Block 2
Religion und ihre Vielfalt
Stelle die Hauptaussagen des Textes strukturiert mit eigenen Worten dar.
Vergleiche Merkmale und Äußerungsformen einer Religion mit denen einer Pseudoreligion am Beispiel der Gesundheitsreligion von Manfred Lütz.
Nimm kritisch Stellung zum folgenden Zitat Martin Luthers: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ Setze es in Beziehung zu deinen Arbeitsergebnissen aus den Aufgaben 1 und 2.
Der ehemalige EKD-Vorsitzende Bischof W. Huber kritisierte bereits 2008 in einer Predigt in einem ökumenischem Gottesdienst: „Kommt Gesundheit wirklich ‚vor allem’? Ist das alles, worauf es im Leben ankommt? Wo es früher um das Heil der Seele gegangen ist, gehe es heute nur noch um den heilen Körper. Doch dem ist - von uns als Kirchen - zu widersprechen: auch Leiden und Tod gehören zu unserem Leben. Wer das leugnet, verfehlt die Wirklichkeit. Es gibt keine Garantie ewiger Jugend. Und kein Mensch ist immerwährend gesund.“
Belege W. Hubers Kritik mit aktuellen gesellschaftlichen Beispielen. Leite ausgehend von deinen Beispielen Aufgaben der christlichen Kirchen in der heutigen Zeit und Gesellschaft ab! Begründe deine Auswahl.
Wolfgang Huber wurde 1994 zum evangelischen Bischof von Berlin-Brandenburg gewählt. 2003 übernahm er zusätzlich den Vorsitz im Rat der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland). Beide Ämter hatte er bis 2009 inne. Das Zitat wurde aus der Rede von W. Huber anlässlich der „Woche für das Leben zum Thema: Gesundheit – höchstes Gut?" entnommen, Quelle: https://www.ekd.de/pm90_2008_wfdl.htm (Aktualität geprüft am 14.09.2022)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 Manfred Lütz: „Bluff! Die Fälschung der Welt.“
Quelle: Lütz, Manfred, Bluff! Die Fälschung der Welt. München 2012, S. 127-131, für Prüfungszwecke bearbeitet.
petit mort, franz. Wörtlich: „kleiner Tod", in übertragenen Sinn: „Orgasmus“
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hauptaussagen des Textes
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Gesundheitsreligion unterliegt einer Täuschung (Z.1-12)
Gesundheitsreligion umfasst fortlaufend das ganze menschliche Leben (Z.13-26)
Gesundheitsreligion als Realsatire: initiierte Lachgruppen zur Förderung der Gesundheit (Lachen ist gesund) (Z. 27-34) Gesundheitsreligion entstanden durch Zweifel an Gott bzw. höheren Mächten und Zielen (Z. 35-49)
andere existenzielle Erfahrungen werden ausgeschaltet (Z. 50-58):
In den Massenmedien übertrifft die Gesundheitsreligion jegliche Reflexionen über Gott und die Welt (Z. 59-71)
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Definition des Phänomens Religion komplex und vielschichtig:
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etymologische Herleitungen weisen Gemeinsamkeit auf: insgesamt zu verstehen als dialogisches Geschehen zwischen Immanenz und Transzendenz
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Religion stellt ein klassisches Sinndeutungssystem mit Transzendenzbezug dar, sie ist eine Sinnressource, die dem Menschen in Bezug auf ein Unbedingtes, auf Letztgültiges, auf Selbst- und Weltdeutung für sein Leben zur Verfügung stellt
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leistet Antwortversuch auf existenzielle Fragen, auf die Grundfragen des menschlichen Lebens: Fragen nach dem Ursprung, dem Ziel und dem Sinn des Lebens, nach Gut und Böse, nach Tod und Vergänglichkeit
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übersteigt Lebenswirklichkeit des Menschen
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religiöse Lebensführung als Ausdruck des Glaubens
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Äußerungsformen von Religion im Vergleich zur Pseudoreligion:
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Symbole: in Symbolen öffnet sich eine neue, transzendente Wirklichkeit; oft von einer Gemeinschaft zeitüberdauernd an- und übernommen
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Gesundheitsreligion äußert sich symbolisch durch kommerzielle Bilder wie Fitnessgeräte, Bioprodukte, Wellnessprodukte, Kuren, Gesundheitspillen etc.; hiermit wird dem Menschen ein gesundes, langes und glückliches Leben bei deren Anwendung versprochen, deswegen nicht transzendent ausgerichtet; Symbole hier sehr dem Zeitgeist und Markt unterworfen, aber von Gesellschaft positiv angenommen, deswegen Verbreitung und Weiterentwicklung
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Rituale: Symbolhandlungen in allen Religionen, die als Form religiöser Kommunikation (Mensch-Gott) vollzogen und gelebt werden, kennzeichnen jede Religion; Rituale haben Antwortcharakter auf die Offenbarung; hier z. B. Sakramente als göttliche Heilsvermittlung
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Gesundheitsreligion: religiöse Vollzüge werden imitiert, wobei in der Regel der Transzendenzbezug fehlt (z. B. Sportspiele, Ehrungen, Kleidung, Regelkataloge, Ernährung; Gestaltung des Tagesablaufes, Umgang mit Körper und Psyche); der Sinn dieser Vollzüge verbleibt auf der funktionalen Ebene; Transzendenzbezug und Offenbarungsglaube werden durch das Versprechen der Selbsterlösung ersetzt.
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Mythen: Mythen geben Antwortversuche auf menschliche Kontingenzerfahrungen und -fragen in erzählerisch deutender Form; greifen dabei etwa auf Ursymbole (Feuer, Luft, Wasser, Götter etc.) zurück. Für den Menschen wird dadurch das Transzendente greifbarer und Lebenserfahrungen wie Tod und Leid werden gedeutet.
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Gesundheitsreligion: plädiert hier für eine Lebensdeutung („Gesundheit ist das höchste Gut“, „Hauptsache gesund“), die nicht zwangsläufig so aufgehen muss (nicht jeder Gesundheitsbewusste lebt automatisch besser, länger, glücklicher); verharrt mit ihren Erklärungsversuchen auf Zahlen, die andere Dimensionen ausklammern; Kontingenzbewältigung in der Form, dass dem Menschen suggeriert wird, er habe sein Leben selbst in der Hand; Existenz des Todes verschleiert und vermeintlich moralisch gewertet: jeder trage (durch unsportliches Leben) dafür die Verantwortung. Der Gegenstand der Religion ist ein von Menschen selbst kreierter, der Mensch vergöttlicht hiermit seinen Körper.
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Moral: In allen Religionen steht die Moral für die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Der Mensch muss sich vor sich selbst, der Welt und Gott verantworten und handelt entsprechend moralisch gut bzw. sündhaft (Bruch zwischen Mensch und Gott).
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Gesundheitsreligion: „moralischer Zeigefinder“ wird erhoben, um an das Gewissen des Menschen vor sich selbst und der sozialen Gruppen zu appellieren.
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Aussage des Zitates: Die Frage, woran ich mein Herz hänge, wer also mein Gott ist – diese Frage stellt sich für alle Menschen
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weiter Religionsbegriff (Tillich: Religion ist das, was mich unbedingt angeht)
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Im Großen Katechismus gehören für M. Luther Glaube und Gott zusammen („wahrer Glaube“)
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Glaube bedeutet für Luther Vertrauen in Gott für ein gelingendes Leben und Erlösung („für sein Leben Letztgültiges“)
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der Glauben an den wahren Gott steht immer in der Auseinandersetzung mit dem Widergöttlichem, dem Aberglauben (Bezug zur Kritik von M. Lützs an der Ersatzreligion Gesundheit)
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d.h. die Ersatzreligion Gesundheit ist vergänglich, anders als der Glaube an Gott
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Stellungnahme unter Bezugnahme der Ergebnisse von Aufgabe 1 und 2:
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Zeilen sind die wohl bekanntesten Worte aus Luthers Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“
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Zitat unterstreicht, dass sich der Mensch an diesem Satz selber überprüfen kann, sich orientieren und daran erinnern, was wirklich wichtig ist im Leben
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Menschen haben ein Sinnbedürfnis. Dafür gab es traditionell die Religion. Deren lebensweltliche Bedeutung ist in unserer säkularisierten Gesellschaft aber stark geschwunden
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Herz kann an Vielem hängen, an Menschen, die mir nah sind, am Leben, an Familie, Beruf, Karriere, Geld, Sport, Sex, Körperkult, u.v.m.
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übertriebene Sportbegeisterung, Gesundheitswahn und Körperkult können Gefahr laufen, eine Sucht zu entwickeln und wie Luther es sagt, zum „Gott zu werden“
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Aufforderung zur kritischen Selbstprüfung: Was ist wirklich das Fundament im Leben eines Menschen? Und was bestimmt die Richtung, in die man als Mensch geht? Ist dies wirklich der eine Gott?
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M. Lütz weist darauf hin, dass Gott an unserer Seele und unserem Körper interessiert ist – eben am ganzen Menschen
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Zitat Bischof W. Huber
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Folgende Beispiele könnten eine Rolle spielen:
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heutiger Zeitgeist: Leistungsgesellschaft und säkularisierte Gesellschaft
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Leitbilder in Medien und Werbung (medialer Körperkult)
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Körperkult in den Medien kann zu einem verzerrten Körperideal führen und riskante Trends wie das Hungern für Modelmaße oder Bodybuilding-Challenges verstärken, z. B. Germany’s Next Topmodel)
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Gesundheitswahn und Fitnesskult
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überzeichnete Selbstdarstellung auf Social Media (Instagram, TikTok, Snapchat, Twitter, YouTube und andere)
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beispielsweise Bodyshaming, womit vor allem in sozialen Netzwerken abwertende Äußerungen über das Aussehen Anderer bezeichnet werden. Der Begriff setzt sich zusammen aus Body, englisch für „Körper“ und Shaming, englisch für „Beschämung“. Verbunden sind damit oft Formen von Diskriminierung, Beleidigung, Mobbing oder Demütigung aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes einer Person.
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Defizite bei der Umsetzung der Inklusion (Gleichberechtigung, Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit)
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Tod und Sterben werden verdrängt bzw. ausgelagert in Krankenhäuser und Hospize
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Körperkult wird teilweise übertrieben und zu einer Diesseitsreligion (fehlende Transzendenz)
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Aufgaben der Kirchen heute:
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gelebtes Gebot der Nächstenliebe
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Begriff Erlösung als zentraler Begriff des Heils vermitteln und verkünden
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Verkündigung der Botschaft Jesu (Evangelium vom Glauben an Jesus Christus)
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Diakonie: Fürsorge und Fürsprache für Kranke, Behinderte und Alte, Flüchtlinge, für die Schwachen der Gesellschaft
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zentrale Aufgabe der Kirche(n), diejenigen Menschen, die nicht dem propagierten Bild von körperlicher und mentaler Fitness entsprechen, in die Mitte zu nehmen und sich um sie zu sorgen (Integration; Inklusion; Diversität)
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Kirchen unterhalten Kindergärten, Schulen, Heime, Alten- und Pflegeheime, Sozialstationen, Telefonseelsorge u.v.m.
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Seelsorge in das Zentrum des Tuns stellen
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Ganzheitliche Sicht des Menschen aus Körper und Seele (z.B. Krankenhausseelsorge)
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Gegenpol zum Körper ist der christliche Begriff der Seele (Zitat: „Heil der Seele“)
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Gesunde Beziehung zu den Menschen und Gott fördern
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Korrektiv gegen pure Leistungsgesellschaft
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Unverfügbarkeit des Lebens: Suizid, Euthanasie, Schwangerschaftsabbruch
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Förderung von solidarischem Umgang in der Gesellschaft
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Schutz der Menschenwürde aus einem christlichen Verständnis heraus
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Menschen zur Sinnfrage hinzuführen
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In der säkularen Gesellschaft für christliche Werte und Überzeugungen sowie die Botschaft von Liebe und Versöhnung einzutreten
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