HT 3
Interferenz von Fullerenen
Fullerene, wie z. B. Moleküle, bestehen aus Kohlenstoffatomen und sind relativ massereiche Quantenobjekte. Im Jahr 1999 gelang es einer Forschergruppe, Interferenzerscheinungen auch bei Fullerenen nachzuweisen.
Im Experiment aus dem Jahre 1999 trifft ein Strahl von Molekülen auf eine Interferenzanordnung. In Material 1 ist unter anderem der prinzipielle Aufbau des Experiments dargestellt.
Berechne die mittlere de-Broglie-Wellenlänge der Moleküle aus den Versuchsdaten in Material 1.
[Kontrollwert: ]
Ermittle diese Wellenlänge mithilfe der Messdaten von Abbildung 3 (Material 2).
[Kontrollwert: ]
Berechne die prozentuale Abweichung deines Ergebnisses aus Teilaufgabe b) von dem aus Teilaufgabe a) und gib eine mögliche Ursache für Abweichungen an.
Begründe rechnerisch, dass der mittlere Abstand zweier aufeinanderfolgender Moleküle theoretisch ca. Meter beträgt (Material 1).
Es befindet sich jeweils nur ein einzelnes Molekül zu jedem Zeitpunkt in der Messapparatur und somit trifft jeweils nur ein Molekül zur gleichen Zeit auf das Gitter. Erläutere einen grundlegenden Aspekt der Quantentheorie, der hiermit experimentell bestätigt wurde.
Im Jahr 2003 wurde das Experiment bei prinzipiell gleichem Versuchsaufbau wiederholt. Neben weiteren Verbesserungen des Aufbaus konnte auch die Ofentemperatur variiert werden. Die Größe der Öffnung des Ofens wurde nicht verändert. Die Einflüsse der Ofentemperatur auf den Strahl von Molekülen sind in Material 1 aufgeführt.
Erkläre anhand zweier Eigenschaften des Diagramms in Abbildung 4, dass bei der Messung von 2003 eine geringere Ofentemperatur als 1999 (Abbildung 3) verwendet wurde.
Verfasse mithilfe von Material 4 einen Forumsbeitrag, welcher als Gegenposition zu der wissenschaftskritischen Aussage aus Material 3 veröffentlicht werden könnte.
Material 1: Experiment von 1999

Abbildung 1: Vereinfachter schematischer Versuchsaufbau, wobei das Gitter wie ein Doppelspalt betrachtet werden kann
Informationen zum Versuchsaufbau von 1999 mit 
Molekülen:
Der Ausgangsstoff Graphit zur Erzeugung der Fullerene liegt bei Raumtemperatur als Feststoff vor. Vereinfacht betrachtet wird diesem Feststoff im Ofen Energie zugeführt, wodurch Atome aus dem Atomgitter herausgelöst werden, die sich in Folgeprozessen zu Molekülen verbinden. Die
Moleküle besitzen eine breite Geschwindigkeitsverteilung.
Die mittlere Geschwindigkeit der Moleküle steigt mit zunehmender Ofentemperatur. Durch die Öffnung an der Stirnseite des Ofens treten
Moleküle aus. Mithilfe der Blende entsteht ein Strahl, dessen Intensität ebenfalls mit zunehmender Ofentemperatur steigt. Ein Gitter besteht aus vielen nebeneinander angeordneten Einzelspalten. Das Gitter kann hier wie ein Doppelspalt behandelt werden. Die Maxima und Minima liegen an denselben Stellen. Durch die Verschiebung des Detektors ist eine ortsaufgelöste Messung der
Moleküle hinter dem Gitter möglich.
Versuchsdaten von 1999:
-
Masse eines
Moleküls:
-
Durchmesser eines
Moleküls:
-
Ofentemperatur:
-
mittlere Geschwindigkeit der
Moleküle:
-
mittlerer Zeitabstand zweier hintereinander aus dem Ofen austretender
Moleküle:
-
Spaltmittenabstand benachbarter Spalte des Doppelspalts (vereinfacht statt eines Gitters):
-
Abstand Gitter–Detektor:

Abbildung 2: Molekül
Material 2: Interferenzbilder der Experimente von 1999 und 2003
Beide Diagramme geben jeweils die Anzahl der Zählerereignisse des Detektors an einer bestimmten Position während einer festgelegten Zeit an. Die Position des Detektors variiert parallel zur Gitterebene wie in Material 1, Abbildung 1 dargestellt.
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Interferenzbild der Messung von 1999 |
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Abbildung 3: Interferenzbild der Messung von 1999 |
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Interferenzbild der Messung von 2003 |
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Abbildung 4: Interferenzbild der Messung von 2003 mit geringerer Ofentemperatur als 1999 |
Material 3: Möglicher Forumsbeitrag zu „Grenzen der Quantenphysik“
Ein möglicher Beitrag einer wissenschaftskritischen Person zum Thema „Grenzen der Quantenphysik" könnte sein:
„Es wurden in den letzten Jahrzehnten Interferenzversuche mit immer größeren Quantenobjekten durchgeführt, um die Grenzen der Gesetze der Quantenphysik auszuloten. Ich finde, das ganze Geld für die physikalische Grundlagenforschung sollte man sparen oder z. B. in den Ausbau von Schulen stecken, denn davon haben Menschen etwas."
Material 4: Was haben quantenphysikalische Anwendungen mit Grundlagenforschung zu tun?
Alles. Es gibt keine technologische Innovation ohne das Fundament der Grundlagenforschung. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft um die Rolle der Grundlagenforschung für Innovationen weiß. Aber es ist auch wichtig, dass wir in der Grundlagenforschung sehen, dass das, was wir tun, eine Wirkung haben kann. Es gibt noch eine Menge zu entdecken. Etwa, wie man ein einzelnes Teilchen nicht nur verstehen, sondern kontrollieren und einsetzen kann. Der Fortschritt geht sehr schnell voran und die wissenschaftlichen Instrumente, die wir jetzt zur Verfügung haben, sind im Vergleich zu vor 30 Jahren erstaunlich.
(Quelle: https://www.oeaw.ac.at/news/keine-innovation-ohne-grundlagenforschung (Zugriff: 20.02.2026))
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Gesucht ist die de-Broglie-Wellenlänge der Teilchen. Diese lässt sich aus dem Quotienten des Planckschen Wirkungsquantums
und dem Impuls
der Teilchen berechnen. Da der Impuls
das Produkt aus Masse
und Geschwindigkeit
ist, ergibt sich durch Einsetzen der gegebenen Werte folgende Berechnung:
Zur Ermittlung der de-Broglie-Wellenlänge der Moleküle aus dem Experiment muss zunächst aus Abbildung 3 der Abstand
des ersten Maximums (1. Ordnung) vom zentralen Maximum (0. Ordnung) mit beispielsweise
abgelesen werden. Daraus lässt sich der Beugungswinkel
bestimmen:
Unter Verwendung der Gittergleichung für das Maximum erster Ordnung (
) und dem Spaltmittenabstand
ergibt sich die Wellenlänge
Die berechnete de-Broglie-Wellenlänge aus Teilaufgabe a) und der experimentell ermittelte Wert aus Teilaufgabe b) weichen voneinander ab. Die relative Abweichung berechnet sich wie folgt:
Diese Abweichung lässt sich hauptsächlich auf die Ungenauigkeit beim Ablesen des Abstands aus der graphischen Darstellung in Abbildung 3 zurückführen.
Der mittlere räumliche Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Molekülen im Strahl lässt sich aus der mittleren Geschwindigkeit
der Teilchen und dem zeitlichen Abstand
berechnen. Beide Werte lassen sich aus Material 1 ablesen und in die Bewegungsgleichung einsetzen:
Obwohl nie mehrere Moleküle gleichzeitig auf das Gitter treffen, lässt sich ein Interferenzmuster beobachten. Somit zeigt das Experiment, dass für das Entstehen von Interferenzerscheinungen nicht die gleichzeitige Anwesenheit zweier Quantenobjekte erforderlich ist. Vielmehr genügt bereits ein einzelnes Molekül, um Interferenz zu ermöglichen, was ein zentraler Grundsatz der Quantenphysik ist.
Außerdem lässt sich eine eindeutige stochastische Vorhersage über das Verhalten treffen, selbst wenn sich zu einem bestimmten Zeitpunkt lediglich ein einziges Molekül in der Messapparatur befindet. Über einen längeren Zeitraum betrachtet wird durch diese Wahrscheinlichkeitsverteilung bestimmt, an welchen Positionen der Detektor eine höhere und an welchen eine geringere Anzahl an Molekülen registriert.
Der Vergleich der Messdaten aus den Jahren 1999 und 2003 zeigt deutliche Unterschiede, die sich auf die veränderte Ofentemperatur zurückführen lassen. Eine Absenkung der Ofentemperatur führt zu einer Verringerung der mittleren kinetischen Energie der Moleküle. Dadurch sinkt ihre mittlere Geschwindigkeit. Da die de-Broglie-Wellenlänge
antiproportional zum Impuls ist
resultiert die geringere Geschwindigkeit in einer größeren mittleren Wellenlänge. Eine größere Wellenlänge
führt gemäß
bei der Beugung am Doppelspalt zu größeren Ablenkwinkeln. Dies erklärt, warum die Abstände zwischen den Interferenzmaxima bei der Messung von 2003 (kälter) größer sind als bei der von 1999.
Die niedrigere Ofentemperatur bewirkt zudem, dass weniger Moleküle pro Zeiteinheit emittiert werden. Dies spiegelt sich direkt in der gemessenen Intensität wider: Die Zählrate der Detektoren war im Jahr 2003 signifikant niedriger als im Jahr 1999.
Es ist richtig, dass die Grundlagenforschung viel Geld kostet und der Fortschritt nicht exakt vorhersehbar ist, allerdings ist sie auch die Grundlage von technologischen Innovationen und Fortschritt. Durch Grundlagenforschung können auch in Zukunft noch viele weitere Entdeckungen zu technologischem Fortschritt führen, von dem die Gesellschaft ganz besonders profitiert. Demnach hat die Gesellschaft nicht nur etwas davon, Geld in den Ausbau von Schulen zu stecken, sondern auch davon, Geld in weitere Grundlagenforschung zu investieren.

