Block 1
Gott und Transzendenz
Erarbeite die Religionskritik Ludwig Feuerbachs aus dem Material M 1 und formuliere diese thesenartig.
Entfalte die in M 1 nicht namentlich genannte, aber von L. Feuerbach entwickelte Projektionsthese, wonach Gott nichts anderes als ein menschliches Konstrukt darstellt.
Lies M 2 Exodus 32, 1–20. Stelle den Gedankengang der Erzählung zusammenfassend dar und setze ihn in Beziehung zur Projektionsthese.
Der Philosoph Eduard von Hartmann (1842–1906) bemerkte: „Nun ist es ganz richtig, dass darum etwas noch nicht existiert, weil man es wünscht; aber es ist nicht richtig, dass darum etwas nicht existieren könne, weil man es wünscht.“ Diskutiere den Inhalt und die theologischen Konsequenzen dieses Zitates. Setze es in Bezug zu den Thesen L. Feuerbachs und formuliere einen eigenen Standpunkt.
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Ludwig Feuerbach (1804–1872) gilt als wichtigster Begründer der neuzeitlichen Religionskritik. Seine sogenannte „Projektionstheorie“ wurde von vielen späteren Religionskritikern aufgenommen und erweitert.
Homo homini deus est = lat.: Der Mensch ist des Menschen Gott.
Quelle: Feuerbach, Ludwig: Das Wesen der Religion. (1841) hier: ausgewählte Texte zur Religionsphilosophie.
Hrsg. und eingeleitet von Albert Esser. Heidelberg 1983 (für Prüfungszwecke bearbeitet und gekürzt).
M 2 Exodus 32, 1–20
Quelle: https://www.bibleserver.com/LUT/2.Mose32, Text hier in der Übersetzung der Lutherbibel von 2017.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Mögliche Thesen
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Religion ist im umfassenden Sinn Ausdruck des menschlichen Wesens und des menschlichen Wollens.
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Feuerbachs Anspruch ist es, diesen Zusammenhang aufzudecken. Er will der Religion „die Augen öffnen“.
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Religion ist das erste (wichtigste), indirekte Selbstbewusstsein des Menschen.
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Religion geht daher in der Geschichte immer der Philosophie voran, denn sie entspricht dem kindlichen Sein des Menschen, das sich selbst nur im anderen Wesen erkennen kann.
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Eine Erkenntnis über sich selbst zu gewinnen, gelingt nur, wenn der Mensch (gleich einem Kind) sein eigenes Wesen erst nach außerhalb verlegt, um es erst daran anschließend in sich zu finden.
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Religion muss diesen Zusammenhang erkennen: dasjenige, was als das ganz Andere, das Objektive galt (Gott) ist immer Ausdruck des menschlichen Wesens, ist subjektiv.
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Im Begriff Gott vergegenständlicht der Mensch sich selbst, betet sich selbst an.
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Dies zu erkennen und zu verdeutlichen ist der Anspruch an den Fortschritt innerhalb der Religion.
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Feuerbach will die Religion nicht (nur) verneinen, er will ihre Wahrheit erkennbar machen.
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Religionen sind und bleiben „heilig“ als Ausdruck des ersten Selbstbewusstseins des Menschen.
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Aber es muss gelingen, das bisher „Erste“ (Gott), als das eigentlich „Zweite“ (das abgeleitete Wesen des Menschen) zu setzen.
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Der Mensch muss daher zum „Ersten“ werden.
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Die Liebe des Menschen zu sich selbst und zu allen anderen Menschen muss zur ursprünglichen Liebe werden. (Ohne „Umweg“ über die Liebe zu Gott.)
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Das Wesen des Menschen ist das höchste, daher muss der Mensch dem Menschen zum Gott werden. (Homo homini deus est; Anthropologie statt Theologie)
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Das Leben und Handeln aller Menschen an sich und an ihren Nächsten ist Religion, ist dem Wesen nach göttlicher Natur.
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Durch selbstbewusste Vernunft muss die „grundverderbliche“ Illusion der Religion beseitigt werden.
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Die fehlende Einsicht in das Wesen des Glaubens an Gott und in dessen illusorischen Charakter bringt den Menschen von seinen eigentlichen Möglichkeiten ab, z.B. die Wahrheit, die Tugend und den Sinn der Liebe zu erkennen.
Inhalt der Projektionsthese
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Religion ist etwas Subjektives: nämlich eine Projektion des menschlichen Wesens nach außen (bzw. oben).
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Religion ist daher rein anthropologisch zu interpretieren: „Du glaubst an die Liebe als eine göttliche Eigenschaft, weil du selbst liebst, du glaubst, dass Gott ein weises, ein gütiges Wesen ist, weil du nichts Besseres von dir kennst als Güte und Verstand, und du glaubst, dass Gott existiert, dass er also Subjekt ist … weil du selbst existierst, selbst Subjekt bist.“
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In Sätzen wie „Gott ist Liebe, ist Weisheit, ist gütig“ entäußert sich der Mensch, projiziert seine eigenen Fähigkeiten, Wünsche und Hoffnungen.
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Das Subjekt wird zum Prädikat bzw. Prädikatsnomen und das Prädikat zum Subjekt (z.B. Gott ist Liebe – Liebe ist göttlich).
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Religion hat ihre Wahrheit darin, dass hier das Wesen des Menschen (als Gattung) charakterisiert, dass also die menschliche „Göttlichkeit“ beschrieben wird.
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Der Fehler liegt (nach L. Feuerbach) darin, dass sie dieses Wesen aus sich selbst heraus auf ein anderes, jenseitiges Wesen projiziert.
Hinweise zu möglichen Inhalten
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Mose hat die aus der Fremdherrschaft Ägyptens erretteten Israeliten verlassen, um auf den Berg Sinai zu steigen. Die Gruppe zeigt wenig Vertrauen in seine Botschaft und darauf, dass er zurückkehren wird und fordert Aaron auf, ihnen „Götter“ zu machen, die „vor ihnen hergehen“ sollen.
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Aaron bittet alle, ihm das Gold ihres Schmuckes zu übergeben und formt daraus ein goldenes Kalb, was durch die Israeliten als Abbild des sie rettenden Gottes/der Götter Israels begrüßt wird. Am folgenden Tag soll ein Fest zu Ehren des „Herrn“ gefeiert werden, wobei Brand- und Dankopfer gebracht werden und lustvoll gefeiert wird.
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In der Begegnung Gottes mit Mose wird dieses Tun als „schändlich“ und undankbar gekennzeichnet. Gott nennt die Israeliten ein „halsstarriges“ Volk, das er hart bestrafen wird für ihr Fehlverhalten.
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In den Versen 11–14 wird monologartig die „Gegenrede“ von Mose wiedergegeben, der Gott von seinem Zorn abzubringen versucht. Seine Argumente beziehen sich sowohl auf das unmittelbar zurückliegende Errettungsgeschehen in Ägypten als auch auf die Verheißung und den Bund Gottes mit den Vorvätern. Gott nimmt die Drohungen daraufhin zurück.
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Mose hat auf dem Berg von Gott die Tafeln mit den Gesetzen des Dekalogs erhalten – hier wird die direkte „Einwirkung“ Gottes betont – es ist Gottes Schrift, er hat sie selbst gemacht. Beim Anblick des „goldenen Kalbs“ und des Festes zerbricht Mose die Tafeln, zerstört das Standbild und lässt es von den Israeliten trinken.
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Bezüge zur Projektionsthese: Die Israeliten fordern einen „bildhaften“ Gott; das Abbild Gottes entsteht durch etwas, was die Menschen von sich „abgeben“. Gott spricht und schreibt, tritt in direkten Kontakt – er muss also rein anthropologisch gedeutet werden. Das Abbild bzw. die Projektion Gottes wird zerstört – der „selbstgemachte“ Gott wird durch die Menschen zurückgenommen.
Teilthese 1: die Existenz einer Entität kann nicht dadurch bewiesen bzw. angenommen werden, dass der Mensch sich diese wünscht.
Teilthese 2: Aber ebenso richtig ist, dass die Nichtexistenz einer Wesenheit nicht daraus erwächst, dass der Mensch diese erhofft.
E. von Hartmann bezieht sich hier klar kritisch auf die Projektionsthese L. Feuerbachs, deren Kern, also die anthropologische Deutung der Gottesvorstellung er nicht grundsätzlich infrage stellt bzw. ablehnt. Aber die von L. Feuerbach und anderen daraus abgeleitete Schlussfolgerung, dass die Projektion menschlicher Wesensmerkmale, menschlicher Wünsche und Hoffnungen auf Gott dessen Existenz bzw. Nichtexistenz beträfe, die lehnt er ab und will so die Gottesfrage „offen“ halten. Diese differenzierte Haltung gegenüber L. Feuerbachs Religionskritik muss durch den Prüfling erfasst, geprüft und gewertet werden.
Die geforderte Stellungnahme sollte sich auf beide Teilthesen beziehen und verdeutlichen, inwieweit persönlicher Glaube und individuelle Gottesvorstellung hiervon beeinflusst sind bzw. ob dies überhaupt der Fall ist.