Lerninhalte
Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 2 – Elektroneninterferenz am Doppelspalt

Im Jahr 1923 postulierte Louis de Broglie, dass Materieteilchen auch Welleneigenschaften zugeordnet werden können. Im Jahr 1961 wurde von Claus Jönsson eine experimentelle Arbeit zur Beugung von Elektronen am Doppelspalt veröffentlicht.

1

Material 1 zeigt einen Ausschnitt aus der Originalveröffentlichung von C. Jönsson zur Beugung von Elektronen an einem Doppelspalt. In Material 2 ist eines der Messergebnisse abgebildet.

Erkläre, dass die Elektronenbeugungsaufnahme in Material 2 als Nachweis für die Welleneigenschaften von Elektronen gedeutet werden kann und in diesem Fall die Elektronen nicht als klassische Teilchen beschrieben werden können.

6 BE

2

C. Jönsson schreibt in der Veröffentlichung, dass eine „Nachvergrößerung der sehr feinen Interferenzfiguren“ zur Beobachtung notwendig ist (Material 1).

a

Berechne den Beugungswinkel des Maximums 1. Ordnung, welcher unter den von C. Jönsson in Material 1 beschriebenen Versuchsbedingungen ohne Nachvergrößerung zu erwarten ist.

[Kontrollwert: Formula: \small{\alpha_1=0,00014^\circ}Formula: \small{\alpha_1=0,00014^\circ}]

6 BE

b

Beurteile mithilfe einer Berechnung der Streifenabstände auf dem Schirm (Material 2), ob diese nach der beschriebenen Nachvergrößerung, wie in Material 1 behauptet, groß genug sind, um sie mit dem bloßen Auge beobachten zu können.

6 BE

c

Begründe schrittweise und kausal korrekt strukturiert, in welcher Weise sich das Interferenzmuster aus Material 2 verändert, wenn die Beschleunigungsspannung vergrößert wird.

5 BE

d

Erläutere die Veränderung des Interferenzmusters aus Material 2, wenn das Experiment mit einem Elektronenstrahl durchgeführt wird, in dem die Elektronen viele unterschiedliche Geschwindigkeiten haben. Gehe dabei sowohl auf den Fall einer schmalen als auch auf den Fall einer breiten Geschwindigkeitsverteilung ein.

4 BE

3

Das in Material 3 beschriebene Experiment von A. Tonomura ist eine Weiterentwicklung des Doppelspaltexperimentes mit Elektronen.

a

Beurteile mithilfe einer Rechnung, ob sich tatsächlich „zu jedem Zeitpunkt nur ein einziges“ Elektron in der Messapparatur befindet.

Hinweise:

Im Rahmen dieser Aufgabe soll auf eine relativistische Berechnung verzichtet werden. Es befinden sich mit großer Wahrscheinlichkeit zu keinem Zeitpunkt zwei oder mehr Elektronen in der Apparatur, wenn der mittlere Abstand aufeinanderfolgender Elektronen im Strahl hinreichend groß ist.

5 BE

b

Interpretiere die gezeigten Messergebnisse in Material 3 hinsichtlich der Fragestellung, inwiefern diese die Wellen- bzw. Teilcheneigenschaften der Elektronen zeigen. Gehe dabei auch darauf ein, dass sich zu fast jedem Zeitpunkt nur ein einzelnes Elektron in der Apparatur befindet.

4 BE

c

Erläutere Feynmans Aussage zur Quantentheorie, dass es unmöglich ist, Ergebnisse genau vorherzusagen (Material 4), am Beispiel des Experimentes von Tonomura (Material 3).

4 BE

Material 1: Ausschnitt aus „Elektroneninterferenzen an mehreren künstlich hergestellten Feinspalten“ von C. Jönsson

„Der aus solchen Überlegungen folgende naheliegende Versuch, Elektronenbeugung am künstlich hergestellten Spalt […] zu machen, stößt auf einige technische Schwierigkeiten, die seine Verwirklichung bisher verhindert haben. Diese sind einmal die kleine Wellenlänge des Elektronenstrahls, denn um eine vernünftige Elektronenoptik treiben zu können, muß man mit mittelschnellen Elektronen arbeiten. Hier wurden stets auf Formula: 50\;\text{kV}Formula: 50\;\text{kV} beschleunigte Elektronen verwendet, deren de Broglie-Wellenlänge etwa Formula: 5\cdot10^{-12}\;\text{m}Formula: 5\cdot10^{-12}\;\text{m} beträgt. Sie ist also wesentlich kleiner als die Atomdimensionen […]. Es können nur wesentlich gröbere Spalte hergestellt werden. Dies ist an sich keine Einschränkung für solche Versuche, nur muß man sich dann sehr um [...] die Nachvergrößerung der sehr feinen Interferenzfiguren bemühen. […] Die in der Auffangebene entstehende Beugungsfigur ist noch so fein, dass sie bis zu 100fach elektronenoptisch nachvergrößert werden muß, ehe man sie auf dem Leuchtschirm bei 10facher lichtoptischer Nachvergrößerung bequem beobachten kann.“

(Die Rechtschreibung und die Verwendung von Fachbegriffen folgt dem Original.)

Die im Versuch von C. Jönsson verwendeten Spalte hatten eine Breite von jeweils Formula: 0,50\;\mu\text{m}Formula: 0,50\;\mu\text{m} und einen Spaltmittenabstand von Formula: 2,0\;\mu\text{m}.Formula: 2,0\;\mu\text{m}. Der Leuchtschirm, auf dem das Interferenzmuster in Abb. 1 beobachtet wurde, hatte einen Abstand von Formula: 350\;\text{mm}Formula: 350\;\text{mm} von den Spalten.

Material 2: Elektronenbeugungsaufnahme am Doppelspalt von C. Jönsson

Vertikale helle und dunkle Streifen auf grauem Hintergrund.Vertikale helle und dunkle Streifen auf grauem Hintergrund.

Abb. 1: Interferenzmuster auf einem Leuchtschirm hinter

einem mit Elektronen beschossenen Doppelspalt. Je

mehr Elektronen an einem Ort des Schirms auftreffen,

desto heller leuchtet er dort.

Hinweis: Diese Abbildung wurde stark vergrößert dargestellt und entspricht nicht den in der Aufgabe angegebenen Abmessungen.

Material 3: Elektronenbeugung am Doppelspalt von A. Tonomura

Im American Journal of Physics 57, 117 (1989) berichtet A. Tonomura von einem Experiment, bei dem Elektronen mit einer Beschleunigungsspannung von Formula: 50\;\text{kV}Formula: 50\;\text{kV} beschleunigt und auf eine wie ein Doppelspalt wirkende Anordnung gesendet wurden. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Experimentes von C. Jönsson, in der die Anzahl der Elektronen im Elektronenstrahl so weit reduziert wurde, dass sich mit großer Wahrscheinlichkeit zu jedem Zeitpunkt nur noch ein einziges Elektron zwischen Quelle und Schirm befindet. Die elektrische Stromstärke des Elektronenstrahls betrug lediglich Formula: 1,6\cdot10^{-16}\;\text{A}.Formula: 1,6\cdot10^{-16}\;\text{A}.

Schematische Anordnung: Elektronenquelle, Spaltanordnung und Detektorschirm, Abstand 1,5 m, UB = 50 kV.Schematische Anordnung: Elektronenquelle, Spaltanordnung und Detektorschirm, Abstand 1,5 m, UB = 50 kV.

Abb. 2: Schematischer Versuchsaufbau von A. Tonomura

Fünf schwarz-weiße Felder (a–e) mit variierender Punktdichte, von wenigen Einzelpunkten bis dichtem Rauschen.Fünf schwarz-weiße Felder (a–e) mit variierender Punktdichte, von wenigen Einzelpunkten bis dichtem Rauschen.

Abb. 3 a bis e: Aufgenommene Schirmbilder mit a) 11 Elektronen, b) 200 Elektronen, c) 6000 Elektronen,

d) 40000 Elektronen, e) 140000 Elektronen

Material 4: Zitat von Richard Feynman zum Doppelspaltexperiment

„Wir möchten einen sehr wichtigen Unterschied zwischen der klassischen Mechanik und der Quantenmechanik hervorheben. [...] Wir haben dabei stillschweigend vorausgesetzt, dass es in unserem experimentellen Aufbau (und selbst in dem bestmöglichen) unmöglich sein würde, genau vorherzusagen, was passiert. Wir können nur die Wahrscheinlichkeit vorhersagen! [...] Wir wissen nicht, wie man vorhersagen könnte, was unter vorgegebenen Umständen passieren würde, und wir glauben heute, dass es unmöglich ist und dass das Einzige, was vorhergesagt werden kann, die Wahrscheinlichkeit verschiedener Ereignisse ist.“

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!

monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?

SchulLV