Vorschlag A – Rund ums Haar

Haare haben verschiedene Funktionen. Sie schützen vor Wärme, Kälte und gesundheitsgefährdender ultravioletter Strahlung der Sonne, dienen als Schmuck und werden als individuelles Ausdrucksmittel der Persönlichkeit eingesetzt. Die Festigkeit, Elastizität und Sprungkraft des Haares ist auf das Strukturprotein Keratin, die Grundsubstanz des Haares, zurückzuführen. Von anderen Strukturproteinen wie zum Beispiel dem Kollagen, unterscheidet sich Keratin dadurch, dass die Aminosäure Cystein in beträchtlichen Mengen enthalten ist, die die Struktur der Haare maßgeblich beeinflusst. Die Haarstruktur kann aber auch verändert werden, indem das Haar chemisch behandelt wird. Dies passiert am häufigsten bei einer Dauerwelle, durch die glattes Haar über einen längeren Zeitraum hinweg gelockt bleibt.
Für den Halt einer Frisur bei ungünstigen Witterungseinflüssen wird oft Haarspray verwendet. Haarspray enthält makromolekulare Verbindungen, die eine unsichtbare Schicht auf den Haaren bilden und so die Haarstruktur stabilisieren.
Bei Haarlosigkeit und je nach traditionellen Sitten werden Perücken getragen. Sie dienen als Haarersatz oder werden zur Kostümierung eingesetzt. Perücken lassen sich aus künstlichem oder echtem Haar herstellen.

1

Der Hauptbestandteil von menschlichem Kopfhaar ist das Strukturprotein Keratin.

Formuliere mithilfe von Material 1 einen Strukturformelausschnitt der Primärstruktur des Keratin-Proteins aus vier Aminosäure-Bausteinen, die in der in Material 1 genannten Reihenfolge vorliegen.

Erläutere allgemein das Zustandekommen der Tertiärstruktur eines Proteins in Abhängigkeit von den in der Primärstruktur vorliegenden Resten.

(8 BE)
2

Die dauerhafte Verformung der Haare vom glatten zum gewellten Haar wird als Dauerwelle bezeichnet und erfolgt in mehreren Schritten (Material 2).
Im Labor lässt sich der Vorgang der Fixierung im Reagenzglas nachbilden. Dabei lässt man stellvertretend die Aminosäure Cystein mit dem Fixiermittel reagieren.

Formuliere die Reaktionsgleichung für die Bildung einer Disulfidbrücke in Schritt 3 zwischen zwei Cystein-Molekülen unter Verwendung von Strukturformeln für die organischen Verbindungen.

Zeige anhand der wesentlichen Oxidationszahlen und der Elektronenübergänge, dass es sich um eine Redoxreaktion handelt.

(7 BE)
3

Das in Material 2 genannte Wellmittel ist meist eine alkalische Lösung, die unter anderem auch Carbonat- \((\ce{CO_3^2-})\) und Hydrogencarbonat-Ionen \((\ce{HCO3-})\) in einem bestimmten Konzentrationsverhältnis enthält, um den pH-Wert der Lösung konstant zu halten.
Entsprechende wässrige Lösungen dieser beiden Ionensorten haben eine Pufferwirkung und kommen auch in der Natur vor (Material 3).

Berechne die Konzentration an Hydroxid-Ionen in einer Wellmittel-Lösung, die einen \(pH\)-Wert von \(8,2\) aufweist.

Erkläre die Pufferwirkung einer wässrigen Lösung, die ein Gemisch aus Carbonat- und Hydrogencarbonat-Ionen enthält, auch mithilfe von Reaktionsgleichungen.

Berechne auf Grundlage von Material 3 den pH-Wert einer Pufferlösung mit \(V = 100\; \text{mL},\) in der \(0,72\; \text{g}\) Natriumhydrogencarbonat und \(1,06\; \text{g}\) Natriumcarbonat gelöst vorliegen.

(11 BE)
4

Die Verbindung Ammoniumthioglycolat ist die Hauptkomponente vieler Wellmittel (Material 4).

Formuliere für die Reaktionsschritte 1 und 2 der Herstellung von Ammoniumthioglycolat jeweils die Reaktionsgleichung unter Angabe von Strukturformeln mit bindenden und nichtbindenden Elektronenpaaren für alle Moleküle und Ionen.

Benenne für Reaktionsschritt 1 den Reaktionstyp.

Erläutere das Vorliegen einer Säure-Base-Reaktion nach Brönsted in Reaktionsschritt 2 und kennzeichne die korrespondierenden Säure-Base-Paare.

(8 BE)
5

Haarsprays enthalten verschiedene Inhaltsstoffe, unter anderem die sogenannten Filmbildner, die sich an die Haare anlagern. Filmbildner bestehen aus komplex aufgebauten makromolekularen Verbindungen. Zur Synthese dieser makromolekularen Verbindungen findet der Ester tert-Butylprop-2-enoat (Material 5) Verwendung.
Material 5 beschreibt die Synthese von tert-Butylprop-2-enoat durch säurekatalysierte Umsetzung von 2-Methylprop-1-en mit Prop-2-ensäure.

Benenne und formuliere mithilfe von Material 5 den Reaktionsmechanismus für die Bildung von tert-Butylprop-2-enoat aus Prop-2-ensäure und 2-Methylprop-1-en.

Formuliere die Strukturformel des entstehenden Nebenproduktes und begründe die Entstehung von tert-Butylprop-2-enoat als Hauptprodukt.

(9 BE)
6

Material 6 zeigt einen Makromolekül-Strukturformelausschnitt des Kunststoffs A, den ein Hersteller in seinen Kunsthaar-Perücken verwendet.

Gib für Kunststoff A die jeweilige Strukturformel der zum Makromolekül reagierenden Monomere an und benenne den Polyreaktionstyp zur Herstellung dieses Kunststoffs.

Ordne den Kunststoff begründet einer Kunststoffklasse zu und erkläre, ob man das Kunsthaar mit einem sehr heißen Hairstyling-Gerät bearbeiten sollte.

(7 BE)

Material 1

Keratin-Protein

Das Keratin-Protein besteht unter anderem aus den Bausteinen der Aminosäuren Glutaminsäure, Cystein, Tyrosin und Glycin.

Reste der Aminosäuren Glutaminsäure, Cystein, Tyrosin und Glycin

Aminosäure Rest der Aminosäure
Glutaminsäure
Glutaminsäure Aminosäure
Cystein
Cystein Aminosäure
Tyrosin
Tyrosin Aminosäure
Glycin
Glycin Aminosäure

Material 2

Dauerwelle

Soll eine Dauerwelle gemacht werden, so sind laut eines Chemie-Fachbuchs für Friseure die nachfolgend beschriebenen Arbeitsschritte zu beachten:

Schritt 1: Die Haare werden vollständig auf Lockenwickler aufgewickelt.

Schritt 2: Zunächst wird das aufgewickelte Haar mit dem Wellmittel (enthält Ammoniumthioglycolat) befeuchtet. Dies dient zur Öffnung bestehender Disulfidbrücken zwischen den Peptidsträngen des Keratins unter Bildung freier Cystein-Reste.

Schritt 3: Nach maximal 15 Minuten wird das Haar gründlich mit Wasser ausgewaschen und das Fixiermittel (enthält Wasserstoffperoxid – Formel: \(\ce{H2O2}\)) aufgetragen. Hierbei entstehen durch Verknüpfung der freien Cystein-Reste neue Disulfidbrücken. Dabei bildet sich als weiteres Reaktionsprodukt Wasser.

Material 3

Berechnungen mit der Henderson-Hasselbalch-Gleichung

Mithilfe der Henderson-Hasselbalch-Gleichung lässt sich der pH-Wert einer Pufferlösung mit bekannter Zusammensetzung berechnen.
Es gilt:
\(pH=pK_S + lg\dfrac{c(\text{A}^-)}{c(\text{HA})}\)

wobei \(\text{HA}\) und \(\text{A}^-\) für ein korrespondierendes Säure-Base-Paar stehen.
Für das Hydrogencarbonat-Ion gilt: \(pK_S(\ce{HCO3-})=10,33\)

Material 4

Struktur und Synthese einer Wellmittel-Komponente

Ammoniumthioglycolat Wellmittel-Komponente
Ammoniumthioglycolat

Die Synthese von Ammoniumthioglycolat kann durch folgende Reaktionen in zwei Schritten erfolgen:

1. Chlorethansäure wird mit Hydrogensulfid-Ionen \((\ce{HS-})\) zu einer Verbindung A und einem weiteren Produkt umgesetzt, das mit Silbernitrat-Lösung nachgewiesen werden kann.
2. Die Verbindung A reagiert mit einer Ammoniumhydroxid-Lösung zu Ammoniumthioglycolat und einem weiteren Stoff.

Material 5

Struktur und Synthese des Monomers tert-Butylprop-2-enoat

Monomer tert-Butylprop-2-enoat
Der der Synthese zugrundeliegende Reaktionsmechanismus lässt sich vereinfacht in drei aufeinanderfolgenden Schritten darstellen:
1. Protonierung des 2-Methylprop-1-en zu einem Zwischenprodukt
2. Reaktion des Zwischenproduktes mit Prop-2-ensäure
3. Deprotonierung zum tert-Butylprop-2-enoat
Im Produktgemisch lässt sich als Nebenprodukt mit deutlich geringerem Anteil ein isomerer Ester nachweisen.

Material 6

Struktur und Eigenschaften einer Kunsthaar-Perücke

Zur Herstellung von Perücken aus Kunsthaar kommen heute unterschiedliche Kunststoffe zum Einsatz. Unter anderem wird ein Kunststoff verwendet, dessen Makromoleküle im folgenden Strukturformelausschnitt dargestellt sind:

Kunsthaar-Perücken Kunststoff Polymer
Makromolekül-Strukturformelausschnitt von Kunststoff A

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