HT 2 — Freileitung
Um elektrische Energie über weite Strecken zu transportieren, werden u. a. sogenannte Freileitungen verwendet.
Teilaufgabe 1: Transformator
Ein wichtiges Element bei der Übertragung der elektrischen Energie über weite Strecken ist der Transformator. Abbildung 1 gibt den schematischen Aufbau eines Transformators wieder.

Abbildung 1: Schematischer Aufbau des Transformators
Gib die Bezeichnungen der mit den Pfeilen markierten Bauelemente an.
Mit einem idealen Transformator soll die Spannung auf die Spannung
hochtransformiert werden.
-
Bestimme das Verhältnis der Windungszahlen
der Spulen des Transformators.
In Stromnetzen sind auch Stromstärken messbar.
-
Begründe, wie sich in diesem Fall die Stromstärke im Sekundärkreis im Vergleich zum Primärkreis verändert.
-
Erkläre die Funktionsweise eines Transformators.
-
Erläutere mithilfe der Energieumwandlung, wie der Energietransport von der Primär- zur Sekundärseite erfolgt.
In manchen Situationen werden Transformatoren benötigt, mit denen sehr hohe Spannungen erzeugt werden können (Hochspannungstransformatoren) oder Transformatoren, mit denen große Stromstärken erzeugt werden können (Hochstromtransformatoren).
Erläutere den Unterschied im Aufbau von Hochspannungs- und Hochstromtransformatoren.
Teilaufgabe 2: Freileitungsexperiment
Um die Funktionsweise einer Freileitung nachzustellen, wird die in Abbildung 2 dargestellte Schaltung aufgebaut. Dabei wird für die Freileitung der Ersatzwiderstand verbaut, da im Versuch keine kilometerlange Leitung genutzt werden kann. Die Spulen haben Windungen
und

Abbildung 2: Schaltung für das Freileitungsexperiment
-
Zeige rechnerisch, dass unter Idealbedingungen für die in Abbildung 2 gegebenen Größen gilt:
und
-
Zeige rechnerisch, dass für die über dem Ersatzwiderstand
abfallende Spannung
gilt.
-
Berechne die Spannung
(Lösungshinweis:
)
-
Zeige rechnerisch, dass für die Spannung an der Lampe
gilt.
Im Experiment wird für die Spannung an der Lampe einen geringeren Wert gemessen.
-
Erläutere die Abweichung des gemessenen Wertes vom berechneten Wert.
Die Leistung lässt sich berechnen durch die Gleichung
Dabei ist die übertragene Energie in der Zeit
-
Zeige, ausgehend von der Definition der Spannung
in Abhängigkeit von der Energie
und der Ladung
dass für die elektrische Leistung
die folgende Gleichung gilt:
-
Bestimme die Leistung
des Leitungsverlustes und die Leistung
In einer Variation des Versuchs aus Abbildung 2 werden die Spulen mit Windungen durch Spulen mit
Windungen ersetzt. Gehe davon aus, dass hierbei für die Leistung gilt:
-
Zeige rechnerisch, wie sich die Leitungsverluste dadurch verändern.
-
Begründe, warum die Lampe
durch die Variation weniger hell leuchtet.
-
Erläutere eine Konsequenz, die sich aus deinen Ergebnissen ziehen lässt, um die Leitungsverluste zu minimieren.
Teilaufgabe 3: Die Ekibastus-Kökschetau-Freileitung in Kasachstan
In Deutschland beträgt die höchste Spannung bei Freileitungen . Bei der Ekibastus-Kökschetau-Freileitung in Kasachstan beträgt die Spannung
Zur Vereinfachung kann davon ausgegangen werden, dass dieselbe elektrische Leistung transportiert wird und der Leitungswiderstand
bei beiden Freileitungen gleich groß ist.
Vergleiche die Leitungsverluste der beiden Hochspannungsfreileitungen.
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Ekibastus-Kökschetau-Freileitung Quelle: verändert; Zugriff: 04.05.2026 |
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Quelle: verändert; Zugriff: 04.05.2026 |
Abbildung 3: Verschiedene Freileitungen
Für die Sicherheit beim Umgang mit Hochspannungen gelten besondere Vorschriften. Eine Sicherheitsvorgabe besagt, dass pro Spannung mindestens ein Sicherheitsabstand von
zur stromführenden Leitung eingehalten werden muss.
-
Erläutere mithilfe der Sicherheitsvorgabe, weshalb ein Strommast bei der Ekibastus-Kökschetau-Freileitung viel größer gebaut werden muss als bei einer
-Freileitung in Deutschland.
Neben der Gefahr von elektrischen Überschlägen gilt in Deutschland auch eine Begrenzung der Stärke des magnetischen Feldes unter einer Freileitung. Die Stärke des Magnetfeldes unter einer stromdurchflossenen Freileitung kann in Abhängigkeit von der Stromstärke
der magnetischen Feldkonstanten
und dem Abstand zur Freileitung
durch die folgende Gleichung beschrieben werden:
Die Stromstärke bei der -Freileitung in Deutschland beträgt maximal
In Deutschland wird die Stärke des magnetischen Feldes direkt unter einer stromführenden
-Freileitung in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden gemessen.
-
Bestimme mithilfe der obigen Gleichung die minimale Höhe der
-Freileitung über dem Erdboden, wenn die Stärke des magnetischen Feldes einen Meter über dem Erdboden maximal
betragen soll.
-
Erläutere einen möglichen Grund, weshalb ein Grenzwert für die Stärke des magnetischen Feldes unter Freileitungen sinnvoll ist.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Teilaufgabe 1: Transformator

Verhältnis der Windungszahlen
Für einen idealen Transformator gilt folgender Zusammenhang:
Einsetzen ergibt:
Veränderung der Stromstärke
Beim idealen Transformator verhält sich die Stromstärke umgekehrt proportional zur Windungszahl. Daraus folgt:
Somit sinkt die Sekundärstromstärke auf ein Fünfzigstel der Primärstromstärke.
Erklären der Funktionsweise
Wird an die Primärspule eine Wechselspannung angelegt, erzeugt diese ein magnetisches Wechselfeld. Durch den Eisenkern wird dieses Wechselfeld gebündelt und zur Sekundärspule weitergeleitet, wodurch das Wechselfeld in der Sekundärspule wirkt und dort eine Spannung induziert. Wichtig ist dabei, dass eine Wechselspannung angelegt wird, sonst könnte keine Spannung induziert werden.
Erläutern der Energieumwandlung
Der Energietransport im Transformator erfolgt über das Magnetfeld. Zunächst wandelt sich die elektrische Energie der Primärseite in magnetische Energie innerhalb der Spule beziehungsweise des Eisenkerns um. Anschließend erfolgt in der Sekundärspule die Rückumwandlung der magnetischen Energie in elektrische Energie.
-
Hochspannungstransformator: Gemäß der Spannungsgleichung
wird für eine hohe Sekundärspannung eine Primärspule mit einer niedrigen Windungszahl und eine Sekundärspule mit einer sehr hohen Windungszahl benötigt.
-
Hochstromtransformator: Gemäß der Stromstärkegleichung
ist für eine sehr hohe elektrische Stromstärke auf der Sekundärseite eine Primärspule mit hoher Windungszahl und eine Sekundärspule mit einer möglichst kleinen Windungszahl erforderlich.
Teilaufgabe 2: Freileitungsexperiment
Berechnung von und
Es gilt das Transformatorgesetz:
Damit ergibt sich für die Stromstärke auf der Sekundärseite:
Für die Spannung folgt entsprechend:
Berechnung von
Für die am Ersatzwiderstand abfallende Spannung gilt nach dem ohmschen Gesetz:
Berechnung von
Für die Spannungen
und
gilt der Zusammenhang
daraus folgt für die Spannung
Berechnung von
Die Spannung an der Lampe ergibt sich wiederum mit dem Transformatorgesetz:
Erläutern der Abweichung des gemessenen Wertes
Im realen Experiment wird ein geringerer Wert für gemessen, da bei den Energieübertragungen am Transformator und in den Leitungen stets Energieverluste auftreten. Das wurde in der Berechnung nicht berücksichtigt.
Herleitung der Leistungsgleichung
Aus der Definitionen folgt für die elektrische Leistung durch Einsetzen:
Die elektrische Stromstärke ist definiert als die Menge an Ladung
die in einer bestimmten Zeit
fließt (
). Durch Einsetzen folgt:
Berechnung der Leistungen
Mit der gerade hergeleiteten Formel für die Leistung folgt für die Verlustleistung am Leitungswiderstand:
Für die Leistung am Ende der Freileitung ergibt sich:
Veränderung der Leitungsverluste
Durch den Austausch der Spulen ändern sich und
Die neue Stromstärke berechnet sich zu:
Die neue Spannung am Widerstand ist:
Damit ergibt sich ein neuer Leitungsverlust von:
Der Leitungsverlust wird dadurch im Vergleich zum ersten Versuch fast 400-mal so groß.
Geringere Helligkeit der Lampe
Der Austausch der Spulen mit Windungen durch Spulen mit
Windungen verändert das Windungsverhältnis von
auf
Gemäß des Transformatorgesetzes steigt dadurch
von
auf
an, während
von
auf
sinkt.
Da auf
ansteigt, verbleiben für
lediglich
Durch die anschließende Transformation beträgt die Spannung an der Lampe nur noch:
Folglich leuchtet die Lampe deutlich weniger hell als im vorherigen Versuch.
(qualitative Betrachtungen über sind auch möglich)
Konsequenz zur Minimierung von Leitungsverlusten
Das geringere Windungsverhältnis führt dazu, dass die Spannung nicht so stark hochtransformiert wird, was deutlich größere Leitungsverluste zur Folge hat. Um Leitungsverluste möglichst gering zu halten, ist es daher zwingend erforderlich, eine möglichst hohe Spannung zu erzeugen, damit die zu übertragende Stromstärke bei gleicher Leistung minimal bleibt.
Teilaufgabe 3: Die Ekibastus-Kökschetau-Freileitung in Kasachstan
Die Spannung bei der Ekibastus-Kökschetau-Freileitung ist etwa dreimal so hoch wie die Spannung
bei der deutschen Freileitung.
Da bei beiden Leitungen die gleiche elektrische Leistung übertragen wird, verringert sich die Stromstärke durch die höhere Spannung um den Faktor drei.
Die Leitungsverluste hängen gemäß der Formel aus Teilaufgabe 2c)
quadratisch von der Stromstärke ab. Da die Stromstärke auf ein Drittel sinkt, verringern sich die Leitungsverluste bei der kasachischen Freileitung im Vergleich zur deutschen Freileitung auf ein Neuntel.
Sicherheitsabstand und Strommastgröße
Gemäß der Sicherheitsvorgabe von pro
muss bei einer
Freileitung ein Abstand von mindestens
eingehalten werden.
Bei der Ekibastus-Kökschetau-Freileitung mit ist dieser notwendige Mindestabstand mit
etwa dreimal so groß. Deshalb müssen die Strommasten für diese Leitung deutlich höher und ausladender gebaut werden, um den Abstand zum Boden und zwischen den Leitungen zu gewährleisten.
Bestimmung der minimalen Höhe über dem Erdboden
Ausgangspunkt ist die gegebene Gleichung für die Stärke des Magnetfeldes:
Einsetzen der gegebenen Werte liefert den Abstand zur Leitung:
Da das Magnetfeld in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden gemessen wird, muss dieser Meter zum berechneten Abstand addiert werden. Die minimale Höhe der Freileitung über dem Erdboden beträgt somit:
Sinnhaftigkeit eines Grenzwertes für das Magnetfeld
Magnetische Felder üben eine Kraft auf bewegte elektrische Ladungen aus (Lorentzkraft). Im menschlichen Körper bewegen sich permanent geladene Teilchen, beispielsweise bei Stoffwechselvorgängen oder als Reizweiterleitung in den Nervenbahnen. Sehr starke Magnetfelder können diese Vorgänge stören, was zu einer ungewollten Reizung von Muskel- oder Nervenzellen führen kann.
Zudem können medizinische Implantate wie Herzschrittmacher in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.
Auch bei technischen Geräten und Sensoren in der Umgebung können äußere Magnetfelder Störströme induzieren und Fehlfunktionen auslösen. Ein Grenzwert schützt also Lebewesen und Technik vor diesen Effekten.

