Block II – Analyse und Interpretation
Aufgabe mit schriftlichem Schwerpunkt und gestalterischem Anteil

Pierre Auguste Renoir
(1841-1919)
Die Loge (La loge), Nini Lopez in Begleitung von Edmond Renoir, 1874
Öl auf Leinwand
80 × 64 cm

Wilhelm Leibl
(1844-1900)
Drei Frauen in der Kirche, 1881
Öl auf Mahagoniholz
113 × 77 cm

Andy Warhol
(1928-1987)
Joseph Beuys, 1986
Siebdruck mit Acryl auf Leinwand
254 × 203,6 cm

Shirin Neshat
(*1957)
Speechless, 1996
Gelantineabzug mit Tusche
80 × 64 cm
Beschreibung
Wähle aus den beiliegenden Reproduktionen ein Werk aus und begründe deine Wahl.
Schildern deinen ersten Eindruck und beschreibe die dargestellte Situation.
Analyse
Analysiere das Bild (Gegenstand, Komposition, Form, Farbe, Raum).
Unterstütze deine Untersuchungen durch entsprechende Skizzen und Studien.
Präsentiere deine bildnerischen Ergebnisse angemessen.
Interpretation
Interpretiere das Werk und stelle dabei auch deine Sicht auf das Thema NAH AM LEBEN dar.
Ordne das Werk kunsthistorisch ein und begründe die Zuordnung unter Berücksichtigung deiner Analyseergebnisse.
Materialien und Geräte:
beiliegende Reproduktionen, diverse Mal- und Zeichenpapiere, Transparentpapier, Stifte, Kreiden, Farben, Pinsel, Kopierer, weißes Kopierpapier zum Schreiben (gestempelt)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Eindrücke, Analysiere und Interpretation der Werke
1. Pierre Auguste Renoir: Die Loge (La loge), Nini Lopez in Begleitung von Edmond Renoir, 1874
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NAH AM LEBEN – ein Besuch im Theater
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sehen und gesehen werden – ein gut gekleidetes Paar in einer Theaterloge
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eine Porträtmalerei im Hochformat, die wie ein klassisches Bildnis anmutet
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die dargestellte Situation deutet auf ein kulturelles Ereignis hin: eine Opernaufführung, ein Konzert oder ein klassisches Drama
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die Dame links im Bild ist Nini Lopez, ein Lieblingsmodell von Renoir, ihr Begleiter der Bruder von Pierre Auguste Renoir
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sie trägt à la mode ein prachtvolles Abendkleid, das die modernen schwarz-weißen Streifen dieser Zeit aufweist und mit Spitzen verziert ist
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Blumen im Dekolleté und in die Haare gesteckt sind zarte Farbtupfer im Gesamtbild ihrer prächtigen Erscheinung
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Halsketten und Ohrringe schmücken die junge Dame zusätzlich
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in ihren von dünnen weißen Handschuhen geschützten Händen hält sie links ein Spitzentuch und rechts ein goldfarbenes Opernglas
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ihre Frisur ist modisch hochgesteckt, das rotblond glänzende Haar fällt im Stirnbereich lockig
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ihr Blick ist direkt auf den Betrachter gerichtet – selbstbewusst, lebensfroh, unbeschwert und sinnlich verführerisch
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der Herr im Hintergrund trägt ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug
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sein linker Arm ist zum Gesicht gewinkelt, um durch ein Opernglas in die oberen Ränge zu blicken
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das feingliedrige Gesicht ist von einem gepflegten Schnauz- und Kinnbart gekennzeichnet
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der Bildaufbau wird von der aufrechten Haltung der Sitzenden betont, der Herr ist leicht schräg angelegt, durch seinen Blick nach oben
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beide Figuren sind angeschnitten und werden von der Loge im Hintergrund und vorne links eingerahmt
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der Hintergrund ist nur angedeutet
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der Vordergrund ist durch eine von links nach rechts abfallende Schräge der Loge bestimmbar
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die Dame nimmt den größten Platz des Gemäldes ein, ihr rechter Unterarm ruht auf der eben untersuchten Schräge der Loge
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durch die Streifen ihres Kleides laufen die Linien auf ihr Gesicht weisend zu
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sie verdeckt den hinter ihr sitzenden Herrn teilweise
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der Bildraum ist in der Normalsicht dem engen Raum einer Theaterloge nachempfunden
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die Raumwirkung entsteht ebenfalls durch Schatten und Plastizität der Figuren
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der stärkste Kontrast ist der Hell-Dunkel-Kontrast, der durch die Verwendung von schwarzer und weißer Farbe hervorgerufen wird
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in diesen weißen Flächen lassen sich helles Blau, Gelbgold und Orange erkennen
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die hellste Fläche bilden das Gesicht und der Brustbereich der Dame
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Orange ist im Bereich der Loge, der Haare und im Hintergrund eingesetzt worden
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der Komplementärkontrast lässt die Farben in ihrer Wirkung gesteigert erscheinen
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wenig Goldtöne im Opernglas und dem Armreifen sowie sparsam eingesetztes Rot im Brustbereich und beim Mund der Dame lassen durch die Intensität der Farbe den Quantitäts- und Qualitätskontrast erkennen
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der Duktus ist fein und präzise, Renoir setzt sich – entgegen dem ersten Anschein – intensiv mit der weiten Skala der Farbe auseinander
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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die Theaterloge als ein Ort des Beobachtens und Beobachtetwerdens
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die Dame gibt durch das Ablegen des Opernglases ihr Antlitz frei und stellt sich den Blicken anderer Besucher
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stolz an der Seite ihres Begleiters
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ein zwischenmenschliches Spiel, ähnlich dem auf der Bühne, wobei die eigentliche Aufführung scheinbar in den Hintergrund gerät
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Sinne werden angesprochen, Lebendigkeit, Lebensfreude, Kulturgenuss
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Theater, Schauspieler, Kultur- und Kunstszene des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Paris
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Bohème und Montmartre als Ursprung sinnlicher Weiblichkeit und Leidenschaft sind für Renoir impulsgebend
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Renoir als Maler des Impressionismus, typische Merkmale der impressionistischen Malweise lassen sich in diesem Werk bedingt nachweisen
2. Wilhelm Leibl: Drei Frauen in der Kirche, 1881
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zu sehen ist hier das Gruppenporträt dreier Landfrauen in feinmalerischer Weise
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drei betende bzw. lesende Frauen in bäuerlicher Tracht gekleidet, den Betrachter nicht anschauend, sondern im Profil dargestellt
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ihr Interesse gilt dem Gesangbuch
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in einer engen, fast privaten Atmosphäre stellt es eine Insichgekehrtheit von drei Generationen auf einer Kirchenbank gemeinsam sitzend dar
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die Figuren sind so nah dargestellt, dass nur das verzierte Kirchengestühl und die Wandflächen im Hintergrund sichtbar werden
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die Frau vorne rechts im Bild ist die jüngste der drei Frauen, sie trägt ein blauschwarz kariertes Kleid, eine weiße Schürze, eine bestickte Bluse, sowie ein Mieder mit silbernen Tressen, auf dem Kopf trägt sie einen dunklen mit heller Kordel umwickelten Hut, auf ihrem Schoß liegend hält sie ein Gesangbuch
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die helle Farbe ihres Gesichtes mit den leichten Rötungen und ihre Hände sind auffällig
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sie sitzt aufrecht mit nach unten geneigtem Kopf und dem Blick zum Buch
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Haltung und Kleid wirken feierlich distanziert, neben ihr auf dem Fußboden steht ein verkorkter Tonkrug
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daneben sitzt die älteste der drei Frauen in gebeugter Haltung, ebenfalls den Blick in das Buch vertieft, aber viel näher am Gesicht
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sie trägt ein dunkelbraun gestreiftes, grob wirkendes Kleid, auf dem Kopf trägt sie ein hinten gebundenes schwarzes Kopftuch
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die Haut des Gesichtes und der Hände ist viel dunkler und faltiger, sie wirkt körperlich abgearbeitet und dennoch tief in das Buch versunken
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vom Körper der hintersten Frau ist am wenigsten zu erkennen, da sie zum Teil von der Kirchenbank verdeckt wird, vermutlich kniet sie
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sie ist am dunkelsten in einem schwarzen Kleid gekleidet und trägt ebenso wie die mittlere Frau ein schwarzes Kopftuch, am Hals trägt sie eine silberne Halskette
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ihre Hände hält sie fest ineinander gelegt vor der Brust, ihr Gesicht wirkt ernst und der Blick wird geradeaus zu etwas Bestimmten außerhalb des Bildes geführt
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der Hintergrund ist linksseitig in eine helle Fläche und rechts in eine dunkle Fläche als Teil eines Kircheninnenraumes aufgeteilt
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Komposition ist vertikal ausgerichtet
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starker Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Schürze und Bluse der jüngsten Bäuerin und der hinteren linken Wand
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Farbnuancen vor allem in der Kleidung
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feine Strichführung und sensible Modulation der Textur der Gewänder
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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drei Frauen unterschiedlichen Alters stehen hier für die Abkehr von den weltlichen Dingen, in religiöser Einkehr
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sie erscheinen von den Strapazen des Lebens geprägt
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durch den blauen leuchtenden Stoff des Kleides, mit weißer fast jungfräulich wirkender Schürze und Haut, verbunden mit dem Tonkrug als Symbol für Jugendlichkeit und die Erwartungen des Lebens hält die erste Frau viel Abstand zum Gesangsbuch
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die mittlere sucht vertieft in ihrem Buch nach Antworten, die hintere Frau braucht die Worte nicht mehr und gibt sich dem verinnerlichten Gebet hin
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mit steigendem Alter und zunehmend schwerer werdender Arbeit nimmt der Glaube, das Religiöse, vielleicht auch Erlösende, zu und spiegelt das reale Leben in dieser Zeit
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Leibls Darstellung zeigt keine idealisierte Welt und ist dem Realismus zuzuordnen
3. Andy Warhol: Joseph Beuys, 1986
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Bildnis in plakativer Ausdrucksweise
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Verwandlung einer fotografischen Vorlage, die Joseph Beuys im Siebdruck-Porträt darstellt
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Individualität des Porträts versus Einheitlichkeit der Tarnung
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En-Face-Büstenporträt in Schwarz- und Grautönen besetzt die Bildmitte des bedruckten Hochformates
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polarisierte Gesichtsdarstellung mit Augen, Nase, Mund und Ohr
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Künstlerikone Beuys mit Hut und Fliegerweste – seine Markenzeichen – Stilisierung zum Markenartikel
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Camouflage wird zur überlagernden Tarnungsebene aus Grün, Braun, Grau, Gelb
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hochgrafisches sowie energetisch erscheinendes Tarndesign im All-over-Prinzip
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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Kontrast zwischen Unpersönlichkeit des Tarnmusters, das auf Gefahr hinweist, und der Persönlichkeit des Porträtierten, bei dem ein direkter Blickkontakt mit dem Betrachter besteht
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Bild gehört zu einer Reihe von Tarnbildern
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Warhol ist fasziniert von der Verwendung von Tarnung im Militär und in der Mode als mehrdeutiges Instrument
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die fotochemische Übertragung einer fotografischen Vorlage auf ein Sieb erzielt eine Direktheit in der Hinwendung zum Betrachter, wie sie den Bildern der Massenmedien eigen ist, jedoch ohne in das schnelle Vergessen zu geraten (vgl. Honnef, S.55)
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der Siebdruck ist eine Hommage an Joseph Beuys – europäischer Nachkriegskünstler, welcher mit der Konzeption der Sozialen Plastik als Gesamtkunstwerk ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte und laut Biograf Reinhard Ermen „idealtypischer Gegenspieler“ zu Andy Warhol ist
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Warhol – amerikanischer Pop-Art-Künstler zelebriert Prominenz, Konsumkultur und Kunstfertigkeit
Quelle:
Honnef, Klaus: Andy Warhol. Köln 1969
4. Shirin Neshat: Speechless, 1996
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berührende Schwarz-Weiß-Fotografie mit der Nahaufnahme des Gesichtes einer Frau
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mit ernstem Blick schaut sie in die Kamera, dabei sind nur ihr linkes Auge, ihre linke Nasenhälfte und ein Teil des geschlossenen Mundes sichtbar
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die Gesichtshälfte ist eng mit schwarzer arabischer Schrift auf hellerer Haut beschrieben
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neben ihrem Gesicht befindet sich die Mündung einer Waffe, die in Höhe des Ohres wie ein Ohrschmuck zu sehen ist; vermutlich trägt die Fotografierte ein Kopftuch
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die runde Form der Iris und der Waffe bilden starke Auffälligkeiten im Bild
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eine runde helle Gewehrmündung steht im Kontrast zu den dunklen Auffälligkeiten der rechten Bildseite, die eher horizontal angelegte längliche Formen darstellen: Augenbraue, Ober- und Unterlid und Mittellinie des Mundes
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dunkles Auge mit Spiegelungen liegt vertikal im Goldenen Schnitt
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starker Hell-Dunkel-Kontrast zwischen der linken Bildhälfte mit heller Gewehrmündung und dunklen Pupillen auf hellerer Haut in rechter Bildhälfte
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das natürlich wirkende Licht zeichnet weiche Gesichtszüge
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außer der weißlichen Bindehaut ist das gesamte Gesicht mit engen Schriftreihen beschrieben, die einen Zusammenhang zum arabischen Kontext schließen lassen und wie ein Schleier wirken
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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eine Frau, die uns, durch den Schriftschleier beeinflusst, bedroht oder selbst bedroht wird
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Gewehr und Blick sind auf uns gerichtet und fordern zur Auseinandersetzung auf
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der Titel „Speechless“ und der geschlossene Mund stellen Sprachlosigkeit, möglicherweise Verschwiegenheit dar
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was auf ihrem Gesicht zu lesen ist, sind Worte, die sie denkt oder Texte, die sie mürbe machten, die sie überzeugen sollten und nun gefährlich machen
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die zwischen Kopftuch der Frau und Gesicht befindliche Waffe stellt Bezüge zu Religion und Gesellschaft der iranischen Künstlerin her
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ein Bild, das womöglich auf die gewaltvolle Durchsetzung fundamentalistischer Ansätze verweist
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die Waffe scheint gefährlich nah an ihrem Körper, so nah an ihrem Leben, so gefährlich für unser Leben