Lerninhalte in Physik
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HT 1

Interferenz von Wasser-, Licht- und Materiewellen

Teilaufgabe 1: Interferenz von Wasserwellen
Mit einer Wellenwanne werden Wasserwellen untersucht. Dazu erzeugen zwei punktförmige Erreger in den Punkten \(E_1\) und \(E_2\) kreisförmige Wellen. Die beiden Erreger schwingen gleichphasig mit derselben Frequenz \(f\) und derselben Amplitude \(A\). Abbildung 1 zeigt schematisch die Wellenfronten von Wellenbergen und Wellentälern zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Interferenzen von Wasserwellen
Abbildung 1: Momentaufnahme des Wellenfeldes
Wellenberge sind durch eine durchgezogene schwarze Linie gekennzeichnet, Wellentäler durch eine gestrichelte Linie.
Die von den beiden Erregern erzeugten Wasserwellen haben die Wellenlänge \(\lambda=2,0 \,\text{cm}\) und die Ausbreitungsgeschwindigkeit \(c=16 \;\dfrac{ \text{cm} }{ \text s }.\)
a)
Berechne die Frequenz \(f,\) mit der die beiden Erreger schwingen.
b)
  • Bestimme den Gangunterschied \(\Delta s\) im Punkt \(P.\)
  • Gib die Bedeutung der eingezeichneten Linie \(a\) in Bezug auf den Begriff „Gangunterschied“ an.
Der Punkt \(P\) liegt auf einer nicht eingezeichneten Linie \(b\) mit einer ähnlichen Bedeutung in Bezug auf den Begriff „Gangunterschied“.
  • Zeichne in Abbildung 1 die entsprechende Linie \(b\) ein.
  • Erläutere allgemein und mit Bezug auf die beiden Linien \(a\) und \(b\) die Begriffe „konstruktive“ und „destruktive Interferenz“.
(2 + 11 Punkte)
Teilaufgabe 2: Interferenz von Lichtwellen
a)
Abbildung 2 zeigt einen Versuchsaufbau, in dem ein Doppelspalt mit Spaltabstand \(g\) durch das Licht eines Lasers ausgeleuchtet wird. Auf einem Schirm im Abstand \(a\) zum Doppelspalt ist ein Interferenzmuster zu erkennen.
nrw physik abi 2022 gk ht 1 abbildung 2 versuch zur interferenz von lichtwellen
Abbildung 2: Versuch zur Interferenz von Lichtwellen
  • Nenne die Aussagen des Huygens'schen Prinzips.
  • Erkläre mithilfe des Huygens'schen Prinzips die Entstehung des Interferenzmusters auf dem Schirm.
b)
Für den Winkel \(\alpha_n\), unter dem das Maximum \(n\)-ter Ordnung beobachtet werden kann, sind die beiden folgenden Gleichungen von Bedeutung:
\(
    g \cdot \sin \left(\alpha_{ n }\right)=n \cdot \lambda\) und \(\tan \left(\alpha_{ n }\right)=\dfrac{d_{ n }}{a}
    \)
Dabei bezeichnet \(d_{ n }\) den Abstand des Maximums \(n\)-ter Ordnung von dem Maximum nullter Ordnung.
Erläutere beide Gleichungen mithilfe einer oder mehrerer aussagekräftiger Skizzen, wobei du insbesondere den Gangunterschied \(\Delta s\) kennzeichnest.
c)
Der Laser in Abbildung 2 sendet monochromatisches Licht unbekannter Wellenlänge \(\lambda\) aus. Der Abstand der beiden Spaltmitten beträgt \(g=0,50 \,\text{mm}\) und der Abstand des Schirms von dem Doppelspalt beträgt \(a=4,5 \,\text m\). Der Abstand der beiden Maxima erster Ordnung beträgt \(d=1,1\,\text{cm}.\)
Bestimme mithilfe der in Aufgabenteil b) genannten Gleichungen die Wellenlänge \(\lambda\) des Lasers.
d)
Der Doppelspalt wird nun durch ein Beugungsgitter ersetzt. Anstelle einer monochromatischen Lichtquelle wird eine Glühlampe verwendet. Abbildung 3 zeigt das auf dem Schirm zu beobachtende Interferenzmuster.
nrw abi physik gk 2022 ht 1 abbildung 3 interferenzmuster bei verwendung eines gitters und einer glühlampe
Abbildung 3: Interferenzmuster bei Verwendung eines Gitters und einer Glühlampe
(Quelle: www.mabo-physik.de/doppelspalt_und_gitter.html (Zugriff: 17.05.2021))
Begründe, weshalb das weiße Licht der Glühlampe durch ein Beugungsgitter in ein Farbspektrum aufgespalten wird.
e)
In Abbildung 3 erkennt man, dass sich das Farbspektrum erster Ordnung nicht mit dem Farbspektrum zweiter Ordnung überlagert. Zwischen dem Farbspektrum zweiter Ordnung und dem dritter Ordnung beobachtet man hingegen eine Überlagerung.
  • Gib allgemein die Bedingung dafür an, dass es zu einer derartigen Überlagerung kommt.
Misst man in dem dunklen Bereich zwischen dem Spektrum erster Ordnung und dem Spektrum zweiter Ordnung die Intensität der dort auftreffenden Strahlung mit einem speziellen Messgerät, so zeigt dieses eine deutlich von null abweichende Intensität an.
  • Interpretiere dieses Messergebnis.
(6 + 5 + 3 + 3 + 5 Punkte)
Teilaufgabe 3: Interferenz von Materiewellen
Gemäß der De-Broglie-Hypothese kann man Elektronen, die sich mit der Geschwindigkeit \(v\) bewegen, die Wellenlänge \(\lambda=\dfrac{h}{{m_\mathrm{e}} \cdot v}\) zuordnen, wobei \(h\) das Planck'sche Wirkungsquantum und \(m_{\mathrm{e}}\) die Elektronenmasse bezeichnen. In einer Simulation ist ein Strahl von Elektronen, die aus der Ruhe heraus eine Beschleunigungsspannung von \(U_{ B }=1,0 \,\text{kV}\) durchlaufen, senkrecht auf einen Doppelspalt mit dem Spaltabstand \(g=1,0 \,\mu\text{m}\) gerichtet.
a)
Die Geschwindigkeit der Elektronen nach Durchlaufen der Beschleunigungsspannung \(U_{ B }\) kann mithilfe des Zusammenhangs \(v=\sqrt{\dfrac{2 \cdot \mathrm e \cdot U_{ B }}{m_{ \mathrm e }}}\) berechnet werden.
  • Leite diesen Zusammenhang, ausgehend von einem Energieansatz, her.
Auf einem Schirm im Abstand \(a=3,0 \,\mathrm m\) vom Doppelspalt kann ein Interferenzmuster beobachtet werden. Abbildung 4 zeigt das Ergebnis einer Simulation, nachdem 1000 Elektronen den Schirm erreicht haben. Der Doppelspalt ist nicht maßstabsgerecht und bezogen auf den abgebildeten Maßstab deutlich vergrößert dargestellt.
nrw abi physik gk ht 1 2022 teilaufgabe 2 abbildung 4 simulation zum doppelspaltexperiment mit elektronen
Abbildung 4: Simulation zum Doppelspaltexperiment mit Elektronen
  • Begründe anhand einer geeigneten Rechnung, dass das Interferenzmuster auf dem Schirm stark vergrößert dargestellt ist. [Zwischenergebnis zum Weiterrechnen: Die Wellenlänge der Elektronen beträgt \(\lambda=3,9 \cdot 10^{-11} \mathrm m .]\)
b)
Der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman schreibt zum Verhalten von Elektronen:
„So ging man früher davon aus, das Elektron beispielsweise verhalte sich wie ein [klassisches] Teilchen, doch dann fand man heraus, in vieler Hinsicht verhält es sich wie eine [klassische] Welle. In Wirklichkeit verhält es sich also wie keines von beiden. Mittlerweile haben wir es aufgegeben. Wir sagen: ‚Es ist wie keines von beidem.‘”[1]
Erläutere die Aussage von Richard Feynman unter besonderer Berücksichtigung des Verhaltens von klassischen Teilchen bzw. klassischen Wellen am Doppelspalt.
c)
Anstelle eines Strahls von Elektronen wird nun ein Strahl von Photonen der gleichen Energie auf den Doppelspalt gerichtet.
Entscheide anhand einer geeigneten Rechnung, ob sich der Abstand \(d_1\) des Maximums erster Ordnung von dem Maximum nullter Ordnung vergrößert.
(7 + 4 + 4 Punkte)

[1] Richard P. Feynman: „Sechs physikalische Fingerübungen“, Piper München Zürich, S.176

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