Block 1
Die Frage nach Gott: Der handelnde Gott - der entschwundene Gott
Fasse die Argumentation Jürgen Moltmanns thesenartig zusammen.
Erläutere ausgehend vom Text einen dir bekannten Gottesbeweis oder eine atheistische Position näher.
Auf der Internetseite der Evangelischen Akademie im Rheinland werden die verschiedenen Gottesbeweise und ihre atheistischen Widerlegungen thematisiert. In einem Blog kann sich jeder User an der Diskussion beteiligen. Verfasse in Auseinandersetzung mit den zentralen Aussagen Jürgen Moltmanns für diesen Blog einen Beitrag, in dem du deine eigene Position zur Problematik des Textes - den Gottesbeweisen und ihren atheistischen Widerlegungen - ausführlich darstellst.
Voraussetzung der Gottesbeweise
Jürgen Moltmann (geb. 1926) gehört zu den führenden evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Bis 1994 war er Professor für Systematische Theologie an der Universität Tübingen. Die zentralen Begriffe seiner Theologie sind Hoffnung und Verantwortung.
Quelle: Jürgen Moltmann, Gottesbeweis und Gegenbeweise. In: „Das Gespräch“ Heft 46, S. 52 f., für Prüfungszwecke bearbeitet.
Jürgen Moltmann
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Gemeinsame Voraussetzung aller Gottesbeweise: Es gibt eine dem Menschen zugängliche Wirklichkeit (Welt oder menschliches Selbstbewusstsein), die mit Gott verwandt, gottgewirkt bzw. gottverbunden ist.
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Methode: ein Rückschlussverfahren – von der Wirkung auf die Ursache, vom Abbild auf das Urbild, von der Antwort auf die Frage. Diese Rückschlusslogik selbst ist nicht fraglich.
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Fraglich ist allein die Voraussetzung (das „Vorurteil“): dass Welt und Menschsein göttlich bzw. gottverbunden seien.
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Die Gottesbeweise beweisen doppelt: nicht nur „Gott aus der Welt“, sondern zugleich „Welt aus Gott“. Sie setzen eine „heile Welt“ und ein „unverlorenes Menschsein“ voraus – kosmologisch/teleologisch den Kosmos als geordnete „Gottes Welt“, anthropologisch das Menschsein als gottverantwortetes Dasein (Humanität, Personalität, Sittlichkeit).
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Der Atheismus richtet sich nicht gegen die mögliche Existenz Gottes, sondern gegen eben diese Voraussetzung – gegen die These der heilen Welt. Er geht von einer gottlosen, gottverlassenen, zerbrochenen Welt aus, in der der Mensch in totaler Freiheit Sinn und Verantwortungsinstanzen selbst setzen muss – und schließt daraus auf die Nichtexistenz Gottes.
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Beide „schwingen sich auf“: die Beweise aus der heilen Welt zu Gott, die Gegenbeweise aus der Heillosigkeit zur Nichtexistenz Gottes.
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Moltmanns eigene (eschatologische) Position: Die heile Welt der Gottesbeweise ist (noch) eine Utopie; solange die Welt nicht heil ist, beweist sie Gott nicht. Ihr „Heilwerden“ ist aber durch die Auferstehung Christi „erhoffbar“ geworden.
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Der christliche Glaube teilt weder das Weltbild der Gottesbeweise (eine die Erfüllung vorwegnehmende „Utopie der Hoffnung“) noch das des Atheismus (eine die Vernichtung vorwegnehmende „Utopie der Verzweiflung“).
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Solange die Welt geschichtlich „in Bewegung“ ist, ist „noch alles drin“ – Heil und Unheil; tragend ist die Hoffnung auf den Gott der Auferstehung und der neuen Schöpfung (Theologie der Hoffnung).
Möglichkeit A – ein Gottesbeweis (Beispiele):
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Kosmologischer Gottesbeweis (Thomas von Aquin, „quinque viae“): Alles Bewegte/Verursachte wird von einem anderen bewegt; ein unendlicher Regress ist unmöglich → es muss einen ersten unbewegten Beweger bzw. eine erste Ursache (prima causa) geben; auch das Kontingenzargument (das Zufällige verlangt ein notwendiges Sein). Bezug: Schluss von der Wirkung (Welt) auf die Ursache (Gott).
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Teleologischer Gottesbeweis (Physikotheologie, Paleys Uhrmacher-Analogie): Ordnung, Zweckmäßigkeit und Schönheit der Welt legen einen planenden Urheber nahe. Bezug zu Moltmann: beweist den „Kosmos als Gottes Welt“ und setzt eine sinnvolle, heile Welt voraus.
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Ontologischer Gottesbeweis (Anselm von Canterbury): Gott ist „das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann“; weil reale Existenz größer ist als bloß Gedachtes, muss das Vollkommenste existieren. Kritik: Kant – „Sein ist kein reales Prädikat“; Gaunilos Insel-Einwand. (Beweis aus dem Begriff/Selbstbewusstsein.)
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Allgemeine Kritik (Kant): Die klassischen Beweise sind theoretisch nicht zwingend; Kant ersetzt sie durch das Postulat Gottes der praktischen Vernunft (Moralbeweis).
Möglichkeit B – eine atheistische Position (Beispiele):
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Ludwig Feuerbach (Projektionsthese): Nicht Gott schuf den Menschen, sondern der Mensch Gott nach seinem Bilde. Gott ist die ins Unendliche gesteigerte Projektion menschlicher Wesenseigenschaften; „Theologie ist Anthropologie“. Ziel: Rücknahme der Projektion / Überwindung der Selbstentfremdung. Bezug: trifft genau Moltmanns „Voraussetzung“ – nicht ob ein Gott ist, sondern ob die Welt „aus Gott“ sei.
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Marx (Religion als „Opium des Volkes“: ideologische Vertröstung), Freud (Religion als „Illusion“ / kollektive Wunscherfüllung, Vaterprojektion), Nietzsche („Gott ist tot“: Selbstsetzung der Werte) sowie das Theodizee-/Leidargument (das Leid der „heillosen Welt“ widerspricht einem allmächtig-gütigen Gott) – Letzteres schließt direkt an Moltmanns „heillose Welt des Atheismus“ an.
Blog-Beitrag
Kann man Gott beweisen?
Blogbeitrag von [Name]
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Einstieg:
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Wenn ich die Ordnung der Natur oder einen beeindruckenden Sternenhimmel sehe, kann ich verstehen, warum Menschen darin einen Hinweis auf Gott erkennen. Gleichzeitig gibt es aber auch Kriege, Krankheiten und das Leiden unschuldiger Menschen. Deshalb stellt sich für mich die Frage: Kann man aus dieser widersprüchlichen Welt wirklich auf Gott schließen?
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Moltmanns zentrale Aussage zu den Gottesbeweisen:
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Jürgen Moltmann erklärt, dass alle Gottesbeweise eine bestimmte Voraussetzung haben: Zwischen Gott und der Welt muss eine erkennbare Verbindung bestehen.
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Man schließt zum Beispiel von der Ordnung der Welt auf einen Schöpfer oder von der Existenz der Welt auf eine erste Ursache.
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Nach Moltmann ist dabei nicht unbedingt die Logik des Rückschlusses problematisch. Fraglich ist vielmehr die Voraussetzung, dass die Welt tatsächlich auf Gott hinweist (vgl. Z. 10–16).
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Ein gläubiger Mensch kann in der Natur Gottes Wirken sehen. Ein atheistischer Mensch betrachtet dieselbe Natur und erklärt sie nur durch Naturgesetze. Beide sehen also dieselbe Welt, deuten sie aber unterschiedlich.
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Gottesbeweise sagen auch etwas über die Welt aus:
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Besonders wichtig finde ich Moltmanns Aussage, dass Gottesbeweise nicht nur „Gott aus der Welt“, sondern auch die „Welt aus Gott“ beweisen wollen (vgl. Z. 26–28).
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Wenn die Welt von Gott geschaffen wurde, erscheint sie als sinnvoll und geordnet. Auch das Leben des Menschen hätte dann einen Sinn, und der Mensch wäre Gott gegenüber verantwortlich.
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Das Problem besteht darin, dass Gottesbeweise dadurch eine grundsätzlich „heile Welt“ voraussetzen. Unsere Welt ist aber nicht nur schön und geordnet. Sie ist auch von Gewalt, Ungerechtigkeit, Krankheit und Tod geprägt.
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Die atheistische Gegenposition:
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Laut Moltmann richtet sich der Atheismus deshalb vor allem gegen die Vorstellung, unsere konkrete Welt sei „Gottes Welt“ (vgl. Z. 40–46).
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Das stärkste atheistische Argument ist für mich die Theodizeefrage: Wie kann ein guter und allmächtiger Gott so viel Leid zulassen?
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Wenn Gott helfen könnte, es aber nicht tut, scheint er nicht gut zu sein. Wenn er helfen will, es aber nicht kann, scheint er nicht allmächtig zu sein.
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Ein Teil des Leids lässt sich zwar durch die Freiheit des Menschen erklären. Kriege und Gewalt werden häufig von Menschen verursacht. Krankheiten, Naturkatastrophen oder das Leiden von Kindern lassen sich damit aber nicht erklären.
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Die Antwort, Gott habe einen geheimen Plan, überzeugt mich nicht. Sie kann das Leiden sogar verharmlosen.
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Meine Kritik an der atheistischen Widerlegung:
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Trotzdem beweist das Leid meiner Meinung nach nicht eindeutig, dass Gott nicht existiert.
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Der Atheismus deutet die Welt ebenfalls aus einer bestimmten Perspektive. Er schließt von Leid und Zerrissenheit auf die Gottlosigkeit der Welt.
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Dieser Schluss ist aber genauso wenig zwingend wie der Schluss von der Ordnung der Welt auf Gott. Das Leid widerlegt vielleicht ein zu einfaches Gottesbild, aber nicht jede mögliche Vorstellung von Gott.
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Moltmanns Hoffnungsperspektive:
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Moltmann lehnt deshalb beide Extreme ab. Die Welt ist weder schon vollkommen heil noch endgültig gottverlassen.
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Die heile Welt der Gottesbeweise nennt er eine „Utopie der Hoffnung“, die gottlose Welt des Atheismus eine „Utopie der Verzweiflung“ (vgl. Z. 71–75).
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Für den christlichen Glauben ist die Auferstehung Christi entscheidend. Sie bedeutet nicht, dass das Leid schon überwunden ist. Sie gibt aber Hoffnung darauf, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben.
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Diesen Gedanken finde ich überzeugender als einen angeblich sicheren Gottesbeweis, weil Moltmann das Leid nicht ausblendet.
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Eigene Position:
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Meiner Meinung nach lässt sich Gott weder eindeutig beweisen noch eindeutig widerlegen.
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Gottesbeweise können Hinweise geben. Die Existenz und Ordnung der Welt oder das menschliche Gewissen können auf Gott hindeuten. Sie können aber niemanden zum Glauben zwingen.
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Auch die atheistischen Gegenargumente sind wichtig, weil sie einfache und zu positive Vorstellungen von Gott kritisieren. Trotzdem können auch sie Gottes Nichtexistenz nicht sicher beweisen.
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Glaube bedeutet für mich deshalb kein sicheres Wissen, sondern begründetes Vertrauen. Dazu gehören auch Zweifel.
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Fazit:
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Moltmann zeigt meiner Meinung nach überzeugend, dass Gottesbeweise und atheistische Gegenbeweise jeweils nur einen Teil der Wirklichkeit betrachten.
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Unsere Welt enthält Schönheit und Leid, Ordnung und Chaos, Hoffnung und Verzweiflung.
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Christliche Hoffnung darf aber keine Vertröstung sein. Wer auf eine bessere Welt hofft, sollte schon heute Verantwortung übernehmen und gegen Leid und Ungerechtigkeit handeln.
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Vielleicht ist der stärkste „Gottesbeweis“ daher keine logische Formel, sondern das Handeln von Menschen, die trotz allem Hoffnung bewahren.
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Wie seht ihr das: Ist das Leid ein Beweis gegen Gott oder bleibt die Gottesfrage offen?