Block IV – Analyse und Interpretation
Theoretisch-schriftliche Aufgabe

Vincent van Gogh
(1853-1890),
Die Ernte, 1888,
Rohrfeder und braune Feder über Vorzeichnung mit Graphitstift,
24 × 32 cm

Edward Weston
(1886-1958),
Tomato Field, Big Sur, 1937,
Fotografie
Beschreibung
Beschreibe die dargestellten Situationen beider Werke und schildere deine ersten Eindrücke.
Analyse
Analysiere beide Bilder. Stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
Interpretation
Interpretiere die Werke vergleichend. Berücksichtige dabei auch deine Sicht auf das Thema IN ORDNUNG – MUSTER, STRUKTUR UND ORNAMENT.
Materialien:
beiliegende Reproduktionen, weißes Kopierpapier zum Schreiben (gestempelt)
Beschreibung, Analyse und Interpretation der Werke
1. Vincent van Gogh: Die Ernte, 1888
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Blick über eine weite, flache Landschaft
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Einladung zum Durchwandern
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detailreiche, erzählende Situation
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im Vordergrund eine Uferböschung oder ein Weg, dahinter der hölzerne Zaun als Einfassung eines Gemüsegartens
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im Garten in der Bildmitte ein Mensch
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hinter dem Garten weite Felder, Strohhaufen, Erntewagen, vereinzelte Gehöfte und arbeitende Bauern
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im Hintergrund Begrenzung der Ebene durch Bergkette und Stadt oben links
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bildbestimmend ist die in horizontalen Streifen angelegte Komposition
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Weg/Fluss, Böschung und Zaun im Vordergrund erscheinen als Abfolge unterschiedlicher grafischer Strukturen: senkrechte und waagerechte Schraffuren wechseln mit unregelmäßigen Strichen
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Tiefenraum entwickelt sich hinter dem Zaun: kleiner werdende Gehöfte und Bäume sowie die verkleinerte Zeichenstruktur machen eine erstaunliche Entfernung sichtbar
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lineares Gerüst der Felder wird zu einem Flächenmuster, Perspektive schafft Raum
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vertikale Striche im Hintergrund antworten dem Zaun im Vordergrund, der schmale unbearbeitete Streifen darüber steht für einen klaren Himmel
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Pünktchen in der Ebene, sowohl als Stoppelfelder wie auch als Getreide zu lesen, vereinheitlichen den Mittelgrund und bilden einen Kontrast zum Vordergrund
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unendlich weite Landschaft gewinnt an Bedeutung, da sie einfaches bäuerliches Leben eindrucksvoll beschreibt – ein Thema, das Vincent van Gogh schon in seinem holländischen Frühwerk beschäftigte
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jetzt aber ordnet sich die Arbeit der Bauern in die Landschaft ein, ihre Tätigkeit scheint mit ihr verwoben
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man möchte über den Zaun steigen, durch die Felder laufen, den Bauern bei der Arbeit zusehen, ein Schwätzchen halten, den sonnigen Tag genießen
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Felder, so weit man sehen kann
2. Edward Weston: Tomato Field, Big Sur, 1937
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die Weite der Landschaft prägt den ersten Eindruck von dieser querformatigen Schwarzweißfotografie
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das Tomatenfeld, in welchem der Fotograf/Betrachter scheinbar steht, erstreckt sich fast endlos vom Vordergrund bis hinter den Hügel
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in der Ferne eine sanfte Bergkette den Horizont verdeckend und ein klarer Himmel, der die Fotografie abschließt und an einen angenehmen Frühlingstag denken lässt
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ein angenehmes Licht gibt der Situation eine friedliche und fruchterwartende Stimmung
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die jungen Pflanzen auf dem Feld sind in Reihen angeordnet, die eine klare Struktur aufweisen, aber durch die hügelige Erhebung auch eine Bewegung und Dynamik suggerieren
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leichte Schrägen verbinden sich zu einem Muster, das die landschaftliche Fläche prägt
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die Bergkette ist von dem Sonnenlicht des Tages bestrahlt, ein solitärer Baum sticht hervor, erkennbar ist links auch ein wild wachsendes Gebüsch
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die horizontale Gliederung des Hintergrundes wird durch die hügelige Bergkette vor wolkenlosem Himmel geprägt, auffällig ist die Steigung von links nach rechts
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das titelgebende Tomatenfeld erstreckt sich über gut zwei Drittel der Fotografie und erlangt dadurch enorme Bedeutung
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der Fotograf fängt die Situation in der Normalsicht ein, hat aber eine leicht erhöhte Position, sodass der Blick auf das Feld und in die Weite der Landschaft gerichtet ist
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die Pflanzen auf dem Feld bilden aneinandergereiht Linien, die sich wiederum kreuzen und eine Ordnung ergeben, die jedoch nicht statisch ist, sondern von einer Bewegtheit geprägt wird
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Größenabnahme, Überschneidung und Staffelung betonen die Tiefe des Raumes
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durch das Licht, welches auf die Pflanzen fällt, heben diese sich heller vom fruchtbaren, dunklen Boden ab und es entsteht ein Hell-Dunkel-Kontrast
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im Hintergrund wechseln sich Licht- und Schattenbereiche ab, der Himmel ist die hellste Fläche und nimmt ungefähr ein Sechstel der Gesamtfläche ein
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die Wirkung der Fotografie geht von einer Diskrepanz zwischen der natürlichen Landschaft an sich und der vom Menschen angepflanzten Kultur aus, diese spiegelt sich in einem Kontrast zwischen den in Reihen angeordneten Tomatenpflanzen und den im Hintergrund befindlichen einzeln stehenden Bäumen bzw. Büschen wider
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Wieviel Arbeit steckt in dieser Anordnung der Tomatenreihen, die ein einzigartiges Muster ergeben?
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Wie groß ist die Hoffnung auf einen ertragreichen Sommer, auf eine gute Ernte, auf ausbleibende Schädlinge und Krankheiten und einen besonderen Geschmack der Früchte?
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„Trockener Kopf und nasse Füße“ – um Braunfäule zu vermeiden und eine reiche Ernte zu gewährleisten, Abhängigkeit des Menschen bezogen auf Ernteerfolge von den Bedingungen des Wetters und der Natur
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Wer hat gepflanzt, wer pflegt die zarten Gewächse und wer erntet die Früchte?
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Kein Mensch ist sichtbar, aber nur durch Menschenhand ist die Situation geschaffen und gewollt, das Ergebnis: eine Ernte reifer Tomaten als Grundbedürfnis des Menschen, den Nahrungsbedarf zu decken
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die scheinbar menschenleere und unberührte Natur steht einer kultivierten Anpflanzung und Fruchtfolge mit entsprechender Ernte entgegen
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Ordnung und Struktur vs. Willkür in der Natur oder menschlich genutzte Natur vs. Natürlichkeit
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eine Vorfreude auf das bevorstehende Erntejahr wird suggeriert
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ein Duft von Wärme und Geschmack legt sich über die Fotografie
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Einheit von menschlich genutztem und kultiviertem Landschaftsraum und Natur
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ausgewogenes Verhältnis von Landwirtschaft und Natur