Block IV – Analyse und Interpretation
Theoretisch-schriftliche Aufgabe

Karl Schmidt-Rottluff
(1884-1976)
Selbstbildnis mit Einglas, 1910
Öl auf Leinwand,
84 × 76,5 cm

Frida Kahlo
(1907-1954)
Selbstbildnis mit einem Affen, 1938
Öl auf Hartfaser,
40,6 × 30,5 cm
Beschreibung
Schildern deine ersten Eindrücke und beschreibe die dargestellten Situationen beider Werke.
Analyse
Analysiere beide Werke im Hinblick auf die Aspekte Gegenstand, Komposition, Form, Farbe sowie Raum und stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
Interpretation
Interpretiere die Werke vergleichend. Berücksichtige dabei auch deine Sicht auf das Thema NAH AM LEBEN.
Materialien:
beiliegende Reproduktionen, weißes Kopierpapier zum Schreiben (gestempelt)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Beschreibung, Analyse und Interpretation der Werke
1. Karl Schmidt-Rottluff: Selbstbildnis mit Einglas, 1910
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das Selbstporträt ermöglicht den Blick auf eine bekannte Künstlerpersönlichkeit
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die intime Nähe zeigt, wie der Maler sich sah oder gesehen werden wollte: streng, intellektuell, diskussionsbereit und klar
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aufrecht stehend als Halbfigur blickt der Künstler den Betrachter durch ein Einglas, das er vor das rechte Auge gesetzt hat, an
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die Kurzhaarfrisur und der Vollbart verstärken zudem die strenge Wirkung des Gesichtes
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sein rechter Arm ist angewinkelt und Daumen und Zeigefinger seiner Hand sind so zusammengeführt, dass etwas Gestisches in Erscheinung tritt
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die gewählte Kleidung ist an sich schlicht, aber die Farbe des Rollkragenpullovers, den Schmidt-Rottluff zur dunklen Hose trägt, wirkt etwas extravagant
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die unregelmäßige helle Fläche hinter dem Maler rahmt das Porträt auf besondere Weise
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Anschnitte des Selbstporträts am oberen und unteren Bildrand erzeugen Nähe zum Betrachter
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kompositorisch bildet die Halbfigur vor der Schräge der Bodenleiste das optische Zentrum; dabei ist sie tatsächlich etwas nach links gerückt, was durch die Position des Kopfes in der oberen Bildmitte und die nach rechts gerichtete Hand aber wieder ausgeglichen wird
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das kräftige Grün des Pullovers unterstützt den Eindruck der Mittigkeit; es leuchtet bereits durch die komplementären Rot- und Brauntöne des Hintergrundes und wird zusätzlich durch das Gelb hinter ihm hervorgehoben
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dieses Gelb steht zudem mit dem schwarzen Haar des Malers, den kräftigen Konturen sowie dem Schatten, der zwischen Oberkörper und angewinkelten Arm gesetzt ist, im Hell-Dunkel-Kontrast
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anhand der angedeuteten Licht-Schatten-Gestaltung zeigt sich, dass der Bildraum zwar vereinfacht, jedoch nicht aufgegeben ist; auch die Überschneidung unterschiedlicher Ebenen und die schräge Trennung von Boden und Wand tragen zu diesem Eindruck bei
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im Hinblick auf die Formensprache zeigt sich Vereinfachung, die in Richtung Hintergrund zunimmt, während die Figur im Vordergrund noch mit Details versehen ist
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hier scheint ein Maler sich nicht nur als intellektueller Künstler zu inszenieren, sondern auch das Gespräch mit dem Gegenüber, das er direkt anblickt, zu suchen
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Einladung zum Austausch über das Neue, das die junge Generation dem erwachenden 20. Jahrhundert zu schenken vermag und was nach anfänglichem Spott zur Kunst der Moderne erhoben wird
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dieses Neue sind die kontrastreiche Farbigkeit, die Vereinfachung von Form und Raum zugunsten des Ausdrucks und somit Stilkennzeichen des Expressionismus
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Karl Schmidt-Rottluff gehörte der Künstlergruppe „Die Brücke“ an, die 1905 in Dresden gegründet wurde und deren Bilder heute Weltruhm genießen
2. Frida Kahlo: Selbstbildnis mit einem Affen, 1938
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ein Selbstporträt mit unglaublicher, sofort ins Auge springender Intensität
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der Blick eher nach innen gerichtet, melancholisch, nachdenklich, verträumt, aber auch fordernd
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ein Bild, welches den Betrachter ebenso ansieht wie der Betrachter das Bild
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leicht schräge Haltung des Kopfes, direkter Blick über die Schulter – ein aus dem Malprozess resultierender Selbstporträtblick
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eher ruhig und gefasst, nicht überschwänglich
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das hochgesteckte, schwarz-grün schimmernde Haar verstärkt diesen Eindruck
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ein Affe mit grünem Band legt schützend seinen Arm um den Nacken der Künstlerin mit direktem Blick auf den Betrachter
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der Hals geschmückt mit einer Kette aus Naturmaterial
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hinter der Malerin eine abschirmende, schützende Blätterwand, die nur links oben einen Blick in den blauen Himmel erlaubt
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kompositorisch rückt das im Zentrum stehende Gesicht der Künstlerin etwas nach links oben und der über die Schuler schauende Affe in die linke untere Bildhälfte
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Gesicht und Hals der Malerin in leuchtendem Gelb-Orange werden gerahmt durch die reichhaltig differenzierte grüne Blätterwand mit weiß aufgehellten Passsagen
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im Kontrast dazu besonders auffällig Frida Kahlos schwarz-grüne Haare und zusammengewachsene Augenbrauen sowie das dunkle Fell des Affen
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ausgleichend wirkt eine zarte Licht-Schatten-Modulation
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die fast geschlossene Blätterwand sorgt für einen eher abgeschlossenen Raum
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Malstruktur und Formensprache folgen klassischen Prinzipien – diese Art, zu malen, erfordert besondere Aufmerksamkeit
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die Künstlerin stellt ihr inneres Erleben dar
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besonders beeindruckend ist ihre Fähigkeit, sich selbst so ehrlich wahrzunehmen und ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen
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dieses Selbstporträt mit dem Affen als beschützendem Begleiter, als Vertrautem und Freund ist ganz nah am Leben und ermöglicht dem Betrachter einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben: in welcher ganz eigenen Welt lebt sie, wovon träumt sie; warum ist sie so ernst und gedankenverloren?
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es ist ein In-Frage-stellen, um den eigenen Standpunkt zu bestimmen, auch für den Betrachter – das bringt weiter
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Frida Kahlo als bedeutende Vertreterin mexikanischer Kunst der klassischen Moderne mit starken surrealistischen und symbolistischen Tendenzen