}\)' style='vertical-align: -0.671ex; height: 2.509ex; width: 3.197ex;' class='mathjax-formula' src='https://www.schullv.de/resources/formulas/afd3470b6ccd3e3da1aad11778bde2baa4674b7aac7a3b9a08e09cedf370e0fd_light.svg'/> in der Ladespule
Abbildung 6: Sinusförmiger Verlauf der Stromstärke \(I_{L1}\) in der Ladespule
Die Periodendauer des sinusförmigen Stromstärkesignals in Abbildung 6 werde mit \(T\) bezeichnet, die Amplitude der Stromstärke mit \(I_{ L 1,0}\). Aus der Stromstärke resultiere die Stärke \(B\) des magnetischen Feldes in der Ladespule \(L1\) entsprechend den Angaben in Aufgabenteil 1c).
  • Zeige, dass sich die Spannung an der Empfängerspule L2 durch die Gleichung
    beschreiben lässt.
  • Bestimme anhand des Diagramms in Abbildung 6 die Werte für \(T\) und \(I_{ L 1,0}\).
  • Berechne die Amplitude \(U_{ L 2,0}\) der Spannung an der Empfängerspule \(L2.\)
d)
Mit dem Gleichrichter (siehe Abbildung 4) bleiben alle negativen Spannungen \(U_{ L 2}\) ohne Einfluss, d.h. die am Akku anliegende Spannung \(U_{\text {Akku }}\) beträgt dann jeweils Null, während alle positiven Spannungen nicht beeinflusst werden (siehe Abbildung 7).
Gleichrichter
Abbildung 7: Zur Wirkungsweise eines Gleichrichters
Im Folgenden soll der dreieckförmige Verlauf der Stromstärke in Abbildung 5 mit dem sägezahnförmigen Verlauf in Abbildung 8 verglichen werden.
nrw abi physik lk 2021 ht 2 abbildung 8 weiterer verlauf der stromstärke il1 in der ladespule, sägezahnförmig
Abbildung 8: Weiterer Verlauf der Stromstärke IL1 in der Ladespule, sägezahnförmig
Gehe davon aus, dass eine fallende Flanke in den Abbildungen 5 und 8 jeweils zu einer positiven Induktionsspannung führt und dass ein Gleichrichter wie oben beschrieben auf die induzierte Spannung \(U_{ L 2}\) angewendet wird.
  • Vergleiche die beiden zeitlichen Verläufe in den Abbildungen 5 und 8 im Hinblick auf die zum Laden eines Smartphones zur Verfügung stehende Spannung \(U_{Akku}.\)
  • Entscheide anhand einer quantitativen Betrachtung, welcher der beiden zeitlichen Verläufe besser zum Laden eines Smartphones geeignet ist.
(8 + 7 + 9 + 6 Punkte)
Teilaufgabe 3: Einfluss der Position des Smartphones auf der Ladestation
Bei der alltäglichen Verwendung induktiver Ladestationen kann es geschehen, dass das Smartphone nicht immer genau mittig auf die Ladestation gelegt wird. Viele Nutzerinnen und Nutzer verwenden außerdem zum Schutz ihres Smartphones eine mehr oder weniger dicke Schutzhülle. Beides trägt zu einer nicht mehr optimalen Positionierung des Smartphones auf der Ladestation bei.
a)
Erläutere anhand des (allgemeinen) Induktionsprinzips, welche Auswirkungen dieser Umstand auf den Ladevorgang des Smartphones haben kann.
b)
Intelligente Ladestationen erkennen eine nicht optimale Positionierung des Smartphones auf der Ladestation und können darauf reagieren. Betrachte im Folgenden das Beispiel des sägezahnförmigen Verlaufs der Stromstärke in der Ladespule in Abbildung 8 und gehe davon aus, dass sich die Empfängerspule in einem Bereich mit nur \(75 \,\%\) der maximal möglichen Stärke des magnetischen Feldes befindet.
  • Ermittle mithilfe von Abbildung 8 den Wert, auf den die maximale Stromstärke \(I_{ L 1, \max }\) in der Ladespule erhöht werden muss, um den Effekt der nicht optimalen Positionierung auszugleichen.
Unter der Annahme, dass die maximale Stromstärke bauartbedingt nicht erhöht werden kann, besteht auch anderweitig noch die Möglichkeit, den Ladevorgang zu optimieren.
  • Nenne eine weitere Größe, die zur Optimierung des Ladevorgangs durch die zeitliche, elektronische Steuerung der Ladestation beeinflusst werden kann.
  • Ermittle mithilfe von Abbildung 8 einen Wert für diese Größe, um den Effekt der nicht optimalen Positionierung auszugleichen.
(4 + 7 Punkte)