Vorschlag B – Tenside

Stoffe, mit deren Hilfe sich beim Waschen Verschmutzungen entfernen lassen, werden zusammenfassend mit dem Oberbegriff „Tenside“ bezeichnet. Im Zusammenhang mit der jeweiligen Molekülstruktur lassen sich verschiedene Arten von Tensiden unterscheiden. Das älteste in der Menschheitsgeschichte bekannte Tensid ist Seife. Seifen lassen sich mithilfe von Lauge aus Fetten herstellen, wobei die Triglyceride, aus denen die Fette zusammengesetzt sind, durch eine alkalische Hydrolyse gespalten werden. Da das Waschen mit Seife auch Nachteile mit sich bringt, werden heute in vielen Fällen stattdessen sogenannte „synthetische Tenside“ verwendet, die künstlich hergestellt werden. Neben Wasch- und Spülmitteln enthalten auch Weichspüler Tenside, durch die sich beispielsweise aus Cellulose-Fasern bestehende Handtücher nach dem Waschen weicher anfühlen. Rohstoffe für die Herstellung synthetischer Tenside können aus Erdöl gewonnen werden, jedoch kommen auch tierische und pflanzliche Fette zum Einsatz.

1

Formuliere mithilfe von Material 1 die Strukturformel eines Triglycerid-Moleküls mit allen bindenden und nicht bindenden Elektronenpaaren, an das insgesamt genau zwei Moleküle Brom addiert werden können.

Formuliere den Reaktionsmechanismus der alkalischen Hydrolyse dieses Triglycerids mit Natronlauge beispielhaft an einer der funktionellen Gruppen, wobei du an der Reaktion nicht beteiligte Bereiche einmal an der Triglycerid-Molekülstruktur definieren und nachfolgend mit „R1“, „R2“ etc. abkürzen kannst.

(7 BE)
2

Bei zwei Experimenten wird jeweils eine Base in Wasser gegeben. Im ersten Experiment wird ein Gramm festes Natriumhydroxid in so viel Wasser aufgelöst, dass 100 Milliliter Lösung entstehen. Im zweiten Experiment wird Natriumamid (\(\ce{Na^+ + NH2-}\)) in Wasser gegeben. Dabei kommt es zu einer Säure-Base-Reaktion, wobei das Protolysegleichgewicht weitgehend auf der Produktseite liegt.

Berechne den pH-Wert der im ersten Experiment entstehenden Natronlauge.

Formuliere zum zweiten Experiment die Reaktionsgleichung und prüfe am Beispiel dieser Reaktion im Zusammenhang mit dem Protolysegleichgewicht die Richtigkeit der folgenden Aussage: „Ist der pKB-Wert einer Brönsted-Base niedriger als der des Hydroxid-Ions, so liegt in einer wässrigen Lösung dieser Brönsted-Base die dazu korrespondierende Säure mit überwiegendem Anteil vor.“

(6 BE)
3

Formuliere für jede der drei in Material 2 genannten nachteiligen Eigenschaften von Seife jeweils eine Reaktionsgleichung, wobei du nicht an der Reaktion beteiligte Bereiche der Molekülstruktur jeweils wie in Material 2 mit „R“ abkürzt.

Erkläre, wie sich die Verwendung von Wasser mit sehr hohem Gehalt an \(\ce{Ca^2+}\) beim Waschen mit Seife auf den Seifenverbrauch und auf das Entfernen von Verschmutzungen aus Textilien auswirkt.

(6 BE)
4

Beschreibe mithilfe von Material 3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Struktur der zu verschiedenen „Tensid-Klassen“ gehörenden Tensid-Teilchen auch unter Berücksichtigung der Polarität.

Benenne für den in Material 3 genannten Schritt 1 den Reaktionsmechanismus und für Reaktion 2 den Reaktionstyp.

Formuliere mithilfe von Material 3 für Schritt 3 der Herstellung eines anionischen Tensids den vollständigen Reaktionsmechanismus für die Reaktion von Benzol mit einem Alken nach der Balsohn-Alkylierung und erkläre, wie \(\ce{HCl}\) dazu beiträgt, dass diese Reaktion ablaufen kann.
Hinweis:
Mesomere Grenzstrukturen sollen beim Formulieren des Reaktionsmechanismus nicht berücksichtigt werden.

(14 BE)
5

Formuliere mithilfe von Material 4 die mesomeren Grenzstrukturen für den Sigma-Komplex, der im Zuge der Entstehung von Struktur C auftritt.

Begründe, weshalb die Strukturen A und B im Produktgemisch mit höherem Anteil auftreten als die Struktur C.

Erkläre, weshalb die Sulfonierung eines Alkylbenzols schneller abläuft als die von Benzol.

(9 BE)
6

Zeichne einen Strukturformelausschnitt eines Cellulose-Makromoleküls aus drei Monomer-Bausteinen.

Benenne die Verknüpfung der Monomer-Bausteine der Cellulose.

Erkläre mithilfe von Material 5 das Zustandekommen der Trockenstarre auf Teilchenebene und wie ein kationisches Tensid die Ausbildung der Trockenstarre verhindert.

(8 BE)

Material 1

Namen verschiedener Fettsäuren

Fettsäure (Trivialname) Fettsäure (IUPAC-Nomenklatur)
Buttersäure Butansäure
Caprylsäure Octansäure
Laurinsäure
(\(\ce{C12H24O2}\))
Dodecansäure
Palmitinsäure
(\(\ce{C16H32O2}\))
Hexadecansäure
Stearinsäure
(\(\ce{C18H36O2}\))
Octadecansäure
Ölsäure
(\(\ce{C18H34O2}\))
(cis-)Octadec-9-ensäure
Linolsäure
(\(\ce{C18H32O2}\))
(cis-cis-)Octadeca-9,12-diensäure
Linolensäure
(\(\ce{C18H30O2}\))
(cis-cis-cis-)Octadeca-9,12,15-triensäure
Arachidonsäure
(\(\ce{C20H32O2}\))
(cis-cis-cis-cis-)Eicosa-5,8,11,14-tetraensäure

Material 2

Aufbau und nachteilige Eigenschaften von Seifen

Seifen sind Natrium- oder Kaliumsalze langkettiger Carbonsäuren bzw. Fettsäuren \((\ce{R-COO-
      Na+}\) oder \(\ce{R-COO- K+}).\)

Bei der Anwendung der Seifen sind im Wesentlichen folgende Eigenschaften störend:

  1. Die Seifen-Anionen reagieren in wässriger Lösung als Brönsted-Basen. Die dadurch entstehende Lauge kann Textilien und auch die menschliche Haut angreifen.
  2. Starke Säuren setzen aus den Seifen-Anionen Carbonsäuren frei. Aus diesem Grund können Seifen für stark saure Verschmutzungen, wie sie zum Beispiel häufig in der Industrie auftreten, nicht verwendet werden.
  3. Die im Wasser unter anderem vorliegenden Calcium(II)-Ionen \((\ce{Ca^2+})\) bilden mit Seifen-Anionen schwer lösliche Salze, die sogenannten Kalkseifen. Die Kalkseifen lagern sich auf Textilien ab, wodurch diese grau und hart werden.

Material 3

Formeln von Tensiden

Die chemische Industrie hat in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl verschiedener Tenside mit jeweils charakteristischen Eigenschaften entwickelt. Die vier Strukturen A, B, C und D zeigen jeweils beispielhaft eine Struktur zu vier verschiedenen „Tensid-Klassen“.

A)
Tenside Klassen Formel
B)
Tenside Klassen Formel
C)
Tenside Klassen Formel
D)
Tenside Klassen Formel

Herstellung eines anionischen Tensids

Alkylbenzolsulfonate sind häufig eingesetzte anionische Tenside. Sie können in großtechnischen Prozessen über verschiedene Reaktionsschritte hergestellt werden. Ein solcher Herstellungsweg ist folgender:

Schritt 1: Alkan + Chlor \(\longrightarrow\)
Chloralkan + Chlorwasserstoff
Schritt 2: Chloralkan \(\longrightarrow\)
Alken + Chlorwasserstoff
Schritt 3: Benzol + Alken \(\longrightarrow\) Alkylbenzol
Schritt 4: Alkylbenzol + Schwefeltrioxid \(\longrightarrow\) Alkylbenzolsulfonsäure
Schritt 5: Alkylbenzolsulfonsäure + Natronlauge
\(\longrightarrow\) Alkylbenzolsulfonat

Balsohn-Alkylierung

Schritt 3 verläuft nach der sogenannten Balsohn-Alkylierung. Dabei wird Benzol (Benzen) in Anwesenheit von \(\ce{HCl}\) und \(\ce{AlCl3}\) mit einem Alken zu einem sogenannten Alkylbenzol (Alkylbenzen) umgesetzt. Dies ist ein Stoff, bei dem ein Alkylrest an den Benzolring gebunden ist. Bei dieser Reaktion reagiert das Alken zunächst mit \(\ce{HCl}\) und \(\ce{AlCl3}.\) Dabei wird ein Carbenium-Ion gebildet, das dann mit dem Benzol weiterreagiert. Im letzten Reaktionsschritt der Balsohn-Alkylierung werden \(\ce{HCl}\) und \(\ce{AlCl3}\) wieder freigesetzt.

Formeln für den Reaktionsmechanismus:
Balsohn-Alkylierung Benzol HCl AlCl3

Material 4

Herstellung einer Alkylbenzolsulfonsäure

Lässt man ein Alkylbenzol mit Schwefeltrioxid reagieren, so können unter anderem die nachfolgend dargestellten Strukturen gebildet werden.

Herstellung einer Alkylbenzolsulfonsäure Alkylbenzol mit Schwefeltrioxid
Nachfolgend sind die Strukturen der Sigma-Komplexe dargestellt, die bei der Bildung der Strukturen A und B auftreten. Dabei ist die Stärke des Einflusses des I-Effekts der Dodecyl-Gruppe \((\ce{-C12H25})\) auf die im Ring delokalisierte positive Ladung abhängig vom Abstand zwischen ihr und der positiven Ladung. Dies beeinflusst die Stabilität des jeweiligen Sigma-Komplexes und ist daher auch grundlegend für die Tatsache, dass sich im Produktgemisch die Strukturen A und B mit deutlich höherem Anteil finden als Struktur C.

Sigma-Komplex, der bei der Bildung von Struktur A auftritt:

Herstellung Alkylbenzolsulfonsäure Sigma-Komplex

Sigma-Komplex, der bei der Bildung von Struktur B auftritt:

Herstellung Alkylbenzolsulfonsäure Sigma-Komplex

Material 5

Trockenstarre bei Baumwollhandtüchern

Baumwollhandtücher bestehen zu einem großen Teil aus Cellulose-Fasern. Lässt man gewaschene Baumwollhandtücher an der Luft trocknen, so können sich diese danach starr und hart anfühlen. Dieses Phänomen nennt man Trockenstarre.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Lufttrocknen sehr geringe Mengen Wasser zwischen den Cellulose-Fasern in den Handtüchern zurückbleiben und am Zustandekommen der Trockenstarre beteiligt sind. Die Trockenstarre lässt sich vermeiden, indem man Handtücher entweder im Wäschetrockner trocknet oder beim Waschen Weichspüler verwendet, der kationische Tenside enthält.

Beispiel für ein kationisches Tensid:

kationisches Tensid

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