Aufgabe 1: Angepasstheit von Pflanzen an ihre Standorte
Pflanzen können anatomisch, physiologisch und ökologisch, z. B. durch ihre Interaktionen mit anderen Lebewesen, an ihren Standort angepasst sein.
Die Angepasstheit von Pflanzen an ihren Standort spiegelt sich im Bau der Laubblätter wider.
Mikroskopiere das dir zur Verfügung gestellte Dauerpräparat eines xerophytischen Laubblattes (z. B. Oleander).
Fertige eine beschriftete mikroskopische Zeichnung eines typischen Ausschnittes des Präparates an.
Hinweise:
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Nach Fertigstellung der mikroskopischen Zeichnung ist das Präparat unter dem Mikroskop der Aufsicht führenden Lehrkraft vorzuzeigen.
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Sollte dir die Durchführung der Mikroskopie nicht gelingen oder sollte dir das Ergebnis unbrauchbar erscheinen, kannst du Ersatzergebnisse von der Aufsicht führenden Lehrkraft anfordern. In diesem Fall werden bis zu vier Bewertungseinheiten nicht erteilt.
Begründe ausgehend von deinem mikroskopischen Bild zwei Angepasstheiten der von dir untersuchten Pflanze an den Standort (M 1).
Erläutere anhand von Material 2 die Angepasstheit des Fotosyntheseprozesses bei CAM-Pflanzen (M 2).
Vergleiche die Fotosynthese von CAM-Pflanzen mit der von C4-Pflanzen anhand von drei selbst gewählten Kriterien (M 2).
Beurteile am Beispiel der Saguaro-Kakteen die Richtigkeit der Stress-Gradient-Hypothese (M 3 A – C).
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgabe 1, M 1: Oleander

Abb. 1: Blühender Oleander
Der Oleander wächst als Strauch und manchmal auch als kleiner Baum. Die ledrigen Blätter haben eine lanzettliche Form. Die Pflanze wächst bis zu 6 m hoch. Hauptverbreitungsgebiet des Oleanders ist der Mittelmeerraum, dessen Klima durch sommerliche Trockenheit geprägt ist. Der Oleander ist durch zahlreiche Merkmale an dieses Klima angepasst und damit ein typischer Xerophyt. Er ist außerdem eine beliebte Kulturpflanze, die auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes wegen ihrer stark duftenden Blüten und ihrer Robustheit geschätzt wird.
Quelle: https://www.botanikus.de/informatives/giftpflanzen/alle-giftpflanzen/oleander (letzter Zugriff am: 02.10.2025)
Aufgabe 1, M 2: Fotosynthese bei CAM-Pflanzen
CAM steht für Crassulacean Acid Metabolism. Zu den CAM-Pflanzen gehören neben sukkulenten Dickblattgewächsen (Crassulaceae) auch viele Pflanzen aus den Familien der Kakteengewächse (Cactaceae), Agavengewächse (Agavaceae) und Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Diese Pflanzen wachsen typischerweise an extrem trockenen Standorten.
nach: https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/cam-pflanzen-832 (letzter Zugriff am: 02.10.2025)

Abb. 2: Stoffwechselvorgänge in Blattgewebezellen von CAM-Pflanzen
nach: Heyduk, K. et al. (2019). Altered Gene Regulatory Networks Are Associated With the Transition From C3 to Crassulacean Acid Metabolism in Erycina (Oncidiinae: Orchidaceae).
https://www.frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2018.02000/full (letzter Zugriff am: 11.11.2025)
Aufgabe 1, M 3: Ammenpflanzen
A: Stress-Gradient-Hypothese
Je höher der Stress durch abiotische Faktoren wird, desto bedeutsamer werden fördernde gegenüber hemmenden biotischen Interaktionen.
nach: Lima, T. R. A. et al. (2022). The stress gradient hypothesis explains plant-plant interaction networks in edapho climatic gradients. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1146609X22000212 (letzter Zugriff am: 13.11.2025)
B: Kakteen in der Sonora-Wüste
Kakteen weisen als Besiedler extrem trockener und heißer Standorte zahlreiche morphologische Angepasstheiten an Wassermangel auf. Als physiologische Angepasstheit führen Kakteen den CAM-Stoffwechsel durch. Ein Nachteil dieses Stoffwechselweges liegt jedoch darin, dass der kühlende Effekt der Transpiration in den heißesten Stunden des Tages fehlt. In der Sonora-Wüste in Mexico konnte beobachtet werden, dass sich Saguaro-Kakteen (Carnegiea gigantea) häufig in unmittelbarer Nähe der Samtmesquiten (Prosopis velutina), einer strauch- bis baumartig wachsenden Pflanze aus der Unterfamilie der Mimosengewächse, ansiedeln.
nach: Hultine, K. R. (2023). Global change impacts on cacti (Cactaceae): current threats, challenges and conservation solutions. Annals of Botany, XX, 1-13. https://doi.org/10.1093/aob/mcad040.

Abb. 3: Saguaro-Kakteen und Samtmesquite am natürlichen Standort
Quelle: Hultine, K. R. (2023). Global change impacts on cacti (Cactaceae): current threats, challenges and conservation solutions. Annals of Botany, XX, 7. https://doi.org/10.1093/aob/mcad040
C: Einfluss von Ammenpflanzen auf das Mikroklima
Im heißen und trockenen Klima des Sederah-Naturschutzgebietes in Saudi-Arabien sind Akazien (Acacia gerrardii) häufige Ammenpflanzen. Unter ihrem Blätterdach siedeln sich zahlreiche andere Pflanzen an. In einer Studie aus dem Jahr 2020 wurde der konkrete Einfluss der Akazien auf die mikroklimatischen Bedingungen in ihrer unmittelbaren Nähe untersucht. Man geht davon aus, dass der beobachtete Effekt auf andere Pflanzengesellschaften übertragbar ist, in denen schattenspendende Bäume oder Sträucher vorkommen.

Abb. 4: Mittlere Bodentemperatur unter dem Blätterdach der Akazie und außerhalb davon
nach: Al-Namazi, A. A. & Bonser, S. P. (2020). Plant strategies in extremely stressful environments: are the effects of nurse plants positive on all understory species?, Journal of Plant Interactions, 15:1, 233-240,
DOI: 10.1080/17429145.2020.1788183
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Mikroskopieren und Anfertigen einer mikroskopischen Zeichnung mit Beschriftung:
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Mikroskopieren (s. Beobachtungsbogen):
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exakte Fokussierung
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Ausleuchtung und Kontrast
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Wählen einer geeigneten Vergrößerung
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sachgerechte Arbeitsweise unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen
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Wenn die Ersatzergebnisse vom Prüfling angefordert wurden, werden bis zu vier BE nicht erteilt.
Ersatzbeobachtungen zu Aufgabe 1: Mikroskopie – Dauerpräparat, Blattquerschnitt Oleander

Abb. 1: Blattquerschnitt Oleander, 100-fach vergrößert

Abb. 2: Blattquerschnitt Oleander, 400-fach vergrößert
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Anfertigen einer mikroskopischen Zeichnung:
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Kriterien der Darstellung:
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Übereinstimmung von Präparat und Zeichnung
(s. Beobachtungsbogen) -
weitere Kriterien werden von der prüfenden Fachlehrkraft gemäß den unterrichtlichen Voraussetzungen festgelegt, z. B.: Wahl eines geeigneten Ausschnittes, Linienführung, Proportionen, Platzaufteilung, parallele Beschriftungslinien, Legende, Sauberkeit
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Beschriftung folgender Bestandteile:
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Cuticula (oben und unten)
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Epidermis (oben und unten)
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Haare
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Spaltöffnungen
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Palisadengewebe
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Schwammgewebe mit Interzellularen
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-
Begründen:
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Spaltöffnungen eingesenkt, von Haaren bedeckt → Mikroklima mit erhöhter Luftfeuchtigkeit → Verringerung der Transpiration
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dicke, wasserundurchlässige Cuticula auf Blattober- und -unterseite → Verdunstungsschutz
→ Angepasstheit des Xerophyten an trockene Standorte
Erläutern:
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Spaltöffnungen nachts geöffnet – geringe Transpirationsverluste aufgrund niedriger Temperatur – primäre Fixierung von CO₂
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Malat als Speicherstoff in Vakuole
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Gewinnung von CO₂ aus Malat am Tag bei höheren Temperaturen
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Einspeisen von CO₂ in Calvinzyklus bei geschlossenen Spaltöffnungen
→ Angepasstheit der CAM-Pflanzen an trockene Standorte durch zeitliche Trennung von primärer CO₂-Fixierung und Calvinzyklus
Vergleichen:
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C4-Pflanzen |
CAM-Pflanzen |
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|---|---|---|
|
primäre CO₂-Fixierung |
an PEP |
an PEP |
|
erstes stabiles Produkt nach primärer CO₂-Fixierung |
Malat |
Malat |
|
Trennung von primärer CO₂-Fixierung und Calvinzyklus |
räumlich |
zeitlich |
Beurteilen:
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hohe Temperaturen und Wassermangel im Lebensraum Wüste → bei CAM-Pflanzen tagsüber keine Kühlung durch Transpiration → Stress der Kakteen
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Licht reichlich vorhanden → Lichtmangel kein Stressor für Kakteen
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Ammenpflanzen (Samtmesquite) spenden Schatten → deutlicher Abkühlungseffekt für Kakteen unter Baumkrone; insbesondere während der Mittagshitze
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Konkurrenz mit Ammenpflanze sowohl um Wasser und gelöste Mineralstoffe als auch Beschattung (durch geringe Abstände zwischen den Pflanzen) wird toleriert
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Vorteile durch fördernde biotische Faktoren überwiegen Nachteile durch hemmende biotische Faktoren
→ Urteil: Das vorliegende Beispiel stützt die Hypothese.