Lerninhalte in Deutsch
Inhaltsverzeichnis

Textverständnis A1

Thema

Julia Kainz: Artgerecht oder altmodisch: Wie zeitgemäß sind Zoos?

Aufgabenstellung

1)

Prüfe, ob die folgenden Aussagen mit dem Sachtext übereinstimmen.

Notiere entsprechend: trifft zu / trifft nicht zu

a)

Die Mehrheit aller Deutschen geht gerne in den Zoo und befürwortet deren Konzept.

b)

Tiere leben heute in Zoos auf engstem Raum wie in Gefängnissen zusammen.

c)

Der Naturschützer und Meeresbiologe R. Lehmann befürwortet Zoos, weil Tiere dort artgerecht gehalten werden.

d)

Manche Experten halten Zoos heute für wichtiger als jemals zuvor, weil nur dort Arten, die in freier Wildbahn bereits ausgestorben seien, überleben könnten.

e)

Tierschützer kritisieren, dass Wildtiere in Zoos gefangen gehalten werden und daher leiden, weil dies nicht ihren Bedürfnissen entspreche.

f)

Die Kritiker denken, dass Menschen ihr Wissen über Tiere und die Natur heutzutage auch auf andere Weise gewinnen können und es dafür keine Zoos brauche.

3 P

2)

Nenne die wichtigsten Aufgaben von Zoos, die deren Befürworter anführen (zwei Aspekte).

1 P

3)

Stelle an mindestens zwei wahrnehmbaren Veränderungen dar, wie sich das Konzept der Tierhaltung in modernen Zoos im Gegensatz zu früher gewandelt hat.

2 P

4)

Erkläre, auf welche Weise die Zoos versuchen, das Überleben bedrohter Arten zu sichern.

2 P

5)

Erläutere, was der Naturschützer R. Lehmann mit dem Vorwurf meint, Tiere würden in Zoos nur „zur Schau gestellt“ (Z. 19).

2 P
10 P

Material

Artgerecht oder altmodisch: Wie zeitgemäß sind Zoos?

Julia Kainz

1
Wer Tiere liebt, geht gerne in Zoos. Das ist zumindest die Auffassung vieler Deutscher.
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Einer Umfrage des Instituts Forsa aus dem Jahr 2020 zufolge befürworten 82 Prozent
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der Befragten Zoos, zwölf Prozent lehnen sie ab. Während die Besucher vor den Gehe-
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gen einen Blick auf die Tiere werfen, läuft im Hintergrund seit Jahren eine Debatte zwi-
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schen Tierschützern und Zoobetreibern, ob die Haltung von Wildtieren noch zu rechtfer-
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tigen ist. Die Meinungen der Expertinnen und Experten sind sehr unterschiedlich.
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Früher waren Zoos Gefängnisse für Tiere aus Gitter und Beton. Viele Tiere lebten auf
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kleinstem Raum zusammen.
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Heute haben sich die engen Gefängnisse aus Beton und Kacheln in weitläufige Gehege
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mit Wasserfällen und Bepflanzung verwandelt. Tiere eines Lebensraums, beispielsweise
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Zebras und Antilopen, werden gemeinsam gehalten. „Man will nicht mehr vorrangig Git-
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terstäbe sehen, sondern Landschaften“, erklärt Volker Homes, Geschäftsführer des Ver-
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bands der Zoologischen Gärten (VdZ).
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Für den Naturschützer, Naturfilmer und Meeresbiologen Robert Marc Lehmann hat die
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optische Veränderung von Zoos dagegen vor allem einen Grund: „Zoos werden so ge-
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staltet, dass sich die Besucher wohlfühlen und alles für schön und artgerecht halten“,
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findet er. Lehmann hält Zoos für nicht mehr vertretbar.
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Vor Jahrzehnten seien sie für die damalige Gesellschaft möglich gewesen. „Aber das
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Jahrtausende alte Konzept Zoo, das Tiere zur Schau stellt, ist heute einfach unmodern“.
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Volker Homes vom VdZ sieht das anders. Da der Mensch immer weiter in die Natur vor-
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dringe und Lebensräume verloren gingen, seien Zoos „notwendiger denn je“. Artenschutz
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ist heutzutage nämlich ein wichtiges Ziel.
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Zoos organisieren sich in übergreifenden Programmen zur Erhaltung von vielen Tierarten
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und tauschen ihre Tiere untereinander für die Zucht aus. Wie der VdZ erklärt, handelt es
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sich um etwa 50 Arten, die in freier Wildbahn bereits ausgestorben waren und nur in Zoos
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überlebt haben. Ein Beispiel ist das Europäische Wisent, von dem heute wieder mehrere
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tausend Tiere in Freiheit leben.
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Für Lehmann dagegen sind die einzelnen geretteten Arten keine Rechtfertigung für „das
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millionenfache Leid von Tieren“, also die Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft, zu-
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mal die meisten davon gar nicht vom Aussterben bedroht seien.
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Wissenschaftlich geführte Zoos argumentieren mit ihrem Beitrag zum Artenschutz und
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der Vermittlung von Wissen. Während die Vertreter der Zoos von dem Ziel sprechen, den
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Tieren bestmögliche Lebensbedingungen und den Besuchern Naturschutzbildung zu bie-
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ten, verweisen Tierschützer auf andere Möglichkeiten für Fortbildung und Artenschutz,
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die es nicht erfordern, Millionen Tiere in Gefangenschaft zu halten.
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Die gesamte Diskussion ist hitzig – verschiedene Studien liefern unterschiedliche Ergeb-
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nisse.

Aus: Kainz, Julia: „Artgerecht oder altmodisch: Wie zeitgemäß sind Zoos?“; Zugriff am: 19.04.2022 (zu Prüfungszwecken bearbeitet)

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