Lerninhalte in Deutsch
Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 1 – Erörterung

Thema

Radio Bayern 1: Tiere im Zoo: Artenschutz oder Tierquälerei?

Aufgabenstellung

  • Ist es vertretbar, Tiere im Zoo zu halten?

    Erörtere, was für und was gegen diese Position spricht. Nutze den Text und die Informationen aus dem A1-Teil (jeweils mindestens drei Argumente). Bezeichne bei Zitaten den Text aus dem A1-Teil als T1, den Text aus dem B-Teil als T2.

  • Nimm anschließend Stellung und begründe deine eigene Meinung.

  • Gliedere dabei deinen Text in die folgenden Abschnitte und berücksichtige besonders die genannten Aspekte:

    Einleitung: Kurze einführende Darstellung und Nennung des Themas, Nennung von Textart, Titel, Quellenangabe und Erscheinungsdatum des

    Ausgangstexts, Überleitung zum Hauptteil (Themenfrage)

    Hauptteil: Strukturierung in Antithese (Contra) und These (Pro), steigernde Anordnung der Argumente (Behauptung, Begründung, Beispiel/Beleg), basierend auf den Texten und gegebenenfalls eigene Gedanken

    Schluss: Zusammenführung der Argumente / Fazit, Stellungnahme / Ausblick / Appell

  • Formuliere einen zusammenhängenden, strukturierten Text. Achte dabei auf korrekte Sprache und Rechtschreibung, beides wird bewertet.

50 P

Material

Tiere im Zoo: Artenschutz oder Tierquälerei?

Radio Bayern 1

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Löwen und Elefanten in Deutschland sehen? Das geht nur im Zoo. Was für Zoodirektor
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Dag Encke ein Beitrag zum Artenschutz ist, sieht Peter Höffken von PETA als Gefängnis.
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Der Direktor des Nürnberger Tiergartens führt Folgendes aus:
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„Zoos leisten einen erheblichen Beitrag zum Artenschutz – und der wird leider immer
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notwendiger. Naturschutzorganisationen kümmern sich nicht mehr um einzelne Tierar-
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ten, sondern um ökologische Lebensräume, in denen es noch die höchste Artenvielfalt
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gibt. Zoos sind die letzten Organisationen, die eingreifen, wenn zum Beispiel eine kleine
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graue Papageienart auszusterben droht, die außerhalb dieser Lebensräume vorkommt.
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Es gibt immer mehr Fälle, in denen man Arten nur vor dem Aussterben schützen kann,
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indem man sie in Gehegen einzäunt.
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Natürlich können wir nicht alle Tiere auswildern. Eisbären zum Beispiel sind ja nicht be-
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droht, weil sie gejagt werden, sondern weil sie verhungern. Da brauchen wir nicht über
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eine Auswilderung zu diskutieren, die würde nichts bringen. Und dafür zu sorgen, dass
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es den Tieren im Zoo gut geht, das ist unser zoologisches Handwerk. Es gibt keine an-
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dere Form der Tierhaltung, bei der in jedes einzelne Tier so viele Gedanken und Geld
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investiert werden.
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Ein weiterer Grund, warum es richtig ist, Tiere in Zoos zu halten, ist die Bildungsarbeit.
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Es gibt nirgendwo sonst Einrichtungen, die so geballt und gezielt so viele Menschen an
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Umwelt- und Artenschutzthemen heranführen wie Zoos. Allein im Tiergarten Nürnberg
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sind das pro Jahr knapp 20.000 Menschen, die entsprechende Programme wahrnehmen
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– neben den eine Million regulären Besuchern. Umweltbildung ist die Grundvorausset-
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zung dafür, dass irgendein Artenschutzprojekt oder Umweltprojekt auf der Welt gelingt.
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Zoos bieten Menschen jeden Alters die Möglichkeit sich zu erholen, Kraft zu tanken und
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somit einen schönen Tag in einer faszinierenden Umgebung zu verbringen. Damit wir
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den Menschen Bildung vermitteln können, müssen wir einen Ort schaffen, an dem sie
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sich gerne aufhalten. Im Zoo sehen die Menschen eben ein viel realistischeres Bild von
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den Tieren als in einem Film, weil es Verhalten in Echtzeit vermittelt und nicht im Zeitraffer
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wie in Tierdokus.“
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Peter Höffken von der Tierschutzorganisation PETA hat eine andere Meinung:
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„Für uns sind Zoos nichts anderes als Gefängnisse. Es gibt keinen anderen Ort in
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Deutschland, wo Lebewesen eingesperrt sind, ohne etwas verbrochen zu haben. Es gibt
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eine ganze Reihe von Tieren, an deren Verhalten man sieht, dass sie leiden: der Men-
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schenaffe, der den ganzen Tag auf einem Fleck sitzt, der Pelikan, der nicht fliegen kann,
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weil ihm die Flügel gestutzt wurden, der Eisbär, der im Kreis läuft und der Elefant, der
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diese typische Wippbewegung mit dem Kopf macht. Das begeistert Kinder nicht für den
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Artenschutz, sondern vermittelt ihnen ein völlig falsches Bild.
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Die Wildtiere leiden nicht nur unter zu kleinen Gehegen, sondern auch unter den fehlen-
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den natürlichen Reizen, also Beutetiere, die sie jagen können oder Landschaft, die sich
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verändert. Die meisten dieser Tiere sind außerdem gar nicht vom Aussterben bedroht.
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Sie werden eingesperrt, weil sie charismatisch sind und die Besucher unterhalten.
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Bedrohte Tiere wie Eisbären oder Menschenaffen, die im Zoo geboren wurden, können
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außerdem gar nicht ausgewildert werden. Die Tiere, für die das Argument des Arten-
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schutzes wirklich gelten würde, sind letztlich nur eine Handvoll. Die anderen werden aus-
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gestellt, um die Sensationslust der Menschen zu befriedigen.“
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Für die Haltung der Tiere in Zoos gibt es EU-weite Auflagen, nach denen Zoos für die
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Tiere ihren biologischen Bedürfnissen entsprechende Lebensbedingungen schaffen
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müssen. Doch die Frage, ob es ethisch vertretbar ist, Tiere in Zoos zu halten, beantwortet
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keine Richtlinie – was denken Sie?

Aus: Bayern1 „Pro und Contra: Tiere im Zoo: Artenschutz oder Tierquälerei?“. Text zur Sendung „BAYERN1 am Morgen“, ausgestrahlt am 13.01.2020.

Online erschienen am: 16.01.2020. Zugriff am 08.08.2024 (zu Prüfungszwecken bearbeitet)

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