Lerninhalte in Physik
Inhaltsverzeichnis

HT 2

Welleneigenschaften von Farbstoffmolekülen

Teilaufgabe 1: Materialwellen
a)
Die Abbildungen 1a und 1b zeigen Momentaufnahmen aus einer Simulation zur Ausbreitung von Wellen. In Abbildung 1a trifft eine von links einlaufende ebene Welle der Wellenlänge \(\lambda\) auf einen Spalt der Breite \(b \approx \lambda\). In Abbildung 1b ist hingegen \(b>\lambda.\)
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Abbildung 1b
  • Nenne die Aussagen des Huygens'schen Prinzips.
  • Erläutere mithilfe des Huygens'schen Prinzips die Ausbreitung der Wellen nach dem Durchtritt durch den jeweiligen Spalt und gehen Sie dabei insbesondere auf das Phänomen der Beugung ein.
b)
Nach de Broglie kann man jedem Objekt der Masse \(m,\) das sich mit der Geschwindigkeit \(v\) bewegt, die Wellenlänge \(\lambda=\dfrac{h}{m \cdot v}\) zuordnen, wobei \(h\) das Planck'sche Wirkungsquantum ist.
  • Berechne die Wellenlänge \(\lambda,\) die einem \(H _2\)-Molekül der Masse \(m=3,32 \cdot 10^{-27} \,\text{kg}\) mit der Geschwindigkeit \(v=200 \;\dfrac{\text{m}  }{ \text{s} }\) zugeordnet werden kann.
Anders als bei Lichtwellen muss man bei Beugungsexperimenten mit Materiewellen materiefreie Spaltöffnungen verwenden.
  • Gib einen Grund dafür an, dass die Spaltöffnungen materiefrei sein müssen.
  • Erläutere mithilfe der Abbildungen \(1 a\) und 1b, warum gemäß der De-Broglie-Beziehung die Welleneigenschaften von Materie nur bei Materieobjekten einer sehr geringen Masse \(m\) deutlich in Erscheinung treten können.
c)
De Broglie hat die Beziehung \(\lambda=\dfrac{h}{m \cdot v}\) im Wesentlichen durch Übertragung der damals seit Einstein bekannten Gleichung \(\lambda_{ Ph }=\dfrac{h}{m_{ Ph } \cdot c }\) für Photonen (mit \(c =v_{ Ph }\)) auf massebehaftete Objekte mit der Geschwindigkeit \(v\lt c\) aufgestellt.
Leite die Einstein'sche Gleichung \(\lambda_{ Ph }=\dfrac{h}{m_{ Ph } \cdot c }\) für Photonen her.
(7 + 9 + 4 Punkte)
Teilaufgabe 2: Ein Interferenzexperiment mit Farbstoffmolekülen
Im Jahr 2012 führte eine internationale Forschergruppe an der Universität Wien ein eindrucksvolles Experiment zur Untersuchung der quantenmechanischen Wellennatur von massereichen Farbstoffmolekülen durch. Abbildung 2 zeigt den prinzipiellen Aufbau der Versuchsapparatur.
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Abbildung 2: Versuchsaufbau zum Interferenzexperiment mit Farbstoffmolekülen
(Quelle: T. Juffmann et al.: „Real-time single-molecule imaging of quantum interference“, in: nature nanotechnology, Vol.7 (2012), S.298 (verändert))
Ein horizontal ausgerichteter Strahl aus Farbstoffmolekülen einheitlicher Geschwindigkeit trifft dabei im Inneren einer Vakuumkammer auf ein Beugungsgitter mit der Gitterkonstante \(g=100 \,\text{nm}.\) Am Ende der Versuchsapparatur erreichen die Farbstoffmoleküle eine Detektorplatte, die sich im Abstand \(a=564 \,\text{mm}\) hinter dem Beugungsgitter befindet. Mit einem Laser werden sie dort zum Leuchten angeregt. Eine Kamera, vor deren Objektiv ein Farbfilter angebracht ist, filmt das Interferenzbild auf der Detektorplatte.
a)
Erläutere qualitativ, wie es zur Entstehung der Interferenzmaxima auf der Detektorplatte kommt.
b)
Für den Abstand \(d_{ n }\) des Maximums \(n\)-ter Ordnung von dem Maximum nullter Ordnung gilt unter Berücksichtigung der Kleinwinkelnäherung \(\sin (\alpha) \approx \tan (\alpha)\) der folgende Zusammenhang:
\(
d_{ n }=\dfrac{n \cdot \lambda \cdot a}{g} .
\)
Dabei bezeichnet \(\lambda\) die den Farbstoffmolekülen zugeordnete Wellenlänge.
Leite den Zusammenhang mithilfe einer aussagekräftigen Skizze her.
c)
In einem ersten Versuch beträgt die Geschwindigkeit der Farbstoffmoleküle \(v=150 \dfrac{ m }{ s }.\) Abbildung 3 zeigt die an der Detektorplatte registrierte Intensitätsverteilung des Interferenzmusters.
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Abbildung 3: Intensitätsverteilung des Interferenzmusters
(Quelle: T. Juffmann et al.: „Real-time single-molecule imaging of quantum interference“, in: nature nanotechnology, Vol.7 (2012), S.299 (verändert))
  • Bestimme mithilfe von Abbildung 3 sowie dem Zusammenhang aus Aufgabenteil b) und der De-Broglie-Beziehung die Masse \(m\) der Farbstoffmoleküle in dem Experiment.
Die Geschwindigkeit \(v\) der im Experiment verwendeten Farbstoffmoleküle weist eine geringfügige Streuung \(\Delta v\) um den oben angegebenen Wert auf.
  • Erläutere die Veränderung der beiden Maxima erster Ordnung für den Fall, dass die Streuung \(\Delta v\) verringert werden könnte.
d)
Abbildung 4 zeigt vier Momentaufnahmen aus dem Video, das die Kamera während der Versuchsdurchführung aufgenommen hat. Zu sehen ist jeweils der gleiche Ausschnitt der Detektorplatte zu verschiedenen aufeinanderfolgenden Zeitpunkten \(t_1\lt t_2\lt t_3\lt t_4.\)
nrw abi physik lk 2022 ht 2 abbildung 4 interferenzmuster einzelner farbstoffmoleküle zu vier verschiedenen zeitpunkten t2
nrw abi physik lk 2022 ht 2 abbildung 4 interferenzmuster einzelner farbstoffmoleküle zu vier verschiedenen zeitpunkten t4
Beschreiben Sie die zeitliche Entwicklung des Interferenzmusters.
e)
In einer veränderten Version des Experiments besitzen die Farbstoffmoleküle deutlich unterschiedliche Geschwindigkeiten. In dem Strahl gibt es Farbstoffmoleküle aller Geschwindigkeiten \(v\) zwischen einem Minimalwert \(v_{\min }\) und einem Maximalwert \(v_{\max }\). Abbildung 5 zeigt das komplette Interferenzmuster auf der Detektorplatte. Der Pfeil veranschaulicht die Richtung der auf die Farbstoffmoleküle wirkenden Gravitationskraft \(F_{ G }.\)
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Abbildung 5: Komplettes Interferenzmuster bei großer Geschwindigkeitsstreuung
(Quelle: T. Juffmann et al.: „Real-time single-molecule imaging of quantum interference“, in: nature nanotechnology, Vol.7 (2012), S.299 (verändert))
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schreiben in der Veröffentlichung des Fotos: „Wir können [...] die Geschwindigkeit der Moleküle ableiten, da die Beugung den Molekülstrahl in horizontaler Richtung ausbreitet und die Gravitationskraft dazu führt, dass die Höhe \(h\) auf der Detektorplatte von der Geschwindigkeit \(v\) des Moleküls abhängt.“[1]
  • Erkläre mithilfe des Zitats die nicht parallel verlaufenden Interferenzstreifen für die Maxima erster Ordnung.
  • Weise anhand von Abbildung 5 nach, dass die Geschwindigkeit \(v_{\max }\) der schnellsten Farbstoffmoleküle etwa doppelt so groß ist wie die Geschwindigkeit \(v_{\text {min }}\) der langsamsten Farbstoffmoleküle.
  • Beschreibe das Muster, das man bei einer Versuchsdurchführung in Schwerelosigkeit beobachten würde.
(3 + 6 + 8 + 3 + 9 Punkte)
Teilaufgabe 3: Detektion von Farbstoffmolekülen mittels eines Lasers
Der Laser, der zur Anregung der Farbstoffmoleküle verwendet wird, sendet monochromatisches Licht der Wellenlänge \(\lambda_L=661 \,\text{nm}\) aus. Der Laser leuchtet die Detektorplatte homogen aus. Absorbiert ein Farbstoffmolekül auf der Detektorplatte ein Photon des Laserlichts, so nimmt es die Photonenenergie auf und gibt die aufgenommene Energie anschließend in Form eines Photons und in Form von Wärme wieder ab.
a)
Abbildung 6 zeigt einen Ausschnitt des Emissionsspektrums der in dem Experiment verwendeten Farbstoffmoleküle.
Intensität Wellenlänge Diagramm
Der sichtbare Teil des elektromagnetischen Spektrums entspricht dem Wellenlängenbereich \(400 \,\text{nm} \leq \lambda \leq 780 \,\text{nm}.\)
  • Gib die Farbe an, die dem in Abbildung 6 dargestellten Wellenlängenbereich zugeordnet werden kann.
  • Begründe, weshalb die Farbstoffmoleküle kein Licht in anderen Farben des sichtbaren Spektrums emittieren.
Für die Filmaufnahme wird ein Farbfilter vor dem Objektiv der Kamera angebracht. Dieser absorbiert das Laserlicht der Wellenlänge \(\lambda_L=661\,\text{nm} \) und lässt nur Licht aus einem kleinen Wellenlängenbereich um \(\lambda=700 \,\text{nm}\) passieren.
  • Erläutere den Zweck des Farbfilters für die Filmaufnahme.
b)
Die Strahlungsleistung, d.h. die pro Zeiteinheit emittierte Energie des Lasers, beträgt \(P_{ L }=50 \dfrac{ \text{mJ} }{ s }.\)
Berechne die Anzahl der pro Sekunde vom Laser emittierten Photonen.
c)
Das monochromatische Licht des Lasers wird zum Teil auch an der Detektorplatte reflektiert und trifft anschließend auf die Metallwand der Vakuumkammer. Durch den Photoeffekt können dort freie Elektronen erzeugt werden.
  • Gib an, welche Bedingung das Metall dafür erfüllen muss.
Das Licht zweier verschiedener Laser, die im Folgenden als Laser 1 und Laser 2 bezeichnet werden, trifft nacheinander auf die Metallwand. Beide Laser haben die gleiche Strahlungsleistung \(P_{ L }\), aber Laser 1 emittiert pro Sekunde weniger Photonen als Laser 2.
  • Entscheide begründet bei jeder der beiden Aussagen A und B, ob diese richtig bzw. falsch ist.
Aussage A: Wenn Laser 1 den Photoeffekt in der Metallwand nicht auslöst, dann löst auch Laser 2 den Photoeffekt dort nicht aus.
Aussage B: Wenn Laser 1 den Photoeffekt in der Metallwand auslöst, dann löst auch Laser 2 den Photoeffekt dort aus.
(7 + 3 + 6 Punkte)

[1] T. Juffmann et al.: „Real-time single-molecule imaging of quantum interference“, in: nature nanotechnology, Vol. 7 (2012), S.299

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