Aufgabe 3 – Prosa
Thema
Benno Pludra: Die Schwäne auf dem Wasser
Aufgabenstellung
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Untersuche diesen Prosatext. Gliedere dabei deinen Text und beachte die folgenden Punkte besonders:
→ Einleitung: Autor, Textsorte, Titel, Thema / Kernaussage; geraffte Darstellung des Inhalts
→ Hauptteil: vier wesentliche Merkmale der Kurzgeschichte, belegt an Textbeispielen; drei sprachliche Mittel / Stilmittel und ihre Wirkung, belegt an Textbeispielen; die Figur und Entwicklung des Jungen
→ Schluss: mögliche Aussage des Textes / mögliche Intention des Autors; mögliche Bedeutung für die heutige Zeit oder für dich selbst (Transfer)
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Formuliere einen zusammenhängenden, gegliederten Text. Achte dabei auf korrekte Sprache und Rechtschreibung, beides wird bewertet.
Material
Die Schwäne auf dem Wasser
Benno Pludra
Aus: Pludra, Benno: Die Schwäne auf dem Wasser. In: Eines Tages. Geschichten von Überallher. Hg. von: Hans-Joachim Gelberg. Weinheim/Basel: Beltz und Gelberg 2002.
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Einleitungssatz
Autor, Titel: Benno Pludra; Die Schwäne auf dem Wasser
Textsorte: Kurzgeschichte
Kernaussage / Thema: neue Erfahrungen machen; Grenzen überwinden; Mut, Entscheidungen zu treffen
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Geraffte Inhaltswiedergabe, z. B.
Ein kleiner Junge schwimmt zum ersten Mal allein in einem See. Er ist sehr glücklich und stolz, und sagt sich selbst, er habe keine Angst mehr und könne überall hinschwimmen. Er hält sich gerade an einem Pfahl fest, als er drei Schwäne sieht, die in seine Richtung schwimmen. Sein Vater hatte ihm gesagt, er solle sich fern von Schwänen und Seerosenfeldern halten, da sie gefährlich seien. Die Schwäne versperren die freie Bahn zwischen den Seerosenfeldern. Sie schwimmen immer näher auf ihn zu. Der Junge bekommt Angst, ihm wird kalt und er merkt, dass seine Kräfte geringer werden. Er nimmt all seinen Mut zusammen, stößt sich von dem Pfahl ab und schwimmt los. Die Schwäne weichen ihm aus.
Hauptteil
Merkmale einer Kurzgeschichte
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knapper Umfang: 43 Zeilen
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unmittelbarer Beginn/Einstieg: „Der kleine Junge hatte diesen Sommer schwimmen gelernt.“ (Z. 1)
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alltägliche, aber bedeutsame Situation: Der Junge schwimmt das erste Mal alleine und macht damit eine wichtige neue Erfahrung (Z. 4). Er ist stolz und fühlt sich stark: „Ich habe keine Angst mehr (...) ich könnte sonst wohin und sonst wie weit noch schwimmen.“ (Z. 11/12)
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wenige und alltägliche Figuren: namenlose Hauptfigur, die von außen beschrieben wird. Der Vater kommt nur in seinen Gedanken vor (Z. 15/16). Die Schwäne sind die Gegenspieler und Symbol für die Lebensgefahr (Z. 13, 16, 17/18, 21, 27...).
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einsträngige Handlung: Die Handlungen und Gefühle des Jungen, die Informationen des Vaters und das Näherkommen der Schwäne sind die zentralen Handlungselemente
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begrenzter Handlungsort: See
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kurze Zeitspanne: Die erzählte Zeit erstreckt sich über ca. 30 Minuten.
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Höhe- bzw. Wendepunkt: Nachdem die Kräfte des Jungen nachlassen und die Situation immer auswegloser erscheint, trifft der Junge eine Entscheidung und sieht der Gefahr ins Auge: Er schwimmt (Z. 38 ff.).
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offenes Ende: Obwohl der Junge schwimmt und die Schwäne zurückweichen, bleibt die Unsicherheit. Wird der Junge es schaffen? Und wenn ja, was wird er aus dieser Erfahrung lernen?
Sprachliche Mittel
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Die Hauptfigur wird mit wenigen Adjektiven beschrieben: Er ist klein und mager.
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Insgesamt zeigt uns der Wortschatz, dass diese Kurzgeschichte wohl in einer früheren Zeit spielt. Wörter wie „blanke Wassergasse“ (Z. 14), „hüte dich“ (Z. 16), „Hilf“ (Z. 36), „scheel“ (Z. 41) klingen heutzutage eher altmodisch und werden so nicht mehr verwendet.
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Trotzdem ist die Sprache vom Satzbau eher einfach gehalten, denn die Sätze sind oft kurz oder im gleichen Satzbaumuster (Subjekt oft am Satzanfang, Satzreihen). Die Sprache wirkt wie die eines Kindes und macht die Sichtweise des Jungen deutlich.
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In der Kurzgeschichte werden wichtige Gefühle oder Besonderes durch die wörtliche Rede herausgehoben: „Seht mal“, sagten die Leute, „der kleine Junge kann schwimmen.“ (Z. 2/3) „Ich habe keine Angst mehr“, sagte er zu sich selbst, „ich könnte sonst wohin und sonst wie weit noch schwimmen.“ (Z. 11/12) „Den Seerosen weiche aus, den Schwänen komme nicht zu nahe, hüte dich, passe auf!“ (Z. 15/16)
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Die Personifikationen beschreiben den See („.... er lächelte im Sonnenschein.“ (Z. 5)) und die Umgebung („Die Büsche und Bäume ruhten reglos wie im Schlaf“ (Z. 9)) als ruhig und gefahrlos.
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Durch den ersten Vergleich „Die Büsche und Baume ruhten reglos wie im Schlaf“ (Z. 9) wird verdeutlicht, dass die Bedingungen zum Schwimmen sehr gut sind. Es geht kein Wind und somit wird es auch keine Wellen geben. Dieser Vergleich zeigt, wie groß und sicher die Schwäne auf dem Wasser sind: „reicht und wie Schiff“ (Z. 14); ein weiterer Vergleich bezieht sich wieder auf die Schwäne und ihre Zerstörungskraft: „... heftig wie die Faust eines Mannes.“ (Z. 30)
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Wiederholung: „Der kleine Junge hatte diesen Sommer schwimmen gelernt. Er war noch sehr klein...“(Z. 1) „... der kleine Junge kann schwimmen.“ (Z. 2/3) „Der kleine Junge war glücklich und stolz.“ (Z. 9/10) „Der kleine Junge blieb am Pfahl.“ (Z. 15)
Die Wiederholung ist wichtig für die Darstellung des Jungen, der so klein erscheint im Gegensatz zum großen See und den Schwänen.
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Alliterationen: Im Zusammenhang mit den Schwänen verwendet der Autor häufig Alliterationen und Anklänge daran, die die Aufmerksamkeit auf diese lenken. Sie unterstreichen die Kraft, aber auch Schönheit dieser: „...schweren Schwingen...“ (Z. 18) „... Schnäbel schnattern...“ (Z. 29) „... Schwäne.. Schritt. schaukelten...“ (Z. 32/33) „..scheel... Schnäbel...“ (Z. 41)
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Ein weiteres Spiel mit Klang findet sich in der Aufzählung in Zeile 39/40. Hier betont dieses Spiel die Kraft und Entschlossenheit, mit der der kleine Junge seine Entscheidung umsetzt: „Das Wasser rauschte auf, eine Welle schoss voran, den Schwänen unter den weißen Bug.“
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Gegensatz: „Die schweren Schwingen waren aufgestellt und sahen aus, als wären sie federleicht.“ (Z. 18/19). So wirken die Schwäne einerseits wie ein schweres Kampfschiff, andererseits aber auch sehr wendig und schnell, was die Gefahr, die von ihnen ausgeht, noch vergrößert. Das Verhalten der Schwäne selbst erscheint eher als friedlich „... sie zogen gemächlich heran“ (Z. 13); „Die Schwäne glitten indessen langsam näher. Sie fraßen nach links und rechts...“ (Z. 27/28), die Ängste und die Gefahr, die von ihnen ausgehen könnten, basieren vor allem auf den Warnungen des Vaters.
Die Figur und Entwicklung des Jungen
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Der Junge wird sehr häufig mit dem Adjektiv „klein“ beschrieben (vgl. Z. 1, 2, 7, 9, ...). Er ist also noch sehr jung (ca. 5 oder 6 Jahre) und eher dünn. (Z. 23)
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Umso stolzer ist er, dass er nun schwimmen kann und ihn die anderen dafür bewundern. Er traut sich zum ersten Mal alleine zu schwimmen und dies auf dem großen ruhigen See. Er ist also mutig und hat das Gefühl, weitere neue Erfahrungen machen zu können.
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Als er jedoch die Schwäne sieht, bekommt der kleine Junge Angst – vor allem wegen der Warnungen seines Vaters. Die Schwäne sind demnach eine Gefahr, da der Junge auch weiß, dass er nicht in die Seerosenfelder ausweichen darf (Z. 15/16). Ihm ist bewusst, dass die Schnäbel ihn verletzen können („Er hörte ihre Schnäbel schnattern und wusste, dass diese Schnäbel zuschlagen konnten, heftig wie die Faust eines Mannes.“ (Z. 29/30))
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Obwohl der Junge von außen beschrieben wird, wird deutlich, in welcher Zwangslage er sich befindet und dass er alleine eine Entscheidung treffen muss (Z. 34 ff.), denn keiner ist in der Nähe oder sieht ihn. Der Junge entscheidet sich, den Schwänen entgegen zu schwimmen. Es wirkt so, als ob er, als er die Entscheidung getroffen hatte, dies entschlossen, mutig und kraftvoll tut: „Der kleine Junge aber schwamm. Sein Kopf war steil erhoben und hinten am Wirbel spießten die kurzen, blonden Haare hoch.“ (Z. 42/43) In diesem Moment erscheint der Junge selbst wie ein stolzer Schwan mit langem Halse und Haare wie Federn.
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Es scheint so zu sein, als ob diese Entscheidung die richtige war, da die Schwäne zurückweichen.
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Der kleine Junge macht also eine Entwicklung durch: Vom Gefühl des Stolzes, der großen Angst vor der lebensbedrohlichen Gefahr über die Erfahrung eine mutige Entscheidung treffen zu müssen.
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Es bleibt offen und der Interpretation der Lesenden überlassen, ob er zukünftig vorsichtiger sein wird oder aber diese letzte Erfahrung ihm noch mehr Mut einflößt, da er die Erfahrung gemacht hat, in einer solchen Situation zu bestehen.
Schluss
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Intention & Aussage des Autors
Schildern des Glücksgefühls neue erste Erfahrungen zu machen; Gefühl von Selbstständigkeit
Darstellung von großer Angst und einer lebensgefährlichen Bedrohung
Beeinflussung / Verunsicherung durch die Ängste von Eltern
Beschreibung von Mut, sich der Situation zu stellen und eine Entscheidung treffen zu müssen; aktiv zu werden; Überwindung von Grenzen; Bekämpfung von Ängsten
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Bedeutung für die heutige Zeit (Transfer)
Individuelle Lösungen