Lerninhalte in Physik
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HT 2

Das Rasterelektronenmikroskop

Mit herkömmlichen Lichtmikroskopen lassen sich Strukturen im Mikrometerbereich beobachten. Noch feinere Strukturen können beispielsweise mit einem sogenannten Rasterelektronenmikroskop (REM) sichtbar gemacht werden. In einem solchen Gerät wird ein Elektronenstrahl über das zu untersuchende Objekt geführt. Dabei wird die Wechselwirkung der Elektronen mit dem Objekt zur Erzeugung eines Bildes dieses Objektes genutzt. Abbildung 1 zeigt die Aufnahme einer Ringelblumenpolle mit einem REM.
nrw physik abi lk 2023 ht 2 abbildung 1 elektronenmikroskopische aufnahme einer ringelblumenpolle
Abbildung 1: Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Ringelblumenpolle
(Quelle: https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197239_42352683.jpg)
Teilaufgabe 1: Erzeugung und Führung des Elektronenstrahls im REM
Abbildung 2 zeigt den schematischen Aufbau eines REM sowie ein Koordinatensystem.
nrw physik abi lk 2023 ht 2 abbildung 2 schematischer aufbau eines rasterelektronenmikroskops
Abbildung 2: Schematischer Aufbau eines Rasterelektronenmikroskops
Um ein Objekt elektronenmikroskopisch abzubilden, werden Elektronen in einer Elektronenkanone beschleunigt und der so erzeugte Elektronenstrahl mithilfe von einem Ablenkkondensator über das abzubildende Objekt geführt.
a)
  • Erläutere die Funktionsweise einer Elektronenkanone.
Während die Spannung \(U_{ \text B }\) notwendigerweise eine Gleichspannung sein muss, darf die Spannung \(U_{ \text H }\) als Gleich- oder Wechselspannung vorliegen.
  • Erkläre diesen Sachverhalt.
b)
Die Geschwindigkeit \(v\), mit der die Elektronen die Elektronenkanone verlassen, kann mit einem klassischen Ansatz hergeleitet werden zu:
\(
v=\sqrt{\dfrac{2 \cdot e \cdot U_{ \text B }}{m_0}} .
\)
Dabei bezeichnen \(m_0\) die Ruhemasse des Elektrons und \(e\) die Elementarladung.
  • Leite den genannten Zusammenhang her.
Die Elektronenkanone in einem REM kann mit einer Beschleunigungsspannung \(U_{ \text B }\) zwischen \(0,10\,\text{kV}\) und \(30\,\text{kV}\) betrieben werden. Betreibt man die Elektronenkanone mit einer Beschleunigungsspannung \(U_{ \text B }\), bei der der oben genannte Zusammenhang eine Geschwindigkeit \(v \leq 0,10 \cdot c\) liefert, so kann das Verhalten der Elektronen ohne relativistische Korrekturen beschrieben werden.
  • Bestimme die maximale Beschleunigungsspannung \(U_{ \text B , \max }\), bei der das Verhalten der Elektronen ohne relativistische Korrekturen beschrieben werden kann.
Zwischen dem Verlassen der Elektronenkanone und dem Auftreffen auf dem abzubildenden Objekt legen die Elektronen im homogenen Gravitationsfeld der Erde eine vertikale Strecke von \(h=50\,\text{cm}\) zurück. Dabei erfährt ein Elektron den Zuwachs \(\Delta E_{\text {kin }}=m_0 \cdot g \cdot h\) an kinetischer Energie, wobei \(g=9,81\,\text m / \text s ^2\) den Ortsfaktor am Betriebsort des REM bezeichnet.
  • Zeige, dass dieser Zuwachs der kinetischen Energie beim Betrieb des REM vernachlässigbar ist.
c)
An dem in Abbildung 2 abgebildeten Ablenkkondensator liegt die Spannung \(U_{ \text A }\) an.
  • Gib die Polung der Spannung \(U_{ \text A }\) an, sodass sich die abgebildete Bahnkurve der Elektronen ergibt.
Bei dem verwendeten Ablenkkondensator handelt es sich um einen Plattenkondensator mit dem Plattenabstand \(d.\) Das elektrische Feld zwischen den Kondensatorplatten kann dabei näherungsweise als homogen angenommen werden. Für die konstante Beschleunigung in \(x\)-Richtung, die Elektronen klassisch im Inneren des Kondensators erfahren, gilt dann der folgende Zusammenhang:
\(
a=\dfrac{e \cdot U_{ \text A }}{m_0 \cdot d} .
\)
  • Leite diesen Zusammenhang für die Beschleunigung in \(x\)-Richtung her.
Der Auftreffpunkt des Elektronenstrahls auf dem in Abbildung 2 dargestellten abzubildenden Objekt soll innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne vom linken Ende des Objekts zum rechten Ende des Objekts bewegt werden.
  • Erkläre, warum dies mit einer geeigneten zeitabhängigen Ablenkspannung \(U_{ \text A }(t)\) erreicht werden kann.
(6 + 11 + 8 Punkte)
Teilaufgabe 2: Detektion der Elektronen
Während der Elektronenstrahl wie in Teilaufgabe 1 beschrieben über das abzubildende Objekt geführt wird, wechselwirken die schnellen Elektronen des Strahls mit den Hüllelektronen der Atome in der Nähe des Auftreffpunkts. Auf diese Weise entstehen freie Elektronen.
a)
  • Beschreibe die Entstehung von freien Elektronen durch die Wechselwirkung von schnellen Elektronen mit Atomen.
  • Begründe anhand einer energetischen Betrachtung, dass die Elektronen für diese Art der Wechselwirkung mit Atomen schnell sein müssen.
Ein Teil der freien Elektronen tritt aus dem abzubildenden Objekt nach oben aus. Diese Elektronen werden mit einem Detektor registriert. Abbildung 3 zeigt schematisch einen entsprechenden Aufbau, in dem ein Wien-Filter verwendet wird.
nrw physik abi lk 2023 ht 2 abbildung 3 anordnung zur detektion der elektronen
Abbildung 3: Anordnung zur Detektion der Elektronen
Zur Vereinfachung wird im Folgenden ein von oben kommender Elektronenstrahl betrachtet, der entlang der Mittelachse in den Wien-Filter eintritt, bevor er auf das abzubildende Objekt trifft. Im Bereich zwischen den Kondensatorplatten besteht ein homogenes Magnetfeld, das senkrecht zum homogenen elektrischen Feld des Plattenkondensators und senkrecht zur Bewegungsrichtung des Elektronenstrahls gerichtet ist. Hinter der rechten, durchlöcherten Kondensatorplatte befindet sich der Detektor.
b)
Der Wien-Filter kann so eingestellt werden, dass der von oben kommende Elektronenstrahl die Anordnung geradlinig durchläuft.
  • Gib die Bedingung an, unter der ein von oben in den Wien-Filter eintretendes Elektron die Anordnung geradlinig durchläuft.
  • Zeige, dass das Elektron in Abhängigkeit von der Stärke \(E\) des elektrischen Feldes und der Stärke \(B\) des magnetischen Feldes die Geschwindigkeit \(v=\dfrac{E}{B}\) besitzen muss, damit es geradlinig durch die Anordnung gelangt.
Bei einer Veränderung der Beschleunigungsspannung \(U_{ \text B }\) an der Elektronenkanone in Abbildung 2 muss ebenfalls eine Veränderung der Spannung \(U_{ \text S }\) in Abbildung 3 vorgenommen werden.
  • Erläutere diese Notwendigkeit unter Berücksichtigung der im Wien-Filter wirkenden Kräfte.
c)
Vereinfachend treten die aus dem abzubildenden Objekt ausgelösten Elektronen gemäß Abbildung 3 entlang der Mittelachse von unten in den Wien-Filter ein. Dabei besitzen sie im Vergleich zu den schnellen Elektronen des auftreffenden Elektronenstrahls eine deutlich geringere Geschwindigkeit.
Begründe, dass die aus dem abzubildenden Objekt austretenden Elektronen stets in Richtung Detektor abgelenkt werden.
d)
Den Elektronen, die auf das abzubildende Objekt treffen, kann gemäß der De-BroglieHypothese eine Wellenlänge \(\lambda\) zugeordnet werden.
  • Erläutere die De-Broglie-Hypothese zur Analogie zwischen Licht und Materie. Für die De-Broglie-Wellenlänge gilt der Zusammenhang \(\lambda=\dfrac{h}{p}\). Dabei bezeichnen \(h\) das Planck'sche Wirkungsquantum und \(p\) den Impuls der Elektronen. De Broglie stellte diesen Zusammenhang zunächst für Photonen auf.
  • Begründe ausgehend von der für die Energie von Photonen mit der Frequenz \(f\) geltenden Gleichung \(E=h \cdot f\) den Zusammenhang \(\lambda=\dfrac{h}{p}\) für Photonen.
Für eine bestimmte Aufnahme mit einem REM wird die Elektronenkanone mit der Beschleunigungsspannung \(U_{\text  B }=2,30\,\text{kV}\) betrieben.
  • Bestimme mit einem klassischen Ansatz die De-Broglie-Wellenlänge \(\lambda,\) die den Elektronen zugeordnet werden kann.
Die mit \(U_{ \text B }=2,30\,\text{kV}\) beschleunigten Elektronen treffen in einem Versuch auf ein Objekt, das aus einem regelmäßigen Atomgitter mit dem Gitterabstand \(d=10^{-10} \,\text m\) besteht.
  • Erkläre, warum Interferenzerscheinungen bei der Streuung der Elektronen an den Atomen des Gitters möglich sind.
(4 + 9 + 3 + 12 Punkte)
Teilaufgabe 3: Fokussierung des Elektronenstrahls
Um ein möglichst hochauflösendes Bild mit einem REM zu erzeugen, muss der Elektronenstrahl fokussiert werden, bevor er auf das abzubildende Objekt trifft. Dies kann beispielsweise mithilfe von sogenannten Quadrupolmagneten erreicht werden. Diese spezielle Anordnung besteht aus zwei sich jeweils gegenüberstehenden magnetischen Nord- und Südpolen. Abbildung 4 zeigt den schematischen Aufbau eines solchen Quadrupolmagneten sowie den Querschnitt des Elektronenstrahls, der aus der Zeichenebene heraustritt.
nrw physik abi lk 2023 ht 2 abbildung 4 schematische darstellung des quadrupolmagneten und des querschnitts des elektronenstrahls beim eintritt (links) und beim austritt (rechts)
a)
In Abbildung 4 ist ein unvollständiges Feldlinienbild des durch den Quadrupolmagneten erzeugten Magnetfeldes dargestellt. Die Dichte der Feldlinien ist dabei ein Maß für die Stärke \(B\) des Magnetfeldes.
  • Beschreibe den Verlauf der Stärke \(B\) des Magnetfeldes im dargestellten Bereich entlang der \(x\)-Achse.
  • Erkläre, weshalb auf ein Elektron im Punkt \(P\) keine Lorentzkraft \(\vec{F}_{ \text L }\) wirkt.
b)
Der Querschnitt des Elektronenstrahls ist in Abbildung 4 grau dargestellt. Die Elektronen des Elektronenstrahls bewegen sich vor dem Eintritt in das Magnetfeld parallel zur \(y\)-Achse, die in Abbildung 4 aus der Zeichenebene heraus zeigt. Die vier Punkte \(Q,\) \(R,\) \(S\) und \(T\) befinden sich auf dem Rand des Elektronenstrahls.
Begründe unter Zuhilfenahme der vier Punkte \(Q,\) \(R,\) \(S\) und \(T,\) dass der Elektronenstrahl beim Austritt aus dem Quadrupolmagneten den im rechten Teil von Abbildung 4 dargestellten Querschnitt besitzt.
c)
Nach dem Austritt aus dem Quadrupolmagneten durchquert der Elektronenstrahl einen zweiten Quadrupolmagneten, der gegenüber dem in Abbildung 4 dargestellten Quadrupolmagneten um \(90^{\circ}\) um die \(y\)-Achse gedreht ist.
Erläutere, dass der Elektronenstrahl beim Durchqueren des zweiten Quadrupolmagneten weiter fokussiert wird.
(5 + 3 + 4 Punkte)

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