Aufgabe 2 – Lyrik
Thema
Rainer Maria Rilke: Der Panther (erschienen 1902/03)
Aufgabenstellung
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Setze dich mit diesem Gedicht in Form einer Textbeschreibung auseinander.
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Gliedere dabei deinen Text in die folgenden Abschnitte und berücksichtige die genannten Gesichtspunkte:
→ Einleitung: Autor, Textsorte, Titel, Quelle, Thema / Kernaussage und geraffte Darstellung des Inhalts
→ Hauptteil: formaler Aufbau; wie wird der Panther dargestellt? Beschreibe den Panther und seine Situation anhand von mindestens drei sprachlichen Mitteln / Stilmitteln und deren Wirkung / Funktion; Stimmung / Atmosphäre des Gedichtes
→ Schluss: Aussage des Gedichts / mögliche Intention des Autors; mögliche Bedeutung für die heutige Zeit oder sich selbst
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Formuliere einen zusammenhängenden, strukturierten Text. Achte dabei auf korrekte Sprache und Rechtschreibung, beides wird bewertet.
Material
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
Rainer Maria Rilke (* 4.12.1875 - † 29.12.1926)
Aus: Rilke, Rainer Maria: „Der Panther“, Zugriff am 21.04.2024.
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Einleitungssatz (Autor, Textsorte, Titel, Thema / Kernaussage)
Das Gedicht Der Panther von Rainer Maria Rilke beschreibt die Auswirkungen von Gefangenschaft.
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geraffte Darstellung des Inhalts
In der ersten Strophe stellt das lyrische Ich die Gefangenschaft des Panthers in den Mittelpunkt, welche hier von Stäben verkörpert werden. Die zweite Strophe beschreibt, wie er in immerwährenden Kreisen auf viel zu engem Raum den Käfig elegant durchmisst, jedoch seine natürliche Kraft, sein Wille und sein Bewegungsdrang beschnitten sind. In der letzten Strophe wird erzählt, wie wertlos ihm alle erfassten Bilder sind. Eine tiefe Resignation des Panthers wird deutlich.
Hauptteil
Formaler Aufbau
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Das Gedicht hat drei Strophen (Quartett) mit jeweils vier Versen.
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Es wird durchgängig ein Kreuzreim verwendet. (Dieser unterstreicht den rhythmischen Gang des Panthers und die Monotonie seines Lebens.)
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Erste und dritte Strophe beginnen mit einem Enjambement.
Darstellung des Panthers und seiner Situation und die jeweiligen Stilmittel
Gefangenschaft, Monotonie & Langeweile
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Hyperbel und Wiederholung: „tausend Stäbe“ (V. 3)
Er nimmt die Stäbe seines Käfigs als übermächtig wahr. Gepaart mit der folgenden Zeile und der dortigen Wiederholung bekommt der Leser außerdem noch den Eindruck vermittelt, dass das Tier noch etwas anderes als seine Zelle kennen muss: „...und hinter tausend Stäben keine Welt.“ (V. 4). Er muss eine Vorstellung von der Welt haben, welche er jedoch nur noch verschwommen in seiner Erinnerung hält („keine Welt“), da die Stäbe ihn schon so lange festhalten, dass es ihm erscheint, als wären sie alles, was die Welt ist, obwohl er es gedämpft besser weiß.
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Binnenreim / Assonanz: „Stäbe gäbe“ (V. 3)
Durch den Gleichklang werden noch einmal die Stäbe betont sowie ein besonderer Rhythmus beim Lesen erzeugt, der an seinen monotonen Gang erinnert.
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Superlativ (Hyperbel): „allerkleinsten Kreise“ (V. 6)
Auch hier wird deutlich, dass der Bewegungsdrang beschränkt wird auf ein Minimum, welches der Natur des Panthers nicht gerecht wird.
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Enjambements: „..vom Vorübergehen der Stäbe / so müd geworden,“ (V. 1/2)
Der Zeilensprung lenkt den Blick auf die Stäbe, die scheinbar lebendiger sind als alles andere.
„..schiebt der Vorhang der Pupille / sich lautlos auf...“ (V. 9/10)
Auch hier wird das Augenmerk auf ein bedeutsames Bild – den Vorhang – gelegt (s. u.).
Ursprüngliche Stärke, Eleganz, Wille & Bewegungsdrang
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Anapher: „Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, / der sich im...“ (V. 5/6)
Die Anapher stellt eine Verbindung und damit den Widerspruch her zwischen der Eleganz und Stärke des Panthers und seiner Beschränkung durch die Gefangenschaft.
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Alliteration: „Gang geschmeidig“ (V. 5)
Der Gleichklang der Anfangslaute ist wie ein Strahler, der unseren Blick auf die Eleganz des Panthers lenkt.
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Inversion („Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,“) betont die Eleganz ebenfalls, denn eigentlich gehört das Adjektiv „geschmeidig“ zu den starken Schritten, doch beim Lesen entsteht eine Verbindung zum Gang, der dadurch auch geschmeidig erscheint.
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Vergleich: „wie ein Tanz um eine Mitte“ (V. 7)
Der Tanz beschreibt die Eleganz und den natürlichen Bewegungsdrang des Panthers und steht für Lebensfreude, die aber begrenzt wird, da er nur im Kreis und um seine Mitte erfolgen kann.
Energielosigkeit, Müdigkeit & Passivität
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Personifikation: „Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält,“ (V. 1/2).
Durch die Personifikation seines Blickes wird die Erschöpfung des Panthers dargestellt. Außerdem wirkt es so, als ob sogar die Stäbe lebendiger sind als der Panther, da sie diejenigen sind, die „vorübergehn“.
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Gegensatz: „in der betäubt ein großer Wille steht.“ (V. 8).
Durch die Gefangenschaft wird der Instinkt des machtvollen Panthers gezwungen zu ruhen, obwohl sein natürliches Bedürfnis ein ganz anderes ist.
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Metapher: „Vorhang der Pupille“ (V. 9)
Ein Vorhang ist eher schwer und trennt das Innen von dem Außen. So bleibt den Betrachtern das Innenleben des Panthers verborgen, aber auch der Panther nimmt nur manchmal Reize aus der Außenwelt auf.
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Personifikation: „... Dann geht ein Bild hinein,“ (V. 10)
Diese Personifikation unterstreicht die Passivität des Panthers.
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Pronomen für den Panther: Nur im Titel wird deutlich, dass der Sprecher des Gedichtes einen Panther in Gefangenschaft beschreibt. In den drei Strophen werden nur Pronomen benutzt und dies verstärkt den Eindruck der Verdinglichung und der Passivität des Panthers.
Sehnsucht, Endlichkeit & Vergänglichkeit
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Inversion: „geht durch der Glieder angespannte Stille –“ (V. 11)
Diese ungewöhnliche Satzstellung lässt die Lesenden aufmerksam werden und möglicherweise entsteht das Bild von zitternden Muskeln, die sich sehnen ihrer Natur folgen zu können.
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Personifikation: „und hört im Herzen auf zu sein“ (V. 12)
Der letzte Vers, eingeleitet durch einen Gedankenstrich, dessen Pause eine Spannung (oder einen Abgrund) aufbaut, beendet die Beschreibung mit einer schmerzlichen Gleichgültigkeit eines Wesens, welches sich schon so weit aufgegeben hat, dass es bloß noch als Hülle existiert.
Stimmung/Atmosphäre
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Das Gedicht wirkt hoffnungslos, traurig und verzweifelt, wenn man die eigentliche Kraft, das eigentliche Wesen des Panthers als etwas Schönes begreift.
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Fühlt man sich in den Panther ein (wobei einen die gewählte Tempusform – das Präsens – unterstützt), dann ergreift einen vielleicht sogar eine Hoffnungslosigkeit, eine Leere, denn zwischen den Zeilen hängt der Rest von längst vergessenem Sehnen und in seinen Gliedern juckenden Bedürfnissen, welche nicht ausgelebt werden können und dies führt dazu, dass sich das gefangene Wesen aufgibt.
Schluss
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Aussage des Gedichts/Intention des Autors
Der Autor zeigt durch die Erzählung des lyrischen Ichs in aller Deutlichkeit die Auswirkungen von Gefangenschaft. Sogar ein kraftvolles gefährliches Lebewesen wie der Panther verliert jegliche Lebensfreude und jeden Willen. Rainer Maria Rilke hat hier als explizites Beispiel den Panther beschrieben, doch dieser Zustand lässt sich verallgemeinernd auf jedes versklavte Tier oder jeden Menschen übernehmen: Gefangenschaft verdinglicht alle Lebewesen. Die Auswirkungen dieser Gefangenschaft werden in der letzten Strophe besonders deutlich beschrieben, weil alle Außenreize keinerlei Widerhall im Herzen finden, keine Regung hervorrufen. Hier wird das Bild einer totalen Passivität erzeugt und sogar das Ende (Tod) des Wesens angedeutet.
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Bedeutung für die heutige Zeit oder für sich selbst (Transfer):
Individuelle Lösungen