Teil B
Textproduktion
(50 % der Prüfungsleistung)
Bearbeite Aufgabe B 1 ODER Aufgabe B 2. Nutzen Sie dazu Material M 1.
Aufgabe B 1: Lügen in der Familie
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Versetze dich in die Figur des Franz von Moor. Du führst regelmäßig
Tagebuch, um deine Gedanken festzuhalten und Erlebnisse zu reflektieren.
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Verfasse zwei Tagebucheinträge, in denen du deine Gedanken und Gefühle
darlegst.
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Beschreibe im ersten Tagebucheintrag vor dem Verlesen des Briefes deine
Motive/Ziele und den betrügerischen Plan.
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Schildere im zweiten Tagebucheintrag nach dem Verlesen des Briefes das
Erlebte und die Reaktion des Vaters.
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Formuliere abschließend deine Wünsche für die Zukunft.
ODER
Aufgabe B 2: Lügen auf der Bühne
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Im Rahmen der Schultheatertage wird die erste Szene aus Friedrich Schillers „Die
Räuber“ aufgeführt. Dazu wird ein Programmheft erstellt, das
Hintergrundinformationen über die Aufführung gibt.
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Schreibe dafür einen Beitrag.
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Führe zur Szene hin, indem du zunächst den Autor kurz vorstellst und dich zu
seinem Schaffen äußerst.
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Fasse dann die dargestellte Situation zusammen.
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Charakterisiere die Hauptfigur Franz von Moor. Gehe dabei auch auf die
Motive seines Handelns ein.
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Leite ab, welchen Einfluss sein Handeln auf die Familiensituation hat.
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Erkläre, inwiefern das Thema des Betruges mit gefälschten Informationen auch
heute noch aktuell ist.
Material M 1
Friedrich Schiller: Die Räuber (1782)
Maximilian, regierender Graf von Moor, hat zwei ungleiche Söhne: Karl und Franz. Der
Zweitgeborene Franz wurde in seiner Kindheit vernachlässigt und hat kein Anrecht auf
das Erbe. Karl, der Lieblingssohn des alten Moor, dagegen führte als Student in Leipzig
ein recht wildes Leben und verschuldete sich. In einem Brief verspricht er sich zu
bessern und bittet seinen Vater um Vergebung. Der eifersüchtige Franz hat den Brief
des Bruders durch einen gefälschten ersetzt, der von einem angeblichen Brieffreund
geschrieben wurde. Er liest ihn seinem Vater vor. Darüber wird dieser so entsetzt sein,
dass er sich von Franz überreden lässt, Karl zu verbannen und zu enterben.
Erster Akt. Erste Szene.
Schiller, Friedrich. Die Räuber. Einfach klassisch. Cornelsen, 2024. S. 4 – 7.
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Erster Tagebucheintrag (vor dem Verlesen des Briefes)
Schloss der Familie von Moor – kurz vor dem Gespräch mit meinem Vater
Der Brief meines Bruders Karl ist abgefangen – ein scheinheiliges Schreiben, in dem er um Versöhnung bittet und sich beim Vater wieder einschmeicheln will. Allein dieser Gedanke erfüllt mich mit Unruhe und Angst. Sollte mein Vater ihm verzeihen, wäre meine ohnehin schwache Stellung in der Familie endgültig verloren. Seit jeher steht Karl als Erstgeborener über mir, genießt Privilegien und Zuneigung, während ich stets im Hintergrund blieb. Diese Ungerechtigkeit nährt meine Eifersucht und verstärkt meine Sorge, dauerhaft bedeutungslos zu bleiben.
Doch ich werde diese Ordnung nicht länger hinnehmen. Mein Ziel ist eindeutig: Karl muss aus dem Weg geräumt werden. Ich strebe danach, seine Position einzunehmen, als Lieblingssohn anerkannt zu werden und das Erbe für mich zu sichern. Die Gier nach dieser Stellung und das Verlangen nach Macht treiben mich an. Gleichzeitig hoffe ich, endlich die Anerkennung meines Vaters zu erlangen, die mir bisher verwehrt blieb. Dazu ist es notwendig, Karl vollständig zu vernichten – er soll verbannt und enterbt werden.
Mein Vorgehen ist sorgfältig geplant. Ich habe den ursprünglichen Brief Karls abgefangen und durch ein gefälschtes Schreiben ersetzt, das angeblich von einem Brieffreund stammt. In diesem fingierten Brief werden Karls angebliche Vergehen geschildert: enorme Schulden, moralische Ausschweifungen und sogar ein tödliches Duell. Diese Darstellung wird meinen Vater zutiefst erschüttern.
Doch der Brief allein genügt nicht – entscheidend ist meine Inszenierung. Ich werde mich meinem Vater gegenüber als besorgter und fürsorglicher Sohn zeigen. Durch gezielte Fragen und scheinbares Zögern werde ich seine Aufmerksamkeit lenken und zugleich seine Angst steigern. Ich werde Mitgefühl vortäuschen, Trost anbieten und dabei seine angeschlagene Gesundheit betonen, um ihn emotional zu beeinflussen. Meine gespielte Überfürsorglichkeit wird ihn glauben lassen, ich handle nur zu seinem Schutz. So werde ich ihn Schritt für Schritt manipulieren, bis er selbst zu dem Entschluss kommt, Karl zu verstoßen.
Heute entscheide ich über die Zukunft unserer Familie – und über meine eigene Macht.
Zweiter Tagebucheintrag (nach dem Verlesen des Briefes)
Nach dem Gespräch mit meinem Vater
Alles ist genau so verlaufen, wie ich es geplant habe – mein Betrug ist vollständig gelungen. Während des Vorlesens durchströmte mich eine große Aufregung, doch ich behielt die Kontrolle. Zunächst zeigte sich mein Vater ruhig und vertraute mir vollständig. Doch mit jedem weiteren Satz des Briefes veränderte sich seine Haltung.
Seine anfängliche Sicherheit wich schnell der Verunsicherung, dann der Überraschung und schließlich tiefer Betroffenheit. Der Schock war ihm deutlich anzusehen: Er begann zu jammern, fluchte und zeigte starke körperliche Reaktionen, rang nach Luft und wirkte zunehmend schwach. Schließlich brach er in Tränen aus. Besonders die Angst um das Ansehen unserer Familie erschütterte ihn zutiefst. Genau diese Reaktion hatte ich beabsichtigt – und sie trat vollständig ein.
Ich selbst empfinde nun großen Stolz und tiefe Zufriedenheit. Mein Plan ist nicht nur aufgegangen, sondern vollkommen gelungen. Die Mischung aus Aufregung während der Durchführung und der anschließenden Selbstzufriedenheit erfüllt mich mit Genugtuung. Karl ist in den Augen meines Vaters gefallen.
Ein entscheidender Schritt war die Zerstörung des Beweises. Ich habe den gefälschten Brief zerrissen, sodass nichts mehr auf meine Täuschung hinweist. Diese Handlung sichert meinen Erfolg zusätzlich ab und verstärkt meine Zufriedenheit über den gelungenen Betrug.
Meine Gedanken richten sich nun auf die Zukunft. Ich werde Karls Rolle als Lieblingssohn übernehmen und mich als rechtmäßiger Erbe etablieren. Mein Einfluss und meine Macht innerhalb der Familie werden wachsen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass mein Betrug niemals entdeckt wird. Nur so kann meine Position dauerhaft gesichert bleiben. Karl hingegen soll für immer diskreditiert bleiben, als Schande der Familie gelten und keine Möglichkeit mehr haben, seine Stellung zurückzuerlangen.
Endlich stehe ich nicht mehr im Schatten – sondern beginne, meine eigene Macht zu entfalten.
Aufgabe B 2
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Friedrich Schiller (*1759 – †1805) zählt zu den bedeutendsten deutschen Dichtern und ist ein zentraler Vertreter der Epoche des Sturm und Drang. In seinen Werken setzt er sich intensiv mit Themen wie Freiheit, Macht, Moral und gesellschaftlichen Konflikten auseinander. Sein Drama Die Räuber aus dem Jahr 1782 gilt als eines seiner bekanntesten Werke und thematisiert vor allem den Konflikt zwischen zwei ungleichen Brüdern sowie die zerstörerischen Folgen von Intrigen und Machtstreben. Die hier dargestellte Szene gehört zum Beginn des Dramas und bildet einen entscheidenden Wendepunkt für die weitere Handlung.
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Die Situation spielt im Schloss der Familie von Moor. Anwesend sind Franz von Moor und sein Vater, der alte Moor. Der ältere Sohn Karl befindet sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Schloss, sondern lebt in Leipzig. Im Zentrum der Szene steht Franz, der seinem Vater einen gefälschten Brief über Karl vorliest. In diesem Brief werden schwere Vergehen Karls geschildert. Ziel dieses Vorgehens ist es, den Vater gezielt zu erschüttern und ihn dazu zu bringen, sich von Karl abzuwenden.
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Franz von Moor wird als komplexe und berechnende Figur dargestellt. Als zweitgeborener Sohn lebt er gemeinsam mit seinem Vater im Familienschloss, während sein Bruder Karl abwesend ist. Bereits in seiner Kindheit fühlte sich Franz vernachlässigt und gegenüber seinem Bruder benachteiligt. Diese Erfahrungen prägen sein Denken und Handeln maßgeblich. Nach außen hin zeigt Franz ein scheinbar besorgtes Verhalten: Er stellt viele Fragen und gibt vor, sich um das Wohl seines Vaters zu kümmern. Seine Sprechweise bleibt dabei nüchtern und kontrolliert, ohne offene Gefühlsregungen. Gleichzeitig agiert er äußerst manipulativ. Durch gezielte Suggestionen, Unterbrechungen und das Vortäuschen von Fürsorge lenkt er die Wahrnehmung seines Vaters. Zudem kommentiert er den Inhalt des Briefes, etwa durch abwertende Bemerkungen, um dessen Wirkung weiter zu verstärken.
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Die Motive seines Handelns sind vielschichtig. Im Zentrum steht seine Eifersucht auf den Erstgeborenen Karl und dessen privilegierte Stellung innerhalb der Familie. Gleichzeitig fürchtet Franz um seine eigene Position und strebt danach, diese zu sichern und auszubauen. Die Aussicht auf das Erbe spielt dabei ebenso eine Rolle wie sein Wunsch nach Anerkennung durch den Vater. Darüber hinaus verfolgt er das Ziel, Karl vollständig zu vernichten, indem er dessen Verbannung und Enterbung herbeiführt. Dieses Verhalten ist eng mit einem ausgeprägten Machtstreben verbunden, das Franz dazu antreibt, gezielt und strategisch vorzugehen.
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Das Handeln von Franz hat erhebliche Auswirkungen auf die Familiensituation. Der Vater vertraut ihm vollständig und übernimmt die von ihm präsentierten Informationen ungeprüft. Die geschilderten Ereignisse erschüttern ihn zutiefst, was sich auch in körperlichen Reaktionen wie Atemnot zeigt. In der Folge wendet er sich von Karl ab, verbannt ihn und enterbt ihn. Gleichzeitig sieht er die Ehre seiner Familie massiv beschädigt. Insgesamt verstärkt das Vorgehen von Franz den bestehenden Konflikt innerhalb der Familie erheblich und führt zu einer nachhaltigen Zerstörung der familiären Beziehungen.
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Die Thematik des Betruges durch gefälschte Informationen ist bis heute von großer Aktualität. Schillers Drama zeigt, dass Täuschung und Manipulation zeitlose Phänomene sind. Auch in der heutigen Gesellschaft spielen falsche Informationen eine bedeutende Rolle. Besonders durch die Schnelllebigkeit der sozialen Medien können sich Desinformationen rasch verbreiten und großen Schaden anrichten. Lügen werden häufig eingesetzt, um persönliche oder materielle Vorteile zu erlangen. Zudem verdeutlicht die Szene, dass Betrug nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch innerhalb von Familien vorkommen kann. Die im Drama dargestellte Täuschung durch einen angeblichen Brieffreund lässt sich mit der heutigen Anonymität im Internet vergleichen, die es erleichtert, falsche Identitäten anzunehmen und andere gezielt zu manipulieren.
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Damit zeigt Die Räuber, dass die Problematik von Lüge und Betrug nicht nur ein historisches Thema ist, sondern auch in der Gegenwart eine zentrale Bedeutung besitzt.