HT 1 — Feuchtigkeitsmessung von Getreide
In dieser Aufgabe wird eine Methode zur Bestimmung der Feuchtigkeit von Getreide thematisiert. Diese Größe wird im Folgenden kurz als Kornfeuchte bezeichnet. Bei der Messung der Kornfeuchte wird ein Plattenkondensator eingesetzt.
Zunächst wird ein Plattenkondensator allgemein betrachtet. Seine Kapazität kann über den Entladevorgang bestimmt werden. Als Entladezeit wird hier die Zeitspanne definiert, in der sich die Spannung
am Kondensator jeweils auf ein Drittel verringert. Mit dieser Entladezeit lässt sich die Kapazität
des Kondensators berechnen (siehe Material 1).
Beschreibe den Einfluss des im Schaltplan in Abbildung 1 (Material 1) dargestellten Widerstandes auf die Entladezeit
Berechne unter Verwendung des Mittelwertes der drei Entladezeiten in Material 1 die Kapazität
des Kondensators.
Leite die in Material 1 gegebene Gleichung zur Berechnung der Kapazität anhand des Spannungsverlaufs in der Entladezeit
her.
Nenne zwei Einflussgrößen, die bei der Bestimmung der Kapazität eines Kondensators durch die Methode in Aufgabenteil b) zu Messunsicherheiten führen können.
Erläutere deren Auswirkungen auf die berechnete Kapazität.
Informationen zur Kornfeuchte sind in Material 2 zusammengefasst. Bei einem Messgerät zur Bestimmung der Kornfeuchte wird das Messprinzip aus Teilaufgabe 1 angewandt (siehe Material 3).
Berechne unter Verwendung von Material 3 die Kapazität des im Kornfeuchtemessgerät verwendeten Plattenkondensators bei extrem trockenem Getreide und bei extrem feuchtem Getreide in der Einheit
Erläutere unter Einbeziehung von Material 3, dass durch die Messung der Entladezeit des Kondensators die Kornfeuchte
des Getreides ermittelt werden kann.
Es wurde eine Entladezeit von gemessen.
Ermittle die Kornfeuchte anhand der Referenzgeraden in Abbildung 3 (Material 3).
Vereinfachend soll bei allen Kapazitätsbestimmungen von einer relativen Messunsicherheit von ausgegangen werden. Dies bedeutet, dass die wahren Werte für die Kapazität um
von den ermittelten Werten nach oben oder unten abweichen können. Die Bestimmung der Kapazität des Plattenkondensators im Kornfeuchtemessgerät liefert einen Wert von
Ermittle das Kornfeuchteintervall das sich unter Berücksichtigung der Messunsicherheit bei der Kapazitätsbestimmung anhand der Referenzgeraden in Abbildung 3 (Material 3) ergibt.
Die Fläche des Plattenkondensators wird um einen Faktor vergrößert. Alle anderen Bedingungen bleiben gleich.
Erkläre, wie sich das Kapazitätsintervall verändert.
Erkläre, dass die Veränderung des Kapazitätsintervalls keine Auswirkung auf das damit ermittelte Kornfeuchteintervall
besitzt.
Ein Landwirt besitzt einen großen Getreidespeicher. Der Speicher soll mit frischem Getreide gefüllt werden, das möglicherweise getrocknet werden muss. Beim Befüllen des Kunststoffgefäßes des kapazitiven Kornfeuchtemessgerätes weicht der Landwirt von der Bedienungsanleitung (Material 3) ab, wodurch es
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(1) |
in einem Fall zu einer zu starken Verdichtung des Getreides, |
|---|---|
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(2) |
in einem anderen Fall zu einer unvollständigen Getreidefüllung |
im Zwischenraum des Plattenkondensators kommt.
Erkläre unter Verwendung von Material 3, dass sich im Fall (1) die Kapazität des Plattenkondensators vergrößert und im Fall (2) die Kapazität verkleinert.
Formuliere dazu unter Verwendung der Fachsprache kausal korrekt strukturiert eine Schrittfolge von Argumenten.
Leite unter Verwendung von Material 2 und Material 3 für die beiden Fälle (1) und (2) jeweils einen Nachteil ab, der sich für den Landwirt ergeben könnte.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Experiment zum Entladevorgang für die Kapazitätsbestimmung
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Folgende Geräte und Bauteile wurden verwendet:
Nach dem Aufladen des Kondensators wurde die Entladezeit |
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Abbildung 1: Schaltplan |
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Messung |
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Für die Kapazität des Kondensators gilt:
Material 2: Kornfeuchte
Als Kornfeuchte wird der prozentuale Anteil des Wassers bezeichnet, der sich in einem Getreidekorn befindet.
Bevor Getreide für längere Zeit gelagert wird, muss es ausreichend getrocknet werden, sodass die Kornfeuchte unter beträgt.
Bei nicht ausreichender Trocknung des Getreides können durch Schimmelbildung und Fäulnisprozesse schädliche Substanzen für Mensch und Tier entstehen. Die Trocknung kann hohe Energiekosten erzeugen.
Material 3: Kapazitive Messung der Kornfeuchte
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Die Kornfeuchte Dazu wird ein dünnwandiges Kunststoffgefäß vollständig mit Getreide ausgefüllt. An zwei gegenüberliegenden Wänden sind außerhalb zwei Metallplatten
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Abbildung 2: Messanordnung |
Der Plattenkondensator wird auf eine Spannung aufgeladen und dann über den Widerstand
entladen. Die Entladezeit
vom Beginn des Entladevorgangs bis zum Zeitpunkt, an dem am Plattenkondensator die Spannung
anliegt, ist ein Maß für die Kornfeuchte
Bedienungsanleitung für die Befüllung der Messanordnung
Das Einfüllen der Getreidekörner in das dünnwandige Kunststoffgefäß zwischen den Platten des Plattenkondensators in Abbildung 2 muss stets in gleicher Weise erfolgen. Durch leichtes Klopfen des befüllten Gefäßes auf einer Unterlage verteilen sich die Körner gleichmäßiger und rutschen nach. Größere Lufteinschlüsse können so vermieden werden. Schließlich wird der durch das Nachfüllen von Getreidekörnern entstandene Berg am oberen Gefäßrand sauber abgestreift.
Zusammenhang zwischen Kornfeuchte und Dielektrizitätszahl bzw. Kapazität
Bei einer ordnungsgemäßen Befüllung der Messanordnung mit extrem trockenem Getreide beträgt die Dielektrizitätszahl der Füllung Das Getreide besitzt in diesem Fall eine Kornfeuchte von
Mit extrem feuchtem Getreide ergibt sich eine Dielektrizitätszahl von
und eine Kornfeuchte von
Der Zusammenhang zwischen der Kornfeuchte
und der Dielektrizitätszahl
wird als linear angenommen.
In Abbildung 3 ist eine konkrete Referenzgerade für den Zusammenhang zwischen der Kornfeuchte und der Kapazität
des Plattenkondensators bei einem bestimmten Wert jeweils für den Plattenabstand
und die Plattenfläche
dargestellt.

Abbildung 3: Konkrete Referenzgerade
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Je größer der elektrische Widerstand desto länger dauert der Entladevorgang des Kondensators.
Berechnen der Kapazität
Zunächst wird der Mittelwert der drei gemessenen Entladezeiten berechnet:
Mit diesem Mittelwert sowie dem bekannten Widerstand lässt sich die Kapazität
bestimmen:
Herleitung der Gleichung
Die Spannung am Kondensator während des Entladevorgangs lässt sich durch folgende Gleichung beschreiben:
Nach Ablauf der Entladezeit ist die Spannung auf ein Drittel ihres anfänglichen Wertes gesunken. Einsetzen dieser Bedingung in die Gleichung ergibt:
Das entspricht der gesuchten Gleichung.
Für die Kapazität gilt:
Daraus folgt, dass zwei wesentliche Faktoren bei der Berechnung der Kapazität zu Unsicherheiten führen können:
-
Messunsicherheit der Entladezeit: Fällt die bei der Messung ermittelte Zeitdauer z.B. zu groß aus, resultiert daraus bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen ein zu großer Wert für die berechnete Kapazität.
-
Unsicherheit des Widerstandswerts: Wenn der in die Gleichung eingesetzte Wert für den Widerstand z.B. kleiner ist als der tatsächlich vorliegende Widerstand, wird unter sonst gleichen Bedingungen ebenfalls eine zu große Kapazität berechnet.
Die Kapazität des Plattenkondensators berechnet sich allgemein mit der folgenden Gleichung:
Für extrem trockenes Getreide ist die Dielektrizitätszahl gegeben. Daraus ergibt sich:
Für extrem feuchtes Getreide ist die Dielektrizitätszahl gegeben. Die Berechnung liefert somit:
Erläutern der Ermittlung der Kornfeuchte
Zuerst wird aus der gemessenen Entladezeit und dem bekannten Entladewiderstand
die Kapazität
des Kondensators berechnet. Dafür wird die in Teilaufgabe 1b hergeleitete Gleichung genutzt:
Anschließend wird für die so ermittelte Kapazität der zugehörige Wert der Kornfeuchte direkt aus dem Diagramm (Material 3, Abbildung 3) abgelesen.
Ermitteln der Kornfeuchte
Aus der gegebenen Entladezeit lässt sich mit der Gleichung aus Teilaufgabe 1b) die Kapazität berechnen:
Daraus ergibt sich eine Kornfeuchte von etwa
Ermitteln des Kornfeuchteintervalls
Für die Kapazität ist in der Aufgabenstellung der Wert angegeben.
Durch die angenommene relative Messunsicherheit von kann der gemessene Wert der Kapazität vom tatsächlichen abweichen. Es ergibt sich ein Intervall für die Kapazität von:
Werden die Grenzwerte dieses Intervalls ( bis
) aus dem Diagramm in Material 3 abgelesen, resultiert daraus das folgende Kornfeuchteintervall:
Erklären der Veränderung des Kapazitätsintervalls
Die Kapazität des Plattenkondensators berechnet sich allgemein mit der folgenden Gleichung:
Daraus folgt eine direkte Proportionalität zwischen der Kapazität und der Plattenfläche
Wird die Plattenfläche
des Kondensators um den Faktor
vergrößert, so vergrößert sich somit auch die Kapazität
um exakt diesen Faktor. Außerdem gilt
die absolute Unsicherheit wächst also auch mit
Erklären der Auswirkung auf das Kornfeuchteintervall
Die Kapazitätswerte vervielfachen sich dementsprechend mit Da die Differenz der Kornfeuchtewerte (
) von der Fläche
unbeeinflusst bleibt, verändert sich die ursprüngliche Steigung
der Geraden zu einer neuen Steigung
Die Steigung der Geraden ist somit indirekt proportional zum Flächenvergrößerungsfaktor und verringert sich um den Faktor
Gleichzeitig verbreitert sich bei einer konstanten relativen Messunsicherheit von auch das zugehörige Kapazitätsintervall
um den Faktor
Das Kornfeuchteintervall
berechnet sich somit wie folgt:
Die beiden Faktoren heben sich in der Berechnung gegenseitig auf. Das ermittelte Kornfeuchteintervall bleibt daher bei einer reinen Vergrößerung der Kondensatorplatten unverändert.
Befinden sich Getreidekörner im Kunststoffgefäß zwischen den Kondensatorplatten, so existiert dort stets auch ein gewisser Anteil an Luft.
-
Fall (1) – Zu starke Verdichtung: Werden die Körner zu stark verdichtet, verringert sich der Luftanteil im Raum zwischen den Körnern. Da Luft eine deutlich geringere Dielektrizitätszahl aufweist als Getreide, steigt die resultierende Dielektrizitätszahl der Mischung an, sobald der Luftanteil abnimmt. Gemäß der Gleichung zur Berechnung der Kapazität
führt ein größerer Wert für die relative Dielektrizitätszahl
bei ansonsten unveränderten Bedingungen zwingend zu einer vergrößerten Kapazität
-
Fall (2) – Unvollständige Befüllung: Bleibt das Gefäß unvollständig befüllt, befindet sich im Vergleich zur korrekten Befüllung deutlich mehr Luft zwischen den Platten. Die resultierende Dielektrizitätszahl der Mischung fällt dadurch geringer aus. Analog zur obigen Argumentation führt diese Verkleinerung von
gemäß der Gleichung
bei ansonsten unveränderten Bedingungen dazu, dass die resultierende Kapazität
sinkt.
-
Nachteil im Fall (1) – Zu starke Verdichtung: Aufgrund der vergrößerten Kapazität
zeigt das Kornfeuchtemessgerät fälschlicherweise einen zu hohen Wert für die Kornfeuchte
an. Die tatsächliche Feuchtigkeit des Getreides ist in der Realität geringer. Trocknet der Landwirt das Getreide nun basierend auf dieser Messung auf den für die Lagerung geforderten Zielwert von unter
so trocknet er das ohnehin schon trockenere Getreide über das nötige Maß hinaus. Dieser übermäßige und unnötige Trocknungsvorgang verursacht unnötig hohe Energiekosten.
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Nachteil im Fall (2) – Unvollständige Befüllung: Durch die verkleinerte Kapazität
zeigt das Gerät fälschlicherweise einen zu niedrigen Wert für die Kornfeuchte
an. Das Getreide ist also in Wahrheit feuchter als gemessen. Verlässt sich der Landwirt auf diesen Wert und bricht die Trocknung vermeintlich rechtzeitig bei
ab, ist das Getreide für die Lagerung noch zu nass. Bei dieser nicht ausreichenden Trocknung können durch Fäulnisprozesse und Schimmelbildung Substanzen entstehen, die für Mensch und Tier schädlich sind, wodurch das Getreide verdirbt.

