HT 1 — Ladestation einer elektrischen Zahnbürste
Kabelloses Laden ist bei elektrischen Zahnbürsten eine weitverbreitete Technik. Realisiert wird dies mit einer Anordnung gemäß Material 1.
Erläutere die Entstehung der Spannung in der Sekundärspule gemäß Material 1, beginne die Darstellung mit der sich verändernden Stromstärke in der Primärspule.
In einem Modellversuch gemäß Material 2 werden der Aufbau und die Funktionsweise der elektrischen Zahnbürste nachgestellt.
Leite aus dem Induktionsgesetz die Beziehung für den Maximalwert
der Spannung an der Sekundärspule im Modellversuch her.
Hinweis: Verwende dabei, dass die Ableitung von nach der Zeit gegeben ist als
Berechne unter Verwendung von Material 2 einen möglichst genauen Wert für bei diesem Versuch.
Der Zusammenhang zwischen der am Frequenzgenerator einstellbaren Frequenz des Wechselstroms in der Primärspule und der maximalen Spannung
an der Sekundärspule soll experimentell untersucht werden.
Plane ein dafür geeignetes Experiment.
Hinweis: Zur Planung gehört eine beschriftete Schaltskizze für den Aufbau sowie die Beschreibung der Durchführung des Experiments.
Mögliche Messergebnisse eines solchen Experiments mit sinusförmigem Wechselstrom sind in der Tabelle zusammengestellt (siehe Material 3a).
Zeichne ein Diagramm, das die Spannung an der Sekundärspule in Abhängigkeit von der verwendeten Frequenz
darstellt.
Begründe mithilfe aller Messwerte den Zusammenhang wobei
die Proportionalitätskonstante ist.
Ermittle unter Berücksichtigung aller Messwerte einen Wert für
In Material 3b sind Messunsicherheiten bei der Auswertung berücksichtigt worden.
Erläutere, warum dann bei der Bestimmung der Proportionalitätskonstante eine Unsicherheit
anzugeben ist.
Prüfe mithilfe von Abbildung 3 in Material 3b, ob eine Angabe der Unsicherheit mit gerechtfertigt ist.
In Material 4 sind im Internet recherchierte Informationen zu elektrischen Zahnbürsten gesammelt.
Gib eine Aussage des Technik-Magazins gemäß Material 4a an, bei der die Fachsprache nicht korrekt verwendet wird.
Prüfe auf Grundlage der statistischen Informationen in Material 4b zwei Aussagen des Technik-Magazins gemäß Material 4a hinsichtlich inhaltlicher Korrektheit.
Schätze die notwendige Leistung für den Betrieb aller elektrischen Zahnbürsten in Deutschland ab und gib an, wie diese bereitgestellt werden könnte.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Ladevorgang bei einer elektrischen Zahnbürste

Abbildung 1: Schematische Darstellung einer elektrischen Zahnbürste über der Ladestation
Bei einer elektrischen Zahnbürste befindet sich in der Ladestation eine Primärspule mit Eisenkern, unten in der Zahnbürste befindet sich eine Sekundärspule. Liegt an der Primärspule eine Wechselspannung an und ist das untere Ende der Zahnbürste und damit die Sekundärspule auf den Eisenkern gesteckt, wird der Akku über die Sekundärspule und eine geeignete elektrische Schaltung aufgeladen.
Material 2: Beispielhafte Messkurven für einen Modellversuch
Der prinzipielle Aufbau für den Ladevorgang einer elektrischen Zahnbürste gemäß Abbildung 1 in Material 1 wird in einem Modellversuch experimentell mithilfe zweier Spulen mit einem gemeinsamen Eisenkern realisiert, wobei die Spulen jeweils die Windungszahl und die Querschnittsfläche
besitzen. Die Primärspule ist mit einem Frequenzgenerator verbunden, also einer Spannungsquelle mit einstellbarer Frequenz
Es wird angenommen, dass die magnetische Flussdichte in der Sekundärspule näherungsweise sinusförmig mit der Kreisfrequenz
und dem Maximalwert
ist. Abbildung 2 zeigt beispielhaft für eine bestimmte Frequenz
zwei Messkurven zum Modellversuch.

Abbildung 2: Zeitliche Verläufe von Stromstärke in der Primärspule und Spannung
an der Sekundärspule
Material 3: Messwerte zum Experiment
3a: Messwerttabelle
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Tabelle: Messergebnisse für den Zusammenhang zwischen der Frequenz und der Spannung
3b: Berücksichtigung von Messunsicherheiten
Im Experiment werden die Frequenzen und die Spannungen
mit einer Unsicherheit von
bezüglich der Frequenz bzw.
bezüglich der Spannung abgelesen. Werden diese Messunsicherheiten berücksichtigt, muss bei der Bestimmung der Proportionalitätskonstante
ebenfalls eine Unsicherheit
angegeben werden.
Abbildung 3 stellt unter Berücksichtigung der Messunsicherheiten die beiden Geraden dar, die die Steigungen und
aufweisen. Aus den Steigungen kann somit auf die Unsicherheit
geschlossen werden.

Abbildung 3: Geraden unter Berücksichtigung der Messunsicherheiten mit den Steigungen
Material 4: Rechercheergebnisse zu elektrischen Zahnbürsten aus dem Internet
4a: Drei Aussagen eines Technik-Magazins zum Ladegerät
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„Ladegeräte von elektrischen Zahnbürsten können bis zu
jährlich verbrauchen, sollten sie dauerhaft eingesteckt sein.“
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„Da die Zahnbürste permanent Strom verbraucht, wenn sie in der Ladestation steht, sollten Sie die Zahnbürste nur laden, wenn sie leer ist […].“
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„Befolgen Sie dies […] und der jährliche Stromverbrauch Ihrer elektrischen Zahnbürste wird Sie nicht mehr als wenige Euro kosten.“
4b: Statistische Informationen
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Für den üblichen täglichen Einsatz muss dem Akku einer elektrischen Zahnbürste eine Energiemenge in der Größenordnung von
im Monat zugeführt werden.
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Je nach Vertrag können Kosten für elektrische Energie für private Haushalte etwa
Cent pro
betragen.
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Etwa
aller ca. 80 Millionen deutschen Bürger verwenden eine elektrische Zahnbürste.
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Ein Großkraftwerk stellt eine elektrische Leistung von etwa einem Gigawatt bereit, eine große Windkraftanlage einige Megawatt, eine Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus einige Kilowatt.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Sobald eine Veränderung der Stromstärke in der Primärspule auftritt, resultiert dies unmittelbar in einer sich verändernden magnetischen Flussdichte im Bereich der Primärspule. Dies lässt sich physikalisch dadurch begründen, dass jeder elektrische Stromfluss mit einem Magnetfeld verknüpft ist, dessen magnetische Flussdichte von der Stromstärke abhängt.
Da sich dieses Magnetfeld, welches durch die Primärspule erzeugt wird, über den Eisenkern bis in den Bereich der Sekundärspule erstreckt, ändert sich auch dort die magnetische Flussdichte.
Gemäß des Induktionsgesetzes führt genau diese kontinuierliche Änderung der magnetischen Flussdichte zu einer Induktionsspannung in der Sekundärspule.
Da die vom Magnetfeld durchsetzte Querschnittsfläche zeitlich konstant bleibt, reduziert sich das allgemeine Induktionsgesetz
auf die Betrachtung der zeitlichen Änderung der magnetischen Flussdichte:
Gemäß Material 2 wird von einem sinusförmigen Verlauf der magnetischen Flussdichte der Form ausgegangen, daraus folgt für die erste Ableitung:
Daraus folgt für
Entsprechend Abbildung 2 gilt für die Induktionsspannung außerdem
Das kann gleichgesetzt werden:
Aus Abbildung 2 können die Periodendauer der Schwingung und die Amplitude der Spannung mit ca. und
bestimmt werden.
Zusätzlich sind die Windungszahl sowie die Querschnittsfläche
gegeben, während sich die Kreisfrequenz über den Zusammenhang
bestimmen lässt:
Schaltskizze:

Im Experiment werden schrittweise verschiedene Werte für die Frequenz am Frequenzgenerator der Primärspule eingestellt und die jeweils resultierende Maximalspannung
an der Sekundärspule gemessen und protokolliert.
Diagramm:

Durch die Messpunkte kann eine Ausgleichsgerade gelegt werden, die zu einer Ursprungsgeraden passt. Das deutet auf einen proportionalen Zusammenhang zwischen der Frequenz und dem Maximalwert
der Spannung hin.
Mithilfe eines grafikfähigen Taschenrechners (GTR) kann eine grafische Auswertung mit einer linearen Regression durchgeführt werden, diese liefert für die Proportionalitätskonstante
Erläuterung der Unsicherheit
Aufgrund unvermeidbarer Messunsicherheiten bei der Messung der Frequenz sowie der maximalen Spannung
ergibt sich bei der Bestimmung der Proportionalitätskonstante
eine gewisse Unsicherheit. Diese muss bei der Bestimmung von
zwingend berücksichtigt werden, daraus resultiert zwangsläufig eine spezifische Unsicherheit
für den berechneten Proportionalitätsfaktor
Prüfen der angegebenen Unsicherheit
Zur konkreten Berechnung der minimalen und maximalen Steigung (Grenzgeraden) werden jeweils zwei geeignete Datenpaare einer Geraden aus Abbildung 3 herausgelesen:
Für die untere Grenzsteigung ergibt sich somit:
Für die obere Grenzsteigung folgt analog:
Daraus lässt sich die Unsicherheit ermitteln:
Eine großzügige Abschätzung dieser Unsicherheit nach oben auf den Wert ist somit vollkommen gerechtfertigt.
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Fachsprache: „Stromverbrauch“, „
[Energie] jährlich verbrauchen“ und „leere Zahnbürste“ sind fachsprachlich nicht korrekt.
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Inhaltlich: Gemäß 4b werden dem Akku einer elektrischen Zahnbürste in zwölf Monaten eine Energiemenge von insgesamt circa
an elektrischer Energie zugeführt, also circa
Die angegebenen
sind damit nicht vereinbar.
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Inhaltlich: Mit
und angenommenen
Cent pro
betragen die Jahreskosten
Cent. Die Angabe von wenigen Euro liegt deutlich darüber und ist damit nicht sinnvoll.
Zur Abschätzung der Gesamtleistungsaufnahme in Deutschland werden von elektrischen Zahnbürsten ausgegangen (
der Gesamtbevölkerung von
Menschen).
In zwölf Monaten werden einer elektrischen Zahnbürste durchschnittlich an elektrischer Energie zugeführt (siehe Aufgabe 5a)), das entspricht
Multipliziert mit der Gesamtzahl der Geräte in Deutschland ergibt sich eine benötigte Gesamtleistung in der Größenordnung von
Diese Leistungsanforderung lässt sich mit einer einzigen Windkraftanlage decken.