HT 3 — Zum Verhalten von α-Strahlung
Teilaufgabe 1: Die Ablenkung von -Teilchen im magnetischen Feld
In einem magnetischen Feld werden -Teilchen abgelenkt. Hier wird der Fall eines homogenen Feldes der Stärke
in einem evakuierten Raum betrachtet. Abbildung 1 zeigt schematisch den Verlauf der Bahnkurve eines
-Teilchens im Vergleich zu der eines
-Quants und der eines
-Teilchens.

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Bahnkurven
-
Erkläre qualitativ den Verlauf der drei Bahnkurven.
Die - und
-Teilchen werden jeweils auf eine kreisförmige Bahnkurve abgelenkt.
-
Erläutere, dass sich der Betrag
der Bahngeschwindigkeit der Teilchen entlang ihrer Bahnkurven nicht ändert.
-
Begründe, dass sich die Teilchen jeweils auf einer kreisförmigen Bahnkurve bewegen.
Der Radius der Kreisbahn wird durch die Gleichung
bestimmt. Hierbei sind die Masse und
die Ladung des Teilchens.
Leite die Gleichung für den Radius her.
Relativistisch wird die Geschwindigkeit der
-Teilchen durch die Gleichung
bestimmt (ohne Nachweis). Hierbei ist die Ruheenergie des
-Teilchens mit der Ruhemasse
und der Lichtgeschwindigkeit
im Vakuum.
-
Berechne die Ruheenergie
des
-Teilchens in der Einheit
Hinweis: Für die Einheitenumrechnung ist zu verwenden.
-
Berechne die Geschwindigkeit
eines
-Teilchens mit einer kinetischen Energie von
als Bruchteil von
auf vier Nachkommastellen genau.
[Kontrollergebnis mit nur zwei Nachkommastellen: ]
In guter Näherung kann die Geschwindigkeit des -Teilchens mit einer kinetischen Energie von
auch durch einen klassischen Ansatz bestimmt werden.
Begründe diese Aussage rechnerisch.
Während ein -Teilchen mit der Geschwindigkeit
näherungsweise noch klassisch betrachtet werden kann, müssen bei einem
-Teilchen, das häufig eine deutlich höhere Geschwindigkeit aufweist, relativistische Effekte berücksichtigt werden. So ist bei einer Geschwindigkeit von
statt der Ruhemasse die dynamische Masse
des
-Teilchens zu berücksichtigen.
-
Bestimme rechnerisch das Verhältnis
der Bahnradien des
- und des
-Teilchens im selben magnetischen Feld.
-
Prüfe, ob das Ergebnis prinzipiell zu den in Abbildung 1 dargestellten Bahnkurven passt.
Hinweis: Es ist keine quantitative Auswertung von Abbildung 1 erforderlich.
Teilaufgabe 2: Die Reichweite von -Teilchen
Abbildung 2 zeigt eine Fotoaufnahme von Spuren durch -Teilchen in einer Nebelkammer.

Abbildung 2: Nebelkammeraufnahme
Quelle: verändert; Zugriff 05.05.2026
Der -Strahler befindet sich hierbei in einem Behälter, der in Abbildung 2 weiß umrandet ist. Der Behälter ist nach oben offen, sodass die
-Teilchen nach oben in die Nebelkammer gelangen.
Eine Nebelkammer ist meist mit einem übersättigten Gasgemisch aus Luft und Alkohol gefüllt. Wenn ein -Teilchen dieses Gemisch durchquert, erzeugt es durch Stoßionisation zahlreiche Ionen, die für die Bildung feinster Tröpfchen sorgen. In ihrer Gesamtheit bilden diese Tröpfchen eine sichtbare Spur je
-Teilchen. In Abbildung 2 ist eine solche Spur jeweils als helle Linie zu erkennen.
-
Beschreibe die Aufnahme in Abbildung 2 im Wesentlichen.
-
Erläutere anhand von Abbildung 2, dass die
-Teilchen mit jeweils gleicher kinetischer Energie ausgesendet werden.
Ein Americium-241-Präparat () sendet
-Teilchen mit einer kinetischen Energie von
aus.
-
Ermittle für
anhand der Nuklidkarte die ersten drei Tochternuklide für den jeweils häufigsten Zerfallszweig und das stabile Endnuklid der Zerfallsreihe (Angabe der Zerfallsarten sowie der Massen- und Ordnungszahlen).
-
Begründe qualitativ anhand der in der Zerfallsreihe auftretenden Halbwertszeiten, dass die
- und
-Zerfälle der Tochterkerne fast keinen Beitrag zur Gesamtaktivität eines
Präparats leisten.
Das Präparat emittiert in Folge des
-Zerfalls auch
-Strahlung.
-
Erläutere die Entstehung der
-Strahlung.
Bei der Bewegung in Luft ist die kinetische Energie der
-Teilchen von der zurückgelegten Wegstrecke
abhängig. In Abbildung 3 ist eine Modellierung dieser Abhängigkeit für die
-Teilchen aus dem Zerfall von
dargestellt.

Abbildung 3: Kinetische Energie der -Teilchen in Luft
Gib anhand von Abbildung 3 den theoretischen Wert für die Reichweite der
-Teilchen in Luft an.
Die Reichweite der Teilchen des
Präparats wird mithilfe eines Geiger-Müller-Zählrohrs bestimmt. Der Versuchsaufbau ist in Abbildung 4 dargestellt.

Abbildung 4: Versuchsaufbau: links das radioaktive Präparat, rechts das Zählrohr und dazwischen ein Stück Papier als Absorber
Hierbei werden die Zählraten der vom Präparat ausgehenden Strahlung in unterschiedlichen Abständen
zwischen Präparat und Zählrohr gemessen. Die Messung wird zunächst ohne und dann mit einem Absorber in Form eines Stücks Papier durchgeführt. Das Papier deckt das Austrittsfenster des Präparats vollständig in Richtung Zählrohr ab.
Abbildung 5 zeigt in einem Diagramm für beide Messungen jeweils die Messpunkte unter Berücksichtigung der Nullrate sowie eine Ausgleichskurve.

Abbildung 5: Zählraten ohne und mit Absorber
Die ebenfalls emittierte -Strahlung wird auch vom Zählrohr gemessen
-
Entscheide, welche der Ausgleichskurven 1 und 2 in Abbildung 5 jeweils der Messung ohne den bzw. mit dem Absorber zuzuordnen ist.
-
Erkläre, wie sich anhand der beiden Messungen Zählraten
nur für die
-Strahlung und damit dann die Reichweite der
-Teilchen ermitteln lassen.
Um die Reichweite experimentell genauer ermitteln zu können, sind in Abbildung 6 die Zählraten bei jeweils längerer Messzeit für Abstände
unterhalb des theoretisch erwarteten Wertes für die Reichweite
dargestellt.

Abbildung 6: Zählraten für die -Strahlung
Im dargestellten Bereich lässt sich die Zählrate in Abhängigkeit vom Abstand
linear nähern. Das Diagramm enthält daher eine Ausgleichsgerade und die zugehörige Geradengleichung.
Bestimme anhand der Gleichung in Abbildung 6 rechnerisch den Wert für die Reichweite der
-Teilchen in Luft.
Die Vorschriften bezüglich des Umgangs mit radioaktiven Präparaten wurden im Laufe der Zeit immer weiter verschärft. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch eines Präparats ist das Gefährdungspotenzial für den Menschen durch das darin befindliche recht gering. Allerdings ist eine fachgerechte Entsorgung nach dem Gebrauch notwendig.
Erläutere die Aussagen der letzten beiden Sätze im Hinblick auf die emittierte -Strahlung.
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Qualitative Erklärung der Bahnkurven
Auf das positiv geladene -Teilchen wirkt die Lorentzkraft. Gemäß der Drei-Finger-Regel der rechten Hand zeigt diese Kraft nach oben, weshalb das Teilchen nach oben abgelenkt wird.
Das -Quant besitzt keine elektrische Ladung und erfährt somit keine Kraft und wird damit auch nicht abgelenkt.
Auf das negativ geladene -Teilchen wirkt die Lorentzkraft gemäß der Drei-Finger-Regel der linken Hand nach unten, somit wird das Teilchen nach unten abgelenkt.
Konstanter Betrag der Bahngeschwindigkeit
Die Lorentzkraft wirkt stets senkrecht zur aktuellen Bewegungsrichtung der Teilchen. Da die Kraft senkrecht zur Flugbahn wirkt, verrichtet sie keine Arbeit zur Beschleunigung oder Abbremsung, weshalb sich der Betrag der Bahngeschwindigkeit
nicht ändert.
Kreisförmige Bahnkurve
Da sowohl die Geschwindigkeit als auch das homogene Magnetfeld
konstant bleiben, ist der Betrag der Lorentzkraft
ebenfalls konstant. Außerdem wirkt sie stets senkrecht zur aktuellen Bewegungsrichtung der Teilchen. Somit wirkt die Lorentzkraft als Zentripetalkraft und zwingt die Teilchen folglich auf eine Kreisbahn.
Die Lorentzkraft wirkt als Zentripetalkraft. Daraus ergibt sich der folgende Kraftansatz:
Das entspricht der gesuchten Beziehung.
Berechnung der Ruheenergie
Mit der Ruhemasse und der Lichtgeschwindigkeit
ergibt sich die Ruheenergie in der Einheit Joule zunächst wie folgt:
Die Umrechnung in die Einheit liefert den gesuchten Wert:
Berechnung der Geschwindigkeit
Die gegebene kinetische Energie beträgt Das Einsetzen der Energien in die relativistische Formel ergibt:
Unter Verwendung des klassischen Energieansatzes () ergibt sich durch Umformen nach der Geschwindigkeit:
Einsetzen liefert:
Mit der klassischen Rechnung, ergibt sich bei vier Nachkommastellen der identische Wert von Somit ist eine rein klassische Betrachtung im Rahmen der Genauigkeit für diese Energie ausreichend genau.
Berechnung des Verhältnisses
Mithilfe der Formel aus Teilaufgabe 1b) ergibt sich für die beiden Radien:
und
Für das Verhältnis der Bahnradien ergibt sich somit:
Da das -Teilchen die doppelte Elementarladung und das
-Teilchen die einfache Elementarladung trägt (
und
), vereinfacht sich der Bruch zu:
Für das -Teilchen wird die klassische Ruhemasse
verwendet, für das sehr schnelle
-Teilchen die dynamische Masse
Mit den Geschwindigkeiten (
und
) folgt durch Einsetzen:
Prüfung der Abbildung
Das berechnete Ergebnis bedeutet, dass der Radius des -Teilchens etwa 26-mal so groß ist wie der Radius des
-Teilchens. Das passt prinzipiell zu den Kurven in Abbildung 1, da die Bahnkurve des
-Teilchens dort erkennbar wesentlich flacher (größerer Krümmungsradius) verläuft als die stärker gekrümmte Bahn des
-Teilchens.
Teilaufgabe 2: Die Reichweite von -Teilchen
Beschreiben der Aufnahme
Auf der Aufnahme sind zahlreiche Spuren oberhalb des Behälters erkennbar, die sich relativ gleichverteilt über einen bestimmten Winkelbereich ausbreiten. Abgesehen von geringfügigen Schwankungen weisen alle sichtbaren Spuren dieselbe Länge auf.
Begründung für die gleiche kinetische Energie
Jede dieser Spuren veranschaulicht die Bahn eines einzelnen -Teilchens, dessen kinetische Energie sich durch fortlaufende Stöße mit den Luft- und Alkoholteilchen in der Nebelkammer allmählich verringert. Da die Spuren (bis auf minimale stochastische Abweichungen) alle die gleiche Länge aufweisen, lässt sich darauf schließen, dass jedes
-Teilchen mit der exakt gleichen kinetischen Energie emittiert wird.
Ermitteln der Zerfallsreihe von Americium-241
Aus der Nuklidkarte lassen sich die ersten drei Tochternuklide für den häufigsten Zerfallszweig sowie das stabile Endnuklid ablesen:
Hinweis: Bismut-209 ist hier als Endnuklid aufgeführt, zerfällt jedoch theoretisch über einen weiteren Prozess mit einer extrem langen Halbwertszeit von
weiter. Daher ist auch die Angabe von Thallium-205 (
) als stabiles Endnuklid korrekt.
Qualitativ Begründen des Beitrags zur Gesamtaktivität
Americium-241 zerfällt durch einen Zerfall mit einer Halbwertszeit von
zu Neptunium-237. Das entstandene Neptunium-237 zerfällt anschließend weiter zu Protactinium-233. Für diesen zweiten Schritt beträgt die Halbwertszeit jedoch
Werden diese beiden Werte verglichen, fällt die zweite Halbwertszeit extrem viel größer aus. Aufgrund dieser enormen Zeitspanne finden die nachfolgenden Zerfallsprozesse in jedem praxisrelevanten Beobachtungszeitraum so selten statt, dass sie kaum messbare Strahlung erzeugen. Folglich leisten die weiteren Zerfälle fast keinen Beitrag zur Gesamtaktivität des Präparats und sind zu vernachlässigen.
Entstehung der -Strahlung
Direkt nach dem Zerfall von Americium-241 befindet sich der neu entstandene Atomkern des Neptunium-237 zunächst in einem energetisch angeregten Zustand. Um in den stabileren Grundzustand überzugehen, gibt der Kern diese überschüssige Energie ab. Dies geschieht durch die Emission von
Strahlung.
Die Reichweite entspricht genau der Wegstrecke, bei der die kinetische Energie null beträgt. Ein Ablesen dieses Punktes auf der
-Achse des Diagramms liefert den Wert
Zuordnung der Ausgleichskurven
-
Die Ausgleichskurve 1 gehört zur Messung ohne Absorber, da das Zählrohr in diesem Fall sowohl die
als auch die
Strahlung erfasst.
-
Sobald das Stück Papier als Absorber in den Aufbau eingefügt wird, blockiert dieses die
Strahlung vollständig. Daher zeigt die Ausgleichskurve 2 ausschließlich die noch verbleibende
Strahlung.
Ermittlung der Zählraten und der Reichweite
Die Zählrate der reinen
Strahlung ergibt sich für jeden Abstand
aus der Differenz der zugehörigen Werte der beiden Ausgleichskurven. Um die Reichweite zu ermitteln, lässt sich der Schnittpunkt der beiden Ausgleichskurven im Diagramm betrachten. Die zugehörige
-Koordinate dieses Schnittpunktes entspricht der Reichweite.
Alternativ lassen sich die berechneten Differenzwerte in einem neuen Diagramm gegen den Abstand
auftragen; der Schnittpunkt der entstehenden Kurve mit der
-Achse liefert dann ebenfalls die Reichweite.
Der experimentelle Wert entspricht der Nullstelle der angegebenen linearen Ausgleichsgeraden. Durch Nullsetzen der Geradengleichung und anschließendes Umformen nach dem Abstand
ergibt sich:
Die Maßeinheit ist Millimeter, somit folgt was exakt mit dem theoretischen Wert von
übereinstimmt.
-
Gefährdungspotenzial: Bei ordnungsgemäßer Handhabung und einem unbeschädigten Präparat ist eine Gefährdung durch die
-Strahlung nahezu ausgeschlossen. Das liegt an der sehr geringen Reichweite und der leichten Abschirmbarkeit der
-Teilchen, wodurch diese bei Einhaltung eines ausreichenden Abstands und guter Abschirmung den menschlichen Körper überhaupt nicht erreichen.
-
Notwendigkeit der Entsorgung: Eine strikte und überwachte Entsorgung bleibt dennoch zwingend erforderlich. Dadurch wird zuverlässig verhindert, dass radioaktives Americium-241 unkontrolliert in die Umwelt austritt oder Personen in direkten, schädigenden Kontakt mit dem Material gelangen.