Block IV – Analyse und Interpretation
Theoretisch-schriftliche Aufgabe
HIER UND JETZT

Pauline Boty
(1938–1966)
Die einzige Blondine der Welt, 1963
Öl auf Leinwand

Lise Sarfati
(*1958)
Terri #31, Hillsboro (Stadt in Washington County), Oregon, 2003
C-Print
Beschreibung
Schildere deine ersten Eindrücke und beschreibe die dargestellten Situationen beider Werke.
Analyse
Analysiere beide Werke im Hinblick auf die Aspekte Gegenstand, Komposition, Farbe sowie Raum.
Stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
Interpretation
Interpretiere die Werke vergleichend unter Berücksichtigung deiner Sicht auf das Thema HIER UND JETZT.
Materialien:
beiliegende Reproduktionen, weißes Kopierpapier zum Schreiben (gestempelt).
Weiter lernen mit SchulLV Plus!
monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Lise Sarfati: Terri, #31, Hillsboro, OR, 2003 vs. Pauline Boty: The only Blonde in the World, 1963
-
dokumentarische, minimalistische Farbfotografie zeigt eine junge Frau, Terri, die vor einem Eingang eines typischen amerikanischen Convenience-Stores oder einer Tankstelle steht, im Hintergrund ist ein Parkplatz zu erkennen
-
sie trägt einen grauen Kapuzenpullover, ein dunkles T-Shirt, hat schulterlanges, rötliches Haar, das lose über eine Schulter fällt, ein eher blasses ungeschminktes Gesicht, abgesehen von starkem Lidstrich, der ihre Augen betont; Körperhaltung ist entspannt, aber gleichzeitig nachdenklich, fast melancholisch
-
sie schaut nicht direkt in die Kamera, sondern leicht daran vorbei, ihr Blick wirkt leer und abwesend, als ob sie gedanklich in eine andere Welt entrückt ist
-
Gebäude mit den grellen Leuchtstofflampen und der Glasfront mit reflektierenden und transparenten Flächen vermitteln einen Eindruck von Urbanität und Alltäglichkeit
-
Querformat, typisch für dokumentarische Fotografie, bezieht Umgebung ein, um Interaktion zwischen Terri und ihrer Umgebung hervorzuheben und Hinweis auf die soziale Realität der Figur zu geben
-
Bildaufteilung in klassischer Drittelregel, Terri im mittleren Drittel des Bildes positioniert, aber leicht nach rechts versetzt
-
diagonale Linie des Ladendaches und die vertikalen Linien der Glastür im Hintergrund wirken wie ein visueller Rahmen, der Terri in den Fokus rückt und gleichzeitig den Blick des Betrachters von den Rändern des Bildes zurück zu ihr lenkt; spannungsvolle Schrägen kontrastieren mit kühler, starrer Atmosphäre im Bild
-
gedämpfte Farbpalette, kühle, neutrale erdige Töne
-
auch dunklere Farben des Ladens gehen mit dem grellen Licht, das Terris Gesicht beleuchtet, und ihrer blassen Haut und hellen Kleidung einen Kontrast ein, dadurch hebt sich Terri vom Hintergrund ab, was sie zum Mittelpunkt des Bildes macht
-
geringe Tiefenschärfe sorgt dafür, dass Terri klar und deutlich hervorgehoben wird, während der Hintergrund weicher und unschärfer ist, obwohl sie in einem öffentlichen Raum steht, wirkt sie durch die selektive Schärfe wie allein und gedanklich entrückt
-
leichte Untersicht, wodurch sie ein wenig erhöht und erhaben, aber auch isoliert wirkt
-
Halbnahaufnahme bringt Terris Oberkörper und Gesicht prominent in den Vordergrund, so dass ihre Mimik und Körperhaltung gut sichtbar sind
-
Terris Blick ist nicht direkt auf den Betrachter gerichtet, sondern eher leicht nach unten und ins Leere, was eine introvertierte und distanzierte Haltung vermuten lässt
-
natürliches, diffuses Licht, das auf Terris Gesicht fällt, ist weich und gleichmäßig, wodurch eine sehr natürliche plastische Darstellung ihrer Figur ohne harte kühle Schatten entsteht
-
der Ort, der Convenience-Store bzw. die Tankstelle, ist typisch für die amerikanische Landschaft und steht oft für Transiträume, in denen Menschen nur kurz verweilen, bevor sie weiterziehen; Terri, die hier möglicherweise verharrt, scheint jedoch in diesem Übergangszustand gefangen zu sein, was auf eine Phase des Wartens oder der Unsicherheit in ihrem Leben hinweisen könnte
-
die typischen Elemente eines solchen Ortes – die Neonlichter, die Werbeschilder, das Glas und die reflektierenden Oberflächen – verstärken das Gefühl der Künstlichkeit und der Entfernung von einer authentischen, tiefen Lebenserfahrung
-
die Serie „The New Life“ (2005) zeigt Aufnahmen von jungen Charakteren und ihr Gefühl, nicht im Einklang mit der Welt zu sein; jede Figur erscheint gleichzeitig im Hier und Jetzt des Bildes und an einem undefinierbaren Anderswo
-
während es sich in Sarfatis Fotografie um unbekannte Jugendliche in den USA handelt, sind es in Botys Bildern schimmernde Persönlichkeiten aus der Film- und Fernsehwelt
-
Pauline Boty war eine der wenigen Vertreterinnen der Pop-Art-Bewegung in den 1960er Jahren
-
„Die einzige Blondine der Welt“ zeigt Marilyn Monroe und vereint Elemente der Popkultur mit Botschaften zur Rolle der Frau in der Gesellschaft
-
im Gegensatz zu Sarfatis „Terri“ befindet sich in Botys Malerei die Person nach links aus der Mitte herausgerückt, annähernd im Goldenen Schnitt des Bildes, die Komposition ist dreigeteilt, mit einer vertikalen „Öffnung“, durch die die Figur der Blondine sichtbar wird
-
links und rechts sind große grüne Flächen zu sehen, die mit roten, grau-violetten und orangefarbenen Formen versehen sind; diese abstrakten, kreisförmigen und diagonalen Formen wirken wie visuelle Signale, die die Blondine umrahmen und hervorheben, wodurch Marilyn Monroes Präsenz als Ikone und Objekt der Betrachtung verstärkt wird
-
während Sarfatis Figur wie eingefroren wirkt, ist Botys Figur der Blondine in Bewegung dargestellt
-
ihre Pose ist selbstbewusst, Ausdruck von Individualität oder Glamour, gleichzeitig auch etwas künstlich und inszeniert, wie eine Figur aus der Popkultur
-
im Gegensatz zu den gedämpften und natürlichen Farben von Sarfati, die die stille Wirkung des Bildes unterstützen, verwendet Boty kontrastreiche Komplementärfarben wie Grün und Rot sowie Blau und Orange, die das Werk energiegeladen und provokativ erscheinen lassen
-
der pastose Farbauftrag mit teilweise starkem Pinselduktus unterstützt das Gefühl von Bewegung und Dynamik
-
im Vergleich zu Sarfati, die durch die geringe Tiefenschärfe Terri hervorhebt, trennt Boty zwei Bereiche, einen realistischen mit der Schauspielerin von einem plakativen Rahmen, was das Gesamtwerk künstlich und popkulturell überhöht erscheinen lässt – ein Einblick in die Oberflächlichkeit von Schönheitsidealen
-
beide Werke verweisen so auf die Spannungen zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung, zwischen Authentizität und Inszenierung; im Hier und Jetzt erinnert dieser Bildvergleich daran, wie wichtig es ist, mediale Bilder kritisch zu hinterfragen und Menschen in ihrem Streben nach echtem Selbstausdruck und innerer Sicherheit zu unterstützen
Hinweise zum Vergleich
Herausstechende Gemeinsamkeiten und Unterschiede müssen deutlich formuliert werden.
Gewichtung