HT 3
Zeitdilatation am Beispiel der Lichtuhr
Die Spezielle Relativitätstheorie (SRT) wurde im Jahre 1905 von Albert Einstein begründet, insbesondere um verschiedene Phänomene im Bereich des Elektromagnetismus zu erklären. Die SRT hat weitreichende Konsequenzen für die gesamte Physik, auch im Bereich der Kinematik. Zu diesen Konsequenzen gehört die sogenannte „Zeitdilatation“.Teilaufgabe 1: Gedankenexperiment „Lichtuhr“
a)
Beim Erkenntnisgewinn wird in der SRT häufig auf Realexperimente verzichtet.
Die hier vorgestellte Lichtuhr besteht aus zwei planparallelen Spiegeln mit festem Abstand
und einer im Bezugssystem der Spiegel ruhenden Uhr als Zeitmessgerät. Licht bewegt sich zwischen den beiden Spiegeln hin und her, und die Uhr wird genutzt, um die Laufzeiten des Lichts zwischen den Spiegeln im Ruhebezugssystem zu messen (siehe Abbildung 1 (links)).
bewegen. (Diese Bewegungsrichtung soll aus Sicht des ersten Bezugssystems senkrecht zur Bewegungsrichtung des Lichtstrahls verlaufen.) In diesem zweiten Bezugssystem bilden die Hinund Rückwege des Lichts eine Zickzacklinie (siehe Abbildung 1 (rechts)).
(wofür das Licht die Zeit
benötigen würde), sondern die Länge
(wofür es die Zeit
benötigt), da sich die Spiegel in diesem Bezugssystem in Bewegung befinden (siehe Abbildung 2).
Die Größen
und
erfüllen die folgenden Gleichungen:
- Erläutere, warum im Rahmen der SRT häufig auf Realexperimente verzichtet wird.
Die hier vorgestellte Lichtuhr besteht aus zwei planparallelen Spiegeln mit festem Abstand
Abbildung 1: Lichtuhr mit Lichtstrahl in zwei verschiedenen Bezugssystemen
- Berechne die Zeit
die das Licht von einem zum anderen Spiegel für den Fall
benötigt. Hinweis: Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beträgt etwa
- Erkläre, warum der Abstand L zwischen den Spiegeln in beiden Bezugssystemen gleich groß ist, trotz der Relativität von Längen in der SRT.
Abbildung 2: Lichtuhr im zweiten Bezugssystem, in dem sich die Spiegel geradlinig gleichförmig bewegen
- Begründe mithilfe von Abbildung 2 die Gültigkeit der linken Gleichung.
- Begründe diese Aussage.
b)
Ausgehend von diesen drei Gleichungen lässt sich mit einigen Umformungen die folgende Formel der Zeitdilatation ableiten:
Ist somit eine Zeit
im Ruhebezugssystem der Lichtuhr gegeben, lässt sich die Zeit
in einem Bezugssystem berechnen, das sich relativ zum Ruhebezugssystem mit der Geschwindigkeit
bewegt.
- Berechne
für den Fall
und
- Zeige anhand eines Beispiels, dass für hinreichend kleine Geschwindigkeiten näherungsweise
gilt.
- Begründe, dass
für jede Geschwindigkeit
größer oder gleich
ist.
(13 + 10 Punkte)
Teilaufgabe 2: Zeitdilatation und Längenkontraktion in der SRT
a)
Auf einer im Ruhebezugssystem einer Raumstation unbewegten Uhr sollen 2,0 Minuten vergehen (siehe Abbildung 3). Aus Sicht des Ruhebezugssystems einer Rakete, die sich mit einer konstanten Geschwindigkeit
relativ zur Raumstation bewegt, sollen währenddessen 4,0 Minuten vergehen.
Die Geschwindigkeit soll nun weiterhin
betragen, allerdings sollen nun, anders als zuvor, auf einer im Ruhebezugssystem der Rakete ruhenden Uhr 4,0 Minuten vergehen (siehe Abbildung 4).
- Berechne die Relativgeschwindigkeit
Abbildung 3: Zeitdilatation im Weltraum
Abbildung 4: Zeitdilatation, anders
- Entscheide anhand der folgenden Alternativen, wie viel Zeit währenddessen aus Sicht der Raumstation (also in deren Ruhebezugssystem) vergeht:
- Beurteile, welche der beiden Uhren aus Sicht der Rakete als erstes auf „0:01 Uhr“ umspringen wird.
b)
Neben der Zeitdilatation ist die Längenkontraktion eine weitere, für die Kinematik bedeutsame Konsequenz der SRT.
Wird beispielsweise die Entfernung zwischen vorderem und hinterem Ende der Rakete gemessen, so ergibt sich im Ruhebezugssystem der Rakete die sogenannte Ruhelänge
. Im Ruhebezugssystem der Raumstation dagegen wird zwischen vorderem und hinterem Ende der Rakete eine kürzere Länge
gemessen.
und die Geschwindigkeit
betragen.
Wird beispielsweise die Entfernung zwischen vorderem und hinterem Ende der Rakete gemessen, so ergibt sich im Ruhebezugssystem der Rakete die sogenannte Ruhelänge
- Entscheide, welche der folgenden Formeln den Zusammenhang zwischen
- Berechne die Länge
der Rakete im Bezugssystem der Raumstation.
- Erläutere den Einfluss dieser Annahme auf das Ausmaß der Längenkontraktion.
(10 + 10 Punkte)
Teilaufgabe 3: Zeitdilatation in der Technik
Erkenntnisse der SRT sind nicht nur bei klassischen Realexperimenten zu berücksichtigen, etwa beim Verständnis verschiedener Experimente mit Teilchenbeschleunigern, sondern auch bei komplexen technischen Systemen wie etwa Satellitennavigationssystemen.
- Gib zwei weitere Realexperimente an, für deren Verständnis Ergebnisse der SRT zu berücksichtigen sind.
- Erkläre qualitativ, warum solche Navigationssysteme zwingend das Phänomen der Zeitdilatation berücksichtigen müssen.
- Stelle dar, wieso das Signal von vier anstelle von drei GPS-Satelliten präzisere Zeitmessungen am Ort des Empfängers ermöglicht.
(7 Punkte)
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a)
In der Speziellen Relativitätstheorie (SRT) wird oft auf Realexperimente verzichtet, da Phänomene bei extremen Geschwindigkeiten oder Energien auftreten, die schwer zu reproduzieren sind. Experimente erfordern hohe Kosten und komplexe Technologie, während einige SRT-Effekte sehr klein und schwer messbar sind.
Für die Zeit
gilt:
Der Abstand
zwischen den Spiegeln bleibt in beiden Bezugssystemen gleich, da die Längenkontraktion in der Speziellen Relativitätstheorie nur entlang der Relativgeschwindigkeit auftritt. Wenn sich die Spiegel und der Lichtstrahl senkrecht zur Bewegungsrichtung bewegen, ist die Relativgeschwindigkeit in dieser Richtung null. Das bedeutet, dass es keine Längenkontraktion in der Richtung gibt, in der sich die Spiegel voneinander entfernen oder annähern, und somit bleibt
unverändert.
Die Strecken
bilden ein rechtwinkliges Dreieck mit der Hypotenuse
. Mit dem Satz des Pythagoras folgt:
An den Gleichungen
und
ist zu sehen, dass die Lichtgeschwindigkeit sowohl für bewegte als auch für ruhende Beobachter gleich
ist. Diese Gleichungen setzen somit das Einsteinsche Postulat der "Konstanz der Lichtgeschwindigkeit" voraus, da es besagt, dass die Lichtgeschwindigkeit in jedem Inertialsystem immer denselben konstanten Wert
hat.
b)
Teillösung 2: Zeitdilatation und Längenkontraktion in der SRT
a)
Einsetzen der Werte liefert:
Die Rakete ist nun in Bewegung mit
so dass
ist. Die Raumstation ruht, so dass
ist. Aus Sicht der Raumstation vergeht die Zeit
Für die Zeit der ruhenden Uhr (Rakete)
gilt:
Die Zeit der ruhenden Uhr vergeht schneller als die Zeit der bewegten Uhr. Das bedeutet, dass aus der Sicht der Rakete (in Ruhe) vergeht die Zeit im Raumschiff (in Bewegung mit
) langsamer. Die Uhr der Rakete springt aus Sicht der Rakete als erstes Auf
Uhr um.
b)
Für bewegte Beobachter sind Strecken verkürzt. Den Zusammenhang zwischen
und
beschreibt folgende Formel korrekt:
Für die Länge
der Rakete im Bezugssystem der Raumstation gilt:
Die Annahme, dass die Rakete von Beginn an in entgegengesetzter Richtung fliegt, hat keinen Einfluss auf das Ausmaß der Längenkontraktion. Diese hängt allein von der Geschwindigkeit des Beobachters relativ zur bewegten Länge ab und nicht von der Bewegungsrichtung. Geschwindigkeiten werden in der Längenkontraktionsformel quadriert, weshalb Vorzeichen keine Rolle spielen:
Teillösung 3: Zeitdilatation in der Technik
1. Das Michelson-Morley-Experiment:
Dieses Experiment sollte die Existenz des Äthers, eines hypothetischen Mediums, das als Ausbreitungsmedium für elektromagnetische Wellen vorgeschlagen wurde, nachweisen. Die negative Ergebnisse dieses Experiments waren ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der SRT, da sie darauf hinwiesen, dass die Geschwindigkeit des Lichts in jedem Inertialsystem konstant ist.
2. Neutrino-Oszillationen in Teilchenphysik-Experimenten:
Experimente zur Neutrino-Oszillation, wie beispielsweise das Super-Kamiokande-Experiment, haben gezeigt, dass Neutrinos verschiedene Massenzustände haben und zwischen ihnen wechseln können. Dieses Phänomen kann nur durch die SRT erklärt werden, die besagt, dass Teilchen mit Masse bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit relativistische Effekte zeigen, wie zum Beispiel die Zeitdilatation, die bei Neutrinos beobachtet wird.
Zeitdilatationsberücksichtigung
Navigationssysteme wie GPS müssen die Zeitdilatation berücksichtigen, da sich die Satelliten, die die Signale aussenden, mit hoher Geschwindigkeit durch den Raum bewegen. Dies führt dazu, dass die Zeit für diese Satelliten im Vergleich zur Zeit auf der Erdoberfläche langsamer vergeht, wie es die Spezielle Relativitätstheorie (SRT) vorhersagt. Wenn dieses Phänomen nicht berücksichtigt wird, führt es zu Abweichungen in den Signallaufzeiten, die wiederum die Genauigkeit der Positionsbestimmung beeinträchtigen.
Verbesserung der Zeitmessung durch vier GPS-Satelliten
Durch das Signal von vier statt drei GPS-Satelliten kann der Empfänger nicht nur seine Position genauer bestimmen, sondern auch die Genauigkeit seiner internen Uhr verbessern. Dies geschieht, indem die Laufzeiten der Signale von vier Satelliten gemessen werden, was eine genauere Zeitsynchronisation ermöglicht. Dadurch werden Fehler in der internen Uhr des Empfängers korrigiert und die gesamte Zeitmessung präziser, was für genaue Positionsbestimmungen von entscheidender Bedeutung ist.