Aufgabe 3.2 — Cochlea-lmplantat
Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese, die es Menschen mit bestimmten Arten von Hörbeeinträchtigungen oder Hörverlust erlaubt, Geräusche und Sprache wahrzunehmen. Ein Mikrofon nimmt die Schallsignale auf, die in elektrische Signale umgewandelt werden. Über Spulen und Elektroden werden diese direkt an den Hörnerv weitergeleitet.
Die Funktionsweise eines Cochlea-Implantats ist in Material 1 beschrieben.
Übernimm die Skizze aus Material 2.
Skizziere ein zugehöriges Magnetfeldlinienbild.
Erkläre die Übertragung der elektrischen Impulse von der Sendespule an die implantierte Empfängereinheit eines Cochlea-Implantats.
Begründe, dass die Empfängereinheit keine eigene Stromversorgung benötigt.
Nenne zwei Möglichkeiten, um bei konstanter Stromstärke die Spannung in der Empfängerspule zu vergrößern.
Fachpraktischer Teil
Der Einfluss des Abstandes der Sende- und Empfängerspule eines Cochlea-Implantats sowie die Übertragung des elektrischen Signals sollen modellhaft unter Nutzung zweier Spulen untersucht werden. Das Prinzip der Experimentieranordnungen ist in Material 3 dargestellt.
Experiment 1
Messe die Länge und die maximale Breite
der Spule.
Erfrage die Windungszahl der Spule und die einzustellende Gleichstromstärke bei der Aufsicht führenden Fachlehrkraft.
Messe die magnetische Flussdichte in der Spulenmitte und für vier verschiedene Abstände
außerhalb der Spule.
Hinweis: Sollten deine Messungen nicht gelingen, kannst du bei der Aufsicht führenden Fachlehrkraft Hilfestellungen beziehungsweise Ersatzmesswerte anfordern. Für nicht erbrachte Leistungen werden bis zu 5 BE nicht erteilt.
Experiment 2
Baue die Experimentieranordnung gemäß den Abbildungen 4 und 5 auf. Erfrage die einzustellende Wechselstromstärke bei der Aufsicht führenden Fachlehrkraft. Stelle diese ein, indem du die anliegende Spannung veränderst.
Messe für den Abstand
und für drei weitere Abstände
Hinweis: Sollten Aufbau beziehungsweise Messungen nicht gelingen, kannst du bei der Aufsicht führenden Fachlehrkraft Hilfestellungen beziehungsweise Ersatzmesswerte anfordern. Für nicht erbrachte Leistungen werden bis zu 3 BE nicht erteilt.
Auswertung des fachpraktischen Teils
Experiment 1
Berechne unter Nutzung deines Messwertes für und der Windungszahl
sowie der erfragten Gleichstromstärke die magnetische Flussdichte für die Spulenmitte.
Diskutiere die Gültigkeit der deiner Rechnung zugrunde liegenden Annahmen.
Untersuche die Gültigkeit der Gleichung aus Material 3 für unter Nutzung deiner Messwerte.
Experiment 2
Zeichne ein zugehöriges Diagramm.
Ermittle den Abstand der Spulen, für den
gilt.
Erkläre, dass die Signalstärke der Sendeeinheit eines Cochlea-Implantats an jeden Nutzer angepasst werden muss und dass dabei Faktoren wie die Beschaffenheit des Kopfhaars und der Kopfhaut berücksichtigt werden müssen.
In einem Cochlea-Implantat befindet sich je ein Magnet im Zentrum der Sende- und der Empfängerspule, um die Sendespule genau ausgerichtet auf der gemeinsamen Spulenachse zu fixieren.
Angenommen, die Sendespule verrutscht trotz Fixierung. Dies hätte zur Folge, dass sich das in der Empfängerspule registrierte Signal verändert.
Begründe die Veränderung.
Das Funktionsprinzip der verwendeten Sonde zur Messung der magnetischen Flussdichte beruht auf dem Hall-Effekt.
Erkläre das Entstehen der Hall-Spannung unter Nutzung einer Skizze und in Form einer Argumentationskette.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Funktionsweise eines Cochlea-Implantats
Das Schallsignal, das unser Ohr aufnimmt, wird normalerweise in der Hörschnecke [...] von den Haar-Sinneszellen in Nervenimpulse umgewandelt. Die Folge von Nervenimpulsen wird im Gehirn verarbeitet, es entsteht ein Höreindruck. Wenn bei einer Schwerhörigkeit die Haarzellen geschädigt sind, können keine Signale mehr an die Nervenzellen weitergegeben werden. Ist der Hörnerv nicht geschädigt, kann dieser über ein Cochlea-Implantat (CI) direkt stimuliert werden. Kernstück des Implantats ist ein Elektrodenträger, der in die Hörschnecke eingeführt wird und dort die vorhandenen Nervenzellen elektrisch anregt. [...]
Das Cochlea-Implantat-System besteht aus zwei Teilen: dem bei der Operation implantierten Teil [Empfängerspule] mit dem Elektrodenträger in der Hörschnecke, und dem äußeren Teil, dem Soundprozessor, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird. Das Mikrofon des äußeren Teils nimmt den Schall auf, leitet diesen an den Prozessor weiter, der die Schallinformationen in eine Reihe von elektrischen [zeitlich veränderlichen] Impulsen umwandelt und diese drahtlos über eine Sendespule durch die Haut an [die Empfängerspule des Implantats] sendet.
Quelle: Abgerufen 24.09.2026

Abbildung 1: Ohr mit Cochlea-Implantat
Quelle: NIH/NIDCD
Material 2: Das Magnetfeld einer Spule
In der Abbildung 2 ist der Längsschnitt einer von Gleichstrom durchflossenen Spule gezeigt. Das Kreuz im Querschnitt des Spulendrahtes kennzeichnet die Bewegungsrichtung der Elektronen, die in die Zeichenebene hineinzeigt, und ein Punkt die Bewegungsrichtung, die aus der Zeichenebene herauszeigt.

Abbildung 2: Prinzip des Längsschnitts einer Spule
Material 3: Untersuchung an Spulen
Experiment 1
Zur Untersuchung der Abhängigkeit der magnetischen Flussdichte entlang der Spulenachse vom Abstand zur Spulenmitte werden eine Spule und ein digitales Messwerterfassungssystem verwendet (Abbildung 3). Die vollständig aufgebaute Experimentieranordnung sowie alle erforderlichen Geräte und Hilfsmittel werden dir von der Aufsicht führenden Fachlehrkraft übergeben.

Abbildung 3: Prinzip der Experimentieranordnung
Die Magnetfeldsonde wird entlang der Spulenachse in Richtung bewegt. Die magnetische Flussdichte wird für verschiedene Abstände
von der Spulenmitte gemessen. Es gilt außerhalb der Spule:
Die Konstante ist von den Eigenschaften der Spule abhängig.
Experiment 2
Die Übertragung des elektrischen Signals von der Sendespule zur Empfängerspule eines Cochlea-Implantats wird modellhaft mit dem in den Abbildungen 4 und 5 dargestellten Aufbau in einem Wechselstromkreis mit zwei baugleichen Spulen untersucht. Dazu werden zwei Spulen im Abstand mit gemeinsamer Spulenachse positioniert. Dieser Abstand wird verändert. Alle erforderlichen Geräte und Hilfsmittel werden dir von der Aufsicht führenden Fachlehrkraft übergeben.

Abbildung 4: Prinzip der Experimentieranordnung

Abbildung 5: Beispiel der Experimentieranordnung
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Erklären der Übertragung
Die elektrischen Impulse, die der Prozessor an die Sendespule sendet, haben eine zeitlich veränderliche Stromstärke. Ändert sich die Stromstärke in der Sendespule, dann ändert sich auch die magnetische Flussdichte des Magnetfeldes, das von der Sendespule erzeugt wird und diese unter anderem umgibt. Damit ändert sich der magnetische Fluss durch die Empfängerspule und eine Spannung wird in dieser induziert. Damit fließt ein Strom.
Begründen der Stromversorgung der Empfängereinheit
Die elektrische Energie im Stromkreis der Sendespule wird in die Energie des Magnetfeldes der Sendespule umgewandelt, die dann wiederum in die elektrische Energie im Stromkreis der Empfängerspule umgewandelt wird. Damit wird die Energie übertragen und der Empfängerstromkreis benötigt keine eigene Stromversorgung.
Bei unveränderter Stromstärke kann ein Eisenkern das Magnetfeld der Sendespule verstärken. Außerdem kann die Windungszahl der Sendespule erhöht werden. In beiden Fällen wird die Änderung des magnetischen Flusses durch die Empfängerspule größer und damit auch die induzierte Spannung.
Die Spulenlänge wird entlang der Spulenachse und die maximale Breite
quer dazu gemessen. Beispielwerte wären
und
Für die eigene Auswertung sind die tatsächlich gemessenen Werte einzusetzen.
Nach Erfragen der Windungszahl und der einzustellenden Gleichstromstärke
wird die Stromstärke eingestellt. Die Hall-Sonde misst die magnetische Flussdichte zunächst in der Spulenmitte und anschließend an vier bekannten Positionen
außerhalb der Spule auf der Spulenachse. Die Positionen werden von der Spulenmitte aus gemessen.
Beispielwerte sind
und
Außerhalb der Spule ergeben sich beispielhaft die Messwertpaare:
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Die eigenen Messwerte können davon abweichen.
Die Sendespule wird an die Wechselspannungsquelle angeschlossen; an der Empfängerspule wird die induzierte Spannung gemessen. Die vorgegebene Wechselstromstärke wird durch Verändern der anliegenden Spannung eingestellt und für alle Messungen beibehalten. Anschließend wird
bei
und bei drei größeren Spulenabständen erfasst.
Für die Wechselstromstärke ergeben sich folgende Beispielmesswertpaare:
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Berechnen der magnetischen Flussdichte für die Spulenmitte
Für das Innere einer ideal langen, schlanken Spule gilt näherungsweise Mit den Beispielwerten ergibt sich:
Diskutieren der zugrunde liegenden Annahmen
Die relative Abweichung vom Beispielmesswert beträgt:
Der berechnete Wert liegt damit nahe am Messwert. Die Formel setzt eine lange, schlanke Spule mit im Inneren näherungsweise homogenem Magnetfeld voraus. Bei und
ist die Spule jedoch nicht besonders lang gegenüber ihrer Breite. Randfelder und ein nicht überall homogenes Innenfeld begrenzen daher die Gültigkeit der Näherung. Das Zahlenresultat hängt von den tatsächlich gemessenen Werten ab.
Aus der vorgegebenen Beziehung folgt
Wenn die Beziehung für die Messpunkte gilt, muss
trotz unterschiedlicher Abstände annähernd konstant sein. Für den ersten Beispielmesspunkte ergeben sich:
Der Mittelwert beträgt etwa Die geringe Streuung stützt die Beziehung für diese Messwerte. Bei eigenen Messwerten ist die Konstanz von
erneut zu prüfen.
Zeichnen des Diagramms

Ermitteln des Abstands
Die gesuchte Spannung beträgt mit den Beispielwerten:
Der zugehörige Abstand liegt zwischen den ersten beiden Messpunkten. Mit der Ausgleichskurve im Diagramm ergibt sich
Die Kopfhaut weist für Menschen verschiedene Dicken auf, was zu verschiedenen Abständen der Sendespule und der Empfängerspule führt. Wird die Sendeeinheit auf dem Kopfhaar angebracht, trägt dies auch zum Abstand bei. Mit steigendem Abstand sinkt die Amplitude der sich ändernden magnetischen Flussdichte in der Empfängerspule und damit nach dem Induktionsgesetz die Amplitude der induzierten Spannung bei gleichbleibender Frequenz. Damit muss neben ästhetischen Aspekten auch die Signalstärke an den Nutzer angepasst werden.
Die Amplitude der sich ändernden magnetischen Flussdichte in der Empfängerspule verändert sich, wenn sich die Sendespule beim Verrutschen von der Spulenachse der Empfängerspule entfernt. Dadurch verändert sich die Amplitude der Spannung in der Empfängerspule laut Induktionsgesetz und damit die Signalstärke in der Empfängerspule.

Argumentationskette:
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Ein stromdurchflossener gerader Leiter wird in ein Magnetfeld eingebracht, sodass sich die Ladungsträger (negativ geladene Elektronen) senkrecht zur magnetischen Flussdichte bewegen. In der Skizze bewegen sich die Elektronen nach rechts und das Magnetfeld zeigt in die Zeichenebene hinein.
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Auf die Elektronen wirkt die Lorentzkraft
und die Elektronen werden abgelenkt (Skizze: nach unten).
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Es entsteht ein Elektronenüberschuss auf der einen Seite des Leiters (in der Skizze unten) und auf der gegenüberliegenden Seite ein Elektronenmangel (in der Skizze oben).
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Es liegt zwischen diesen Seiten des Leiters eine Spannung an, wodurch die elektrische Kraft
auf die Elektronen wirkt, die der Lorentzkraft entgegengerichtet ist (in der Skizze nach oben).
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Die Elektronen werden so lange weiter nach unten abgelenkt, bis die Spannung so groß ist, dass die elektrische Kraft gerade die Lorentzkraft aufhebt.
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Danach bleibt die Spannung konstant. Diese Spannung ist die Hall-Spannung.